0

Henri Matisse: Biografie Lebenslauf des französischen Malers, Grafikers und Plastikers

Henri Matisse, Papageien-Tulpen, 1905, Albertina, Sammlung Batliner © Succession H. Matisse/VBK, Wien 2013.

Henri Matisse, Papageien-Tulpen, 1905, Albertina, Sammlung Batliner © Succession H. Matisse/VBK, Wien 2013.

Henri Matisse (1869-1954)  zählt zu den bedeutendsten Malern der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Der studierte Jurist und Autodidakt begründete gemeinsam mit André Derain den Fauvismus (1905) und entwickelte sich in Auseinandersetzung u.a. islamischer Ornamentik und der Farbenpracht Tunesiens eine flächige, farbintensive Malerei fern jeglicher Perspektivkonstruktion. Während des Ersten Weltkriegs malte er schwarze Bilder, die erst nach seiner Übersiedelung nach Nizze erneut dem Fenster- und Odliskenmotiv wichen. In den 1920er Jahren stieg Matisse (neben Pablo Picasso) zum wichtigsten lebenden Künstler Frankreichs auf.

Weitere Beiträge zu Henri Matisse

Literatur über Matisse

  • Matisse – Metamorphosen (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 30.8.–8.12.2019; Musée Matisse, Nizza, 7.2.–6.5.2020), Schweiz 2019.
  • Felix Krämer (Hg.), Matisse - Bonnard. "Es lebe die Malerei!", Ausst.-Kat. Städel Museum, Frankfurt a. M., 13.9.2017–14.1.2018), München 2017.
  • Karl Buchberg, Nicholas Cullinan, Jodi Hauptman, Nicholas Serota (Hg.), Matisse. the cut-outs (Ausst.-Kat. Tate Modern, London, 17.4.7.9.2014; The Museum of Modern Art, New York, 25.10.20149.2.2015), New York 2014.
  • 31.12.1869

    Henri Matisse wurde am 31. Dezember 1869 im Haus seiner Großeltern mütterlicherseits in Le Cateau-Cambrésis (Picardie, FR) geboren und auf den Namen Henri-Emile-Benoit getauft; sein Vater Emile-Hippolyte-Henri Matisse ist Getreidehändler in Bohain-en-Vermandois, wo Henri auch aufwächst.
  • 1872

    Geburt des Bruders Emile-Auguste
  • 1882-1887

    Besuch des Lyceums (humanistisches Gymnasium) in Saint-Quentin
  • 1887

    Im Oktober ging Henri Matisse nach Paris, um Jura zu studieren. Das Studium absolvierte er zwei Jahre lang.
  • 1888

    Im August bestand Matisse das Jura-Examen und kehrte in die Picardie zurück, wo er als „avoué“ [Anwaltsgehilfe] arbeitete.
  • 1890

    Matisse schuf erste Gemälde während er sich von einer Blinddarmentzündung erholte. Besuch des Zeichenunterrichts an der École Maurice Quentin de la Tour in Saint-Quentin
  • Oktober 1891

    Kehrte im Oktober nach Paris zurück, um Kunst zu studieren: Matisse schrieb sich an der Académie Julian ein, um sich auf die Aufnahmeprüfung für die École des Beaux-Arts vorzubereiten. Nach zwei Korrekturstunden bei Adolphe W. Bouguereau wechselte er zu Gabriel Ferrier.
  • 1892

    Matisse fiel bei der Aufnahmeprüfung der Ecole des Beaux-Arts durch. Schrieb sich im Oktober für drei Kurse an der Ecole des Arts Décoratifs ein, wo er Abendkurse nahm. Hier wollte er das Kunstlehrerdiplom erhalten. Lernte Albert Marquet und Henri Manguin kennen. Naben seiner Ausbildung an der Académie Julian malte er als Gaststudent im Atelier von Gustave Moreau. Lernte dort Georges Rouault und Simon Bussy kennen.
  • 1893

    Neuerlich bestand Henri Matisse die die Aufnahmeprüfung der École des Beaux-Arts nicht. Er kopierte im Louvre Alte Meister, darunter Jean Siméon Chardin, Jan Davidsz. de Heem, Nicolas Poussin und Annibale Carracci. Drei seiner Kopien verkaufte er in der Folge dem französischen Staat.
  • 1894

