Andrea Mantegna

Wer war Andrea Mantegna?

Andrea Mantegna (um 1431–1506) ist neben seinem Schwager Giovanni Bellini der bedeutendste Maler der Frührenaissance in Oberitalien (→ Renaissance). Er arbeitete mehr als fünfzig Jahre in Mantua als Hofmaler der Gonzaga. Ausgebildet bei Francesco Squarcione, sollten doch der florentinische Bildhauer Donatello und der Maler Piero della Francesca den größten Einfluss auf seine Kunst haben. Seine frühesten Werke schuf Mantegna bereits als 17-jähriger mit der Ovetari-Kapelle, wo er in der Verwendung der Zentralperspektive und der Flächenorganisation brillierte. Zu seinen persönlichen Stilqualitäten werden die strenge Komposition, die voluminösen, fast wie aus Stein gemeißelt wirkende Figuren, eine kantige Zeichnung, Vermeidung von Atmosphäre und Nebensächlichem gezählt.

Nachdem er 1453 die Halbschwester von Giovanni Bellini geheiratet hatte, gehörte er zu einer der bedeutendsten Malerdynastien Venedigs. Dennoch entschied er sich nach Mantua zu übersiedeln, wo er die berühmte Camera degli Sposi ausmalte. Zu den bekanntesten Werken Mantegnas zählt der in extremer Verkürzung gezeigte Christus auf dem Salbstein, bekannt als „Beweinung Christi“ (um 1480, Brera).

 

Ausbildung

Ende 1430 oder wahrscheinlicher 1431 wurde Andrea Mantegna als Sohn eines Tischlers auf der Isola Mantegna (früher Isola di Carturo) bei Piazzola sul Brenta in der Provinz Padua geboren. Die Familie stammte aus einfachen ländlichen Verhältnissen. Schon in seiner frühen Kindheit musste er als Viehhirte arbeiten.

Im Alter von elf Jahren nahm ihn der Paduaner Maler Francesco Squarcione (1397–1468) in seiner Malschule auf. Zwischen 1442 und 1448 erlernte Andrea Mantegna zum einen das Malen, zum anderen nutzt sein Lehrherr Mantegnas Leistungen aus, weshalb die Beziehung 1449 im Streit endete. Ein weiterer Schüler von Squarcione war Marco Zoppo (1433–1478). Bereits während seiner Lehrzeit beeindruckte Andrea Mantegna seine Zeitgenossen mit lebensechten Porträts (verschollen)

 

Einfluss Donatellos

Ende 1443 ließ sich der florentinische Bildhauer Donatello (um 1386–1466) in Padua nieder, wo er zehn Jahre lang an einem lebensgroßen Bronzekreuz für den monumentalen Hochaltar im Santo (1446–1450) und am Reiterstandbild des Erasmo da Narni, genannt Gattamelata (1447–1453) arbeitete. Über den um zehn Jahre älteren Niccolò Pizzolo knüpfte Mantegna Verbindungen zur Werkstatt des bedeutenden Bildhauers. Mantegna wuchs in Padua mit einem ausgesprochenen Interesse für antike Skulptur und der Kunst Donatellos auf, weshalb der Florentiner als der eigentlicher Lehrmeister Mantegnas betrachtet werden kann. Weiters beeinflusste ihn vor allem der Maler und Mosaikkünstler Paolo Uccello (1397–1475), der sich um 1445 in Padua aufhielt. In diesem Umfeld entwickelte sich Mantegna zum Inbegriff des intellektuellen Künstlers des Renaissance.

 

Frühe Werke in Padua

Zwischen 1448 und 1457 hielt sich Andrea Mantegna in Padua auf. Zu seinen frühesten Werken zählt ein Altartafeln für die Kirche der heiligen Sofia in Padua, das der 17-jährige bereits selbstbewusst signierte (verloren).

