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Ausstellungen in Dresden 2018 Baselitz, Veronese, Michelangelo, Slavs and Tartars, Kunsthandwerkerinnen, feministische Kunst im Osten und das Schokoladenmädchen

Jean-Etienne Liotard, Das Schokoladenmädchen, DetaiI, 1744-45, Pastell auf Pergament, 82,5 x 52,5 cm (Dresden © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD)

Jean-Etienne Liotard, Das Schokoladenmädchen, DetaiI, 1744-45, Pastell auf Pergament, 82,5 x 52,5 cm (Dresden © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD)

Das Ausstellungsjahr in Dresden 2018 bringt eine spannende Mischung aus Alten Meistern, Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts und wichtigen Positionen der Gegenwartskunst. So feiert man den 80. Geburtstag von Georg Baselitz (* 1938), lädt die in Berlin lebende Sund-Künstlerin Susan Philipsz zu einer ortsspezifischen Arbeit ein. Das Künstlerkollektiv Slavs and Tatars erhält eine Überblicksschau.

Das zweifellos berühmteste Werk in der Dresdner Gemäldegalerie – neben der „Sixtinischen Madonna“ von Raffael – ist das Schokoladenmädchen von Jean-Etienne Liotard. Ab 28. September 2018 würdigt die Ausstellung „Das schönste Pastell, das man je gesehen hat“ das Pastell, seine Technik und Entstehungszeit – das Wien unter Maria Theresia.

Kunst- und Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts werden in Ausstellungen zum Frauen- und Modemagazin Sibylle wach, genauso wie in der Überblicksschau zur Polnischen Konzeptkunst („Exercises In Freedom. 1968–1981“) und der feministischen Kunst jenseits des Eisernen Vorhangs. „Gegen die Unsichtbarkeit – Designerinnen der Deutschen Werkstätten Hellerau 1898 bis 1938“ und ein deutsch-kongolesisches Projekt, in dem die Metropole Kinshasa mit Dresden verbunden wird, vervollständigen den Ausstellungsherbst mit markanter Betonung weiblichen Kunstschaffens.

Die Alten Meister sind in Dresden auch noch vor der Wiedereröffnung der Gemäldegalerie 2019 hochpräsent: Der venezianische Renaissancemaler Veronese ist in der Sammlung gut vertreten. Sein „Cuccina-Zyklus“ (um 1571) glänz nach langjähriger Restaurierung im alten Glanz und steht im Zentrum der Alt-Meister-Schau. Im Sommer überrascht „Michelangelo – Giambologna und die Medici-Kapelle“ mit vier neu entdeckten Werken der Dresdner Skulpturensammlung. Diese Kunstkammerstücke aus Alabaster kamen 1570 als Geschenke von Cosimo de’ Medici an den Dresdner Hof. Handelt es sich hierbei um frühe Werke von Giambologna? In der Schau „Italienische Zeichnungen des 16. Jahrhunderts“ lässt sich auch im Herbst 2018 noch der Geist der Renaissance heraufbeschwören.

Jenseits musealer und wissenschaftlicher Ordnungsstrategien bewegt sich Dresden mit dem „Museum of Untold Stories – Museum der nicht erzählten Erzählungen“. Persönliche Geschichten und Vorlieben der über 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestimmen die Auswahl dieses sympathischen Ausstellungsprojekts. Jenseits von mehr oder weniger nachvollziehbaren allgemeinen Wertzuschreibungen bringen Menschen die Objekte zum Sprechen.

 

 

Ausstellungen in Dresden 2018

Januar 2018 – Kunsthalle im Lipsiusbau
SUSAN PHILIPSZ

Die renommierte schottische Künstlerin Susan Philipsz (*1965 in Glasgow) wird im Winter 2017/2018 eine große Tonarbeit in Dresden präsentieren. In ihren Klanginstallationen bezieht sich Susan Philipsz oft auf lokale Gegebenheiten, oder knüpft mit ihren Werken an ortspezifische Geschichten an, um Themen wie Trauer und Trauma und deren Fortwirken im kulturellen Gedächtnis zu verhandeln.