    Matisse erhielt das Kunstlehrerdiplom. Er mietete eine Wohnung und ein Atelier am Quai Saint-Michel 19. Beziehung mit dem Modell Caroline "Camille" Joblaud, deren Profil er in einem Gipsmedaillon verarbeitete: Das "Frauenbildnis im Profil" ist Matisses früheste erhaltene Bildhauerarbeit. Das Werk wurde vom Salon des Artistes Français abgelehnt. Geburt seiner Tochter Marguerite Emilienne (September)
  • 1895

    Henri Matisse bestand im März die Aufnahmeprüfung an der Ecole des Beaux Arts. Er wurde offiziell in die Klasse von Gustave Moreau aufgenommen. Im Sommer malte er mit Emile Wéry in der Bretagne. Besuchte eine wichtige Cézanne-Ausstellung in der Galerie von Ambroise Vollard.
  • 1896

    Im April erste öffentliche Ausstellung von Arbeiten im Salon des Cent, die von der symboilistischen Zeitschrift „La Plume“ veranstaltet wurde. Wurde zum außerordentlichen Mitglied der Société Nationale des Beaux-Arts (Champs-de-Mars) ernannt, stellte davor in deren Salon de la Société Nationale des Beaux Arts aus. Ankauf von „Die Lesende“ durch den französischen Staat. Im Sommer reiste Matisse in die Bretagne und auf die Belle-Île.
  • 1897

    Auf Anregung von Gustave Moreau malte Henri Matisse „Der servierte Tisch“, der im Salon de la Nationale ausgestellt wuerde. Lernte Camille Pissaro kennen. Im Sommer reiste er in der Bretagne und auf die Belle-Île.
  • 1898

    Matisse heiratet am 8.Januar Amélie Noêmie Alexandrine Parayre (1872-1958), Hochzeitsreise nach London, wo er Gemälde von J.M.W. Turner studierte. Von Februar bis August reiste Matisse nach Ajaccio (Korsika). Malte Landschaften und las Paul Signacs Essay „Von Eugène Delacroix bis zum Neo-Impressionismus“ in „La Revue Blanche“. Im April starb Moreau. Im August reiste Matisse nach Beauzelle und Fenouillet in der Nähe von Toulouse zu Amélies Familie. Über Albert Marquet lernte Matisse Charles Camoin kennen, die drei Maler begannen regelmässig zusammen zu arbeiten.
  • 1899

    Im Januar wurde sein Sohn Jean geboren. Im Februar kehrte er nach Paris zurück, arbeitete kurze Zeit bei Fernand Cormon (Moreaus Nachfolger), der ihn aber wegen seines hohen Alters nicht mehr akzeptierte. Henri Matisse nahm Abendkurse in Bildhauerei an der École d’Art Municipale und besucht die Académie Colarossi sowie die Académie Camillo von Eugène Carrière. Lernte André Derain und Jean Puy kennen. Ein Zusammentreffen mit Auguste Rodin, bei dem er dem grossen Meister seine Zeichnungen zeigte, verlief für Matisse enttäuschend. Matisse kaufte bei Vollard Cézannes „Drei Badende“, Gauguins „Knabenkopf“ und Rodins Gipsbüste „Henri de Rochefort“. Stellte zum letzten Mal im Salon der Société Nationale des Beaux-Arts aus.
  • 1900

    Matisse arbeitete aus finanziellen Gründen an Dekorationen für die Weltausstellung mit. Er sah höchstwahrscheinlich Rodins Ausstellung im Pavillon d e l’Alma während der Pariser Weltausstellung. Matisses Frau eröffnete einen Putzmacherladen in der Rue de Châteaudun. Im Juni wurde der Sohn Pierre geboren. Matisse besuchte Kurse bei Antoine Bourdelle, damals Mitarbeiter von Auguste Rodin.
  • 1901

    Um sich von einer schweren Bronchitis zu erholen, reiste Matisse mit seinem Vater nach Vallors-sur-Ollon (Schweiz). Stellte erstmals zehn Gemälde und Zeichnungen im Salon des Indépendants in Paris aus, der Vater stellte seine finanzielle Unterstützung ein. Über Derain lernte er Maurice de Vlaminck kennen.
  • 1902