Das wichtigste Werke der Paduaner Zeit ist aber die Freskenausstattung der Ovetari-Kapelle in der Eremitanikirche (1448–1457). Die Witwe des Notars Antonio Ovetari, Imperatrice Forzate, beauftragte den 17-jährigen Mantegna und Pizzolo sowie die beiden erfahrenen Maler Giovanni d‘ Alemagna und Antonio Vivarini aus Venedig mit der Ausmalung der Hälfte der Grabkapelle ihres Mannes in der Eremitanikirche. Der Zyklus zeigt Szenen aus den Leben der Heiligen Jakobus des Älteren und Christophorus. Mantegnas Beitrag fällt durch die dramatischen perspektivischen Verkürzungen und archäologisch fundierten Darstellungen klassisch antiker Szenen besonders auf. Die Szenen waren vermutlich 1457 vollendet.

Die 1944 bei einem Bombentreffer schwer geschädigten Wandgemälde sind nur teilweise erhalten, da einige für eine Restaurierung entfernt worden waren. In den Darstellungen der Hinrichtungen dominiert im Fresko „Der hl. Jacobus wird zur Hinrichtung geführt“ die fluchtende Palastarchitektur, ein Triumphbogen, starker Kontrapost und eine Paraphrase des „Hl. Georg“ von Donatello. Die „Hinrichtung des hl. Jakobus“ hingegen platziert das Geschehen vor einem Hügel und einer ausgedehnten Landschaft. In beiden Darstellungen rückte Mantegna die Figuren an die vorderste Bildfläche.

Die Arbeit an den Fresken für die Ovetari-Kapelle hinderten Andrea Mantegna nicht, in Oberitalien zu reisen. 1449 Mantegna ist am Hof von Ferrara nachzuweisen, wo er Werke von Rogier van der Weyden (1399/1400–1464) und Piero della Francesca (um 1410/20–1492) sah. In diesem Jahr malte er auch ein doppelseitiges Porträt des Markgrafen Leonello d´Este, dem zukünftigen Markgraf von Ferrara (1407–1450), und dessen Kammerherren (Schatzmeister).

Nachdem Andrea Mantegna 1452 nach Padua zurückgekehrt war, stellte er seine Arbeiten an der Lünette über dem Hauptportal in der Basilica di Sant´Antonio fertig: „Die Heiligen Antonius und Bernhardin von Siena präsentieren das Christusmonogramm“ (Museo Antoniano). Ulisse degli Aleotti rühmt den Maler in einem Gedicht, was den Ruhm des Malers in Oberitalien verbreitete.

 

Andrea Mantegna und die Bellini

Wann Andrea Mantegna Kontakt zur Malerfamilie Bellini herstellte, ist nicht bekannt. Jedenfalls plante Jacopo Bellini, den vielversprechenden Maler an seine Werkstatt zu binden. Probates Mittel hierfür war, ihm seine Tochter Nicolosia Bellini zur Ehefrau zu geben. Am 25. Februar 1453 nahm Jacopo Bellini ein Darlehen auf, um die Mitgift seiner Tochter zu finanzieren. Giovanni und Gentile  Bellini, Halbbruder und Bruder der Braut, wurden dadurch mit Mantegna verschwägert. Die enge familiäre Bindung zeigt sich in den 1450er und 1460er Jahren im Frühwerk des etwas jüngeren Giovanni Bellini, der so manche Komposition des älteren Vorbildes interpretierte.

Vielleicht aus Anlass der Eheschließung oder im folgenden Jahr aufgrund der Geburt des ersten Sohnes (1454) malte Mantegna eines seiner berühmtesten Bilder: „Darbringung Christi im Tempel“ (um 1453/54, Gemäldegalerie, Berlin), das von Giovanni Bellini interpretiert wurde (Fondazione Querini Stampalia, Venedig).