 

MANIERA BASELITZ – DAS NONKONFORME ALS QUELLE DER PHANTASIE Georg Baselitz zum 80. Geburtstag
Residenzschloss, Kupferstich-Kabinett (3.3.-27.5.2018)

Georg Baselitz, der 2018 seinen 80. Geburtstag feiert, ist ein ausgewiesener Kenner und Sammler manieristischer Druckgrafik. Die Ausstellung bringt grafische Arbeiten von Baselitz in einen spannungsreichen Dialog mit bedeutenden Werken des Manierismus. Die Auswahl aus den Beständen des Dresdner Kupferstich-Kabinetts, der Stiftung G. und A. Gercken sowie aus der Staatlichen Graphischen Sammlung München wird zeigen, wie sich Georg Baselitz zu Beginn der 1960er Jahre bewusst von der ungegenständlichen abstrakten Malerei abgrenzte. Nicht nur mit den gewählten Bildthemen stellte er sich gegen den damals vorherrschenden künstlerischen Zeitgeist, auch hinsichtlich der von ihm bevorzugten klassischen druckgrafischen Techniken ging er eigene Wege: Während in den 1960er Jahren mit Sieb- und Offsetdruck in hohen Auflagen eine neue Ära in der Reproduktionsgrafik begann, lehnte Baselitz solche Massenvervielfältigung aufgrund der mangelnden Originalität ab. Stattdessen experimentierte er mit Zustandsdrucken und produzierte kleinere Auflagen, die er mitunter nach dem Abzug noch individuell bearbeitete. Mit diesem kreativen Beharren hat Baselitz die traditionellen druckgrafischen Techniken für die zeitgenössische Kunst wieder ins Bewusstsein gebracht, sie wesentlich erneuert und dabei zu einer ganz eigenen, persönlichen Ästhetik gefunden – einer ‚Maniera Baselitz‘, die er bis in die Gegenwart hinein ständig weiter ausdifferenziert und perfektioniert.

 

 

VERONESE, »DER CUCCINA-ZYKLUS« DAS RESTAURIERTE MEISTERWERK
Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800 (9.3.–3.7.2018)

Gemeinsam mit Tizian und Jacopo Tintoretto bildet Paolo Caliari, genannt Veronese, das alles überstrahlende Dreigestirn der venezianischen Renaissancemalerei. In keinem anderen Museum in Deutschland sind so viele hochkarätige Werke von Veronese versammelt wie in der Dresdner Gemäldegalerie. Unter ihnen sticht der sogenannte Cuccina-Zyklus nicht nur aufgrund seiner Größe, sondern auch wegen seiner herausragenden künstlerischen Qualität hervor. Veronese malte ihn um 1571 für den Palazzo der Familie Cuccina am Canal Grande in Venedig.

Die Ausstellung feiert die Vollendung der von 2013 bis 2017 vorgenommenen komplexen und forschungsintensiven Restaurierung. Die brillante Schönheit des Kolorits, die herausragende Qualität der dargestellten Gewänder wie auch die Lebendigkeit der Personen und ihre ausgeprägten Charaktere treten nach fast 450 Jahren wieder neu ans Licht. In der Ausstellung werden nicht nur die Restaurierung und die durch diverse naturwissenschaftliche Analyseverfahren neu gewonnenen Erkenntnisse vorgestellt, sondern auch die Ergebnisse der kunsthistorischen Neubearbeitung des Zyklus. Weitere Gemälde von Tizian und Veronese, Zeichnungen und Grafiken aus dem Kupferstich-Kabinett sowie nationaler und internationaler Leihgeber ergänzen die Präsentation. Die Qualität und Sinnlichkeit der auf den Gemälden dargestellten Gewänder werden zudem durch Kleider der Rüstkammer und historische Stoffe des Kunstgewerbemuseums veranschaulicht.