    Matisse nahm an einer Gruppenausstellung der Schüler Moreaus in der Galerie Berthe Weill teil. Weill wurde Matisses erste Galeristin. Wohnte bei seinen Eltern im Winter, da er kein Geld hatte.
  • 1903

    Matisse stellte beim ersten Salon d`Autonomne aus. Arbeitete an Radierungen und Kaltnadelarbeiten. Im Pavillon Marsan des Louvre besuchte er eine Ausstellung persicher Miniaturen.
  • 1904

    Freundschaft mit Paul Signac. Die Galerie Vollard widmete ihm seine erste Einzelausstellung, Roger Marx schrieb das Vorwort zum Ausstellungskatalog. Matisse beauftragte Eugène Druet, Fotografien seiner Werke anzufertigen und erwarb bei ihm zwölf Aufnahmen von Auguste Rodins Skulpturen. Im Sommer reiste Matisse mit Signac und Henri-Edmond Cross nach Saint-Tropez und begann „Luxus, Stille, Wollust“. Reichte 13 Gemälde zum Salon d`Automne und zwei nicht identifizierbare Büsten ein. Nannte sich ab nun Henri Matisse, um sich vom Maler Auguste Matisse zu unterscheiden.
  • 1905

    „Luxus, Stille, Wollust“ wurde als einziges Gemälde von Matisse im Salon des Indépendante ausgestellt. Paul Signac erwarb das Bild. Den Sommer verbrachte er mit André Derain in Collioure, wo er Étienne Terrus kennenlernte. Er und Terrus besuchten Aristide Maillol in Banyuls-sur-Mer; Matisse half Aristide bei der Realisierung der großen Version von „Das Mittelmeer“. Er besuchte in der Gegend George-Daniel de Monfreid und sah dort dessen Paul Gauguin-Sammlung, darunter Gauguins Werke in Holz. Henri Matisse malte seine ersten „Fauves“-Bilder.
  • Herbst 1905

    Im Herbst mietete Henri Matisse ein Atelier im Couvent des Oiseaux, Rue de Sèvres 56, in Paris. „Frau mit Hut“ wurde im Salon d`Automne ausgestellt. Die auf dem Salon d’Automne lösten den Skandal um die „Fauves“ aus; die schmähvolle Bezeichnung wurde zur Bezeichnung für die Malergruppe um Matisse, Maurice de Vlaminck, André Derain, Othon Friesz, Albert Marquet, Charles Camoin und Henri Manguin. Kurz vor Schließung des Salons kauften Gertrude Stein und ihr Bruder Leo das Gemälde „Frau mit Hut“. Der Maler und seine Sammler schlossen Bekanntschaft (Gertrude, Leo, Sarah und Michael Stein). Matisse begann „Die Lebensfreude [Le bonheur de vivre]“.
  • 1906

    Erste Lithografien. Matisse stellte „Die Lebensfreude [Le bonheur de vivre]“ als einziges Gemälde im Salon d`Automne aus. Traf Picasso bei den Steins im April. Seine Einzelausstellung in der Galerie Druet in Paris enthielt unter anderem drei Skulpturen; „Kinderkopf“ war Matisses erste ausgestellte Bronzeplastik. Im Mai reiste er nach Algerien. Sommer und Winter in Collioure. Lernte den russischen Sammler und Mäzen Sergei Iwanowitsch Schtschukin kennen und kaufte bei Emile Heymann seine erste afrikanische Skulptur, eine Vili-Figur (Kongo). Im November kehrte Matisse nach Collioure zurück. Die Schwestern Etta und Claribel Cone erwarben erste Werke von Matisse.
  • 1907

    Matisse hielt sich nahezu das gesamte Jahr in Collioure auf. Er malte „Liegender Akt“ und „Blauer Akt“, letztes wurde zum dritten Mal in Folge als einziges Werk Matisses im Salon des Indépendants ausgestellt. Neben afrikanischen Skulpturen waren Aktfotografien wichtige Inspirationsquelle für den Maler und Bildhauer Matisse. Im Frühsommer reiste er mit seiner Frau nach Italien, besuchte die Steins und Walter Pach in Florenz, danach Arezzo, Siena, Ravenna, Padua und Venedig. Studium der italienischen Malerei der Frührenaissance. In Florenz konnte Matisse möglicherweise Baccio Bandinellis Reliefs für den Chor des Domes studieren, die ihn für sein Relief „Rückenakt“ inspiriert haben könnten. Den Spätsommer reiste er nach Collioure.
  • Herbst 1907

