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Bacon – Giacometti in der Fondation Beyeler Freundschaft und Konkurrenz

Alberto Giacometti und Francis Bacon, 1965, Silbergelatineabzug, Foto: © Graham Keen

Alberto Giacometti und Francis Bacon, 1965, Silbergelatineabzug, Foto: © Graham Keen

Mit Alberto Giacometti (1901–1966) und Francis Bacon (1909–1992) präsentiert die Fondation Beyeler im Frühjahr und Sommer 2018 zwei herausragende Protagonisten der Klassischen Moderne, Freunde und Rivalen gleichermaßen, deren schöpferische Visionen die Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts bis heute stark beeinflusst haben. Zum ersten Mal überhaupt widmet sich eine Museumsausstellung diesen beiden Künstlerpersönlichkeiten gemeinsam und beleuchtet ihre Beziehung zueinander. Obwohl ihr jeweiliges Schaffen auf den ersten Blick ganz unterschiedlich und eigenständig wirkt, zeigt die Ausstellung auch Gemeinsamkeiten und erstaunliche Parallelen. Zusammen präsentiert wird beider Leben und Kreativität in einem neuen Licht zu sehen sein.

Gemeinsamkeiten

Für Bacon und Giacometti waren ihre sehr kleinen und kargen Ateliers besondere Orte, geradezu chaotisch, aus denen große Kunst hervorging. Bacon und Giacometti teilten einen unerschütterlichen Glauben an die Bedeutung der menschlichen Figur und die Rolle der Tradition, denn beide studierten, kopierten und paraphrasierten alten Meister. Beide interessierten sich für die Probleme der zweidimensionalen und dreidimensionalen Darstellung von Raum, wobei sie käfigartige Gebilde in ihre Werke einbezogen, um Figuren in ihrer Umgebung zu isolieren. Beide beschäftigten sich mit dem fragmentierten und deformierten Körper, und sie teilten eine Obsession für das Porträt und die damit verbundene Darstellung menschlicher Individualität. Jeder der beiden bezeichnete sich als „Realist“. Und obwohl sie sich immer auf die menschliche Figur bezogen, steigerten sie deren Abstraktion ins Extreme, wenn auch jeder auf seine Weise. Damit stellten sie den Gegensatz zwischen Figuration und Abstraktion infrage, der für die Geschichte der modernen Kunst von so grosser Bedeutung war.

 

Isabel Rawsthorne

Eine Schlüsselrolle in der Beziehung von Giacometti und Bacon spielte die Malerin Isabel Rawsthorne, die mit beiden eng befreundet und zeitweilig die Geliebte des Ersteren war. Beiden Künstlern stand sie Modell, beiden diente sie als Muse. Wie Giacometti und Bacon war auch sie fasziniert von den menschlichen Abgründen. Die dunklen Seiten der Sexualität, Einsamkeit und Melancholie, der Hang zu Exzessen: Da geht von Giacometti und Bacon eine Faszination aus, die sich in der Person Rawsthornes trifft, aber weit darüber hinauswirkt. Der Künstler als extremer Grenzgänger der Gesellschaft: Das wird in der Ausstellung „Bacon Giacometti“ ganz besonders deutlich.

 

Bacon - Giacometti in der Fondation Beyeler

Wie zwei Leuchttürme, die sich Lichtsignale zusenden, nahmen sich die beiden Individualisten Giacometti und Bacon wahr. Die Kuratoren Catherine Grenier, Direktorin der Fondation Giacometti in Paris, Michael Peppiatt, Bacon-Kenner und persönlicher Freund des Künstlers, sowie Ulf Küster, Kurator an der Fondation Beyeler, machen in der etwa 100 Werke umfassenden Ausstellung jedoch erstaunliche Parallelen sichtbar.

Es ist gelungen, von bedeutenden Privatsammlungen und renommierten Museen weltweit Werke von Francis Bacon als Leihgaben zu erhalten, darunter das Art Institute in Chicago, das Museum of Modern Art, New York, und das Centre Pompidou, Paris. Die Giacometti-Leihgaben stammen fast ausschließlich aus der Fondation Giacometti in Paris. Darunter befinden sich viele Originalgipse aus dem Nachlass des Künstlers, die noch nie zuvor in der Öffentlichkeit gezeigt worden sind.

Quelle: Pressetext

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.