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Berlin | Nationalgalerie: Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919 „Kampf um Sichtbarkeit“

Sabine Lepsius, Selbstbildnis, Detail, 1885 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders)

Sabine Lepsius, Selbstbildnis, Detail, 1885 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders)

Vor 100 Jahren konnten die ersten Frauen ein reguläres Studium an der Berliner Kunstakademie aufnehmen und das erste Mal ihr Wahlrecht ausüben. Dies nimmt die Ausstellung „Kampf um Sichtbarkeit. Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919“ zum Anlass, die Werke von Malerinnen und Bildhauerinnen in den Blick zu nehmen, die es trotz aller Widrigkeiten in die Kunstöffentlichkeit geschafft und Eingang in die Sammlung der Nationalgalerie gefunden haben. Die Ausstellung und die begleitende wissenschaftliche Publikation widmen sich erstmals ausführlich allen vor 1919 entstanden Werken von Malerinnen und Bildhauerinnen und ist eine Revision der eigenen Sammlung unter dem wichtigen Aspekt heutiger Diskurse um Gleichberechtigung.

 

Gelang zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch einigen wenigen Künstlerinnen eine exzeptionelle Karriere innerhalb eines vorwiegend männlichen Kunstbetriebs, so verschärften sich die Restriktionen für Künstlerinnen ab der Jahrhundertmitte. Der Zugang zu Kunstakademien, Stipendiensystemen und wichtigen Auftragsarbeiten wurde ihnen verwehrt. In ihrem „Kampf um Sichtbarkeit“ engagierten sie sich in künstlerischen Vereinigungen, erkämpften sich Ausstellungsmöglichkeiten und zunehmend auch die Aufmerksamkeit wichtiger Förderer sowie die damit verbundenen prestigeträchtigen Aufträge und Ankäufe. Zu den wenigen Künstlerinnen, die vor 1900 den Durchbruch schafften, zählt vor allem Käthe Kollwitz.

Die Ausstellung zeigt über 60 malerische und bildhauerische Werke von Künstlerinnen aus 140 Schaffensjahren, die alle vor 1919 entstanden sind. Einige davon sind seit Jahrzehnten Bestandteil der Dauerausstellung wie die Gemälde von Caroline Bardua, Elisabeth Jerichau-Baumann oder Dora Hitz und Paula Modersohn-Becker. Andere werden nach langen Jahren im Depot erneut in der Alten Nationalgalerie zu sehen sein, darunter Arbeiten der Porträt- und Historienmalerinnen Friederike O’Connell oder Paula Monjé. Ein großer Teil wurde noch nie in den Räumen auf der Museumsinsel präsentiert. Zahlreiche einst erfolgreiche Künstlerinnen sind im Laufe der Zeit in Vergessenheit geraten, wie die norwegische Bildhauerin Ambrosia Tønnesen, die auch in den USA erfolgreiche Salonmalerin Vilma Parlaghy oder die russische Avantgarde-Pionierin Natalija Gontscharowa (Natalija Gončarova). In ihrer Vielfalt leisteten die Künstlerinnen einen wesentlichen Beitrag zum Kunstgeschehen ihrer Zeit.

 

 

Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919: Ausstellungskatalog

Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Ausstellungs- und Bestandskatalog mit ausführlichen Biografien der vertretenen Künstlerinnen.
Reimer Verlag

 

Künstlerinnen der Nationalgalerie vor 1919: Bilder

  • Maria von Parmentier, Der Hafen von Dieppe, vor 1878 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Andres Kilger)
  • Sabine Lepsius, Selbstbildnis, 1885 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders)
  • Paula Modersohn-Becker, Mädchen mit Blütenkranz im Haar, um 1901 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders)
  • Dora Hitz, Kirschenernte, vor 1905 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Reinhard Saczewski)
  • Käthe Kollwitz, Liebespaar II, 1913 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Roland März)
  • Renée Sintenis, Kleines Selbstbildnis, 1916/1917 (© Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Bernd Sinterhauf / VG Bild-Kunst, Bonn 2019)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.