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Paris | Musée de l’Orangerie: Soutine – De Kooning Französischer und amerikanischer Expressionismus zwischen Figur und Abstraktion

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 5. April 2020
Chaïm Soutine, Das Dorf, um 1923, Öl/Lw, 73,5 x 92 cm (Musée de l'Orangerie, Paris © RMN-Grand Palais (Musée de l'Orangerie) / Hervé Lewandowski)

Chaïm Soutine, Das Dorf, um 1923, Öl/Lw, 73,5 x 92 cm (Musée de l'Orangerie, Paris © RMN-Grand Palais (Musée de l'Orangerie) / Hervé Lewandowski)

Erstmals werden im Musée de l‘Orangerie Werke von Chaim Soutine (1893–1943) und Willem de Kooning (1904–1997), von einem französischen Expressionisten und einem abstrakt-expressionistischen amerikanischen Maler, einander gegenüberstellt. Im Rahmen dieser Ausstellung wird insbesondere die Auswirkung der Malerei von Soutine, einem russischen Maler der Pariser Schule, auf die künstlerische Vision des amerikanischen Malers niederländischer Herkunft beleuchtet.

Soutine / De Kooning

Frankreich | Paris: Musée de l‘Orangerie
7.10.2020 – 25.1.2021
15.9.2021 – 10.1.2022

„Ich war schon immer verrückt nach Soutine – nach all seinen Gemälden.“ (Willem de Kooning)

Chaim Soutine hatte in der Tat eine besondere Bedeutung für die Malergeneration der Nachkriegszeit: der ausdrucksstarke Stil seiner Gemälde und die Figur des „verdammten Künstlers [artiste maudit]“, der mit den Wechselfällen und Exzessen der Pariser Bohême zu kämpfen hatte, beeindruckte die Künstler der „Stunde Null“. Soutines Werk hatte einen besonderen Widerhall in den USA zwischen 1930 und 1950. Zu diesem Zeitpunkt wurde der figurative Künstler europäischer Tradition im Licht der modernen künstlerischen Theorien neu interpretiert. Die gestische Malerei und der ausgeprägte Impasto-Effekt von Soutines Gemälden veranlassen Kritiker und Ausstellungskuratoren, ihn zum Propheten und Aushängeschild des amerikanischen abstrakten Expressionismus auszurufen.

Genau in den 1950er Jahren begann Willem de Kooning seine berühmte „Woman“-Serie. Mit diesen Gemälden erfand er seinen persönlichen Stil, der als Expressionismus zwischen bildlicher Darstellung und Abstraktion beschrieben werden kann (→ Abstrakter Expressionismus | Informel). Die Entstehung dieser neuen Ausdrucksweise erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem der Maler die künstlerische Welt von Chaïm Soutine heraufbeschwörte und sich damit intensiv auseinandersetzte. Willem De Kooning entdeckte die Gemälde seines Vorgängers ab den 1930er Jahren und dann anlässlich der Retrospektive, die das Museum of Modern Art in New York diesem Maler im Jahr 1950 widmete. De Kooning sollte insbesondere von der Präsentation der Bilder von Soutine in den Sammlungen der Barnes Foundation in Philadelphia geprägt werden, die er im Juni 1952 mit seiner Frau Elaine besuchte.

De Kooning hat es wie kein anderer verstanden, den Antagonismus zwischen zwei scheinbar gegensätzlichen Seiten des Werks von Soutine zu erkennen: die Suche nach Struktur, kombiniert mit einer leidenschaftlichen Beziehung zur Kunstgeschichte und einer ausgeprägten Neigung zur informellen Darstellung. Das Werk von Soutine wurde somit zu einem ständigen Bezugspunkt für den amerikanischen Künstler. De Kooning wollte seine Malerei vom Gegensatz figurative/abstrakte Kunst befreien, indem er einen neuartigen dritten Weg entwickelte. Dabei fand de Kooning in der Kunst von Soutine eine Legitimation seiner eigenen Praxis.

 

Soutine / De Kooning in Paris

Die Ausstellung stellt die einzigartigen künstlerischen Welten dieser beiden Künstler anhand von etwa 50 Werken gegenüber. Zentrale Themen sind: Antagonismus zwischen figurativer / informeller Darstellung, Abbildung des Inkarnats, die pikturale „gestische“ Praxis beider Künstler.

Diese thematischen Momente werden geprägt von historischen Perspektiven durch den Verweis auf die Soutine-Retrospektive im MoMA im Jahr 1950 und de Kooning erster Besuch der Barnes Foundation im Jahr 1952.

Kuratiert von Claire Bernardi, Konservatorin im Musée d'Orsay, und Simonetta Fraquelli, Kuratorin für die Barnes Foundation. Die Ausstellung wird in Zusammenarbeit mit der Fondation Barnes von Philadelphia organisiert, die eine bedeutende Anzahl an Werken von Soutine besitzt. Barnes trug die Soutine-Sammlung in Philadelphia auf Anraten von Paul Guillaume zusammen, dem Begründer der Sammlung des Musée de l'Orangerie. Sie wird unterstützt von der De Kooning Foundation, New York und Wilhelm & Associés.
Die Ausstellung wird vom 7. März bis 6. Juni 2021 in der Barnes Foundation in Philadelphia präsentiert.

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