Gustav Klimt

Wer war Gustav Klimt?

Gustav Klimt (1862–1918) prägte als Künstler und Kämpfer für die Avantgarde die Wiener Moderne, war er doch einer der Mitbegründer der Wiener Secession, deren erster Präsident und der führende Maler des Jugendstils. Als herausragender Porträtist hielt er Salondamen der Wiener Gesellschaft in goldenem oder ab 1910 in farbenprägtigem Ambiente fest. Der Landschaftsmaler Klimt ließ sich vom Attersee und dessen Umgebung inspirieren, wo er zwischen 1900 und 1916 nahezu jedes Jahr die Sommerfrische verbrachte. Doch sind es seine  femmes fatales, Inszenierungen von genauso verführerischen wie todbringenden Frauen, die maßgeblich zu seinem Weltruhm beitrugen: Pallas Athene, Judith, die Wasserschlangen. „Der Kuss“ hingegen zeigt ein Liebespaar vor goldenem Grund, die romantische Verschmelzung von Mann und Frau auf einer einsamen, aber idyllischen Blumenwiese. Dieses in Auseinandersetzung mit der ebenso berühmten Interpretation eines Kusses von Auguste Rodin entstandene Meisterwerk Klimts begeistert auch mehr als 110 Jahre nach seiner Entstehung ein weltweites Publikum.

Als Mensch ist Gustav Klimt schwer fassbar. Er galt als menschenscheu und zog sich im Laufe seines Lebens immer mehr zurück. Dass er nie den Bund der Ehe einging und stattdessen mit seiner Mutter und zwei ebenso unverheirateten Schwestern in einer einfachen Wohnung lebte, zeigt ebenso seinen Wunsch nach Privatheit. Der Gegensatz zum sozialen Auftreten von Hans Makart, dem Salonmaler und Malerfürsten, der freitags sein Atelier für die High-Society von Wien öffnete, könnte nicht größer sein. Auch dass er mindestens sechs uneheliche Kinder zeugte, für die er finanziell aufkam, die er aber nicht adoptierte, lassen den „Maler der Frauen“ aus heutiger Perspektive wenig vorbildhaft erscheinen. Zweifellos war Klimt kein Anhänger des Feminismus, auch wenn er mit seiner Lebensfreundin Emilie Flöge ein selbstbewusst agierende Geschäftsfrau in seiner unmittelbaren Nähe wusste.

 

Früher Erfolg als Dekorationsmaler

Gustav Klimt kam als Sohn eines Ziseleurs zur Welt und wurde bereits in jungen Jahren in die Ausführung der Arbeiten seines Vaters eingebunden. Dies wirkte sich schon früh auf seine Ausbildung an der k. u. k. Kunstgewerbeschule positiv aus, denn er wusste schon früh um die Wirkung edler Materialien und konnte zwischen unterschiedlichen Legierungen und Oberflächen der Edelmetalle differenzieren. Die frühesten erhaltenen Zeichnungen zeigen bereits, wie gekonnt Gustav Klimt dreidimensionale Wirkung zu erzielen vermochte. Seit seiner Jugend verdiente er sich ein Zubrot, indem er Fotografien in Miniaturen abmalte. Diese Auseinandersetzung mit dem Porträt würde seiner späteren Karriere als Porträtist des großbürgerlich-liberalen Wien große Dienst leisten.

Die Ausbildung zum Dekorationsmaler an der Wiener Kunstgewerbeschule dauerte von 1876 bis 1883. Obwohl kurz vor Beendigung der Ausbildungszeit wichtige Förderer Klimts verstarben, entschied sich dieser nicht für eine Anstellung als Lehrer, sondern für eine Karriere als freischaffender Künstler. Von Beginn an integrierten Klimts Professoren ihren Studenten als Dekorationsmaler an der Ringstraße.

 

Klimt und die Künstler-Compagnie

Gustav Klimt schloss sich mit seinem jüngeren Bruder Ernst Klimt (1864–1892) sowie dem Studienkollegen Franz Matsch (1861–1942) zur sogenannte Künstler-Compagnie zusammen, die bis zum frühen Ableben Ernst Klimts 1892 Bestand hatte. Gemeinsam feierten sie erste große Erfolge als Ausstatter von Theatern und öffentlichen Gebäuden.

Die Künstler-Compagnie arbeitete zwischen 1882 bis 1886 an der Ausstattung von Theaterbauten in den Kronländern. Das Architektur-Büro Fellner & Helmer plante Theaterbauten in Reichenberg, Karlsbad und Rijeka. Weiters arbeitete Klimt und die Künstler-Compagnie für das rumänische Königsschloss in den Karpaten (1883/84) und daran anknüpfend in der Heimatstadt Wien die Deckengemälde für das neue Burgtheater (1886–1888) und die Zwickel- sowie Interkolumnienbilder für das Treppenhaus des Kunsthistorischen Museums (1890/91).

Die wichtigsten Werke des etwa 30-jährigen Klimt befinden sich an der Wiener Ringstraße: die Deckengemälde für das Burgtheater (1886–1888) sowie die Stiegenhausdekorationen des Kunsthistorischen Museums (1891/92 → Klimts Dekoration im Kunsthistorischen Museum: Stairway zu Klimt). Für die Arbeit im Burgtheater wurde der Compagnie dann auch noch das Goldene Verdienstkreuz durch Kaiser Franz Joseph I. (1830–1916) verliehen. Gustav Klimt begann parallel dazu erste Gesellschaftsporträts zu malen. Er wurde als Mitglied des k. k. Künstlerhauses aufgenommen und galt unter den Zeitgenossen als „Nachfolger von Hans Makart“.