    Im Salon d’Automne zeigt Henri Matisse mehrere Gemälde, „Bei der Toilette [La coiffure]“ wurde von der Jury allerdings abgelehnt. Die Galerie Paul Cassirer in Berlin zeigte im Oktober Werke von Matisse, die Ende des Jahres auch im Museum Folkwang in Hagen zu sehen wr. Karl Ernst Osthaus hatte bereits im Oktober „Stillleben mit Affodillen“ bei Bernheim-Jeune gekauft: Es war für Matisse der erste Museumsankauf überhaupt! Mitte Dezember verließ Matisse sein Atelier an der Rue de Sèvres und seine Wohnung am Quai Saint-Michel und zog an den Boulevard des Invalides 33 (ehem. Couvent du Sacré-Coeur).
  • 1908: Gründung der Académie Matisse

    Zu Neujahr 1908 eröffnete Matisse - auf Anregung von Michael und Sarah Stein wie auch Hans Purrmann - eine Malschule in der Rue de Sèvres 56: die Académie Matisse. Im Frühjahr zog die Kunstschule vom Couvent des Oiseaux in das Couvent du Sacré-Coeur. Zu seinen Schülerinnen und Schülern zählte Henri Matisse Sarah Stein, Hans Purrmann, Oskar und Greta Moll, Joseph Brummer, Max Weber und andere.
  • 1908

    Im Sommer reiste Matisse gemeinsam mit Purrmann nach Deutschland – München, Nürnberg, Heidelberg. Persönlichen Kontakt mit Paul Cassirer. Über Sergei Iwanowitsch Schtschukin lernte Matisse den Kunstsammler Iwan Morosow kennen. In La Grande Revue erscheinen Matisses „Notes d’un peintre“. Veröffentlichung seiner „Notizen eines Malers“ in „Kunst und Künstler.Illustrierte Monatsschrift für bildende Kunst und Kunstgewerbe“ im Verlag von Bruno Cassirer auch auf Deutsch (Mai, Überssetzung von Greta Moll). Erste Ausstellung in den USA mit Arbeiten auf Papier über Vermittlung von Edward Steichen in der Galerie 291 von Alfred Stieglitz in New York - ein Misserfolg. Im Pariser Salon d`Automne wurde eine Retrospektive abgehalten: 11 Gemälde, 13 Skulpturen, 6 Zeichnungen bestätigten die führende Rolle von Matisse in der Pariser Avantgarde.
  • 1909

    Henri Matisse reiste nach Berlin zur Eröffnung seiner ersten grossen Einzelausstellung bei Paul Cassirer. In Berlin waren elf Skulpturen zu sehen, davon zehn Bronzen. Matisse mietete ein Haus in Issyles-Moulineaux, das er 1912 erwarb. In Issy arbeitete er am Gipsabguss von „Rückenakt I“. Schtuschkin gab „Der Tanz“ und „Die Musik“ in Auftrag. Matisse unterschrieb seinen ersten Vertrag mit der Galerie Bernheim-Jeune in Paris (Zusammenarbeit bis 1926).
  • 1910

    Große Retrospektive von Gemälden in der Galerie Bernheim-Jeune. Im Frühjahr zog sich Matisse von seiner Akademie zurück. Mit Albert Marquet und Hans Purrmann Reise nach München zur Ausstellung islamischer Kunst. Teilnahme an der Ausstellung „Manet and the Post-Impressionists“, die Roger Fry in London organisierte. Im Winter reiste Matisse nach Andalusien. Seine Nachbarin in Issy, Jeanne Vaderin, saß ihm Modell für die ersten zwei Zustände der Folge von fünf Büsten „Jeannette" (vollendet 1916). Um diese Zeit erwarb Matisse den Gipsabguss eines Kouros, den er im Garten in Issy und später im Atelier in Nizza prominent aufstellte.
  • 1911

