Hito Steyerl

Hito Steyerl (* 1966) ist Filmemacherin und Autorin. Zu den bevorzugten Ausdrucksmedien der in München geborenen Künstlerin zählen essayistische Dokumentarfilme. In Texten setzt sich die promovierte Philosophin mit Fragen zum Postkoloialismus und feministischer Repräsentation kritisch auseinander. Gemeinsam mit Vera Tollmann und Boaz Levin gründete Hito Steyerl das Research Center for Proxy Politics, das sich zum Ziel gesetzt hat, über die Funktionsweise von medialen Netzwerken und ihren Akteuren – das sind Maschinen, Dinge und Menschen – nachzudenken und dieses Verhältnis zu erforschen. Hito Steyerls Filme werden sowohl auf Kunstbiennalen wie Filmfestivals gezeigt, womit sich die Künstlerin zwischen den beiden Gattungen Film und Bildender Kunst bewegt. Aktuell lehrt Hito Steyel an der Universität der Künste Berlin in der Klasse für Medienkunst (New Media Art / Lensbased class).

 

„Zeitgenössische Kunst wird ermöglicht durch das neoliberale Kapital, plus Internet, Biennalen, Kunstmessen, parallelen Pop-up Geschichten und wachsendem Einkommensungleichheit.“1

 

Ausbildung und Lehre

Zwischen 1987 und 1990 studierte Hito Steyerl Kinematographie und Dokumentarfilmregie an der Academy of Visual Arts in Tokio bei Imamura Shoheit und Hara Kazuo. Bevor sie an die Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) nach München ging, um Dokumentarfilmregie zu studieren, arbeitete sie 1990/91 als Regieassistentin für Wim Wenders. Für den Film „Until die End oft he World“ reiste sie durch Australien, Japan, Frankreich, USA, Italien, Portugal und Deutschland. An der Wiener Akademie der Bildenden Künste schloss Steyerl ihre Ausbildung 2003 mit einer Promotion in Philosophie ab.

Ihre Erfahrungen als Künstlerin gibt Hito Steyerl gerne an Studierende weiter, weshalb sie am Centre for Cultural Studies am Goldsmith College in London unterrichtete. 2010 wurde als Professorin an die Universität der Künste Berlin berufen, wo sie die KIasse der Neuen Medien leitet.

 

Werk

Hito Steyerls Videos und Texte sind scharfsinnige und provokative Analysen der gegenwärtigen Gesellschaft und ihrer Institutionen. Die deutsche Künstlerin beschäftigt sich mit globalen Finanz- und Warenflüssen, mit Arbeitsverhältnissen im Neoliberalismus und Verstrickungen zwischen Konzernen und öffentlicher Politik. Sie spürt visuellen Regimen nach und reflektiert die Macht der Bilder, als Medien unserer Wahrnehmung und als Träger und Strukturgeber von Informationen.

 

„Zeitgenössische Kunst wird ermöglicht durch das neoliberale Kapital, plus Internet, Biennalen, Kunstmessen, parallelen Pop-up Geschichten und wachsendem Einkommensungleichheit.“2

 

In Steyerls jüngeren Arbeiten wie „The Tower“ (2015) spielen digitale Technologien oft die zentrale Rolle. Dies gilt nicht nur für deren formale Realisierung, die in zunehmendem Masse auf digitaler Produktion beruht, sondern auch hinsichtlich der Themen der Filme. Digitale Informationsflüsse sind in ihren Videos aktive Agenten, nicht nur in physikalischen, sondern auch in gesellschaftlichen und sozialen Prozessen. Die Realität ist durch digitale Technologien erweitert worden und folgt ihr, so die Perspektive Steyerls. Mit einem sicheren Gefühl für Bildschnitt und Rhythmus schafft die Künstlerin in Arbeiten wie „How Not to Be Seen (A Fucking Didactic Educational.MOV File)“ (2013) mit scheinbar spielerischer Leichtigkeit immersive, aber keineswegs bruchlose Montagen aus Computeranimationen, Screenshots, Found Footage aus den Massenmedien, und selbst gedrehten Szenen.

Einem großen Publikum wurde die Filmemacherin durch ihre Biennale-Teilnahmen der letzten Jahre bekannt:

  • 2017 Skulptur Projekte in Münster
  • 2015 Biennale von Venedig
  • 2007 documenta 12 in Kassel

Das Kunstmagazin ArtReview stellte Hito Steyerl 2017 an die Spitze der „Power100“-Liste. Damit ist Steyerl die einflussreichste Person im Kunstbetrieb (→ Künstlerinnen und Künstler auf der 2017 POWER 100 von ArtReview).

Hito Steyerl lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

 

Filmografie

  • 1994: Deutschland und das Ich
  • 1996: Land des Lächelns
  • 1997: Babenhausen
  • 1998: Die leere Mitte
  • 1999: Normalität 1-10
  • 2004: November
  • 2007: Lovely Andrea
  • 2007: Journal No 1
  • 2009: After the Crash
  • 2010: In Free Fall
  • 2012: Abstract
  • 2012: Adorno's Grey
  • 2012: Guards
  • 2013: How not to be seen: a fucking didactic .MOV file
  • 2014: Liquidity Inc.
  • 2015: Factory of the Sun
  • 2015: The Tower
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  1. "Contemporary art is made possible by neoliberal capital, plus the internet, biennials, art fairs, parallel pop-up histories and growing income inequalities." Hito Steyerl in einem Interview mit dem Guardian.
  2. Contemporary art is made possible by neoliberal capital, plus the internet, biennials, art fairs, parallel pop-up histories and growing income inequalities.