 

Gründung der Wiener Secession und Durchbruch zum Jugendstil

Mitte der 1890er Jahre durchlebte Gustav Klimt eine Krise. Sowohl sein jüngerer Bruder als auch sein Vater verstarben im Jahr 1892 unerwartet, Klimt übernahm die Vormundschaft für seine Nichte Lentschi. Er fing an, sich für die Kunst der Präraffaeliten, etwa Edward Burne-Jones (1833–1898), Dante Gabriel Rossetti (1828–1882) und Frederic Lord Leighton (1830–1896) sowie für den französischen Maler William Adolphe Bouguereau (1825–1905) zu interessieren. Mit Fernand Khnopff (1858–1921) fand er schließlich im belgischen Symbolismus Inspirationen dafür, wie sich sein ästhetisches Empfinden künstlerisch sowohl im Porträt als auch in seinen ersten Landschaften umsetzen ließ. Erst mit der Gründung der Wiener Secession 1897, der Klimt als erster Präsident vorstand, und seine Hinwendung zur Formensprache der Avantgarde - Jugendstil und Symbolismus - konnte er die künstlerische Sackgasse überwinden.

Ab Mitte der 1890er Jahre arbeiteten Gustav Klimt und Franz Matsch am Staatsauftrag der sogenannten Fakultätsbilder und an zwei Supraporten für den Musiksalon im Palais Dumba. Der Klimt der Jahre 1898 und 1899 trat mit Bildern wie „Pallas Athene“, „Nuda Veritas“ und dem „Porträt Sonja Knips“ mit geheimnisvollen, erstmals auch mit Goldblatt gestalteten Werken hervor. Mit dem Porträt „Sonja Knips“ gelang Gustav Klimt der Durchbruch als Porträtist.

 

Fakultätsbilder

Der 1894 an Gustav Klimt und Franz Matsch vergebene Auftrag zu den Fakultätsbildern für die Decke des Großen Festsaals der Universität Wien provozierte nach jahrelanger öffentlicher Diskussion um die Bilder die Auflösung der Zweiergemeinschaft. Matsch machte Karriere als Gesellschaftsporträtist, während Klimt sich gleichsam zurückzog. Seine Klientel setzte sich aus wenigen, jedoch äußerst begüterten Familien Wiens zusammen, die meist eine jüdische Abstammung hatten und liberal eingestellt waren. Der Skandal um die allegorischen Darstellungen von Medizin, Philosophie und Jurisprudenz beschäftigte Gustav Klimt bis 1905, als er offiziell von diesem Auftrag zurücktrat und das bereits erhaltene Geld im April 1905 dem Ministerium zurückerstattete. Damit gingen die Monumentalbilder in seinen Besitz über. Die Werke wurden von Sammlern, darunter sein Künstlerkollege und Freund Koloman Moser, erworben. Sie gelangten während der 1920er Jahre in die Österreichische Staatsgalerie (heute: Belvedere) und verbrannten 1945 in Schloss Immendorf.

Dennoch stellte sich der Auftrag um die Fakultätsbilder wohl als Glücksfall im Leben Klimts heraus. Seine neuartigen Interpretationen der Fakultäten machten den Landschaftsmaler und genialen Kunst-Organisator Carl Moll (1861–1945) auf Klimt aufmerksam. In ihm glaubte Moll, ein verborgenes Genie zu entdecken. Es dürfte Moll gewesen sein, der Klimt einlud, die Wiener Secession mitzubrgründen und der dessen Präsidentschaft unterstützte. Wären die Fakultätsbilder nicht 1945 verbrannt, würden sie wohl heute als Klimts bedeutendste Schöpfungen gelten.

 

Goldene Jahre

Diese „Goldene Periode“ kann zwischen 1899 und etwa 1910 datiert werden. Gleichzeitig widmete er sich auch erstmals der Landschaftsmalerei, die durch Klimts Aufenthalte am Attersee (Salzkammergut) inspiriert wurde.

 

Gefragter Gesellschaftsmaler

Ab 1899 wurde Gustav Klimt vor allem als „Maler der Frauen“ berühmt. Klimt lernte diese Frauen, von denen die meisten aus dem jüdisch-liberalen Großbürgertum stammten, mittel- und unmittelbar durch Carl Moll und seinen Kreis kennen. Er pflegte teils freundschaftlichen Umgang mit ihnen. Viele malte er, allerdings weitaus nicht alle, die sich das wünschten. Er musste sich für die zu Porträtierende interessieren, sonst halfen weder großzügige Honorare noch Auftragsangebote. Diese Bilder waren mehr als ein bedeutender Werkblock, der Klimts künstlerische Selbstständigkeit und stilistische Radikalität offenbarte und ihn zudem finanziell unabhängig machte.

Gustav Klimt malte in den 19 Jahren zwischen 1898 und 1917 knapp 20 repräsentative Damenbildnisse. Es wären vermutlich deutlich mehr geworden, wenn nicht durch den Ersten Weltkrieg und die damit einhergehende Not und Erschütterung der bürgerlichen Ordnung die Aufträge ausgeblieben wären. Klimt schuf etwa ein großformatiges Frauenbildnis pro Jahr, in denen er die Prinzipien des Jugendstil – Flächigkeit, Dekor, Goldblattauflage – anwandte.

