Claude Monet, Quai du Louvre, 1867 (© Kunstmuseum Den Haag - bequest Mr. and Mrs. G.L.F. Philips-van der Willigen, 1942)
Das Kunstmuseum Den Haag zeigt im Frühjahr 2025 den Pariser Impressionismus in Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie, Berlin, und dem Musée d‘Orsay. Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein neues Paris. Gemälde von Claude Monet, Edouard Manet, Edgar Degas, Pierre-Auguste Renoir, Frédéric Bazille, Gustave Caillebotte, Mary Cassatt und Berthe Morisot machen die Geburt der Großstadt und des Impressionismus nachvollziehbar. Aus Félix Nadars Heißluftballon zeigt sich die Hauptstadt Frankreichs in neuem Licht!
Niederlande | Den Haag:
Kunstmuseum
15.2. – 9.6.2025
Wie sahen die Impressionistinnen und Impressionisten ihre Stadt, ihr Paris? 1867 malte Claude Monet den Blick auf Paris von einem Balkon des Louvre. Mit diesem Werk kehrte er der klassischen Kunst buchstäblich den Rücken, um das geschäftige Leben auf den Straßen zu beobachten und festzuhalten. Monet stellte seine eigene Welt in den Vordergrund. Das Ergebnis sind drei Gemälde: „Das ist mein Hier und Jetzt“, muss sich Monet gedacht haben. Diese drei Stadtansichten, die in enger Zusammenarbeit mit der Alten Nationalgalerie (Berlin) und dem Allen Memorial Art Museum (Oberlin, Ohio) wieder zusammengeführt wurden, sind nun endlich in „New Paris: From Monet to Morisot“ zu sehen.
Claude Monets mondäne Bilder von Paris stehen im Mittelpunkt der großen Impressionismus-Ausstellung, umgeben von einer breiteren Erzählung: was wir an der Stadt schätzen und was kollektiv unter den Teppich gekehrt wurde. Paris ist in diesen Jahren lebendig und voller Energie - die Welt liegt einem zu Füßen. Eine „lebenswerte“ Stadt mit Wachstumsschmerzen, die die Ärmsten an den Rand drängt. Krieg und politische Unruhen haben ihre Spuren hinterlassen genauso wie Ausbeutung und der hoffnungsvolle Blick in eine ungewisse Zukunft.
Die modische Pariserin, franz. la Parisienne, wurde zum Inbegriff des neuen Paris. Plötzlich gab es öffentliche Räume wie Kaufhäuser und Theater, die ihr neue Freiheiten boten, und für die neue soziale Codes entwickelt wurden. Es war eine Welt des Sehens und Gesehenwerdens. Der Wandel der Zeit spiegelte sich in der Mode wider und zeigt sich damit auch im Straßenbild. In Paris war die neue Frau allgegenwärtig - diejenigen, die Couture trugen, diejenigen, die sie herstellten, diejenigen, die sie repräsentierten und diejenigen, die sie beobachteten und ihrerseits Reaktionen hervorriefen. Dennoch war es Künstlerinnen wie Morisot und Cassatt immer noch verboten, mit ihren männlichen Kollegen die Cafés zu betreten - ein gesellschaftliches Tabu. Während Manet und Renoir die Pariserin oft als Symbol oder Typus der Stadt darstellten, zeigten Cassatt und Morisot die Frau als Individuum.
Neu-Paris wurde durch die Entschlossenheit hart arbeitender Menschen erbaut. Tausende von Maurern, Zimmerleuten und anderen Arbeitern zogen in die Stadt - aber es war eine Stadt für die Reichen. In „New Paris: From Monet to Morisot“ sieht man nicht nur den Aufstieg von Freizeit und Werbung, sondern auch die Gesichter derer, die damals übersehen wurden. Diejenigen, die alles möglich machten, die nie in den Genuss des Luxus kamen.
Europa war kurz nach der Jahrhudertmitte in Aufruhr. Preußen belagerte die französische Hauptstadt, die schönen neuen Boulevards, Plätze und Parks wurden verwüstet. Viele Menschen verloren ihr Leben, der Tuilerienpalast ging in Flammen auf. Monet, der 1867 auf diesem Balkon stand, konnte davon noch nichts wissen. Er blickte auf die bezaubernde Stadt und ihre vielversprechende Zukunft. Für die Impressionist:innen war die Zeit des Wandels zum Greifen nahe. Bazille war von ihrer Wirkung überzeugt:
„Sie werden sehen, alle werden über uns sprechen.“ (Frédéric Bazille)