AUGEN-BLICKE. Barocke Elfenbeinkunst im Dialog der Künste (Part 2)
Residenzschloss, Neues Grünes Gewölbe, Sponselraum (24.3.–24.6.2018)

Barocke Elfenbeinbeinkunst bietet ein facettenreiches Spektrum an kunsthistorischen Betrachtungs- und Interpretationsmöglichkeiten. Das Grüne Gewölbe verwahrt eine der bedeutendsten europäischen Sammlungen und präsentiert im Sponsel-Raum des Neuen Grünen Gewölbes im Dresdner Residenzschloss eine höchst erlesene Vielfalt an Meisterwerken der Elfenbeinkunst, vorrangig aus dem 17. und 18. Jahrhundert. Nach dem ersten Ausstellungsteil unter dem Titel „AN-SICHTEN“, der am 11. Oktober 2017 eröffnet wurde, folgt im Frühjahr 2018 der zweite Teil. Im Fokus stehen wiederum Elfenbeinwerke des Grünen Gewölbes, die zum Dialog einladen. Gezeigt werden vor allem Porträtdarstellungen in Elfenbein, auf Gemälden und Medaillenbildern. Kunstwerke unterschiedlicher Gattungen und Genres begegnen einander in eingefangenen AUGEN-BLICKEN. Barocke Festlichkeiten, der Zauber der Commedia dell’Arte aber auch groteske Zwergengestalten leben in kleinformatigen Statuetten aus Elfenbein, Böttgersteinzeug, Porzellan und in grafischen Vorlagen auf.

 

SIBYLLE 1956–1995 Zeitschrift für Mode und Kultur
Schloss Pillnitz, Kunstgewerbemuseum (28.4.–4.11.2018)

Was heute die Frauenzeitschrift Brigitte, das war in der DDR die SIBYLLE – Zeitschrift für Mode und Kultur. Mit nur rund 200.000 Exemplaren pro Ausgabe – es gab ab 1956 sechs pro Jahr – war die Zeitschrift ein rares Produkt und stets in kürzester Zeit vergriffen. Insbesondere die Fotografien bilden neben den Beiträgen über Kunst, Architektur und Gesundheit ein entscheidendes Element ihrer Wirkung. Die engagierten Fotografen beherrschten nicht nur ihr Handwerk, sie legten an ihre Arbeit auch explizit künstlerische Maßstäbe an und verliehen der ‚Ost-Vogue‘ einen kosmopolitischen Charme. Die Ausstellung im Kunstgewerbemuseum stellt die zentralen Fotografen der Zeitschrift, da - runter Sibylle Bergemann, Arno Fischer, Ute Mahler, Sven Marquardt und Elisabeth Meinke vor. Ein chronologischer Abriss der SIBYLLE-Ausgaben anhand von Originalen und Reproduktionen einzelner Hefte, von der ersten Ausgabe 1956 bis zu Exemplaren aus den frühen 1990er Jahren ist ebenso Bestandteil der Präsentation im Kunstgewerbemuseum wie einige in der DDR produzierte Kleidungsstücke, Schmuck und Modeentwürfe

 

 

MUSEUM OF UNTOLD STORIES – MUSEUM DER NICHT ERZÄHLTEN ERZÄHLUNGEN
Japanisches Palais (Mai 2018)