Sonja Knips

Mit dem Porträt„Sonja Knips“ (Belvedere) gelang Gustav Klimt 1898 der Durchbruch sowohl als Porträtist wie auch als Maler. Er fand in den Bildnis zu einem Stil, bei dem zunächst belgischer Symbolismus mit viktorianischer Malerei verschmolz. Er zeigt Sonja Knips bildparallel in einem rosafarbenen Tüllkleid sitzen. Gespannt dreht sich die Dargestellte aus dem Bild. Orchideen hängen oben in den Bildraum, der im Hintergrund in ein schattiges Dunkel gehüllt ist. Es war Klimts erster einträglicher Porträtauftrag. Klimts Entschluss, das Bild im November 1898 in der zweiten Ausstellung der Wiener Secession zu zeigen, machte ihn zum Gesellschaftsporträtisten par excellence.

Symbolistisch-postimpressionistische Porträts

In der Folge arbeitete Gustav Klimt in seinen großformatigen Frauenporträts mit einer interessanten und höchst eigenwilligen Mischung verschiedenster stilistischer Einflüsse: Es zeigen sich impressionistische, postimpressionistische, symbolistische und asiatische Stilelemente, die der Wiener Maler über die Jahre immer freier kombinierte.

  • 1898 Sonja Knips
  • 1899 Serena Lederer
  • 1900 Gertrude Steiner: Knips bis Steiner Bilder sind stark vom belgischen Symbolismus beeinflusst, allen voran vom belgischen Mystiker Fernand Khnopff, dessen Arbeiten Klimt auf der Ausstellung der Secession 1898 gesehen hatte, und von James Abbott McNeill Whistler (1834–1903), der bereits ein Jahr zuvor bei der Secession in Wien zu sehen gewesen war.
  • 1901/02 Marie Henneberg (Moritzburg, Halle/Saale): Mit dem Bildnis der Ehefrau des berühmten Naturwissenschaftlers und Kunstfotografen Hugo Henneberg (1863–1918), zeigte Klimt eine weitere Entwicklung seines Stils. Das repräsentative Werk wurde erstmals zusammen mit Gummidrucken von Hugo Henneberg und Heinrich Kühn (1866–1944) 1902 in einer Ausstellung der Secession ausgestellt. Die Handschrift ist nun postimpressionistisch, mit verringerter Konturenschärfe und fließenden Übergängen. Im Bildnis Marie Henneberg haben nur das Gesicht der Dargestellten und die Spitzenvolants ihres Kleides etwas fassbar Gegenständliches an sich. Die bekannten zeichnerischen Studien zum Bildnis Marie Henneberg weisen auf Sitzungen des Modells mit dem Künstler hin. Aber wie seit seinen ersten Porträtaufträgen gewohnt, vollendete Klimt das Gemälde nach einer Fotografie seitenverkehrt und entsprechend variiert – auch das war für den Künstler bereits eine vertraute Methode. Das gilt für das Bildnis Marie Henneberg genauso wie für die Porträts von Sonja Knips, Emilie Flöge, Margarethe Stonborough-Wittgenstein, Fritza Riedler, Adele Bloch-Bauer und viele andere mehr.
  • 1902 Gertrud Löw
  • 1904 Hermine Gallia: Klimt versuchte hier noch einmal an den Malstil des Porträts von Marie Henneberg anzuschließen
  • 1906 Fritza Riedler (Belvedere)
  • 1907 Adele Bloch-Bauer I (Neue Galerie, New York)

Gertrud Löw

Anlässlich seines 55. Geburtstags bestellte der berühmte Mediziner Anton Loew (1847–1907) im Jahr 1902 ein Bildnis seiner 19-jährigen Tochter Gertrud bei Gustav Klimt. Der nervöse, vom französischen Postimpressionismus beeinflusste Duktus, der sich in den vorangegangenen repräsentativen Porträts vor allem in der flirrenden, unruhigen Hintergrundbehandlung ausdrückte, weicht im Bildnis „Gertrude Löw“ zunehmend homogen ausgearbeiteten Flächen. Klimt legte in dem Porträt den Fokus auf Gesicht und Hände. Wie schon zuvor sind der jungen Mademoiselle ein blasser Teint, gerötete Wangen, ein flacher Brustansatz sowie keine sichtbaren Füße eigen - Füße stellte Gustav Klimt bis 1912 nicht dar.

Adele Boch-Bauer, die „Goldene Frau“

Das berühmteste Frauenporträt ist zweifellos das erste von Adele Bloch-Bauer, die er in seinen späteren Jahren ein weiteres Mal festhielt (→ Gustav Klimt: Adele Bloch-Bauer I und Adele Bloch-Bauer II). Im Vergleich zu den frühen Bildnissen, die Gustav Klimt nach den Prinzipien des Realismus gestaltete, lässt er nun die Dargestellte hinter dem ornamentierten Goldmosaik verschwinden. Einzig Kopf, Dekollette und Hände bleiben erhalten, während Körperlichkeit auch des Sessels, auf dem Adele Bloch-Bauer sitzt, in einer flächigen Gestaltung aufgeht. Das repräsentative Porträt großbürgerlicher Frauen, das kurz nach 1900 durch die Fotografie beispielsweise im Atelier Madame d'Ora in Bedrängnis geriet (→ Madame d’Ora: Pionierin der Porträtfotografie in Wien und Paris), fand durch Klimt einen würdigen Höhepunkt.

