0

Stuttgart | Kunstmuseum: Konkrete Künstlerinnen

Marcelle Cahn, Spacial Mobile, Detail, 1967–1969, bemaltes Holz, 68,6 x 42,5 x 15,7 cm (Courtesy Galerie Lahumière)

Marcelle Cahn, Spacial Mobile, Detail, 1967–1969, bemaltes Holz, 68,6 x 42,5 x 15,7 cm (Courtesy Galerie Lahumière)

Zum ersten Mal wird die Gruppe so genannter Konkreter Künstlerinnen Thema einer Ausstellung in Deutschland. Der zeitliche Bogen spannt sich von den 1920er bis zu den 1970er Jahren – darunter fallen die konkret-konstruktivistische Kunst zwischen den Weltkriegen und die konkrete Kunst nach 1945. Den Schwerpunkt der Ausstellung bilden zentrale Werkgruppen von zwölf Künstlerinnen. Beleuchtet werden zudem die Ausbildungs- und Präsentationsbedingungen für Frauen zu dieser Zeit sowie die Netzwerke, innerhalb derer die Künstlerinnen agieren konnten.

Zu den „Konkreten Künstlerinnen“ zählen in erster Generation Sophie Taeuber-Arp (1889–1943), Sonia Delaunay (→ Sonia Delaunay. Malerei, Design und Mode, 1885–1979) und Katarzyna Kobro (1889–1951); später Aurelie Nemours (1910–2005), Verena Loewensberg (1912–1986), Vera Molnar (* 1924) oder Lily Greenham (* 1924) sowie Gruppen wie der „Salon des Réalités Nouvelles“ in Paris, die „Gruppe Allianz“ in Zürich oder die „Neuen Tendenzen“ in Zagreb.

Konkrete Künstlerinnen im Kunstmuseum Stuttgart

Das Kunstmuseum Stuttgart präsentiert diese Künstlerinnen erstmals in Deutschland gemeinsam als Gruppe und untersucht mit der Ausstellung soziologische Fragestellungen, die bislang weder systematisch erforscht noch jemals so explizit ausgestellt worden sind: Wie waren die Ausbildungs- und Präsentationsbedingungen für Frauen zwischen den Weltkriegen und nach 1945? Welche Netzwerke, Fördererinnen und Förderer ermöglichten ihnen die Entwicklung ihres Werkes? Die Geschichten hinter den Kunstwerken zeigen, welche Bedingungen es im Einzelfall ermöglichten, sich als Künstlerin durchzusetzen. Auch das Engagement von Galeristinnen beleuchtet die Ausstellung, etwa am Beispiel der Pariser Galeristin Denise René.

Den Ausgangspunkt der Ausstellung bilden die künstlerischen Positionen von Sophie Taeuber-Arp und Sonia Delaunay. Taeuber-Arp war als Künstlerin und zugleich als Typografin und Journalistin aktiv. Wegweisend für viele jüngere Künstlerinnen war auch ihre pädagogische Tätigkeit als Leiterin der Textilklasse an der Züricher Kunstgewerbeschule. Sonia Delaunay war als Textildesignerin, Bühnengestalterin und Illustratorin tätig. Beide Künstlerinnen waren Unternehmerinnen und ernährten ihre Familien. Ihre weitreichenden Netzwerke trugen zur Verbreitung zeitgenössischer Kunstströmungen entscheidend bei.

Kuratiert von Eva-Marina Froitzheim

Ausgestellte Künstlerinnen

Marcelle Cahn, Geneviève Claisse, Sonia Delaunay, Clara Friedrich-Jezler, Lily Greenham, Katarzyna Kobro, Verena Loewensberg, Vera Molnar, Aurelie Nemours, Charlotte Posenenske, Sophie Taeuber-Arp und Mary Vieira.