Ob Restaurator, Kuratorin, Wachmann, Personalmanagerin, ob Kunsthistorikerin oder Verwaltungschef: In dieser Ausstellung präsentieren die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden jeweils ein Kunstobjekt aus ihrem spezifischen Blickwinkel. Anhand der Werkauswahl werden die Interessen und Erfahrungen der Mitarbeiter, die die Kunstsammlungen durch ihre Expertise zum Teil seit Jahrzehnten prägen, gespiegelt. Durch die Zusammenarbeit und die Zusammenführung der unterschiedlichen Wissensbereiche, die die Museen mit über 400 Mitarbeitern vereinen, ermöglicht die Ausstellung eine Vielzahl an Perspektiven, Annäherungen an und Lesarten von Kunstwerken. Zum Vorschein werden auch unbekannte Geschichten kommen, die bislang keine Berücksichtigung im musealen Raum gefunden haben. Die Ausstellung hinterfragt auf diese Weise gängige Erzählmuster sowie Ordnungs- und Wissenssysteme. Die epochen- und genreüber - greifende Zusammenstellung der Objekte aus den unterschiedlichen Sammlungen nimmt Abstand von der Linearität der Kunstgeschichte sowie von der Einteilung in Gattungen und hinterfragt so kritisch die eigene Sammlungsgeschichte.

FREDO KUNZE – DER BARON LÜGT!
Jägerhof, Museum für Sächsische Volkskunst (16.6.–4.11.2018)

Wer sagt, dass man Comics nicht schnitzen kann? Man kann – zumindest wenn man Fredo Kunze heißt. Der 1936 geborene ehemalige Dekorateur und Raumgestalter hatte schon als Schüler leidenschaftlich gezeichnet und alles karikiert, was ihm vor den Zeichenstift kam. Doch erst nach seinem aktiven Berufsleben fand er die Muße, sein Talent, Situationen mit wenigen Linien auf den Punkt zu bringen, auch ins Räumliche zu übersetzen. Es reizt ihn, ganze Geschichten zu erzählen, indem er den Moment der größten Spannung in die Bewegung seiner Figuren legt. Er erzählt bekannte Märchen durch unbekannte, nichtsdestoweniger naheliegende, Nebensächlichkeiten. Kein Wunder, dass ihn gerade die Lügengeschichten des Baron von Münchhausen besonders reizten. Der Natürlichkeit seiner Geschichten entspricht die Einfachheit seiner Figuren. Doch was so leichtfüßig daherkommt, ist bis ins Detail komponiert.

 

MICHELANGELO – GIAMBOLOGNA UND DIE MEDICI-KAPELLE Zu vier neu entdeckten Meisterwerken der Dresdner Skulpturensammlung
Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800 (23.6.–7.10.2018)

Im Zentrum dieser Ausstellung stehen vier neu entdeckte Meisterwerke der Skulpturensammlung: Statuetten aus Alabaster, die nach Michelangelo Buonarrotis berühmten Liegefiguren in den Medici-Kapellen in Florenz gearbeitet sind. Obwohl es sich bei ihnen um kleinformatige Kunstkammerstücke handelt, beeindrucken sie durch ihre sinnliche Modellierung und monumentale Kraft. Bekannt ist, dass sie um 1570 als Geschenke von Cosimo de’ Medici an den Dresdner Hof gelangten. Unbekannt ist hingegen ihr Schöpfer, der offensichtlich gewillt war, sein Idol Michelangelo zu übertreffen. Mit kriminalistischem Spürsinn wird in der Ausstellung der Frage nachgegangen, ob es sich bei dem begnadeten Bildhauer um den jungen Giambologna handeln könnte, der in diesen Jahren zum Star der Florentiner Kunstszene aufstieg.

EXERCISES IN FREEDOM. POLNISCHE KONZEPTKUNST 1968–1981. In Kooperation mit dem Archiv der Avantgarden
Residenzschloss, Kupferstich-Kabinett (29.6.–23.9.2018)

