0

Baden-Baden | Museum Frieder Burda: Pierre Soulages Lichtbilder in Schwarz von 1946 bis 2019

Pierre Soulages, Peinture , 13 juin 1971, Öl/Leinwand, 111 x 162 cm (Sammlung Domnick © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Pierre Soulages, Peinture , 13 juin 1971, Öl/Leinwand, 111 x 162 cm (Sammlung Domnick © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Die Ausstellung zeigt Werke aus dem 80-jährigen Schaffen von Pierre Soulages, der zu den außergewöhnlichsten Künstlern der Gegenwart zählt. Seit Jahrzehnten setzt sich Soulages, der „Maler des Schwarz und des Lichts“, mit der Farbe Schwarz auseinander, mittels Struktur, Textur und Reflexion der Farbe malt er seine „Lichtbilder“ (→ Pierre Soulages: Biografie).

Pierre Soulages, 1919 im südfranzösischen Rodez geboren, ist der mit Abstand bekannteste lebende Künstler in Frankreich und der letzte herausragende Vertreter der klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts sowie des Abstrakten Expressionismus nach 1945 (→ Abstrakter Expressionismus | Informel). Auch hundertjährig ist er noch künstlerisch tätig und nach wie vor einer der produktivsten Maler der Gegenwart. Das Musée du Louvre ehrte Soulages zu seinem 100. Geburtstag mit einer einzigartigen Einzelausstellung wesentlicher Hauptwerke seit 1950 (→ Paris | Louvre: Soulages), diese Ehre wurde bisher nur Pablo Picasso und Marc Chagall zuteil.

Die ihm gewidmete Retrospektive in Baden-Baden zeigt die Entwicklung seines Werkes in seiner – gerade angesichts der so außergewöhnlich langen Schaffensphase – beeindruckenden Kohärenz. Schon seit seinen Anfängen wandte Soulages sich der totalen Abstraktion zu und stellte so die traditionellen Werte der Malerei infrage. Dabei nimmt er nicht allein durch die Wahl seiner Materialien (z. B. Walnussbeize, Teer) und Werkzeuge, seit 1948 eine singuläre Position ein. Seine Leinwände definieren sich anhand von verwendeter Technik, Abmessungen und Ausführungsdatum und nicht etwa durch einen Titel, der die Wahrnehmung des Betrachters beeinflussen könnte. „Ein Gemälde ist ein organisiertes Ganzes, ein Ensemble von Formen (Linien, farbige Flächen etc.), auf dem unsere Sinndeutungen entstehen und zerfallen.“, so erklärte es einmal der Künstler selbst.

Eine Selektion der außerhalb Frankreichs kaum bekannten frühen Gemälde auf Papier, darunter auch kostbare Nussbeize-Gemälde, demonstriert Soulages‘ sehr persönliche Auffassung von Abstraktion. Diese in öffentlichen Sammlungen wenig vertretenen Werke aus den Jahren 1946-1948 bilden den Auftakt der Schau. In Deutschland habe für ihn alles angefangen, betont Soulages oft. In der Tat waren seine Teilnahme an der Wanderausstellung „Französische abstrakte Malerei“ 1948/49 als jüngster Künstler sowie die Wahl eines seiner Gemälde für das Ausstellungsplakat entscheidend für die frühe Bekanntheit seines Œuvres. Und mehr noch: Als einziger Künstler überhaupt nahm er anschließend 1955, 1959 und 1964 an den ersten drei Ausgaben der documenta in Kassel teil.

Die Schaffensphase bis Ende der 1970er Jahre ist gekennzeichnet durch großformatige Arbeiten, in denen neben dem reinen Schwarz auch zurückhaltend Farben zum Einsatz kommen sowie schwarzweiße Gemälde.

1979 begann eine neue Phase seines Schaffens: eine „ganz andere“ Art von Malerei, für die Soulages den Neologismus „Outrenoir, eine Malerei „jenseits von Schwarz“, fand. Das Verhältnis von Schwarz und Licht ist beständiger Gegenstand seines malerischen Experimentierens, erst das „Outrenoiraber bringt die Vielfalt des Lichts mit einer einzigen Farbe hervor. Im Gegensatz zu einem monochromen Werk „sind es die Unterschiede der Texturen, glatt, faserig, ruhig, angespannt oder aufgeregt, die beim Einfangen oder Verwerfen von Licht zu grauen oder tiefen Schwarztönen führen“. Durch Überlagerung und Schaben oder durch das Auftragen eines einzigartigen Pigments lässt Soulages das Licht durch den Kontrast von Hell und Dunkel aus der Leinwand hervortreten. Spektakulär lösen sich einige monumentale Bilder von der Wandfläche und schweben von der Decke im Raum.

