Dora Hitz

Wer war Dora Hitz?

Dora Hitz (Altdorf bei Nürnberg 30.3.1856–20.11.1924 Berlin) war eine deutsche Malerin, die vom Symbolismus und vom Impressionismus beeinflusst war. Hitz war Hofmalerin des rumänischen Königshauses und Mitbegründerin der Berliner Secession. Während der 1920er Jahre war sie neben Maria Slavona die berühmteste Malerin Deutschlands. Heute sind etwa 50 Werke – Gemälde, Aquarelle, Pastelle und Zeichnungen – von Dora Hitz bekannt.

Kindheit

Dora Hitz wurde am 30. März 1856 als Tochter des Kunstlehrers Lorenz Johannes Hitz und Anna Elisabeth (geb. Meyer) in Altdorf bei Nürnberg geboren. Als Dora Hitz sechs Jahre alt war, zog sie mit ihren Eltern nach Ansbach.

Ausbildung

Im Alter von 13 Jahren ging sie nach München, um an der dortigen „Damenmalschule der Frau Staatsrat Weber“ zu studieren. Ihre Lehrer waren Wilhelm von Lindenschmit der Jüngere und Heinrich Stelzner. Bei Julius Kollmann, einem berühmten Anhropologen und Anatom, Professor in Basel und München, durfte sie Anatomie studieren (ungewöhnlich für Frauen).

Hofmalerin der Königin von Rumänien

In München 1876 lernte Hitz, die bei der Kunst- und Industrieausstellung ein „Rosenstillleben“ ausstellte, Elisabeth zu Wied (1843–1916) – durch Heirat 1881 mit einem Hohenzollern-Prinzen Königin von Rumänien – kennen. Fürstin Elisabth war als Literatin unter dem Pseudonym Carmen Sylva bekannt. Sie berief Hitz als Hofmalerin an den rumänischen Königshof in Bukarest, wo Dora Hitz zwischen 1878 und 1882 lebte. Neben ihrer Tätigkeit für die Königin unterrichtete Hitz in einem Waisenstift, studierte die rumänische Volkskunst und konnte ohne finanzielle Sorgen in einem Atelier arbeiten. Hitz entwarf für die Königin Buchschmuck und führte Ölgemälde aus.

Bereits in Paris lebend, führte Dora Hitz den Aquarellzyklus „Ada“ und die Gemälde „Am Brunnen“ und „Auf der Bleiche“ zu den Gedichten der Königin aus. Für den Musiksaal und das Treppenhaus von Schloss Peleș in Sinaia (Karpaten) malte Dora Hitz großformatige Gemälde nach dichterischen Motiven der Königin: „Leiden“, „Märchen“, „Sonnenkind“, „Frieden“, „Hexe“, „Sappho“, „Raoul“, „Befreiung“ und eine Allegorie der „Musik“ über der Orgel. Weitere Gemälde für die Ausstattung entstanden im Wiener Atelier des jungen Gustav Klimt (1862–1918).

Paris

Von 1880 bis 1890 lebte Hitz in Paris, wo sie im Quartier Montmartre, impasse Helène no. 15 wohnte. Hitz studierte bei Luc-Olivier Merson, Gustave Courtois, Jean-Joseph Benjamin-Constant und Eugène Carrière, der sie besonders förderte. Sowohl in Motivwahl wie auch in Stil näherte sie sich Carrière an. Ihre Gemälde zeigen helles, duftiges Kolorit und poetische Stimmung. Bereits ab 1886 stellte Hitz im traditionellen Salon der Société des Artistes Français im Palais Champs-Elysées aus.

1886/87 kehrte sie für kurze Zeit nach Rumänien zurück. In Paris verbrachte sie viel Zeit mit Eugen Jettel, Otto Thoren, Karl Köpping und lernte Hermann Bahr kennen. Im Auftrag des rumänischen Königspaares illustrierte sie den symbolistischen Roman „Les pecheures d‘Islande“. Es folgten Aufenthalte in der Bretagne (1890) und der Normandie (1891/92), um Motive für die Buchillustrationen zu finden. Die daraufhin entstandenen Werke dürften das Interesse von Puvis de Chavannes geweckt haben, der sie in die Pariser Avantgarde einführte.

1890 wurde sie als assoziiertes Mitglied in den Salon der „Société des Artistes Français“ aufgenommen; auf deren Ausstellungen am Champ de Mars war sie zwischen 1890 und 1896 mit insgesamt 17 Werken vertreten. Für das Porträt „Dame in Rot“ (Städtisches Museum, Nürnberg) wurde sie mit einer Medaille ausgezeichnet. 1891 erhielt sie die Mitgliedschaft in der impressionistischen „Associé du Champs de Mars“, ab 1892 in der „Société Nationale des Beaux Arts“, an deren Ausstellungen sie sich regelmäßig beteiligte. In Belgien war sie Ehrenmitglied in der „Société royale belge des aquarellistes“.

