Giambologna

Giambologna (eigentlich Jean Boulogne, 1529–1608) war ein italienischer Bildhauer flämischer Herkunft und der Hauptmeister der italienischen Skulptur und Plastik nach Michelangelo (→ Renaissance). Der aus Wallonisch-Flandern stammende Plastiker wurde rasch der Hofbildhauer der Großherzöge von Toskana. Sein Lebenswerk gilt als Neubeginn in der Geschichte der europäischen Plastik in der Spätrenaissance bzw. im Florentiner Manierismus. Giambolognas Schüler – darunter Antonio und Gianfrancesco Susini sowie Pietro und Ferdinando Tacca – zählten nach 1600 zu den führenden Bronzeplastikern Europas und trugen den manieristischen Stil ihres Meisters weiter.

Ausbildung

Nach seiner Ausbildung bei Jacques Dubroeucq in Mons (Hennegau) trat Jean Boulogne um 1550 eine Studienreise nach Rom an. Bald wurde er in Italien Giambologna genannt und studierte die Werke der Antike. Sein Gönner Bernardo Vecchietti verschaffte ihm auf seiner Rückreise Zugang zum Hof der Medici in Florenz. Jüngst wurden ihm die Dresdner Tageszeiten zugeschrieben. Der junge Giambologna schf sie wahrscheinlich um 1555/58, noch bevor seine Karriere in Florenz ab 1561 so richtig begann.

Vorbilder aus Florenz

Florenz zählt zu den kunsthistorisch bedeutendsten Städten des 15. und 16. Jahrhunderts (→ Florenz und seine Kunst), weshalb der flämische Bildhauer nach seiner Zeit in Rom hier Anschluss suchte. Die Schöpfungen von Michelangelo Buonarroti wurden über die Landesgrenzen hinaus besonders hochgeschätzt. Dessen terribilità, das heißt die überzeugende Bewegungssuggestion und die titanische Figurenauffassung, und nicht Grazie und Eleganz prägten für viele Jahrzehnte das Ideal in Skulptur und Plastik. Vor allem Michelangelos Skulpturen für die Medici-Gräber in der Sagrestia Nuova in San Lorenzo in Florenz sowie die unvollendeten Skulpturen für das Julius-Grabmal wurden als vorbildhaft angesehen.

Im Bereich der Kleinbronzen, die sich in der Hochrenaissance zunehmen durchzusetzen begannen, war Baccio Bandinelli (1493–1560) in Florenz die wichtigste Bezugsperson. Für diese handlichen Objekte galt das programmatische Postulat, dass eine Skulptur „von allen Seiten gleich schön“ zu sein hätte. Der Inbegriff dieses Dogmas wurde Benvenuto Cellinis bronzener „Perseus“ in der Loggia de‘ Lanzi in Florenz. Die Ideale Skulptur wurde als figura serpentinata konzipiert, das heißt die Allansichtigkeit der freistehenden Plastik betont (→ Benvenuto Cellini: Saliera).

Hofbildhauer der Medici

Francesco I. ernannte Giambologna 1561 zum Hofbildhauer. In den Jahren zwischen 1563 und 1565 entstand der monumentale Neptunbrunnen für Bologna. Damit setzte Giambologna neue Maßstäbe für die repräsentative Freiskulptur. Der Ruhm Giambolognas wuchs rasch auch über die Grenzen der italienischen Stadtstaaten hinaus. Er betrieb in Florenz eine international tätige Werkstatt, die große Produktivität erreichte. Seine zahlreichen Schüler trugen dazu bei, den verfeinerten Stil Giambolognas und der Florentiner Spätrenaissance (resp. Manierismus) über die Landesgrenzen zu verbreiten.

Giambolognas Werk umfasst sowohl mythologische als auch sakrale Themen. Zu seinen Meisterstücken gehören auch Kleinbronzen, die sich u. a. im Kunsthistorischen Museum in hoher Zahl und herausragender Qualität in Bezug auf die technische Umsetzung befinden. Das zeigt, dass diese Kleinplastiken rasch begehrte Sammlerstücke vor allem von Fürstenhöfen nördlich der Alpen wurden. Seine Skulpturen erwiesen sich als höchst begehrte Sammelobjekte für Europas Kunstkammern wie als diplomatische Geschenke par excellence im diplomatischen Verkehr. Zudem waren die Kleinbronzen gefragte Studienobjekte in Künstlerateliers.

In Florenz ist heute noch das monumentale Reiterstandbild für Cosimo I. Giambolognas wichtigstes Werk für den öffentlichen Raum. Damit schuf er einen neuen Denkmaltypus.

15. Juni 2018
Giambologna nach Michelangelo, Der Tag, Detail, Florenz, vor 1574, Alabaster (Skulpturensammlung © SKD, Foto: Wolfgang Kreische)

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Vier Tageszeiten aus Alabaster nach Michelangelos Allegorien in der Medici-Kapelle könnten Frühwerke von Giambologna (1529–1608) sein. Eine Ausstellung im Zwinger in Dresden stellt diese neue Zuschreibung vor.