 

Altäre

Mitte der 1450er Jahre hatte sich Andrea Mantegna einen Ruf als führender Maler in Oberitalien erarbeitet, sodass er zunehmend große Altarprojekte anvertraut bekam. Der San-Luca-Altar entstand 1454, gefolgt vom „Polyptychon des hl. Lukas“ für das Kloster Santa Giustina in Padua (1453–1455, Pinacoteca di Brera, Mailand). Der Markgraf von Mantua, Ludovico III. Gonzaga, berief den nun arrivierten Maler bereits 1456 auf die Stelle des Hofmalers, was dieser jedoch zurückweisen musste, da er noch am Zeno-Altar (1456/57–1459) malte und die Ovetari-Kapelle erst 1457 vollendet wurde. In der Madonnen-Darstellung des Zeno-Altars setzte Mantegna erstmals in Oberitalien die Komposition der „Sacra conversazione“ ein.

 

San-Zeno-Altar für Verona

Der San-Zeno-Altar für Verona (ebenda, Predellen in Frankreich) ist in der zweiten Hälfte der 1450er Jahre entstanden und 1460 datiert. Das Renaissance-Retabel fasst das Triptychon als einheitlichen Bildraum auf, die Säulen werden illusionistisch in die Malerei weitergeführt. Der reich geschnitzte, vergoldete und blau gefasste Rahmen mit halbrunden Säulen, korinthischen Kapitellen, Gebälk und Rundgiebel geht auf Donatellos Entwurf für den Altar des hl. Antonius in Padua zurück. Andrea Mantegna dürfte ihn selbst entworfen haben, wobei er den Altar aus drei mit 220 × 115 Centimeter gleich großen Bildtafeln aufbaute.

Der thronenden Madonna, umgeben von einer reichen Engelsschar, auf der zentralen Tafel stehen Heiligendarstellungen links und rechts gegenüber. Die Heiligen Benedikt und Zeno flankieren den Thron der Madonna, gefolgt von Laurentius (Rost), Gregor (Bischofskrumme), Johannes dem Täufer rechts sowie Johannes Evangelista (Buch), Paulus und Petrus (Schlüssel) auf der linken Seite (von Innen nach Außen). Den Zusammenschluss der Tafeln zu einem einheitlichen Raum bewirkt die all’antica Architektur, der Himmel mit einheitlicher Bewölkung sowie der Marmorfußboden mit stark verkürzten farbigen Fliesen. Das von oben rechts einfallende Licht entspricht einer Fensteröffnung im Chor der romanischen Kirche, die eigens für den Altar eingebrochen worden sein dürfte.

Die narrativen Predellenszenen zeigen das „Gebet Christi im Garten Gethsemane“, die „Kreuzigung“ und die „Auferstehung“. Heute befinden sich Kopien der Predellen von Giovanni Cagliari (19. Jh.) in Verona. Der Altar war nach der Invasion der napoleonischen Truppen 1797 nach Paris gebracht worden. Am Wiener Kongress wurde zwar die Rückgabe des Werks beschlossen, allerdings verblieben die drei Predellen in Frankreich. „Die Kreuzigung“ (67 x 93 cm) ist daher im Louvre zu sehen; „Das Gebet Christi Im Garten von Gethsemane“ sowie die „Auferstehung“ (beide 70 x 92 cm) befinden sich im Musée des Beaux-Arts in Tours.

Ende Januar 1460 überwachte Andrea Mantegna die Aufstellung des San-Zeno-Altars. Sein Porträt des „Kardinal Ludovico Trevisan“ (1459/60, Gemäldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin) entstand mutmaßlich kurz darauf während des Kongresses von Mantua, einer von Papst Pius II. zur Ausrufung des Kreuzzugs gegen die Türken einberufenen Kirchenversammlung, die vom 27. Mai 1459 bis zum 8. Februar 1460 tagte.

