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Wien | KHM: Renaissance-Kunst im Zeitalter der Fugger „Die Erste Renaissance im Norden – Holbein, Burgkmair und die Kunst im Zeitalter der Fugger“

Leonhard Beck, Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, Detail, um 1513/14, Öl/Fichtenholz, 136,7 cm × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie)

Leonhard Beck, Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, Detail, um 1513/14, Öl/Fichtenholz, 136,7 cm × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie)

Wie kaum eine zweite Metropole nördlich der Alpen wurde Augsburg, Sitz reicher Kaufleute wie der Fugger und bevorzugter Aufenthaltsort Maximilians I., zu Beginn des 16. Jahrhunderts von der Renaissance Italiens geprägt. Im Zentrum der Ausstellung stehen die wichtigsten Augsburger Maler dieser Zeit, Hans Holbein der Ältere (um 1465–um 1524) und Hans Burgkmair der Ältere (1473–1531). Die Werke dieser beiden recht gegensätzlichen Malerpersönlichkeiten werden ergänzt um Arbeiten Albrecht Dürers, Giovanni Bellinis und weiterer deutscher, italienischer und niederländischer Künstler aus dieser Zeit. Sie veranschaulichen die epochalen Umbrüche in der Kunst um 1500, durch welche die Stadt zum Zentrum einer deutschen und zugleich auch internationalen Renaissance wurde.

Jakob Fugger, Geschäftsmann und Kunstmäzen

Jakob Fugger mit dem Beinamen „Der Reiche“ (6. März 1459–30. Dezember 1525) zählte zu den wohlhabendsten Menschen seiner Zeit. Er baute das Familienunternehmen der Fugger aus Augsburg zu einem europaweit agierenden Unternehmen aus mit Schwerpunkt im Montanbau (Abbau von Silber, Kupfer, Quecksilber, Zinnober in Tirol, Tschechien, Slowakei, Spanien) und Bankenwesen. Als Auftraggeber für Künstler der Spätgotik und der frühen Renaissance finanzierte Jakob Fugger die ersten Renaissancebauten nördlich der Alpen: Die Fuggerkapelle in St. Anna in Augsburg (1509–1512), die Fuggerei (erste Armensiedlung für Handwerker in Europa) und Augsburger Fuggerhäuser sind die ersten Sakral- und Profanbauten der deutschen Renaissance.

Für die Habsburger war die finanzielle und politische Unterstützung der Fugger essenziell. So finanzierte Jakob Fugger den Aufstieg von Maximilian I. und trug wesentlich zur Wahl von Karl V. zum römisch-deutschen König bei. Auch die Eheschließung mit dem Haus der Jagielloneon in der Wiener Hochzeit 1515 wurde von Jakob Fugger vorangetrieben. So sicherte sich das Haus Habsburg – und somit auch der erfindungsreiche Geschäftsmann – die Königreiche Böhmen und Ungarn.

Als im Sommer 1518 der spanische König Karl, Enkel von Maximilian I., zum römisch-deutschen Kaiser gewählt werden sollte, nahm natürlich auch Jakob Fugger am Reichstag in Augsburg teil. Albrecht Dürer kam als Vertreter der Stadt Nürnberg und skizzierte ein Porträt des mächtigen Finanziers, das er in der Folge zu einem Porträt ausarbeitete (Staatsgalerie Altdeutsche Meister, Schaezlerpalais, Augsburg). Schon mehr als zehn Jahre zuvor (1505/06) stand Fugger dem Nürnberger Meister für ein Ganzkörperporträt Modell; diese Zeichnung ist verloren. Neben Dürer arbeiteten alle bedeutenden Künstler der Zeit für Jakob Fugger: Hans Holbein der Ältere, Hans Burgkmair der Ältere, Hans Maler zu Schwaz, Jörg Breu der Ältere. All diese Renaissancemaler schufen Porträts von Jakob Fugger „dem Reichen“. Auch die hochangesehene Form der Medaille wurde von dem Renaissance-Mäzen geschätzt. Wie sehr sich dieser dem repräsentativen Charakter von Kunst zunutze machte, lässt eine verlorene Darstellung Jakob Fuggers in der Pose eines römischen Feldherrn aus dem zerstörten Chorgestühl der Fuggerkapelle erahnen (Abguss einer Kopie).

Gezeigt werden ca. 150 Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken sowie Plattnerarbeiten von internationalen Leihgebern (u. a. Alte Pinakothek München, Gemäldegalerie Berlin, Germanisches Nationalmuseum Nürnberg, Kunstmuseum Basel, Louvre Paris und Metropolitan Museum New York).