Baden Baden: Pierre Soulages im Museum Frieder Burda

Die Ausstellung dokumentiert und würdigt den Werdegang des Künstlers von 1946 bis heute. Im lichtdurchfluteten Museum Frieder Burda, der „weißen Villa im Park“, entworfen von Richard Meier, entfaltet die Präsentation der Malerei von Pierre Soulages aus vielen europäischen Museen und Privatsammlungen, insbesondere aus dem Museum Soulages in Rodez und dem Centre Pompidou in Paris, eine ganz besondere Atmosphäre.

Quelle: Museum Frieder Burda, Baden-Baden

Pierre Soulages in Baden-Baden: Bilder

  • Pierre Soulages, Peinture , 13 juin 1971, Öl/Leinwand, 111 x 162 cm (Sammlung Domnick © VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Aktuelle Ausstellungen

24. April 2021
Yayoi Kusama: Eine Retrospektive, Installationsansicht, 2021, Gropius Bau, (c) Foto: Luca Girardini

Berlin | Gropius Bau: Yayoi Kusama Yayoi Kusama in Berlin zeigt einen Überblick über 70 Jahre Kunst

Yayoi Kusama zählt zu den bedeutendsten Künstlerinnen der Gegenwart – nicht nur in Japan. Der Gropius Bau widmet im Herbst 2020 Kusama die erste umfassende Retrospektive in Deutschland, die einen Überblick über sämtliche Schaffensperioden der letzten siebzig Jahre bietet und neben aktuellen Gemälden einen neuen Infinity Mirrored Room und Installation der Künstlerin umfasst.
14. April 2021
Krefeld, Haus Lange, Lehmbruck-Kolbe-Mies van der Rohe

Krefeld | Haus Lange: Lehmbruck – Kolbe – Mies van der Rohe Künstliche Biotope der 1920er Jahre

Seit den 1920er Jahren fügte Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) figürliche Plastiken von Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) und Georg Kolbe (1877–1947) in seine Gebäude ein. Erstmals treffen die drei herausragenden Künstler im Haus Lange in Krefeld in einer Ausstellung aufeinander.
28. März 2021
Serge Poliakoff (Chemnitz)

Chemnitz | Museum Gunzenhauser: Serge Poliakoff Abstraktion aus dem Paris der Nachkriegszeit

Serge Poliakoff (1899–1969) ist einer der wichtigsten Künstler in der Sammlung Dr. Alfred Gunzenhauser. Anhand von zehn Gemälden aus der Sammlung Gunzenhauser zeigt die Ausstellung in Kombination mit internationalen Leihgaben die künstlerische Entwicklung Poliakoffs. Die Präsentation schlägt dabei einen Bogen von den noch gegenständlichen Anfängen bis hin zu seiner unverkennbaren abstrakten Ausdrucksweise.
28. März 2021
Jakob Alt, Blick auf Wien von der Spinnerin am Kreuz, Detail, 1817, Aquarell, Deckfarben (Albertina, Wien)

Wien | Albertina: Stadt und Land von Dürer bis Schiele, Nolde und Klee Landschaften der berühmten Sammlung von der Renaissance bis zur Moderne

26. März 2021
Gerhard Richter, Seestück, Detail, 1998, Öl auf Leinwand, 290 x 290 cm (Guggenheim Bilbao Museoa, Foto: FMGB Guggenheim Bilbao, Museoa, Erika Barahona Ede., © Gerhard Richter)

Zürich | Kunsthaus: Gerhard Richter. Landschaft

Gerhard Richters lebenslange Beachäftigung mit der Landschaft steht im Mittelpunkt dieser Ausstellung. Einmal mehr zeigt sich seine subtile Arbeit über das Medium Malerei, die er mit Hilfe von Fotovorlagen und Anleihen bei der romantischen Landschaftsvision von Caspar David Friedrich bewerkstelligt.
26. März 2021
Lothar Wolleh, Joseph Beuys im Moderna Museet, Stockholm (vor seiner Arbeit „Plastischer Fuß Elastischer Fuß“), Detail, 1971 (© Lothar Wolleh Estate Berlin, VG Bild-Kunst, Bonn 2020)

Stuttgart | Staatsgalerie: Joseph Beuys – Der Raumkurator

Ausgangspunkt der Ausstellung ist der Beuys-Raum in der Staatsgalerie, den der Künstler im Jahr 1984 selbst eingerichtet hat. Über Fotografien, Filme und Objekte zeichnet die Ausstellung Beuys' sensibles Kuratieren seines Werkes in der Auseinandersetzung mit Betrachter und Museumsraum nach.