In fortschreitendem Maß entkörperlichte und entpersonalisierte Gustav Klimt die dargestellten Frauen. Hintergrund und Kleidung gehen optisch ineinander über, sind kaum mehr voneinander unterscheidbar. Das führt zum Eindruck, dass Adele Bloch-Bauer nicht den Bildraum beherrscht, sondern dass ihr Kopf, Dekollete und ihre Hände gleichsam schwebend auf der Fläche angedeutet werden. Die Frau, so suggeriert Gustav Klimt, ist gleichsam in ein Ornament verwandelt, dessen wichtigste Funktion war, den heimischen Salon zu schmücken.

 

Klimts Femmes fatales

Gleichzeitig widmete sich Gustav Klimt der Darstellungen von Allegorien und alttestamentarischen Heldinnen, die er jedoch zu gefährliche Femmes fatales verwandelte. Eros, Sexualität und Weiblichkeit wurden von ihm mannigfaltig als lockende Gefahr interpretiert wie beispielsweise in „Irrlichter“. Leben, Liebe und Tod können als die wichtigen Themen des Klimt’schen Schaffens bestimmt werden.

In diesem Sinne gestaltete er auch den „Beethovenfries“ als Einleitung zur XIV. Ausstellung der Wiener Secession, mit dem er auf die Figur von Ludwig van Beethoven zuführte (→ Rockenschaub "Plattform" für Klimts Beethoven-Fries Ι Gustav Klimt. Zeichnungen zum Beethovenfries). Die bösen Mächte, die das Leben bedrohen sind Krankheit, Tod und Wahnsinn (Syphilis), nagender Kummer wie auch die erotisch-sexuellen Gelüste. Nur die Künste – Musik, Poesie und Malerei –, ergänzt durch Natur (Blumen) und romantische Liebe (Liebespaar am Ende) vermögen, die irdische Unzulänglichkeit zu sublimieren.

 

Sommerfrische am Attersee

Als Erholung empfand der Maler daher auch seine Sommerfrische am Attersee, wohin er zwischen 1900 und 1916 mit wenigen Unterbrechungen nahezu jedes Jahr zurückkehrte (→ Gustav Klimt: Am Attersee (1900)). In den Sommern ab 1900 entstanden Klimts berühmteste Landschaftsgemälde. Ab 1900 machten die Landschaften schließlich die Hälfte seines Œuvres aus und summierten sich auf wenige mehr als 50 Werke. 

Im Salzkammergut und seltener in Oberitalien und Bad Gastein widmete sich Gustav Klimt der Landschaftsmalerei - die Großstadt Wien weckte kein Interesse bei dem inzwischen international gerühmten Maler. Klimt malt seine Landschaften in Zeiten der Entspannung und ohne Auftraggeber, die ihn durch ihre Erwartungen einschränkten. Am Attersee fand er Ruhe, meist regnerisches Wetter und grüne Wiesen, Bauerngärten und Waldeinblicke vor, denen er in quadratischen Bildern Tribut zollte. Klimt liebte das Salzkammergut, wie aus der Korrespondenz des häufige reisenden Künstlers hervorgeht. Vor allem das saftige Grün, das seine Landschaftsbilder dominiert, gefiel seinem Auge. Gustav Klimt reiste nicht alleine an den Attersee, sondern wurde immer von der Familie Flöge begleitet - oder er stieß zu derm mit ihm verschwägerten Familie dazu. Auffallend ist, dass er weder Emilie Flöge noch die Kinder,  seine Reisegefährten oder die heimische Landbevölkerung in seine Landschaftsbilder aufnehmen wollte. Reine, scheinbar unberührte Natur, dramatische Wolkenstimmungen, Wasseroberflächen, bunte Bauernblumen, Blumenwiesen und Obstbäume, einsame, von Efeu überwucherte Landhäuser dominieren Klimts Werk.

„Liebe Mizzi! Heute Sonntag – regnet es natürlich wieder in Strömen, es ist schon zu dumm – ich habe im Ganzen nicht mehr als höchstens fünf halbwegs schöne Tage gehabt. – ein Tag schön und 3 oder 4 Tage Regenwetter. Mit den Landschaftsbildern schaut es demgemäß sehr traurig aus, ich habe vorläufig erst zwei angefangen, und die wollen gar nicht vorwärts gehen, die anderen BiIder, welche ich im Zimmer malen kann, kommen ein klein wenig besser vom Fleck, aber auch hier lässt die Geschichte sehr zu wünschen übrig. Also wie du siehst liebe Mizzi schau ich recht windig aus mit meinen Schöpfungen.“1 (Gustav Klimt an Maria Ucicka, Sommer 1903)

Die Sommermonate zwischen 1900 und 1907 verbrachte Gustav Klimt mit seiner verschwägerten Familie in Litzlberg am Nordufer des Attersees. Zwischen 1908 und 1912 residierte er in der Villa Oleander in Kammerl.