Die polnische Kunstszene der 1960er und 70er Jahre ist geprägt von einer im sozialistischen Osteuropa einmaligen Vielfalt und Offenheit der Positionen. Im Unterschied zu den meisten Nachbarländern ist ihre freie Entfaltung vom Staat kaum behindert worden. In der Auseinandersetzung mit der eigenen modernistischen Tradition und im Kontakt mit den westlichen künstlerischen Strömungen konnte sich eine eigenständige und gut vernetzte Szene konzeptueller Kunst auf internationalem Niveau entwickeln, die jedoch bis heute in Deutschland nahezu unbekannt geblieben ist. Das Kupferstich-Kabinett wird in Kooperation mit dem Archiv der Avantgarden wichtige Etappen und Protagonisten von den Anfängen in den 1960er Jahren bis zur Verhängung des Kriegsrechtes 1981 vorstellen. Das Spektrum reicht dabei von sprach- und bildanalytischen bis hin zu gesellschafts- und institutionskritischen Positionen, die deutlich machen, dass sowohl die Autonomie der Kunst als auch politische Utopien propagiert wurden. Im Zentrum der Präsentation werden Künstlerinnen und Künstler wie Stanisław Dró˙zd˙z, Kwie Kulik und Jarosław Kozłowski stehen, zu denen sich schriftliches oder visuelles Material, etwa Dokumente, Zeichnungen, Papierarbeiten und Fotografien, im Archiv der Avantgarden befindet.

SLAVS AND TATARS
Kunsthalle im Lipsiusbau (Sommer 2018)

Auf eine formal unerschrockene Art setzt sich das Kollektiv Slavs and Tatars in seinen recherchebasierten Arbeiten mit Traditionen, Gebräuchen, Sprache, Anthropologie und Politik auseinander. Im Zentrum ihres künstlerischen wie diskursiven Werks steht die Befragung von Glaube, Religion und interkultureller Verständigung. Sie beschreiben sich selbst als „Fraktion der Polemik und Intimität, die sich mit dem als Eurasien benannten Gebiet östlich der Berliner Mauer und westlich der Chinesischen Mauer beschäftigt“. Ausgehend von ihrer These, dass Sprachen, Gesten, Rituale und Waren die gefühlten Grenzen von Orient und Okzident schon immer durchwandern, recherchieren sie in literarischen und historischen Quellen und tauchen mit humorvollen, aber stets fundierten Arbeiten in komplexere Bedeutungsschichten von Geschichte, Deutungsmacht und der Performativität und Politik von Sprache und Identität ein. Ihr Werk, welches umfangreich im Lipsiusbau präsentiert wird, besteht aus raumgreifenden Installationen, Lecture-Performances, öffentlichen Interventionen und Künstlerbüchern.

 

VON STAUB ZU GLITZER – ODER WIE EIN KRISTALL-LÜSTER WÄCHST
Schloss Pillnitz, Kunstgewerbemuseum (25.8.–4.11.2018)

Die in Prag unter dem Namen ZORYA arbeitenden Designer Zdenek Vacek und Daniel Pošta wer - den in den Räumen des Bergpalais im Kunstgewerbemuseum im Schloss Pillnitz über mehrere Wochen einige Kronleuchter konzipieren, die über den Zeitraum der Ausstellung wachsen. Der fortlaufende Wachstumsprozess ihres Materials, ein kristallisieren - der Alaun, ermöglicht den Besucherinnen und Besuchern einen spannenden Einblick in die Entwicklungsschritte und handwerklichen Elemente der einzigartig gestalteten Objekte. Die vollendeten Kronleuchter werden sich ästhetisch in die bestehende Infrastruktur des Bergpalais einfügen. Das Ausstellungsprojekt ist eine Fortführung des intensiven Austausches mit Designerinnen und Designern aus den angrenzenden Nachbarländern.

 

 

„DAS SCHÖNSTE PASTELL, DAS MAN JE GESEHEN HAT.“ Das Schokoladenmädchen von Jean-Etienne Liotard in der Dresdner Gemäldegalerie
Gemäldegalerie Alte Meister und Skulpturensammlung bis 1800 (28.9.2018–6.1.2019)

