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dOCUMENTA (13): Kassel und Australien Das war die dOCUMENTA (13) in 12 Kapiteln - Teil 6

Doreen Reid Nakamarra, Detail, dOCUMENTA (13) 2012, Installationsfoto: Alexandra Matzner.

Doreen Reid Nakamarra, Detail, dOCUMENTA (13) 2012, Installationsfoto: Alexandra Matzner.

Da der Lebenslauf von CCB u.a. die Leitung der 16. Biennale von Sydney beinhaltet, verwundert wenig, dass australische Künstler_innen neben asiatischen auf der dOCUMENTA (13) eine besondere Rolle spielen. Warlimpirrnga Tjapaltarri (* 1958) und Doreen Reid Nakamarra (1950-2009) stehen für eine moderne Interpretation der Aborigines-Kunst, Margaret Preston (1875-1963) für die erstmalige Anerkennung der Aborigines-Kunst als solche und Gordon Bennett (* 1955) zitiert postmodern sowohl die Aborigines als auch Preston.

Doreen Reid Nakamarra war seit 1996 Mitglied der Papunya Tula Arists, bevor sie ab 2005 als eigenständige Künstlerin hervortrat. Die kleinteiligen Strukturen ihrer Bilder beschreiben das wogende Land und die von Süßgräsern bewachsenen Sandhügeln von Marrapinti, einer heiligen Stätte von Frauen in der Nähe von Kiwirrkurra, wohin Nakamarra 1984 gezogen war.

Warlimpirrnga Tjapaltarri ist wie Nakamarra Mitglied der Papunya Tula Arists und malt wie Reid Nakamarra das Land, auf dem er lebt, seine mythische Geschichte. Beiden Künstlern ist gemein, dass ihre Arbeiten nicht nur einen optisch anziehenden Eindruck hinterlassen (nach Auskunft der Aufsicht halten sich dort Besucher_innen besonders gerne auf), vielleicht sogar beruhigend und verwirrend gleichermaßen wirken, auf jeden Fall von einer spürbar alten Überlieferung gespeist werden. Interessant ist, dass der Katalogtext der Australierin Hetti Perkins den Stil der Papunya Tula Artists als „unverkennbar minimalistisch“ beschreibt.

Knapp 40 Jahre nach ihrem Tod sind Arbeiten der australischen Künstlerin Margaret Preston (1875-1963) auf der dOCUMENTA (13) zu sehen. Preston wollte eine „nationale Kunst“ Australiens etablieren und europäische Einflüsse daher mit der Bildwelt der Aborigines in Verbindung bringen. Obwohl sie für ihre Zitate aus heiligen Werken der Aborigines heftig kritisiert wurde (so für den Einsatz von traditionellen, heiligen „Mustern“ für die Dekoration von Privaträumen), ist Preston eine Pionierin in der Anerkennung der Kunstproduktion der Aborigines als solche.

 

 

Gordon Bennett (* 1955) ist seit Ende der 1980er Jahre für seine postmodernen Verbindungen von westlicher und australischer Moderne sowie Aborigines-Kunst bekannt. In Form von Aneignungen bringt Bennett zusammen, was scheinbar keinen gemeinsamen Nenner hat: Margaret Preston (1875-1963), die oben erwähnte modernistische Künstlerin, und die Kunst der Aborigines werden gleichermaßen zitiert, titellos und damit ohne Erklärung der heiligen Ausgangserzählungen präsentiert. Das Bild soll sich als Bild und nicht als Illustration eines Textes seine Macht entfalten.

 

 

Teil 1: dOCUMENTA (13): Raumfragen
Teil 2: dOCUMENTA (13): Themenfelder
Teil 3: dOCUMENTA (13): Kunst und ihre politische Verantwortung
Teil 4: dOCUMENTA (13): Kunst und der Umgang mit Geschichte
Teil 5: dOCUMENTA (13): Kassel und Afghanistan
Teil 7: dOCUMENTA (13): Historische Wurzeln aktueller Kunst
Teil 8: dOCUMENTA (13) Kunst und Naturwissenschaft
Teil 9: dOCUMENTA (13): Aktuelle Malerei – oder gegen jede Art von Medienspezifität
Teil 10: dOCUMENTA (13): Kunst und Ökologie
Teil 11: dOCUMENTA (13): Künstler und Schamanismus
Teil 12: dOCUMENTA (13): „Realität“ und ihre mediale Vermittlung

 

Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.