Wien | im Kinsky: Klimt Damenporträt versteigert | ARTinWORDS
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Wien | im Kinsky: Klimt Damenporträt versteigert Fräulein Lieser wiederentdeckt | April 2024

Klimt Fraulein Lieser im Stadtpalais Liechtenstein, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS

Klimt Fraulein Lieser im Stadtpalais Liechtenstein, Foto: Alexandra Matzner, ARTinWORDS

Das Auktionshaus im Kinsky kündigt für den 24. April 2024 um 18.00 eine Sensation an: das wiederentdeckte Damenporträt „Bildnis Fräulein Lieser“ (1917) von Gustav Klimt. Das Gemälde befand sich seit den 1960er Jahren in einer österreichischen Privatsammlung und war bislang nur in einer Schwarz-Weiß-Aufnahme überliefert. Ende April 2024 wird es vom Wiener Auktionshaus im Kinsky, das auf österreichische Kunst spezialisiert ist, versteigert. Ab dem 10. April wird es in den Räumen im Kinsky der Öffentlichkeit präsentiert.

Der Ballsaal des Stadtpalais des Fürsten von Liechtenstein wurde als erstes bedeutendes Werk des Historismus in Wien, der Ringstraßenzeit errichtet. Dr. Johann Kräftner, Direktor Emeritus LIECHTENSTEIN. The Princely Collection, verweist darauf, dass die Karriere des jungen Klimt im Historismus begann und im Werk von Gustav Klimt ihren Höhepunkt fand.

Klimt, Margarethe_Constance_Lieser, Detail, 1917, Öl auf Leinwand, gerahmt 14ß0 x 80 cm (Privatbesitz)

Wien | Gustav Klimt: Fräulein Lieser, ehem. Margarethe Constance Lieser


Gustav Klimt schuf das Bildnis des Fräulein Lieser im Jahr 1917. Es ist nach dem überraschenden Tod des Malers unvollendet an die Besitzer:innen übergeben worden und gehörte Jahrzehnte lang der Familie Lieser-Lankiewits in Wien, bevor er im Kunsthandel an eine:n bisher unbekannte:n Besitzer:in gelangte.

„Bildnis Fräulein Lieser“

Das nunmehr als „Bildnis Fräulein Lieser“ betitelte Porträt gehört zu den späten Werken von Gustav Klimt. Bisher war die Farbgestaltung des Bildnisses nicht bekannt. Das Original erstrahlt nun in der koloristischen Intensität von Klimts Arbeiten aus den 1910er Jahren. Die Dargestellte ist noch keine 20 Jahre alt. Aktuelle Recherchen zu Geschichte und Provenienz des Werks weisen auf eine Tochter von Henriette Lieser-Landau, Helene Lieser (1898-1962) oder Annie Lieser (1901-1972). Die bisherige Identifikation als Constanze Margarethe Lieser muss zumindest in Frage gestellt werden.

Die Tagebuchaufzeichnungen Klimts sprechen immer nur von „Lieser“, woraus die Autoren der bisherigen Werkverzeichnisse, Adolf Lieser als Auftraggeber angenommen haben.1 Daraus leiteten sie ab, dass es sich um dessen Tochter Margarethe Constance Lieser handeln würde. Manches spricht heute allerdings dafür, dass Klimt den Auftrag von Henriette Lieser erhalten hat, so Mag. Claudia Mörth-Gasser, Spartenleitung Klassische Moderne im Kinsky. Lilly Lieser, wie Henriette gerufen wurde, bewegte sich in den Kreisen der Wiener Moderne und könnte daher leichter in Kontakt mit Gustav Klimt getreten sein.

Im April und Mai besuchte die Dargestellte den Porträtisten neun Mal in seinem Hietzinger Atelier. Während dieser Modellsitzungen entstanden mindestens 25 Vorstudien. Danach dürfte Klimt mit der Ausführung des Gemäldes begonnen haben. Bis Ende des Jahres hatte er das Gesicht von Fräulein Leiser vollständig ausgeführt, während das Blumenornament ihres Mantels oder Schals bzw. die angedeuteten Ornamente am Hintergrund noch nicht vollständig ausgeführt wurden.

Da Gustav Klimt Anfang Januar 1918 einen Schlaganfall hatte, an dessen Folgen er am 6. Februar 1918 verstarb, konnte er das Porträt nicht mehr vollenden. Nur in wenigen Partien nicht völlig ausgeführt, ist das Werk deshalb auch nicht signiert. Es wurde aus dem Nachlass vermutlich in den Besitz der Auftraggeberin überführt, da er sich 1925 "in Besitz von Frau Lieser, IV, Argentinierstrasse 20" befand. Über das Schicksal des Bildes bis in die 1960er Jahre ist nichts bekannt.

Unterstützt von der LGT, wird das Porträt eine Weltreise antreten. Dr. Kräftner kündigt an, das Werk in den Metropolen Europas, den USA und Asien zu präsentieren.

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  1. Adolf Lieser war 1904 Mitbegründer und seither Gesellschafter der Firma Lieser & Duschitz, einer mechanischen Dampfspinnerei, in Pöchlarn. Er starb am 2. Januar 1919 an der Spanischen Grippe.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.