0

Hamburger Kunsthalle: Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei Radikale Rokokomalerei als Vor- und Wegbereiterin der Moderne

Jean-Honoré Fragonard, Der Philosoph, Detail, um 1764, Öl/Lw, 59 x 72,2 cm (oval) (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)

Jean-Honoré Fragonard, Der Philosoph, Detail, um 1764, Öl/Lw, 59 x 72,2 cm (oval) (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)

Mit „Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei“ widmet die Hamburger Kunsthalle einem der folgenreichsten Kapitel der europäischen Kunstgeschichte eine umfassende Schau: Dem 18. Jahrhundert als Blüte- und Umbruchszeit der europäischen Kunst (→ Rokoko), die so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Francisco de Goya (1746–1828), Jean-Honoré Fragonard (1732–1806) und Giovanni Battista Tiepolo (1696–1770) hervorgebracht hat. Erstmalig wird mit dieser ambitionierten Ausstellung das Schaffen Francisco de Goya y Lucientes, Fragonards sowie Giovanni Battista Tiepolos und das seines Sohnes Giovanni Domenico Tiepolo verglichen und in denselben inhaltlichen Kontext gestellt.

Goya, Fragonard sowie Vater und Sohn Tiepolo werden als Vor- und Wegbereiter der Moderne präsentiert. In der Mitte des 18. Jahrhunderts sind in deren Werken Umbrüche und Befreiung von Konventionen bereits nachzuvollziehen. Giovanni Battista Tiepolo, sein Sohn Giovanni Domenico Tiepolo (1727–1804), Fragonard und Goya reagierten mit ihrer Kunst auf die weltanschaulichen, politischen und gesellschaftlichen Umbrüche des 18. Jahrhunderts. Sie entwickelten eine radikalere Formensprache und veränderten die Malerei durch ihren Wandel der künstlerischen Normen und ihre innovativen wie ungewöhnlichen Konventionsbrüche (→ Fragonard: „Phantasiefiguren“ als Porträts). Die lockere, freie Pinselführung steht dabei gleichsam für die Freiheit der Malerei, die sie auch in ihrer Bildsprache für sich beanspruchten.

Die Ausstellung verdeutlicht in eindringlichen Bildern diesen Entstehungsprozess. Sie zeichnet anhand der unterschiedlichen Schaffensperioden der ausgewählten Künstler die grundsätzlichen Veränderungen nach, mit denen in den Zentren Venedig, Paris und Madrid Grundlagen der Moderne geschaffen wurden. Überhaupt kennzeichnen scheinbar widersprüchliche Positionen das virtuose und vielseitige Schaffen Tiepolos, Fragonards und Goyas. So stehen einer auf den ersten Blick konventionellen Malweise kühne Bildfindungen gegenüber, trifft atmosphärisch-Ideales auf unheimlich-Groteskes, zeigt sich die Vorliebe für das Theater und Theatrales in einem Spiel von Reflexion und Illusion. Der Stil wird radikal-persönlich und reflektiert. Mit ihrer Kunst leiteten sie bereits Mitte des 18. Jahrhunderts einen Stilwandel ein und stellten mit ihrer innovativen Formensprache die Weichen für den Weg in die Moderne, bevor mit der Französischen Revolution ab 1789 endgültig der radikale Umbruch vollzogen wurde.

Die Präsentation versammelt rund 100 bedeutende Gemälde und Grafiken aus wichtigen nationalen und internationalen Museen. Gleichzeitig setzt sie den Schlusspunkt des Jubiläumsjahres 2019, in dem die Hamburger Kunsthalle ihr 150-jähriges Bestehen feiert.

Kuratiert von Dr. Sandra Pisot.