 

 

Erste Renaissance im Norden im KHM: Bilder

  • Leonhard Beck, Hl. Georg im Kampf mit dem Drachen, um 1513/14, Öl/Fichtenholz, 136,7 cm × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie)

Beiträge zur Renaissance

8. August 2019
Raffael, Die Propheten Hosea und Jonas, Detail, um 1510, Feder, braune Tinte, Kohle, Stylus, 26,2 x 20 cm (The Armand Hammer Collection, National Gallery of Art, Washington, Inv.-Nr. 1991.217.4)

USA | Washington, National Gallery of Art: Raffael “Raffael und sein Umkreis” sowie alle fünf Gemälde 2020 zu sehen

Die Ausstellung kreist um vier authentische Zeichnungen von Raffael sowie Werke von Künstlern aus seinem Umkreis: Giulio Romano, Polidoro da Caravaggio und Perino del Vaga, Marcantonio Raimondi und seine Anhänger Agostino Veneziano und Marco Dente da Ravenna sowie Ugo da Carpi (Frühjahr 2020).
24. Juli 2019
Raffael, Platon und Aristoteles aus dem Karton der Schule von Athen (Pinacoteca Ambrosiana, Mailand © Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mondadori Portfolio)

Mailand | Pinacoteca Ambrosiana: Raffaels Karton der Schule von Athen Werkzeichnung des berühmten Freskos restauriert

Raffaels „Schule von Athen“ (1508–1511) gehört zu seinen berühmtesten Werken – der Karton zu dem Werk in der Stanza della Segnatura im Vatikan befindet sich seit dem Jahr 1610 in der Mailänder Pinacoteca Ambrosiana.
24. Juli 2019
Raffael, Selbstporträt, Detail, um 1506, Öl-Holz, 47,5 x 33 cm (Uffizien, Florenz)

Rom | Scuderie del Quirinale: Raffael Größte Raffael-Ausstellung 2020

Die Raffael-Ausstellung in den Scuderie in Rom wird vermutlich die wichtigste Ausstellung des Raffael-Jahrs 2020. Die Scuderie und arbeiten für die Raffael-Ausstellung mit den Gallerie degli Uffizi und dem Palazzo Pitti in Florenz zusammen.

Aktuelle Ausstellungen

23. August 2019
Edouard Manet, Erschießung Kaiser Maximilians, Detail, 1868/69, Öl/Lw (Foto: Kunsthalle Mannheim/ Cem Yücetas)

Kunsthalle Mannheim: Manet „Die Erschießung Kaiser Maximilians“ Mutiger Ankauf durch Gründungsdirektor Fritz Wichert

„Die Erschießung Kaiser Maximilians“ (1868/69) von Edouard Manet (1832–1883) bildet das Herzstück der Mannheimer Sammlung. 1910 erwarb es Gründungsdirektor Fritz Wichert; Max Liebermann lieh es für eine Ausstellung in der Berliner Secession.
14. August 2019
Georg Baselitz-Saal mit den Werken der Schenkung zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern in der Pinakothek der Moderne, München, 2019, Foto: Johannes Haslinger, Bayerische Staatsgemäldesammlungen © Georg Baselitz 2019

München | Pinakothek der Moderne: Georg Baselitz. Die Schenkung Pinakothek der Moderne besitzt nun über 31 Werke des Künstlers – von 1962 bis in die Gegenwart

Georg Baselitz schenkte den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen zu Ehren von S.K.H. Herzog Franz von Bayern sechs Gemälde und eine Skulptur aus den Jahren 2008 bis 2017. Der Baselitz-Saal in der Pinakothek der Moderne zeigt bis auf Weiteres diese Arbeiten in unterschiedlicher Zusammenstellung.
24. Juli 2019
Raffael, Platon und Aristoteles aus dem Karton der Schule von Athen (Pinacoteca Ambrosiana, Mailand © Veneranda Biblioteca Ambrosiana, Mondadori Portfolio)

Mailand | Pinacoteca Ambrosiana: Raffaels Karton der Schule von Athen Werkzeichnung des berühmten Freskos restauriert

Raffaels „Schule von Athen“ (1508–1511) gehört zu seinen berühmtesten Werken – der Karton zu dem Werk in der Stanza della Segnatura im Vatikan befindet sich seit dem Jahr 1610 in der Mailänder Pinacoteca Ambrosiana.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.