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MAK: Chinesische Kunst aus der Sammlung Sigg

Wang Xingwei, My Beautiful Life, Detail, 1993–1995, Öl auf Leinwand (Courtesy Sigg Collection © Wang Xingwei)

Wang Xingwei, My Beautiful Life, Detail, 1993–1995, Öl auf Leinwand (Courtesy Sigg Collection © Wang Xingwei)

„CHINESE WHISPERS. Neue Kunst aus der Sigg Collection“ präsentiert ein umfassendes Bild chinesischer Gegenwartskunst und ihrer ästhetischen sowie ikonografischen Bezüge. Ausgehend von der Sammlung Uli Sigg, der seit den 1970ern chinesische Kunst sammelt, setzt das MAK zeitgenössische chinesische Kunst mit den eigenen Sammlungsbeständen in einen spannungsreichen Dialog. Kulturelle und gesellschaftspolitische Werte bilden das Referenzsystem Der MAK-Schau, die mit über 100 Werken aus der Sigg Collection – u.a. von bedeutenden KünstlerInnen wie Ai Weiwei, Cao Fei, Duan Jianyu, Feng Mengbo oder He Xiangyu – den westlich geprägten Blick herausfordern und öffnen will. „CHINESE WHISPERS. Neue Kunst aus der Sigg Collection“ konzentriert sich auf Objekte der kontinuierlich von Uli Sigg erweiterten Schweizer Privatsammlung. Mit Techniken wie Kalligrafie, Malerei, Fotografie, Skulptur, Installation und Video eröffnen die gezeigten Arbeiten ein breites Spektrum von traditionell analog bis zu digital produzierten Werken.

Sammlung Uli Sigg

Der Pionier und Sammler Uli Sigg (* 1946) verfolgt seit Ende der 1970er Jahre die Entwicklung zeitgenössischer Kunst in China und begann Mitte der 1990er Jahre, die weltweit repräsentativste Sammlung chinesischer Kunst aufzubauen. Als Wirtschaftsjournalist, Unternehmer und Schweizer Botschafter in China, Nordkorea und der Mongolei (1995–1998) hatte Uli Sigg die Möglichkeit, hinter die Kulissen der enormen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklungen zu blicken, die – wie Chinas Vision einer Neuen Seidenstraße zeigt – der Tradition und der Zukunft verschrieben sind.

Als Sammler interessiert sich Sigg speziell für Werke, die im engen Austausch mit den Künstlerinnen und Künstlern entstehen. Er förderte zahlreiche internationale Karrieren wie jene von Ai Weiwei. 2012 übergab Sigg große Teile seiner Sammlung als M+ Sigg Collection an das neu gegründete M+ Museum for visual culture, Teil des West Kowloon Cultural District in Hongkong, das vom Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen wurde.

Die chinesische Gegenwartskunst ist ein Phänomen ohne Parallele. Auch nach der Kulturrevolution bleiben die Einflüsse des Sozialistischen Realismus und die Einschränkungen durch die Zensur spürbar. Dennoch erlebte zeitgenössische Kunst in China mit der zunehmenden politischen Öffnung seit den 1980er Jahren eine einschneidende Richtungsänderung. In kürzester Zeit griff eine neue Generation chinesischer Künstlerinnen und Künstler moderne Strömungen des Westens auf. Die Inhalte lesen sich oft als Reaktion auf die politische und gesellschaftliche Situation der Zeit.

Die Volksrepublik China gilt heute als Motor der Weltwirtschaft und verfolgt weltpolitische Ziele. In seiner Hybridfähigkeit eignete sich der chinesische Kommunismus den globalen Kapitalismus an und im Zeitfenster einer Generation verschob sich unser Blick auf China sowie den pazifischen Raum. Diese Entwicklung thematisiert unter anderem die von Miao Ying entwickelte Installation „Rêve Chinois“ (2017), die auf ironische Weise die Verbindung zwischen der Vermarktung einer politischen Ideologie und der Bewerbung von Luxusgütern aufzeigt.