    Im November reiste Matisse zum Sammler Schtschukin nach Moskau, um dessen Werke zu vollenden und zu installieren. Er sah dort die Ikonen-Sammlung von Ilya Ostruchow. Reiste gemeinsam mit Marquet im Winter nach Tanger (Marokko). Im Gemälde „Das rosafarbene Atelier" fügte Matisse das Relief „Rückenakt I" ein.
  • 1912

    Aufenthalt in Tanger (Ende Januar bis April sowie ab Herbst). Bei seiner dritten und letzten Ausstellung in der Galerie 291 in New York legte Henri Matisse den Schwerpunkt zum ersten Mal auf Skulptur. Gezeigt wurden sechs Bronzen, fünf Gipse und eine Terrakottafigur nebst Zeichnungen. Das sehr gute Besucher- und Presseecho schlug sich allerdings nicht in Verkaufserfolgen nieder. Die zweite postimpressionistische Ausstellung bei Grafton Galleries in London zeigte auch Werke von Matisse, darunter acht Skulpturen, unter anderem den Gips von „Rückenakt I" und die ersten vier Büsten der „Jeannette". Der Neue Kunstsalon in München zeigt in der Dezember-Ausstellung 15 Bronzeplastiken von Matisse. Im Dezember erwarb der amerikanische Arzt und Kunstsammler Albert C. Barnes erste Gemälde des Malers.
  • 1913

    Auf Vermittlung von Walter Pach zeigte Matisse auf der Armory Show in New York neben seinen Marokkobildern auch den Gips von „Rückenakt I" aus. Die Armory Show wanderte anschliessend ins Art Institute of Chicago und in kleinerem Umfang in die Copley Society of Arts in Boston. Matisse kehrte im Frühjahr aus Marokko zurück. Matisse nahm an der Ausstellung der Berliner Secession teil und zeigt bei der großen Einzelausstellung bei Bernheim-Jeune in Paris unter anderem 13 Skulpturen, darunter „Jeannette I–III"; die Schau wurde im Mai bei Fritz Gurlitt in Berlin präsentiert. Alvin Langdon Coburn fotografiert Matisse bei der Bearbeitung von „Rückenakt II" zu „Rückenakt III" (13. Mai). Der japanische Künstler Yūzō Fujikawa, der von 1912 bis 1914 in Paris bei Auguste Rodin arbeitete, besuchte auf Anregung der Steins Matisses Atelier und sah dort die Gipse von drei der grossen Rückenreliefs (vor Ende 1914). Sommer in Issy, im Herbst wieder in Paris.
  • 1914

    Henri Matisse bezog zu Neujahr wieder ein Atelier am Quai Saint-Michel 19 in Paris. Die Dänen Christian Tetzen-Lund und Johannes Rump begannen Werke von Matisse zu sammeln. Ausstellung von Matisse’ Gemälden aus der Sammlung Michael und Sarah Stein bei Fritz Gurlitt in Berlin (Juli), wo die Bilder bei Kriegsausbruch beschlagnahmt wurden. Matisse bemühte sich vergeblich darum, zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Im August floh Matisse mit seiner Familie nach Collioure; hier begann die Freundschaft mit Juan und Josette Gris. Im Oktober besuchte Matisse das Atelier des Bildhauers Raymond Duchamp-Villon in Puteaux, einem Vorort von Paris, wo er dessen Arbeiten zu „Pferd" sah.
  • 1915

    Matisse zeigte elf Skulpturen an einer Einzelausstellung in der Montross Gallery, New York, vermittelt durch Walter Pach. Fünf Bronzen werden verkauft. Er malte in Paris und Issy. Im Winter reiste er mit Albert Marquet nach Marseille.
  • 1916

    Henri Matisse arbeitete an den grossformatigen Gemälden „Badende am Fluss" und „Die Marokkaner". Matisse besuchte zusammen mit Pablo Picasso und Diego Rivera Jacques Lipchitz, dessen Skulpturen ihn interessierten. Matisse verbrachte den Winter im Hotel Beau-Rivage in Nizza.
  • 1917

    Im Dezember erster Aufenthalt in Nizza, das zunehmend sein Lebensmittelpunkt wurde. Matisse behielt jedoch sein Haus in Issy, wo er meist die Sommermonate verbrachte. Zu Silvester besuchte er Auguste Renoir in Cagnes-sur-Mer, es ist der Beginn ihrer Freundschaft.
  • 1918