Berlin

Nach einem kurzen Aufenthalt in Dresden (1891) übersiedelte Dora Hitz 1892 nach Berlin, wo sie am Lützowplatz 12 wohnte, eine vornehme Lage am Rande des Tiergartens. Als Mitglied des „Vereins Berliner Künstlerinnen und Kunstfreundinnen“ (VdBK) fand Hitz Zugang zu großbürgerlichen liberalen Kreisen, der ihr viele bedeutende Porträtaufträge verschaffte. Sie porträtierte u. a. Margarethe Hauptmann, die Ehefrau des Schriftstellers Gerhart Hauptmann, Frau von Groszheim, Frau von Lipperheide, Grete Ring, Malgonie Stern, Frau von Seidlitz, Emma Dohme, Frau Kekulé, Camilla Eibenschütz. Mit Käthe Kollwitz verband sie eine Freundschaft. Sie gründete 1894 eine Damenmalschule, auch um zusätzliche Einnahmen zu generieren.

1895 gab sie Kunststudentinnen folgenden Rat:

„Junge Mädchen und Frauen, die heutzutage der Kunst sich zu widmen im Sinne tragen, sollte es nach meiner Ansicht nur thun, wenn sie sorgenfrei gestellt sind. Manche berufene Künstlerin von bedeutendem Talent ist künstlerisch zugrunde gegangen, weil sie genötigt war, um den Broterwerb zu malen und folglich mit dem Geschmack des Publikums rechnen. Also ernstes Studium in einer guten Schule, Rat eines gereiften Künstlers, und Hand in Hand damit Studium auf eigene Faust, wohin die Neigung treibt! Ein jeder muss für sich allein und immer von neuem prüfen, wie weit ihn seine Schwingen tragen, um sich seiner Kraft und seiner Mängel bewusst zu werden.“1 (Dora Hitz)

Berliner Secession

Von 1892 bis 1921 war sie Mitglied des Vereins der Berliner Künstlerinnen (VdBK). 1898 war sie Mitglied der Vereinigung der XI, der Vorläufergruppe der Berliner Secession. Neben Max Liebermann, Walter Leistikow, Sabine Lipsius, Ernestine Schultze-Naumburg und Julie Wolfthorn gehörte Dora Hitz zu deren Gründungsmitgliedern der Berliner Secession.

Nach 1900 bildete Dora Hitz einen neuen, eigenständigen Malstil aus. In der Art der Farbzerlegung und den deutlich sichtbar bleibenden Pinselstrichen nahm sie Anregungen des französischen Spätimpressionismus auf und steigerte sie zu einem bewusst monumentalen Ausdruck. Der bedeutende Kunstkritiker Karl Scheffler beschrieb diesen Stil mit: „Alles lebt vom Lichte und verschwimmt ungewiss im Lichten.“ Zum Gemälde „Kirschenernte“ ergänzte er, dass „die Darstellung des Lichtes bis zum Getümmel gesteigert“ wäre.2 Der Dynamik der pastosen, spontanen Pinselstriche stehen allerdings in manchen Gesichtern lasierend aufgetragene Partien einer unteren Malschicht gegenüber. Dora Hitz präsentierte das Werk erfolgreich 1905 auf der zweiten Ausstellung des Deutschen Künstlerbundes in Berlin.

Als frühes Mitglied des Deutschen Künstlerbundes beteiligte sich Dora Hitz 1906 an dessen dritter Jahresausstellung in Weimar mit dem Ölgemälde „Portrait von Frau M. H.“ – dafür erhielt Hitz noch auf der Ausstellung den Villa-Romana-Preis des DKB und ein Stipendium, verbunden mit einem Aufenthalt in Florenz. das zur gleichen Zeit auch Max Beckmann verliehen wurde. Mit Beckmann war sie befreundet. Ebenso erfolgreich war sie 1910 auf der 20. Secessionsschau mit „Weinernte“ vertreten.

1913 trat sie der „Freien Secession“ bei. Während des Ersten Weltkrieges bekam die Malerin finanzielle Probleme, sie wurde krank und geriet immer mehr in soziale Isolation. Anlässlich ihres 60. Geburtstags initiierte ein Komitee, dem Curt Herrmann, Emma Dohne und Ludwig von Hofmann angehörten, eine Spendenaktion. Sie sammelten insgesamt 5.500 Reichsmark u.a. von Max Liebermann, Walther Rathenau, Julius Meier-Graefe und Samuel Fischer, um der verarmten Künstlerin unter die Arme zu greifen.

Krank und notleidend, wollten Freundinnen Dora Hitz noch 1922 nach Süddeutschland zu übersiedeln. In Würzburg begegnete ihr der Malerin Gertraud Rostocky, die sich um Hitz‘ weitere Anerkennung verdient machte. Da Dora Hitz das Klima nicht verdiente, kehrte sie nach Berlin zurück.

Tod

Dora Hitz starb am 20. November 1924 in Berlin. Ihre Freundin Käthe Kollwitz schrieb die Trauerrede, die von der deutschen Malerin und Grafikerin Julie Wolfthorn verlesen wurde.

Die Galerie F. Gurlitt richtete 1925 eine Gedächtnisausstellung für Dora Hitz aus.

Beiträge zu Dora Hitz

  1. Georg Voß, Die Frauen in der Kunst, in: Der Existenzkampf der Frau im modernen Leben, Berlin 1895, S. S. 234ff.
  2. Siehe: Kunst und Künstler, 14. Jg., 1916, H. 8, S. 387.