Giovanni Battista Tiepolo

Wer war Giovanni Battista Tiepolo?

Giovanni Battista Tiepolo (auch Giambattista Tiepolo, 1696–1770) war ein Fresko- und Ölmaler aus Venedig, der für dramatische Kompositionen in hellem, duftigem Kolorit berühmt wurde. Als ein Vertreter des Rokoko prägte er mit Hauptwerken in Oberitalien (Venedig, Veneto, Lombardei), Würzburg und Madrid europaweit die Freskomalerei.

 

Kindheit und Ausbildung

Der Sohn eines wohlhabenden aber früh verstorbenen Kaufmanns wurde vermutlich zwischen 1710 und 1717 in der Werkstatt von Gregorio Lazzarini (1655–1730) ausgebildet. Im Jahr 1717 schrieb er sich in der Malergilde Venedigs als eigenständiger Meister ein. Die frühesten datierbaren Werke sind Darstellungen der Apostel für die Kirche Santa Maria die Derelitti (Ospedaletto), die 1715/16 entstanden sind. Diese Figuren zeigen bereits keine klassischen Kompositionen und glattes Finish, das für Lazzarinis Gemälde charakteristisch ist. Stattdessen orientierte sich Giovanni Battistia Tiepolo früh am Tenebrismus von Federico Bencovich (1677–1726) und Giovanni Battista Piazzetta (1683–1754).

 

Erste eigenständige Werke

Es gibt viele Kontroversen um Tiepolos Entwicklung in den nächsten fünfzehn Jahren, da es nur wenige datierte Gemälde aus dieser Zeit gibt. Das Wissen über seine Aktivitäten in den 1710er und 1720er Jahren stammt größtenteils aus Vincenzo da Canals Lazzarini-Biografie (1732), in der der Autor dem begabten Schüler mehrere Seiten widmete. Offenbar war die Popularität Tiepolos bereits so sehr gestiegen. Während dieser frühen Jahre experimentierte Tiepolo gleichzeitig mit verschiedenen Stilen, was die Einschätzung noch erschwert. Aktuelle Studien, die auf der Liste von Da Canals Tiepolos Bildern vor 1732 basieren, haben gezeigt, dass der Künstler zwischen dem Tenebrismus vieler venezianischer Zeitgenossen und einem leichteren, atmosphärischeren Stil schwankte. Um 1716 übte Tiepolo auf der Terraferma bereits die Kunst der Freskenmalerei aus, eine Technik, die Ende des 16. Jahrhunderts von nicht-venezianischen Künstlern in das Veneto eingeführt worden war. Sein für den Erzbischöflichen Palast in Udine (um 1726–1729) gemaltes größtes Dekorationsprogramm dieser Zeit offenbart sein Interesse an Verones Farben und Kompositionen.

 

Tiepolos Freskomalerei

Tiepolos Fresken in Udine brachten ihm unmittelbar Ruhm und Aufträge für weitere Ausstattungsprojekte. In den folgenden zehn Jahren malte er in Palästen und Villen in und um Mailand, Bergamo, Venedig und im Veneto, deren Themen hauptsächlich aus der antiken Mythologie und Geschichte stammen. Mit dem bolognesischen Quadrattura-Maler Girolamo Mengozzi-Colonna (um 1688–1766), der architektonische Rahmen für die Werke entwarf, revolutionierte Tiepolo die Kunst des Freskenschmucks in Venedig: Indem er die tiefe Perspektive der venezianischen Cinquecento-Deckendekorationen mit einer kompositorischen Klarheit kombinierte, gelang ihm, die vielfältigen Elemente der Kompositionen zu einem stark erweiterten Bildraum zu entwickeln. Im Gegensatz zu ihren direkten Konkurrenten, die Figuren scheinbar zufällig an der Decke anordneten, sind Tiepolos Kompositionen in Zick-Zack-Mustern strukturiert. Dadurch weiterte er den illusionistischen Blick in den Himmel.

Nach der Eroberung hoch aufragender Kirchendecken wie der Gesuati von Venedig (1737–1739) veränderte Giovanni Battista Tiepolo seine Technik ab 1740. In langen, niedrigen, weltlichen Räumen verteilte er seine tief farbigen Figuren entlang des Kranzes und setzte dazu mit zunehmend hellere Pastelltöne den offenen Himmel als Kontrast (Palazzo Clerici, Mailand, 1740). In den gleichen Jahren entwickelte sich Tiepolo als Künstler religiöser Altarbilder, in denen er gegenreformatorische Andachtsbilder im Neorenaissance-Format festhielt.