Alle seine ab 1900 entstandenen Landschaftsgemälde sind quadratisch und fokussieren einen Landschaftsausschnitt. Er interessierte sich nicht für das Panorama oder heroische Alpenlandschaften, sondern für ganz alltägliche, anspruchslose Motive wie ländliche Gärten, Wiesen, Obstbäume und Blumen. Er malte Bauernhäuser als Teil der üppigen Vegetation, Weiher, Sümpfe, das Seeufer, den Attersee und Bäume in den nahen Tannen-, Buchen-, Fichten- und Birkenwaldgruppen. Später kamen Ortschaften und Parkanlagen dazu, aber auch die sind eher anonym und gucker unbewegte, zeit- und ortlose Aufnahmen von Kulturlandschaften. Mit dem freien Auge, dem Opernglas und dem Fernrohr filetierte Gustav Klimt vom Bootshaus der Villa Oleander aus die Landschaft in Raumzonen (Bootshaus, Schloss Kammer und Seewalchener Kirchturm) und vereinigte sie nach jeweils unterschiedlicher optischer Bewertung (nah und fern) in einem neuen Raumgefüge. Das Fehlen beziehungsweise das sehr hohe Ansetzen des Horizonts ermöglichte im Zusammenspiel mit Schattenlosigkeit, Bildflächenparallelität, Silhouettenform und kleinteiliger Farbtextur ein Höchstmaß an flächenhafter Wirkung bei Aufrechterhaltung der realistisch-illusionistischen Bildauffassung.

 

Kunstschau 1908 und 1909

Auffassungsunterschiede und Streitigkeiten zwischen den Mitgliedern der Secession und vor allem Carl Molls neues Engagement für die Galerie Miethke führte 1905 zum Austritt der sogenannten Klimt-Gruppe aus der Secession. Klimt gründete 1906 den Österreichischen Künstlerbund und organisierte mit seinen Freunden, wie etwa Josef Hoffmann (1870–1956), 1908 die „Kunstschau“ nach Vorbild der Weltausstellungen. Auf dem Gelände des heutigen Konzerthauses und des Eislaufvereins entwarf Josef Hoffmann eine gewaltige „Mustersiedlung“, in der Kunst und Leben miteinander verschmolzen. Das Ausstellungskomitee lud etwa 200 aus nahezu sämtlichen Kronländern stammende Künstler ein, Beiträge zu liefern. Erstmals konnte die jüngere Generation österreichischer Künstler - wie Oskar Kokoschka - in einer Leistungsschau das gesamte künstlerische Potenzial der Monarchie in Wien präsentieren. Mit 71 teilnehmenden Künstlerinnen waren weibliche Positionen so stark vertreten, wie nie zuvor.

Die Kunstschau 1908 umfasste von einem Klimt-Raum, in dem erstmals „Der Kuss“ (1907/08) ausgestellt war, bis zu einem Friedhof mit künstlerisch gestalteten Grabstätten und Grabkreuzen konnten sich die Besucherinnen und Besucher davon überzeugen, dass der Jugendstil in der Wiener Variante formal, inhaltlich wie stilistisch höchst geeignet war, damit das Leben zu gestalten. Dafür hatten Josef Hoffmann und Koloman Moser 1903 die Wiener Werkstätte gegründet und gerade mit dem Auftrag für das Palais Stoclet in Brüssel eine mustergültige Gelegenheit, dies weiter zu bekräftigen. Gustav Klimt entwarf für das Speisezimmer des Palais Stoclet den berühmten Stoclet-Fries, dessen Entwürfe im MAK aufbewahrt werden: Der alles verbindende Lebensbaum zählt heute zu den bekanntesten Motiven aus Gustav Klimts Werk (→ Gustav Klimt: Lebensbaum – Erwartung – Erfüllung – Ritter).

 

Der Kuss

Mit dem Gemälde „Der Kuss“ (1907/08, Belevedere) gelang Gustav Klimt DIE Ikone der Liebe (→ Gustav Klimt: Der Kuss (1907/08)). Vor goldenem Sternenmeer finden Mann und Frau für einen ewig scheinenden Moment zueinander. Das Männliche (schwarz-weiße Rechtecke) und das Weibliche (farbige Blumen, runde Formen) vereinen sich troz ihrer Gegensätze in einer goldenen Aureole. Der Abgrund hinter den Füßen der Frau wird unterschiedlich gedeutet; zum einen kann er jenen entrückten Platz auf einer Bergspitze andeuten, zum anderen aber auch eine Gefahrenquelle symbolisieren.

Präsentiert wurde Klimts „Liebespaar [Kuss]“ in einem großen Saal gemeinsam mit weiteren 15 seiner bedeutendsten Gemälde, darunter „Die drei Lebensalter der Frau“ (1905, GNAM, Rom), die Bildnisse „Fritza Riedler“ (1906, Belvedere) und „Adele Bloch-Bauer I“ (1907, Neue Galerie, New York), „Danae“ (1907/08, Privatbesitz) und die „Sonnenblume“ (1907, Belvedere).

 

Farbenprächtiges Spätwerk

Einer der Höhepunkte der Ausstellungsbeteiligungen von Gustav Klimt war 1910 die Einladung zur 9. Biennale von Venedig. Die begeisterte Aufnahme von Klimt resultierte darin, dass sein Hauptwerk „Salome“ (1909) von der Stadt erworben wurde. Im folgenden Jahr kaufte die Stadt Rom aus der Internationalen Kunstausstellung „Die drei Lebensalter der Frau“ (1905). In den folgenden Jahren entdeckte Klimt gemeinsam mit Emilie Flöge den Gardasee, wo mehrere Landschaften entstanden. Aus gesundheitlichen Gründen verbrachte Emilie Flöge einige Kuraufenthalte in Bad Gastein. Auch hier widmete sich Klimt der Landschaftsmalerei.