 

Hofmaler in Mantua

Die langwierige Ausführung dieses komplexen Altars dürfte die Übersiedlung von Andrea Mantegna nach Padua verzögert haben. Obwohl Mantegna bereits seit 1458 in den Diensten des Gonzagaherzogs Ludovico stand, ließ er sich erst 1460 in der oberitalienischen Stadt nieder. Als Hofmaler der Gonzaga schuf Andrea Mantegna Freskoausstattungen im Palazzo Ducale sowie den umliegenden Schlössern, Bildnisse und Tafelbilder, aber auch Entwürfe für Festdekorationen und Kostüme. Für fast fünf Jahrzehnte hatte er die Stelle als Hofmaler der Gonzagas inne. Nachweislich hielt er sich am 21. Juni 1460 in Mantua auf.

Mantegna erhielt er den Auftrag für die Dekoration der Schlosskapelle (verloren, 1460–1464), Entwürfe für Wandteppiche (1465) und zahlreiche Tafelbilder, von denen kaum ein Werk heute erhalten ist. Als eines der ersten Werke in Mantua malte Mantegna 1461 ein Profilbildnis von Francesco Gonzaga, dem Sohn seines neuen Dienstherren, als dieser vom Studium in Pavia zurückkehrte (Museo Nazionale di Capodimonte, Neapel).

 

Camera degli Sposi

Sein berühmtestes Werk in Mantua ist jedoch die Ausmalung der Camera degli Sposi („Camera picta“, Zimmer des Hochzeitpaares): Mantegna malte zwischen 1465 und 1474 in die illusionistische Raumgestaltung Porträts von der Familie Gonzaga samt Hofstaat und Lieblingshund.

„Familie und Hofstaat von Ludovico III. Gonzaga” an der Nordwand der Camera degli Sposi zeigt die Versammlung der herzoglichen Familie, samt Hofbeamten, Verbündeten, Dienerschaft, Pferden und Hunden. Ludovico III. Gonzaga und dessen Ehefrau Barbara von Brandenburg sind sitzend dargestellt. Der Markgraf hat offenbar gerade einen wichtigen Brief erhalten, den er gerade aufgemacht hat, und wendet sich eine Diener zu. Diesen Brief findet man in einer weiteren Szene in der Hand von Kardinal Francesco Gonzaga, dem Sohn von Herzog Ludovico, der ihn entgegenzunehmen scheint.

In der schmalen Szene der Westwand zeigt Andrea Mantegna Diener mit Pferden und Hunden in einer fantastischen Landschaft. Hier präsentiert sich der Renaissance-Maler als Meister der Tierdarstellung und kreativer Erfinder von Landschaftshintergründen. Formal bedient sich Andrea Mantegna einer friesartigen Aufreihung der Figuren in vorderster Raumebene. Zu den überzeugendsten und auch am besten erhaltenen (!) Teilen der Freskoausstattung zählt die Decke mit den Darstellungen einiger Kaiserbüsten und dem berühmten Oculus, der von Putti in Untersicht „genutzt“ wird. Den Standpunkt der Betrachtenden in die Komposition aufzunehmen, war bereits in der Ovetari-Kapelle wichtiger Teil der Ausstattung. Hier zeigt Andrea Mantegna aber einen überzeugenden Effekt, der im Italienischen als di sotto in su (von unten nach oben) bezeichnet wird.

Auch andere raumbestimmende Elemente – wie der Kamin und die Tür – wurden in die Komposition eingebaut. So zitieren die ledernen Vorhänge der Malerei die im Einsatz befindlichen, die den Kamin zu Füßen der Familienszene verdeckten. Andrea Mantegnas „Camera degli Sposi“ ist die erste durchgängige illusionistische Dekoration der Renaissance überhaupt. Seine Darstellungen zählen zudem zu den überzeugendsten Trompe-l’œil-Bildern der italienischen Renaissancemalerei. Da die Camera degli Sposi im privaten Bereich des Palastes liegt, war sie jedoch den Blicken eines Publikums entzogen. Ähnliche Freskenzyklen schuf oder entwarf Mantegna in Mailand, Pavia und Ferrara, doch ist die Camera degli Sposi das einzige gut erhaltene Beispiel.