Hamburger Kunsthalle. Goya, Fragonard, Tiepolo. Die Freiheit der Malerei: Bilder

  • Jean-Honoré Fragonard, Der Philosoph, um 1764, Öl/Lw, 59 x 72,2 cm (oval) (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)
  • Francisco José de Goya y Lucientes, Don Tomás Pérez Estala, um 1795, Öl/Lw, 102 x 79 cm (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)
  • Giovanni Battista Tiepolo, Die Opferung der Iphigenie, 1747/1750, Öl/Lw, 39 x 62 cm (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)
  • Giovanni Battista Tiepolo, Dornenkrönung Christi, nach 1753, Öl/Lw, 79,5 x 88,5 cm (© Hamburger Kunsthalle / bpk, Foto: Elke Walford)

Weitere Beiträge zur Kunst des Rokoko

10. Juli 2020
William Hogarth, A Scene from ‘The Beggar’s Opera’ VI, 1731 (Tate, London)

London | Tate Britain: Hogarth und Europa

Zum ersten Mal wird diese Ausstellung Hogarths wichtigste Werke mit denen seiner Kollegen auf dem gesamten Kontinent zusammenbringen – darunter Francesco Guardi in Venedig, Chardin in Paris und Cornelis Troost in Amsterdam –, um die grenzüberschreitenden Strömungen, Parallelen und Sympathien aufzuzeigen.
4. März 2020
François Boucher, Schäfer und Schäferin, Detail, 1760 (Staatliche Kunsthalle Karlsruhe)

Karlsruhe | Staatliche Kunsthalle Karlsruhe: François Boucher Hauptmeister des Rokoko zum 250. Todestag geehrt

Erste monografische Ausstellung über François Boucher (1703–1770) in der Karlsruher Kunsthalle anlässlich dessen 250. Todestags.
10. Januar 2020
Joshua Reynolds, The Hon. Miss Monckton, Detail, 1777/78, Öl/Lw, 240 x 147,3 cm (Tate Britain, London)

Von Reynolds bis Turner. Das Goldene Zeitalter der englischen Malerei Hauptwerke der Tate Britain im Musée du Luxembourg

Die 1760er Jahre sind ein Wendepunkt für die britische Kunst. Kurz nach Mitte des 18. Jahrhunderts begann der Siegeszug von Joshua Reynolds (1723–1792) und Thomas Gainsborough (1727–1788). Das Musée du Luxembourg in Paris zeigt ab Herbst 2019 Hauptwerke aus der Tate Britain.

Aktuelle Ausstellungen

14. Februar 2021
Helmar Lerski, Metamorphosis, 885, 1935–1936, Silbergelatinepapier (ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina: Faces. Die Macht des Gesichts Fotografierte Gesichter der Weimarer Republik

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose - Verwandlungen durch Licht“ (1935/36) präsentiert die Ausstellung „Faces” Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik.
2. Februar 2021
Rudolf Wacker, Stillleben mit Puppe und Hund, Detail, um 1923 (© Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger)

Wien | Leopold Museum: 11 österreichische Maler der Ersten Republik „Menschheitsdämmerung. Zwischen lyrischer Empfindsamkeit und sachlicher Weltauffassung“

Alfons Walde, Albin Egger-Lienz, Anton Kolig, Herbert Boeckl, Gerhart Frankl, Anton Faistauer, Josef Dobrowsky, Hans Böhler, Alfred Wickenburg, Rudolf Wacker und Sergius Pauser kennzeichnen den Pluralismus zwischen einem zurückhaltenden, von Innerlichkeit geprägten, expressiven Kolorismus und einer vom nüchternen Blick auf die Dingwelt geleiteten Neuen Sachlichkeit.
10. Januar 2021
Gerhard Richter, 28.2.2020, Detail, Bleistift und Ölkreide, 27 x 40 cm (22102020)

München | Pinakothek der Moderne: Gerhard Richter. Zeichnungen 54 Zeichnungen 3 Graue Spiegel 1 Kugel

In enger Zusammenarbeit mit dem Kurator für Gegenwartskunst des Museums wird Gerhard Richter zwei Suiten seiner jüngst entstandenen Zeichnungen in einer radikalen Rauminszenierung präsentieren.