    Aufenthalte in Nizza, wo Matisse in einem Hotelzimmer an Interieurszenen malte. Ausstellung „Matisse – Picasso“ in der Galerie Guillaume (Vorwort von Guillaume Apollinaire). Mietete Villa in Nizza. Malte im Sommer in Cherbourg und Paris. Im Herbst Rückkehrt nach Nizza. Besuchte Pierre Bonnard in Antibes und Renoir in Cagnes (Jahresende).
  • 1919

    Ausstellungen in Paris und „Pictures by Matisse and Sculpture by Maillol“ in den Leicester Galleries in London. Auftrag von Serge Diaghilev für das Bühnendekor für „Gesang der Nachtigall“ von Igor Strawinsky. „Der schwarze Tisch“
  • 1920

    Henri Matisse entwarf Kostüme und Bühnenbilder für das Ballett „Le Chant du Rossignol“ mit Musik von Igor Strawinsky und der Choreographie von Sergei Djagilew. Verbrachte den Sommer in Etretat. Matisse begann seine Bronzen bei Florentin Godard und Cullen in Paris giessen zu lassen. Marcel Sembat veröffentlichte seine vielbeachtete Publikation „Matisse et son oeuvre“; Élie Faure, Jules Romains, Charles Vildrac und Léon Werth publizieren ihr Buch „Henri Matisse“. Dies sind die frühesten Monografien über den Künstler. Matisse veröffentlichte seine „Cinquante dessins“.
  • 1922

    Der französische Staat kaufte das erste Bild von Matisse. Malte eine Serie von Odalisken und begann sich, wieder verstärkt mit Lithografie zu beschäftigen. Im Herbst bezog Matisse eine Wohnung an der Place Charles-Félix 1 in Nizza, wo er fortan eine Hälfte des Jahres verbrachte.
  • 1923

    Aus den Sammlungen von Morosow und Schtschukin entstand in Moskau ein erstes Museum moderner westlicher Kunst (heute Pushkin-Museum) – in den Sammlungsbeständen befinden sich 48 Matisse-Gemälde.
  • 1924

    Erste Ausstellung in der Brummer Gallery, New York. Die Gemälde seiner Ausstellung bei Bernheim-Jeune in Paris im Mai waren grösstenteils schon im Vorfeld ausverkauft. Bisher größte Retrospektive in der Ny Carlsberg Glyptotek in Kopenhagen (Herbst); sie wandert weiter nach Stockholm und Oslo.
  • 1925

    Henri Matisse wurde zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Mit 22 Gemälden, vier Zeichnungen und zehn Lithografien Teilnahme an der „Internationalen Kunstausstellung“ am Kunsthaus Zürich beteiligt. Die Matisse-Zeichnung „Nymphe und Satyr“ am Plakat wurde in Genf und Luzern aus sittlichen Gründen verboten. Arbeit an Henriette I nach der Musikerin und Tänzerin Henriette Darricarrère, Matisse’ Lieblingsmodell von 1920 bis 1927. Matisse begann bei Claude Valsuani giessen zu lassen. Zweite Italienreise mit Frau und Tochter.
  • 1926

    Matisse erwarb eine Wohnung am Boulevard Montparnasse 132 in Paris. Einzelausstellung bei Paul Guillaume, Paris.
  • 1927

    Pierre Matisse organisierte eine Einzelausstellung in der Valentine Dudensing Gallery in New York. Matisse erhielt den Preis für Malerei der „Carnegie International“ in Pittsburgh. Bezog neue Räumlichkeiten an der Place Charles Félix 1 in Nizza.
  • 1928

    Elf Skulpturen von Matisse, davon sechs Bronzen, wurden auf der XVI. Biennale di Venezia gezeigt. In den Cahiers d’art wurde eine grössere Anzahl seiner Skulpturen abgebildet.
  • 1929

    Letzte Einzelausstellung (Lithografien) bei Bernheim-Jeune in Paris.
  • 1930

    Einzelausstellung in der Moderne Galerie Thannhauser in Berlin und in der Galerie Pierre in Paris. Reiste im Februar nach New York, San Francisco und Tahiti. Bei der Rückreise im September erhielt Matisse von Julian Barnes den Auftrag für die Gestaltung eines 52 m² großen Wandgemäldes zum Thema Tanz (Barnes Foundation in Merion bei Philadelphia, Pennsylvania)
  • 1931