E s ist eines der berühmtesten Werke der Dresdener Gemäldegalerie: Das Schokoladenmädchen des Schweizer Künstlers Jean-Etienne Liotard (1702–1789). Die bekannte Pastellmalerin Rosalba Carriera beschrieb es als „schönstes Pastell“ – schon seit 1745 hängt es in Dresden. Ganz dem Geschmack des Rokoko entsprach das Malen mit Pastellkreide, das sich für lebensechte Porträts anbot: Liotard schuf makellose, porzellanhaft glatte Oberflächen. Der große Bekanntheitsgrad des Bildes aber beruht auf der Darstellung einer einfachen Hausangestellten, einem bis dahin seltenen Motiv, das in seiner präzisen Beobachtung die Kunst der Aufklärung und den Realismus des 19. Jahrhunderts vorwegnimmt. Schokolade war zudem im 18. Jahrhundert ein neues, exotisches und vor allem teures Genussmittel – ebenso wie Tee, Kaffee und Tabak. Das edle japanische Lacktablett und die Porzellantasse auf silberner Untertasse bezeugen zudem die wohlhabenden Bedienten. Erstmals widmet sich eine Ausstellung dem Gemälde: Rund 80 herausragende Werke, etwa die Hälfte davon Leihgaben aus großen, internationalen Sammlungen wie dem Louvre oder dem British Museum, vermitteln neben der Pastellmalerei die Epoche des französisch inspirierten Rokoko und das Wien der Kaiserin Maria Theresia – den Ort, an dem das Schokoladenmädchen entstand.

Das Schokoladenmädchen von Liotard

 

IM REICH DER MÖGLICHKEITEN – ITALIENISCHE ZEICHNUNGEN DES 16. JAHRHUNDERTS
Residenzschloss, Kupferstich-Kabinett (26.10.2018–20.1.2019)

Seit jeher zeichnen Künstler, um ihren Ideen eine Form zu geben, um Hand und Auge zu üben und um Bilderfindungen zu bewahren. Südlich der Alpen erreichte diese Kunst im 16. Jahrhundert einen Höhepunkt: Anhand einer Auswahl aus den eigenen Beständen bietet das Kupferstich-Kabinett Gelegenheit, die Vielfalt italienischer Meisterzeichnungen der Hoch- und Spätrenaissance zu entdecken. Entwürfe für Gemälde sind ebenso vertreten wie Schöpfungen, die mehr dem Gestaltungswillen des Künstlers als konkreten Verwendungszwecken zu verdanken sind. Flüchtige Skizzen finden sich neben minutiös ausgeführten Kompositionen. Anlass zur Ausstellung bietet das laufende Katalogisierungsprojekt zur Erforschung und Erschließung der Zeichnungen des italienischen „Cinquecento“ im Dresdner Kupferstich-Kabinett. Neben bekannten, obschon wegen ihrer Fragilität selten gezeigten Werken wird auch manche Neuentdeckung aus diesem reichen Fundus zu sehen sein.

 

Herbst 2018 – Japanisches Palais
KINDERBIENNALE

 

MEDEA MUCKT AUF (THE MEDEA INSURRECTION) Künstlerinnen jenseits des Eisernen Vorhangs
Kunsthalle im Lipsiusbau (Dezember 2018)

Medea: Femme Fatale und Über-Frau aus dem Osten. Flucht in den Mythos? Nicht mit ihr! Zwar wichen vor 1989 gerade in Ostdeutschland Literaten und Maler häufig auf antike Schauplätze aus, wenn es galt, Unbehagen am Regime darzustellen. Für die hier vorgestellten Künstlerinnen, allesamt jenseits des Eisernen Vorhangs gereift, kam derlei Selbstverleugnung jedoch nicht in Frage. Ihre Interpretationen von Medea, Kassandra oder Penthesilea waren der reine Punk. Sie zündelten, provozierten, protestierten und experimentierten unter dem Radar akzeptierter Medien, entblößten sich selbst und ihren Zorn, verweigerten sich sozialistischen und bürgerlichen Rollenmodellen gleichermaßen. Mit dieser doppelten Verweigerung gingen sie meist größere Risiken ein als ihre männlichen Kollegen. Doch dieses gebündelte Ausmaß an Trotz und Energie wirkt in ihrer Bildsprache bis heute nach.