Der Ruhm Tiepolos und die Preise seiner Werke stiegen in den 1740er Jahren weiter an. Während seiner Karriere zog er mehrmals in immer größere Wohnungen, da er mit seiner Frau Cecilia, der Schwester von Francesco Guardi, neun Kindern hattee. Der Künstler lehnte bereits 1736 eine Einladung nach Schweden ab. Ab den 1740ern verkauften sich seine Gemälde in Nordeuropa bestens. Seine Freundschaft mit Francesco Algarotti (1712–1764), den er 1743 kennenlernte, brachte Giovanni Battista Tiepolo Aufträge vom sächsischen Hof in Dresden. Obgleich immer von der antiken Geschichte inspiriert, wandte sich Tiepolo in dieser Zeit zunehmend den Repräsentationen antiker Monumente und Kleidung zu. Zur gleichen Zeit begann er sich mit der Technik der Radierung zu beschäftigen und stellte zwei Druckgrafik-Serien her: die „Scherzi di Fantasia“ und die „Capricci“ - beide mit antiken Bezügen.

 

Giovanni Battista Tiepolo in Würzburg

Außenpolitische Gründe hielten ausländische Künstler und Händler in der zweiten Hälfte der 1740er Jahre von Venedig fern, was zu einem wirtschaftlichen Abschwung in der Stadt führte und venezianische Künstler zu einer Beschäftigung im Ausland zwang. Obwohl Tiepolo in diesem Jahrzehnt so aktiv war, dass er die Hilfe seines Sohnes Giovanni Domenico (Giandomenico, 1723–1804) in Anspruch nahm, akzeptierte er dennoch die lukrative Einladung von Fürstbischof Karl Philipp von Greiffenklau von Würzburg. Tiepolo lebte und arbeitete vom 12. Dezember 1750 bis 1753 im Erzbischöflichen Palais – begleitet von seinen Söhnen Giandomenico und dem weniger talentierten Lorenzo (1736–1777). Die erste Aufgabe, die Teipolo in Würzburg gestellt wurde, war die Ausstattung des Kaisersaales. Danach unterzeichnete er am 29. Juli 1752 den Vertrag über das gewaltige Deckenfresko über der Ehrentreppe im großen Treppenhaus. Dort malte er „Apollo, der Olymp und die vier Kontinente“ (1752–1753), sein bekanntestes Werk und feierte damit auch seinen größten Triumph.

 

Zurück in Venedig

In den 1740er und 1750er Jahren umfasste Tiepolos umfangreiches Repertoire literarische, historische, mythologische, allegorische sowie religiöse Werke. Er malte weiterhin Meisterwerke in Venedig und im Veneto, wie die Geschichte von Antonius und Kleopatra im Palazzo Labia, Venedig (1746/47), und die Szenen aus Tasso in der Villa Valmarana, Vicenza (1757). Auch die Aufträge aus dem Ausland gingen weiter: Tiepolo schickte Werke an die Könige Frankreichs und Englands und die Zarin Russlands.

 

Giovanni Battista Tiepolo in Madrid

Im Jahr 1761 forderte König Karl III. von Spanien Tiepolos Dienste an. Er sollte im neu fertiggestellten Königspalast in Madrid malen. Aufgrund politischen Drucks und trotz seines Alters und seiner Erkrankung an der Gicht machte sich Giovanni Battista Tiepolo 1762 auf. Es sollte seine letzte Reise werden. Obwohl Tiepolos großes Deckenfresko für den Thronsaal im Königspalast in Madrid (1762–1764) kritisiert wurde, zählt es heute zu den Hauptwerken des venezianischen Malers. Es zeigt eine Überarbeitung früherer Kompositionen, seine Breite und Raffinesse machten es zu einem seiner späten Erfolge. Tiepolos Altarbilder für San Juan Baylon in Aranjuez (1767–1769) zeigen Tiepolos reifen Stil, der tiefe religiöse Meditation und Emotion der dynamischen Erzählung vorzieht.

 

Tod und Erbe

Giovanni Battista Teipolo verstarb 1770 in Madrid. Ungefähr zu dieser Zeit änderte sich der europaweit Geschmack von dramatischen allegorischen Themen und leidenschaftlichen religiösen Darstellungen zu Gunsten eines strengen klassizistischen Stils. Damit sollte der neue Rationalismus widerspiegelt werden wie die Werke von Anton Raphael Mengs und Francisco de Goya zeigen.

Ende des Jahrhunderts, mit dem Fall der monarchischen Macht und dem nachlassenden Einfluss religiöser Institutionen, war Tiepolos Kunst überholt. Sogar sein Sohn Giandomenico griff weniger affektgeladene Motive und einen realistischen Stil auf. Trotzdem gilt Giovanni Battista Tiepolo heute als einer der brillantesten und berühmtesten Künstler des 18. Jahrhunderts und der letzte der großen Praktizierenden der Renaissance- und Barocktradition.

Beiträge zu Giovanni Battista Tiepolo

27. März 2019
Giovanni Battista Tiepolo, Der heilige Jakobus der Ältere, Detail, 1749/50, Öl/Lw, 317 x 163 cm (Szepmuveszeti Muzeum / Museum of Fine Arts, Budapest)

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30. Dezember 2018
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Hamburger Kunsthalle: Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei Radikale Rokokomalerei als Vor- und Wegbereiterin der Moderne

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