    Große Skulpturenausstellung Matisses in der Brummer Gallery in New York. Von 46 Exponaten gehen 25 nach Chicago weiter. Einzelausstellungen bei Georges Petit in Paris und in der Kunsthalle Basel. Das MoMA in New York zeigte die bisher ambitionierteste Retrospektive von Matisse; erste englische Übersetzung der „Notes d’un peintre“ im Katalog. Die erste Fassung „Der Tanz“ entstand. Matisse nutzte erstmals gefärbte Papiere, um die Komposition für das Wandgemälde für Barnes zu erfinden. Illustrierte für Albert Skira die Gedichte von Stéphane Mallarmé [Poésies]; die erste von zahlreichen Buchillustrationen. Matisse’ Sohn Pierre eröffnete im November seine eigene Galerie in New York.
  • 1932

    Matisse erarbeitete die zweite Fassung von „Der Tanz“, da der ersten Fassung falsche Massangaben zugrunde lagen. Ihm assistierte dabei die junge Russin Lydia Delectorskaya, die sich kurze Zeit darauf auch um Matisses erkrankte Frau Amélie kümmerte.
  • 1933

    Installation des Wandbildes „Der Tanz“ in Merion, Philadelphia, in der Barnes Foundation.
  • 1934/35

    Ausstellungen in der New Yorker Galerie seines Sohnes Pierre. Radierungen zu James Joyce’ Ulysses. Kartonentwürfe für Teppiche. 1935 wurde Lydia Delectorskaya Matisses Modell und übernahm weitere Aufgaben im Atelier und Haushalt von Matisse bis zu dessen Tod. Besuch von Pierre Bonnard in Le Cannet und Beginn des regen Briefwechsels.
  • 1936

    Henri Matisse schenkte sein Cézanne-Gemälde dem Pariser Museum. Erhielt einen eigenen Saal in der Exposition des Mâitres de l`art indépendant in Paris. Matisse schloß einen ersten Vertrag mit dem Kunsthändler Paul Rosenberg. Er hatte eine Ausstellung in dessen Pariser Galerie sowie eine neuerliche Ausstellung bei Leicester Galleries in London. Er begann über seine Bronzegüsse Buch zu führen; „Dame in Blau“
  • 1937

    Henri Matisse arbeitete am Bühnenbild und den Kostümen für das Ballett „Rouge et noir“, choreografiert von Léonide Massine ( Premiere 1939 in Monte Carlo). Die erste Fassung von „Der Tanz“ fand Eingang in die Sammlung des Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Matisses Gesundheitszustand verschlechterte sich.
  • 1938

    Matise ließ sich im ehemaligen Hotel Régina in Cimiez, unweit von Nizza, nieder. Er wurde zum Offizier der Ehrenlegion ernannt.
  • 1939

    Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs deponierte Henri Matisse alle seine Werke in der Banque de France in Paris. Er sagte eine Reise nach Brasilien ab.
  • 1940

    Henri Matisse verbrachte das Frühjahr in Paris und erhielt nach dem Umsturz ein brasilianisches Visum. Er entschied sich jedoch dafür, Frankreich nicht zu verlassen, und kehrte nach Cimiez zurück. Scheidung von Amélie. Matisse lehnte eine Professur am Mills College in Oakland, Kalifornien, für den Sommer ab, ebenso eine spätere Einladung in die USA. „Die rumänische Bluse“ und „Der Traum“ entstanden.
  • 1941

    Wegen einer schwerwiegenden Darmerkrankung im Januar Operation in Lyon. Matisse begann während seiner Genesung Montherlants „Pasiphaé. Chant de Minos“ (1936) und Ronsards „Florilège des Amours“ (1552–1553) zu illustrieren. Im Krankenhaus führte Pierre Courthion mit dem Künstler ausführliche Gespräche, die erst 2013 publiziert wurden.
  • 1942

    Besuch von Aragon in Cimiez. Arbeitete an Buchillustrationen. Tauschte Bilder mit Picasso.
  • 1943