 

RUTH WOLF-REHFELDT UND DAVID HORVITZ – FÜR RUTH, DER HIMMEL IN LOS ANGELES
Albertinum (Herbst 2018)

Für Ruth, der Himmel in Los Angeles ist ein kleinformatiges Aquarell, allein aus diesem Satz bestehend, welches David Horvitz (*1982 in Los Angeles) aus den USA an Ruth Wolf-Rehfeldt (*1932 in Wurzen) schickte. Es steht heute auf ihrem Schreibtisch in Berlin und fand Eingang in ihr umfangreiches Archiv der Mail Art aus aller Welt. Teile dieses Archivs werden im Albertinum im Zuge der ersten Dresdener Präsentation dieser wichtigen Mail Art Künstlerin der DDR zu sehen sein. Ihre zeitlos anmutenden „Typewritings“ (Schreibmaschinengrafiken) der 1970 und 1980er Jahre aber bilden den Kern der Präsentation. Die Ausstellung „Für Ruth, der Himmel in Los Angeles“ wagt jedoch auch ein experimentelles Format, bei dem ein junger internationaler Künstler in Dialog mit dem Werk Ruth Wolf-Rehfeldts tritt: David Horvitz entwickelt dafür einen Austausch mit der Künstlerin, der auf dem Prinzip des lebendigen Archivs basiert. Wolf-Rehfeldts Nutzung von Postsendungen zur Visualisierung von Prozessen der Verbreitung und Vernetzung soll dadurch auch im digitalen Zeitalter erfahrbar werden.

 

GEGEN DIE UNSICHTBARKEIT – DESIGNERINNEN DER DEUTSCHEN WERKSTÄTTEN HELLERAU 1898 BIS 1938
Japanisches Palais, Kunstgewerbemuseum (3.11.2018–März 2019)

Mit der Gründung der Deutschen Werkstätten Hellerau im Jahr 1898 rückte Dresden im Hinblick auf innovative Gestaltung und gesellschaftliche Erneuerung für einige Jahrzehnte ins Zentrum der internationalen Kunstgewerbe- und Lebensreformbewegung. Bislang nahezu unbekannt war die Öffnung der Deutschen Werkstätten Hellerau für Frauen als künstlerische Mitarbeiterinnen im frühen 20. Jahrhundert: Nach absolvierter künstlerischer Ausbildung konnten sie hier in einem bislang von Männern dominierten Bereich wie dem Möbelentwurf tätig sein und eine professionelle Karriere als Gestalterin verwirklichen. Insbesondere bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges leisteten die Gestalterinnen einen bedeutenden Beitrag zur Herausbildung einer neuen Ästhetik. Ihre Werke waren auf zeitgenössischen Ausstellungen präsent, wurden in relevanten Medien besprochen und fanden unmittelbar Eingang in museale Sammlungen. Die geplante Ausstellung wird die seit Langem in den Tiefen der Depots oder in Familienbesitz verborgenen Werke und Entwürfe dieser Design-Pionierinnen zeigen und anhand von Archivmaterialien die Netzwerke der Zeit zwischen 1898 bis 1938 verdeutlichen, die zu einem erweiterten Verständnis der Moderne beitragen.

 

MEGALOPOLIS #1 – STIMMEN AUS KINSHASA Ein deutsch-kongolesisches Ausstellungsprojekt
GRASSI Museum für Völkerkunde zu Leipzig (1.12.2018–30.3.2019)