 

Andrea Mantegna und die Druckgrafik

In den 1470er Jahren entdeckte Andrea Mantegna die Druckgraphik und ihre Verbreitungsmöglichkeiten – vielleicht spielten aber auch handfeste ökonomische Überlegungen auch eine Rolle. Als Hofmaler bekam Mantegna eine nur unregelmäßige Bezahlung. Da das Medium Kupferstich, d. h. das Eingraben der Linien mit einem Stichel in die Platte und der Druck sehr schwierig und neu waren, konzentrierte sich Mantegna auf die Entwürfe - wie Jahrzehnte später auch noch Raffael (→ Bethlehemitischer Kindermord nach Raffael – eine Majolika-Schale aus dem MAK). Er überwachte die Ausführung derselben durch einen Goldschmied. Zu den frühesten Werken im Kupferstich zählt vermutlich das Blatt „Die Geißelung Christi“ (um 1470–1480).

Im April 1475 schloss Mantegna einen Vertrag mit dem Goldschmied Gian Marco Cavalli (1454–1508) ab, der ab nun die Entwürfe Mantegnas als Kupferstiche ausführte. Mit einer Strafe von 100 Dukaten verpflichtete sich Cavalli, die Druckerplatten und Entwürfe niemandem zu zeigen oder unerlaubte Drucke anzufertigen. Mantegna war entschlossen, sein Monopol zu verteidigen. Als im selben Jahr ein Kupferstecher namens Simone da Reggio für andere mantuanische Künstler zu arbeiten begann, drohte Mantegna ihm unverhohlen, lies ihm auflauern und klagte ihn der sexuellen Ausschweifung an, sodass Simone aus der Stadt fliehen musste. Die Zusammenarbeit mit Cavalli ist bis 1483 nachweisbar, als dieser nach Mantegnas Entwürfen Vasen im antiken Stil für Federico I. Gonzaga (1441–1484), dem Sohn von Ludovico III. Gonzaga, anfertigte.

International berühmt wurde Andrea Mantegnas Kupferstich „Der Kampf der Seegötter” (vor 1481). Er ist auch Mantegnas größter Kupferstich. „Der Kampf der Seegötter“ war weit verbreitet und wurde häufig kopiert wie auch imitiert, darunter in Zeichnungen von Albrecht Dürer, einem Bronzerelief von Alessandro Leopardi und Anticos Gonzaga Vase.

 

Späte Werke

Der Tod von Mantegnas Ehefrau und eines ihrer drei Söhne, Bernardino, im Jahr 1470 oder 1480 traf den Künstler schwer. Die „Beweinung Christi [Cristo in scorto]“ (um 1480?, Brera) zählt zu den berühmtesten Bildern des Mantuaner Malers. Es entstand vielleicht für seine eigene Privatkapelle, da es ohne Auftrag entstand und nach seinem Tod im Atelier aufgefunden wurde. Zweifellos zeigt es am deutlichsten von allen Werken Mantegnas dessen Fähigkeit, mit Perspektive gleichsam zu spielen. Es ist beredtes Beispiel für die Verbindung von Antikenliebe und tiefer christlicher Religiosität, die einander in der italienischen Renaissance nicht widersprüchlich gegenüberstanden, sondern miteinander verbunden wurden.

Der Ruhm des Künstlers war nun so gestiegen, dass Lorenzo de‘ Medici ihn 1483 in dessen Atelier besuchte und sich bewundernd über „einige reliefierte Köpfe“ und die „Sammlung antiker Stücke“ äußerte. Offensichtlich betätigte sich Mantegna auch an Entwürfen im Stil der Antike, für die er Anschauungsmaterial und Sammelstücke in seinem Atelier verwahrte.