Konkrete Künstlerinnen in Stuttgart: Bilder

  • Verena Loewensberg, Ohne Titel, 1958–59, Öl auf Leinwand, 103 x 102,7 cm (Dauerleihgabe der Freunde des Kunstmuseums Stuttgart Foto: Nachlass Verena Loewensberg, Henriette Coray Loewensberg, Zürich © Nachlass Verena Loewensberg, Henriette Coray Loewensberg, Zürich)
  • Marcelle Cahn, Spacial Mobile, 1967–1969, bemaltes Holz, 68,6 x 42,5 x 15,7 cm (Courtesy Galerie Lahumière)

Beiträge zu Künstlerinnen

31. Dezember 2020
Ginevra Cantofoli, Junge Frau in orientalischer Kleidung,detail, 2. Hälfte 17. Jhdt, Öl/Lw, 65 x 50 cm (Padova, Museo d'arte Medioevale e moderna, legato del Conte Leonardo Emo Capodilista, 1864)

Mailand | Palazzo Reale: Italienische Malerinnen des 16. und 17. Jahrhunderts Weibliches Kunstschaffen von Manierismus bis Barock

150 Werke von 34 Künstlerinnen, die zwischen 1500 und 1600 in Italien lebten, sind 2021 im Palazzo Reale in Mailand ausgestellt: mit Bildern von Artemisia Gentileschi, Sofonisba Angissola, Lavinia Fontana, Elisabetta Sirani, Giovanna Garzone und Fede Galizia uvm.
23. Dezember 2020
Erika und Rolf Hoffmann, Berlin, 1997

Bonn | Bundeskunsthalle: Sammlung Hoffmann

22. Dezember 2020
Alicja Kwade, ParaPivot. Ausstellungsansicht, The Metropolitan Museum of Art, 2019 (© Courtesy of the artist; 303 Gallery, New York; KONIG GALERIE, Berlin/London; and kamel mennour, Paris/London. Foto: The Met)

Berlin | Berlinische Galerie: Alicja Kwade. In Abwesenheit

Alicja Kwade (* 1979) erarbeitet 2021 eine ortsspezifische Installation in der ersten großen Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie.

Aktuelle Ausstellungen

14. Februar 2021
Helmar Lerski, Metamorphosis, 885, 1935–1936, Silbergelatinepapier (ALBERTINA, Wien)

Wien | Albertina: Faces. Die Macht des Gesichts Fotografierte Gesichter der Weimarer Republik

Ausgehend von Helmar Lerskis herausragender Fotoserie „Metamorphose - Verwandlungen durch Licht“ (1935/36) präsentiert die Ausstellung „Faces” Porträts aus der Zeit der Weimarer Republik.
2. Februar 2021
Rudolf Wacker, Stillleben mit Puppe und Hund, Detail, um 1923 (© Leopold Privatsammlung, Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger)

Wien | Leopold Museum: 11 österreichische Maler der Ersten Republik „Menschheitsdämmerung. Zwischen lyrischer Empfindsamkeit und sachlicher Weltauffassung“

Alfons Walde, Albin Egger-Lienz, Anton Kolig, Herbert Boeckl, Gerhart Frankl, Anton Faistauer, Josef Dobrowsky, Hans Böhler, Alfred Wickenburg, Rudolf Wacker und Sergius Pauser kennzeichnen den Pluralismus zwischen einem zurückhaltenden, von Innerlichkeit geprägten, expressiven Kolorismus und einer vom nüchternen Blick auf die Dingwelt geleiteten Neuen Sachlichkeit.
10. Januar 2021
Gerhard Richter, 28.2.2020, Detail, Bleistift und Ölkreide, 27 x 40 cm (22102020)

München | Pinakothek der Moderne: Gerhard Richter. Zeichnungen 54 Zeichnungen 3 Graue Spiegel 1 Kugel

In enger Zusammenarbeit mit dem Kurator für Gegenwartskunst des Museums wird Gerhard Richter zwei Suiten seiner jüngst entstandenen Zeichnungen in einer radikalen Rauminszenierung präsentieren.