    Nach einem Luftangriff auf Cimiez zog Matisse in die Villa Le Rêve in dem in der Provence gelegenen Dorf Vence um, die bis 1948 sein Wohnsitz bleiben sollte. Begann die Arbeit an ersten Entwürfen als Papiers découpés für das Buch „Jazz“ (1947). Zum ersten Mal seit 1928 stellte Henri Matisse wieder am Salon d’Automne in Paris aus und zeigte vier Gemälde.
  • 1944

    Frau Matisse wurde verhaftet und die Tochter Marguerite wegen Teilnahme an der Résistance verschleppt.
  • 1945

    Im Sommer Rückkehr nach Paris. Gesamtausstellung im Ehrensaal des Herbstsalons; grosser Ankauf von Matisse’ Werken durch das neu gegründete Musée National d’Art Moderne in Paris. Das Victoria and Albert Museum in London stellte Matisse und Picasso gemeinsam aus. Bei der Eröffnungsausstellung der Galerie Maeght in Paris präsentierte Henri Matisse mittels Fotografien die verschiedenen Zustände der sechs ausgestellten Gemälde.
  • 1946

    Publikation des Künstlerbuchs „Montherlant: Pasiphaé. Chant de Minos“ (Erstveröffentlichung des Textes 1936). François Campaux drehte einen Dokumentarfilm über den Künstler.
  • 1947

    Matisse veröffentlichte „Jazz“, zum Kommandanten der Ehrenlegion ernannt. Nach einem einjährigen Aufenthalt in Paris kehrte Matisse nach Vence zurück. Beginn der Arbeit an der Rosekranzkapelle.
  • 1948

    Entwürfe für die Rosenkranzkapelle des Dominikanerklosters in Vence und für das Keramikwandbild des Hl. Dominikus für die Kirche Notre-Dame-de-Toute-Grâce du Plateau d’Assy (1950). Studium von Grünewalds Isenheimer Altar zum Zwecke der Inspiration. Schloß sein malerisches Werk mit einer Serie von Interieurs ab. Retrospektive in Philadelphia. Publikation des Künstlerbuchs Ronsard: Florilège des Amours (Erstveröffentlichung des Textes 1552–1553).
  • 1949

    Anfang Januar kehrte Henri Matisse in seine Räume im ehemaligen Hôtel Régina in Nizza-Cimiez zurück. Im Februar wurden zum ersten Mal die Papiers découpés öffentlich präsentiert, in der Galerie Pierre Matisse in New York. Große Einzelausstellung in Luzern.
  • 1950

    Henri Matisse erhielt den Grand Prix für Malerei auf der 25. Biennale von Venedig. Er bat darum, den Preis mit seinem Freund, dem Bildhauer Henri Laurens, zu teilen. Publikation von Charles d’Orléans: Poèmes. Großformatige Papiers découpés entstanden.
  • 1951

    Ausstellungen in Japan, Düsseldorf, Hamburg und New York. Große Retrospektive im MoMA, New York (weiter Stationen:Cleveland, Chicago und San Francisco). Gleichzeitig erscheint die erste umfassende Monografie „Matisse. His Art and His Public“ von Alfred H. Barr Jr. Im Juni wurde die Rosenkranzkapelle in Vence in Abwesenheit von Matisse eingeweiht.
  • 1952

    Eröffnung des ersten Musée départemental Matisse im Rathaus von Le Cateau-Cambrésis; Serie der „Blauen Akte“.
  • 1953

    Ausstellung der Papiers découpés in der Galerie Berggruen in Paris. Die Tate Gallery in London zeigte 49 Bronzen und kombinierte diese mit drei Gemälden und deren Zustandsfotografien. Daraus entstand eine Wanderausstellung, die bis 1955 nach Kopenhagen, Helsinki, Oslo, Rotterdam, Ottawa und Houston tourte. Die Curt Valentin Gallery in New York zeigte 38 Skulpturen.
  • 3.11.1954

    Der französische Pavillon an der XXVII. Biennale di Venezia zeigte neben sechs Gemälden von Henri Matisse auch alle fünf Zustände von Jeannette in Bronze. Am 3. November 1954 starb Henri Matisse infolge eines Herzinfarkts in Nizza. Er wurde auf dem Friedhof von Cimiez beigesetzt.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.