Die kontroverse Rolle des Individuums in dieser rasant wachsenden Gesellschaft, feministische Aspekte der Revolution und die Auflösung des privaten Raums werden in „CHINESE WHISPERS“ in einer Vielzahl von Arbeiten spürbar.

Kulturelle Produkte sind in China traditionell nicht immer an eine individuelle Autorenschaft gebunden, sondern entstehen oft im Kollektiv. Es besteht ein großes Interesse daran, Muster und Systeme aufzunehmen sowie Vorbilder zu adaptieren. Ost und West haben ambivalente Auffassungen von Original, Kopie, Interpretation und Fälschung. Auch im Umgang mit der Historie spielen Anfang oder Ende keine Rolle, es zählt die Bewegung.

Mit der Re-Appropriation von Geschichte setzt sich beispielsweise der Künstler Shao Fan auseinander und kombiniert in „King Chair“ (1997) Elemente eines Möbels der Ming-Dynastie mit zeitgenössischer Designsprache.

Auch Ai Weiwei (* 1957) untersucht die Grenze zwischen bildender Kunst und Design im Spiegel der Geschichte, etwa in der eigens von der Sigg Collection in Auftrag gegebenen Installation „Descending Light with A Missing Circle“ (2017), die das Konzept der Arbeit „Descending Light“ (2007) aufnimmt. Ein scheinbar auf den Boden gestürzter Luster aus roten Glasperlen verweist auf den Verfall der modernen Gesellschaft.

 

Chinesische Kunst aus der Sammlung Sigg im MAK

Die über 25 000 Objekte umfassende MAK-Sammlung Asien zählt zu den bedeutendsten Sammlungen asiatischer Kunst in Europa und schafft somit eine breite diskursive Plattform für die Präsentation der Sigg Collection. In der MAK-Ausstellung treten die Arbeiten der Sigg Collection in Dialog mit einer korrespondierenden Auswahl historischer Objekte der MAK-Sammlung Asien aus China. Seit seiner Gründung vor über 150 Jahren setzt das MAK einen musealen Schwerpunkt auf asiatisches Kunstgewerbe aus China, Japan und Korea. Bereits um 1900 konnte das Museum die Höhepunkte asiatischer Kulturen dokumentieren, ein Großteil des Sammlungsbestands des unter wirtschaftspolitischen Vorzeichen gegründeten Handelsmuseums kam 1907 an das heutige MAK.

 

Teilnehmende Künstlerinnen und Künstler

Aaajiao, Ai Weiwei, Cao Fei, Cao Yu, Chi Lei, Chu Yun, Duan Jianyu, Feng Mengbo, He Xiangyu, Jun Yang, Li Xi, Liu Chuang, Liu Ding, Liu Wei, Ma Ke, Miao Ying, Ming Wong, Ni Youyu, Peili Zhang, Song Dong, Song Ta, Shao Fan, Shen Shaomin, Shen Xuezhe und Wang Jin.

Eine Ausstellung des MAK im Dialog mit dem Sammler Uli Sigg und in Kooperation mit dem Kunstmuseum Bern sowie dem Zentrum Paul Klee.

Quelle: Pressetext

 

 

MAK: Chinesische Kunst aus der Sammlung Sigg: Bilder

  • Wang Xingwei, My Beautiful Life, 1993–1995, Öl auf Leinwand (Courtesy Sigg Collection © Wang Xingwei)
  • He Xiangyu, The Death of Marat, 2011, Glasfaser, Kieselgel (Courtesy Sigg Collection © He Xiangyu)
  • Ai Weiwei, Descending Light with A Missing Circle, 2017 (© Ai Weiwei)
  • Shi Jinsong, Lack Pine Tree, 2011, Holz (Courtesy Sigg Collection © Shi Jinsong)
  • Gao Weigang, Superstition, 2012–2013, Weißer Marmor (Courtesy Sigg Collection © Gao Weigang)
  • Samson Young, We are the world, as performed by the Hong Kong Federation of Trade Union Chorus, 2017, Video, Mehrkanal-Soundinstallation (Courtesy Sigg Collection © Samson Young)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.