Stilistisch löste sich Klimt um 1910 von seiner „Goldenen Periode“ und wandte sich – offensichtlich in Auseinandersetzung mit den französischen Fauves rund um Henri Matisse – einem leuchtenden Kolorit zu. Gustav Klimt hatte 1909 auf der zweiten, nun internationalen Kunstschau Werke von u.a. Vincent van Gogh, Paul Gauguin, Henri Matisse, Pierre Bonnard, Eduard Vuillard, Félix Vallotton und Maurice Denis sehen können. Danach wandte er sich der farbenprächtige französischen Malerei zu und ließ sich davon inspirieren. Der malerische Duktus dieser Bilder wurde intensiver, die Palette schloss mehr Farbtön ein, die Frage der Vollendung eines Werks drängender.

Den Ersten Weltkrieg verbrachte Gustav Klimt in Wien und am Attersee im Forsthaus bei Weißenbach (1914–1916). So ist bezeichnend, dass der Maler am Attersee vom Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Juli 1914 aus einer Zeitung erfuhr. Von den etwa 35 während der Kriegsjahre entstandenen Gemälden sind vermutlich nur sieben Porträts auf Wunsch eines Auftraggebers entstanden. Dennoch hielt Gustav Klimt an seinem sehr präzisen Tagesablauf fest und arbeitete unter der Woche täglich, aber auch immer wieder an Wochenenden und Feiertagen, in seinem Atelier. Zu seinen letzten monumentalen Werken zählen die Gemälde „Braut“ (1917/18, Privatbesitz, Dauerleihgabe Belvedere) und „Baby“ (1917), die gemeinsam mit den etwas früher entstandenen Bildern „Jungfrau“ (1913) und „Tod und Leben“ (1915/16, Leopold Museum) vielleicht als Lebenszyklus gedacht waren.

In diesen Jahren besuchte Gustav Klimt häufig die Familie Primavesi in Winkelsdorf in Mähren. Kurz nachdem er von einem Silvesteraufenthalt 1917/18 wieder nach Wien zurückgekehrt war, erlitt Gustav Klimt am 11. Januar 1918 einen Hirnschlag, der ihn halbseitig lähmte. Er starb am 6. Februar 1918 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien an den Folgen und wurde am 9. des Monats am Hietzinger Friedhof beerdigt.

 

Ehe(n)

  • Unverheiratet

 

Freundinnen, Lebensabschnittspartnerinnen und Mütter von Klimts Kindern

  • Emilie Flöge (30.8.1874–26.5.1952): Wie auch immer die Beziehung von Emilie Flöge und Gustav Klimt gewesen sein mag, ihr schrieb er täglich offenbar mehrere Korrespondenzpostkarten und ließ sie an sein Sterbebett kommen. Die etwa 400 erhaltenen Korrespondenzpostkarten sind nur ein kleiner Ausschnitt der ursprünglichen Masse an Briefen, die beide einander lebenslang geschrieben haben. Ob die Freundschaft zwischen Klimt und seiner Schwägerin Emilie Flöge in den 1880ern als Liebesgeschichte begann oder nicht – die unverheiratete Emilie war zeitlebens die „Frau an Klimts Seite“.
  • Marie Zimmermann, genannt Mizzi (1879–1975)
  • Maria Ucicky [Učická] (1880–1928)
  • Consuela Camilla „Ella“ Huber (1896-1978)

 

Kinder (anerkannt, aber nicht adoptiert)

  • Gustav Ucicky (6.7.1899–26.4.1961)
  • Gustav Zimmermann (August 1899– 1976)
  • Otto Zimmermann (1902)
  • Gustav Huber (1912–1989)
  • Charlotte Huber (1914–1915)
  • Wilhelm Huber (1915–1943)

 

Mitgliedschaften

  • Genossenschaft bildender Künstler Österreichs, Künstlerhaus Wien (1891–1897)
  • Mitbegründer und erster Präsident der Wiener Secession (1897–1905)
  • Ehrenmitglied der Königlich Bayerischen Akademie der bildenden Künste in München (12.3.1906)
  • Mitbegründer und Präsident des Bundes Österreichischer Künstler, Kunstschau (1908–1918)
  • Mitglied der Sächsischen Akademie der bildenden Künste in Dresden (25.5.1916)
  • Mitbegründer und erster Präsident der „Kunsthalle“, einer Ausstellungs- und Arbeitsgruppe von Malern, Schriftstellern und Musikern (1917/18)

 

Beiträge zu Klimts Kollegen, Freunden und Zeitgenossen

Alle Beiträge zu Gustav Klimt auf ARTinWORDS

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Klimts Dekoration im Kunsthistorischen Museum: Stairway zu Klimt Klimtbrücke und Präsentation der „Nuda Veritas“