Zwischen 1488 und 1490 hielt sich Andrea Mantegna in Rom auf, wo er für Papst Innocenzo VIII. (1432–1492) an den Fresken der Belvedere-Kapelle im Vatikan arbeitete (1780 fielen sie einem Feuer zum Opfer).

In den letzten Jahrzehnten seines Lebens – Mantegna starb 1506 – arbeitete er an Grisaille-Gemälden: neun großen Leinwandbilder vom Triumph Cäsars, in denen er Julius Cäsars Sieg über Gallien feierte (Royal Collection). Hierbei handelt es sich um Mantegnas umfassendste Auseinandersetzung mit der antiken Welt. Ihre Funktion ist noch nicht geklärt, zumindest ein Mal wurden sie im Rahmen eines antiken Theaterstücks eingesetzt. Die monumentale „Madonna della Vittoria” (1496, Louvre) entstand, um den Sieg in der Schlacht von Fornoveo (1494) zu feiern. Gianfrancesco II. Gonzaga, der Enkel seines einstigen Herrn, hatte die einfallenden Franzosen vertrieben.

Andrea Mantegna führte 1497 für Isabella d´Este (1474–1539), Ehefrau von Gianfrancesco II. Gonzaga und ab 1498 de facto Regentin von Mantua, das Gemälde „Parnass“ aus. Es war Teil eines ehrgeizigen Bilderzyklus in ihrem privaten studiolo. Weitere Gemälde wurden bei Lorenzo Costa und Perugino in Auftrag gegeben. Leonardo weigerte sich trotz mehrmaliger Anfrage; Giovanni Bellini wollte keine „istoria [Geschichte]“ liefern. Fünf Jahre später vollendet er den „Sieg der Tugenden über die Laster“ (1502) für Isabella d’Este.

 

Tod und Nachleben

Am 13. September 1506 verstarb Andrea Mantegna. Er wurde in der Basilica di Sant‘ Andrea in einer prächtigen Grabkapelle bestattet, die er offenbar selbst entworfen hatte. Sie war geschmückt mit seinen eigenen Gemälden und der seiner zwei Sohne sowie seiner bronzenen Porträtbüste nach antiken römischen Vorbildern mit einer Inschrift, die er vielleicht sogar selbst verfasst hatte: Darin wird Andrea Mantegna als „neuer Apelles“ gehuldigt.

Die Inschrift auf dem nach seinem Tod im Atelier gefundenen Gemälde „Der hl. Sebastian“ (Galleria Ca d‘Oro, Venedig) besagt: „Nichts ist von Dauer außer Gott, alles Übrige ist Rauch. [Nihil stabile est nisi divinus]“

 

Literatur

  • Caroline Campbell, Dagmar Korbacher, Neville Rowley, Sarah Vowles (Hg.), Mantegna & Bellini. Meister der Renaissance (Ausst.-Kat. The National Gallery, London, 1.102018–27.1.2019; Gemaldegalerie, Staatliche Museen zu Berlin, 1.3.–30.6.2019), München 2019.
  • The Renaissance Nude (Ausst.-Kat. J. Paul Getty Museum, Getty Center, Los Angeles, 30.10.2018–27.1.2019; Royal Academy of Arts, London, 2.3.–2.6.2019), Los Angeles 2018.
  • James H. Beck, Malerei der italienischen Renaissance, Köln 1999.
  • Peter and Linda Murray, The Art of the Renaissance, London 1980.

Beiträge zu Andrea Mantegna

26. Februar 2019
Andrea Mantegna, Christus als Schmerzensmann, Detail, Kopenhagen

Andrea Mantegna: Biografie Wichtigster Frührenaissance-Maler in Oberitalien

Hier findest du eine ausführliche Biografie von Andrea Mantegna (um 1431–1506), incl. Lebenslauf: Ausbildung in Padua, Hofmaler der Genzaga in Mantua, 1453 Heirat mit Nicolosia Bellini, Kinder, Mantegnas berühmteste Werke.