Was verbindet Leipzig mit Kinshasa, der Hauptstadt des Kongo? Wie lässt sich die Atmosphäre der Megacity mit über 10 Millionen Einwohnern in Leipzig vergegenwärtigen? Und was können insbesondere Künstlerinnen und Künstler aus Kinshasa an die Leipziger im GRASSI Museum vermitteln? Diesen und weiteren Fragen geht das Ausstellungsprojekt, das von der Kulturstiftung des Bundes gefördert wird, nach und schafft damit einen Dialog- und Begegnungsraum. Ein kongolesisches Künstlerkollektiv arbeitet daran, Kinshasa und insbesondere die in - formellen Strukturen und Codes, die das Leben in der Stadt prägen, dem Leipziger Publikum in einer Ausstellung zu vermitteln. Ein Team aus kongolesischen Künstlern, Kuratoren und Wissenschaftlern erarbeitet die Ausstellung, für die Besucherinnen und Besucher sichtbar und nachvollziehbar, in mehreren Werkstattphasen. Kuratoren sind die kongolesischen Künstler Eddy Ekete und Freddy Tsimba. Das Ausstellungsprojekt wird von einem breiten Vermittlungsprogramm mit Konzerten, Performances und Talks begleitet und entsteht in Zusammenarbeit mit dem Art Lab & Musée d’Art Contemporain et Multimédia in Kinshasa und Kinact.

 

Worauf darf man sich 2019 freuen?

AB FEBRUAR 2019

  • Die Dresdner Bildteppiche nach Raffael in der Gemäldegalerie Alte Meister
  • Kandinsky – Lissitzky – Mondrian. Dresden und die abstrakt-konstruktive Avantgarde 1920–im Albertinum

AB APRIL 2019

  • Fünf Jahrhunderte Münzkabinett Dresden – Zur Geschichte der Sammlung im Münzkabinett

SOMMER 2019

  • Neueröffnung: Gemäldegalerie Alte Meister mit Skulpturensammlung bis 1800

AB HERBST 2019

  • Neueröffnung: Paradeappartements, Rüstkammer und Kunstgewerbemuseum im Residenzschloss
  • Neueröffnung: Das Porzellankabinett im Turmzimmer Porzellansammlung im Residenzschloss
  • Neueröffnung: Gewehrgalerie im Langen Gang in der Rüstkammer
  • A. R. Penck. Terror in Dresden – eine Retrospektive in der Kunsthalle im Lipsiusbau

WINTER 2019

  • 1 Millionen Rosen für Angela Davis in der Kunsthalle im Lipsiusbau

 

Ausstellungen in Dresden 2018: Bilder

  • Jean-Etienne Liotard, Das Schokoladenmädchen, 1744-45, Pastell auf Pergament, 82,5 x 52,5 cm (Dresden © Gemäldegalerie Alte Meister, SKD)
  • Zigeunerin zu Pferde, um 1710–1715, Elfenbeingruppe: wohl in Dresden tätiger Künstler, Juwelierarbeit: wohl Johann Christoph Neßler (Dresden © Grünes Gewölbe, SKD)
  • Jacopo Pontormo, Kniender Mann (Studie für den San Ruffillo-Altar), um 1514 (Dresden © Kupferstich-Kabinett, SKD, Foto: Herbert Boswank)
  • Georg Baselitz, Der Hirte, 1965Radierung, Kaltnadel, Aquatinta auf Zink (Stiftung G. und A. Gercken © Georg Baselitz 2017, Foto: Andreas Diesend)
  • Deutscher Zeichner, Panoramaansicht von Oberloschwitz ins Elbtal, im Hintergrund Dresden, 1645 (Dresden © Kupferstich-Kabinett, SKD)
  • T. Sandberg, Sibylle Titel 2/1964 © T. Sandberg
  • Kristallluster von ZORYA © Křehký Gallery, Prag / Foto: Vladimír Kiva Novotný
  • Carl Lohse, Roter Klang, Bildnis Ludwig Renn, 1919Öl auf Pappe, 71,5 x 45,5 cm (Albertinum | Galerie Neue Meister © VG Bild-Kunst, Bonn 2017)
  • Albrecht Tübke, Heads #09, 2007C-Print, 82 x 100 cm (Dresden, Förderankauf der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen 2009 Kunstfonds © SKD/Albrecht Tübke)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.