Zum 100. Todestag von Gustav Klimt (1862–1918) können BesucherInnen im Kunsthistorischen Museum die einzigartigen Gemälde des Meisters, die in einer Höhe von 12 Metern über der Eingangshalle in die Säulen- und Arkadenarchitektur des Stiegenhauses eingebettet sind, aus nächster Nähe bewundern.
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Anlässlich des 100. Todestags von Gustav Klimt (1862–1918) rückt das MAK einen Höhepunkt seiner Sammlung, die Entwürfe des Künstlers für den Mosaikfries im Speisesaal des Brüsseler Palais Stoclet, in den Fokus: „KLIMT’S MAGIC GARDEN“ ist ein Virtual-Reality-Experiment, inspiriert von Klimts Meisterwerk „Erwartung und Erfüllung“.
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„Der Kuss“ – eine Ikone der Liebe, ein Hauptwerk von Gustav Klimt und dem Belvedere, wo es sich seit 1908 befindet.
30. Dezember 2017
Moritz Nähr, Gustav Klimt mit Katze, Detail

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30. Dezember 2017
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Klimt und die Antike Griechische Vasenmalerei als Inspirationsquelle für Gustav Klimt

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6. Januar 2017
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Im Jahr 1907 vollendete Gustav Klimt das erste Porträt von Adele Bloch-Bauer, das als „Adele Bloch-Bauer I“ neben dem „Kuss“ zweifellos das bekannteste Frauenbildnis des Wieners ist. Die Neue Galerie gruppiert zu „Adele Bloch-Bauer I“, „Adele Bloch-Bauer II“ und weitere Fraunebildnisse aus der gesamten Lebensspanne des Wieners.
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Wie reagierten Künstler auf die Erfindung der Fotografie? Oder vielleicht doch besser: Hatten sie Angst vor der Fotografie? Monika Faber fragt gemeinsam mit dem Belvedere im Sommer 2016 nach den Reaktionen von Malern auf die neue Technologie. Fürchteten sich Maler wirklich vor dem neuen Medium, und wie gingen sie mit ihm um?
10. Juni 2016
Gustav Klimt – Emilie Flöge, Ausstellung im Gustav Klimt Zentrum am Attersee 2016, Installationsansicht: Alexandra Matzner.

Gustav Klimt – Emilie Flöge Reform der Mode, Inspiration in der Kunst

Gustav Klimt (1862–1918) und Emilie Flöge (1874–1952) waren ein kreatives Power-Paar, das sich gegenseitig künstlerisch antrieb und unterstützte. Trotz akribischer Spurensuche bleibt jedoch Emilie Flöge die große Unbekannte an der Seite des österreichischen Malers.
26. September 2015
Gustav Klimt, Beethovenfries: Diesen Kuss der ganzen Welt, 1901-1902, Gesamtmaße 2,15 m x 34,14 m, Mischtechnik, Belvedere, Wien / Leihgabe in der Secession, Wien © BDA.

Gustav Klimts Gold für das Paradies Vergoldungstechnik im Beethovenfries

Zu den bekanntesten Werken aus Gustav Klimts (1862─1918) „Goldener Periode“ zählt zweifellos der Beethovenfries. Das Wandgemälde entstand als temporärer Dekorationsmalerei für die XIV. Ausstellung der Wiener Secession, die vom 15. April bis 27. Juni 1902 zu sehen war. Insgesamt 20 Secessionskünstler und eine Künstlerin gestalteten den Raum für die Beethovenstatue von Max Klinger. Technologische Untersuchungen enthüllen den präzisen Umgang des Künstlers mit Materialien und Techniken.
2. Juli 2015
Gustav Klimt, Die Musik (Entwurf), Detail, 1895, Öl auf Leinwand, 37 × 44,5 cm (Bayerische Staatsgemäldesammlungen München – Neue Pinakothek)

Gustav Klimt, die Musik und das Palais von Nicolaus Dumba Hans Makart und Klimt im Vergleich

Gustav Klimt malte zwischen 1895 und 1898 zwei Supraportenbilder für das Musikzimmer des Palais Dumba: „Musik“ und „Schuber am Klavier“. Wenn auch die ausgeführten Werke 1945 verbrannten, so geben die beiden erhaltenen Entwürfe doch einen guten Einblick, wie sich der Maler vom Historistmus zum Jugendstil entwickelte.
3. Mai 2015
Joseph Maria Olbrich, Entwurf für die Secession, 1898, Archiv der Secession.

Baugeschichte der Wiener Secession Wie Joseph Maria Olbrich und Gustav Klimt die Ikone des Jugendstils entwarfen

Die Vereinigung bildender Künstler_innen Wiener Secession öffnet anlässlich des Ringstraßen-Jubiläums ihr Archiv und zeigt Zeichnungen, Pläne und Entwürfe zur Baugeschichte ihres Ausstellungshauses. Nach zwei Jahren heftiger Auseinandersetzungen rund um den Pavillon konnten die Secessionisten am 12. November 1898 die Pforten endlich öffnen. Es hätte das modernste Haus an der Ringstraße werden können, denn ursprünglich planten die Gründungsväter die Secession schräg gegenüber des Museums für Angewandte Kunst zu errichten, dort wo heute das Lueger-Denkmal steht. Doch es kam anders!
27. Oktober 2014
Claude Monet, Waterloo Bridge, Sonne im Nebel, 1903, Öl auf Leinwand, 73,7 x 100,3 cm, Erworben 1914 © National Gallery of Canada, Ottawa.

Impressionismus in Österreich Einfluss des Pariser Impressionisten auf die österreichische Malerei

Für Claude Monet war die Entstehung eines Gemäldes gleichbedeutend mit der Unmöglichkeit, die Schönheit der Stimmung einzufangen, in der sich seine Bildsujets befanden. Es ging ihm weniger darum, einen Hühnerhof, Blumen im Garten, die Kathedrale von Rouen, das Londoner Parlament oder einfach tosende Wellen an der Atlantikküste festzuhalten, als das Licht und die Atmosphäre treffend wiederzugeben. Formen und Volumina der Objekte konnte er daher vernachlässigen, Farben und Farbharmonien erlangten ungleich größere Bedeutung.
24. Februar 2014
Franz Lerch, Mädchen mit Hut, 1929, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm © Belvedere, Wien.

Kunst in Wien und Berlin (1900-1935) Kunst zweier Metropolen

Gemeinsam mit der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur erarbeitete das Belvedere die reiche Schau „Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen“. Der zeitliche Horizont spannt sich hierbei von den Secessionsbildungen 1897 in Wien und 1898 in Berlin bis in die frühen 30er-Jahre, d.h. stilistisch vom Jugendstil über den Expressionismus, hin zu Dada, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit.
4. April 2012
Moritz Nähr, Gustav Klimt mit Katze, Detail

Gustav Klimt in Wien 2012 Mehr als nur "Der Kuss"

Zur 150. Wiederkehr von Gustav Klimts Geburtstag feiern zehn Ausstellungen in Wien seine Kunst, beschäftigen sich mit seiner Person und seinem Umfeld. In Wien zelebriert man den vielleicht wichtigsten, sicher aber teuersten aller österreichischen Künstler mit Präsentationen aus den eigenen Hausbeständen. Zehn Ausstellungen nutzen spektakuläre Brücken, geben detaillierte Einblicke und dekonstruieren den Mythos. Wer zudem seinen Klimt-Pass mit Stempeln von allen Veranstaltern füllt, nimmt an der Verlosung eines Attersee-Wochenendes teil.
20. März 2012
Gustav Klimt, Lebensbaum (drei mittlere Zeichnungen), 1910/1911 (© MAK/Georg Mayer)

Gustav Klimt: Lebensbaum – Erwartung – Erfüllung – Ritter Der Mosaikfries für das Palais Stoclet in Brüssel

Lebensbaum – Erwartung – Erfüllung – Ritter sind Figuren aus dem Stoclet-Fries von Gustav Klimt. Der Wiener schuf zwischen Juli 1910 und Juni 1911 neun Entwürfe für den Mosaikfries im Speisesaal des Brüsseler Palais, die heute im Museum für Angewandte Kunst in Wien verwahrt werden.
8. Januar 2012
Gerwald Rockenschaub, Plattform und Gustav Klimt, Beethoven Fries, Secession 2012, Foto: Wolfgang Thaler.

Rockenschaub „Plattform“ für Klimts Beethoven-Fries Dem Ungeheuer in die Augen schauen

Der Beethovenfries von Gustav Klimt für die sog. Beethoven-Ausstellung in der Wiener Secession 1902 als trockene Wandmalerei ausgeführt, wird anlässlich des Klimt-Jahres durch die „Plattform“ von Gerwald Rockenschaub aus der Nähe erlebbar (geb. 1952 in Linz, lebt und arbeitet in Berlin).
10. August 2010
Annette Vogel (Hg.): Gustav Klimt. Beethovenfries. Zeichnungen, 2010 (Hirmer Verlag)

Gustav Klimt. Zeichnungen zum Beethovenfries 125 vorbereitende Studien

Das wichtigste Werk der Wiener Moderne – dem Beethovenfries von Gustav Klimt – entschlüsselt und einfühlsam mit Zeichnungen „erklärt“. Dem berühmtesten Wiener Jugendstilkünstler, Gustav Klimt, ist diese Publikation im Hirmer Verlag gewidmet. Annette Vogel befragt darin den Stellenwert der Zeichnung im Werk Klimts und würdigt dabei besonders den Beethovenfries, der als Fresko für die XIV. Secessionsausstellung 1902 entstanden und heute in der Secession ausgestellt ist.
7. Oktober 2008
Klimt, Kuss, Detail, 1907/08, Öl/Lw (Belvedere)

Gustav Klimt und die Kunstschau 1908 Epochale Ausstellung der Jugendstilkünstler Wiens

„Wir sind keine Genossenschaft, keine Vereinigung, kein Bund, sondern haben uns in zwangloser Form eigens zum Zweck dieser Ausstellung zusammengefunden, verbunden einzig durch die Überzeugung, dass kein Gebiet menschlichen Lebens zu unbedeutend und gering ist, um künstlerischen Bestrebungen Raum zu bieten, dass (…) auch das unscheinbarste Ding, wenn es vollkommen ausgeführt wird, die Schönheit dieser Erde vermehren hilft, und dass einzig in der immer weiter fortschreitenden Durchdringung des gesamten Lebens mit künstlerischen Absichten der Fortschritt der Kultur begründet ist.“ (aus der Festrede von Gustav Klimt anlässlich der Eröffnung)
  1. Zit. n. Sandra Tretter, Peter Weinhäupl (Hg.), Chiffre: Sehnsucht – 25. Gustav Klimts Korrespondenz an Maria Ucicka 1899–1916, Wien 2014, S. 152–153.