Ben Nicholson

Wer war Ben Nicholson?

Ben Nicholson OM (Denham 10.4.1894–6.2.1982 London) war ein britischer Maler und Objektkünstler der Abstraktion und der Klassischen Moderne (→ Abstrakte Kunst | Moderne Kunst). Von 1938 bis 1951 war er in zweiter Ehe mit der Bildhauerin Barbara Hepworth verheiratet. 1968 erhielt er den britischen Order of Merit (OM).

Kindheit

Benjamin Lauder „Ben“ Nicholson wurde am 10. April 1894 in Denham in der Grafschaft Buckinghamshire (etwa 30 Kilometer westlich Londons) als Sohn der Künstlerin Mabel Pryde (1871–1918) und des Malers William Nicholson (1872–1949) geboren. Auch seine Geschwister arbeiteten als Künstler: Nancy Nicholson wurde Malerin, und sein Bruder Christopher Nicholson arbeitete als Architekt. Ben Nicholsons zweiter Bruder hieß Anthony Nicholson; er starb im Zweiten Weltkrieg. Seine Großmutter mütterlicherseits Barbara Pryde (* Lauder) war eine Nichte der berühmten Künstlerbrüder Robert Scott Lauder und James Eckford Lauder. Die Familie zog 1896 nach London.

Nicholson wurde an der Tyttenhangar Lodge Preparatory School, Seaford, am Heddon Court, Hampstead, und dann als Internatsschüler an der Gresham's School, Holt, Norfolk ausgebildet. Nicholsons erste bemerkenswerte Arbeit folgte 1904 einem Treffen mit dem Dramatiker J. M. Barrie im Urlaub in Rustington, Sussex. Als Ergebnis dieses Treffens verwendete Barrie eine Zeichnung von Nicholson als Grundlage für ein Poster für das Stück „Peter Pan“; sein Vater William entwarf einige der Bühnenbilder und Kostüme.

Ausbildung

Zwischen 1910 und 1911 absolvierte Ben Nicholson seine künstlerische Ausbildung in London an der Slade School of Fine Art, wo er ein Zeitgenosse von Paul Nash, Stanley Spencer, Mark Gertler und Edward Wadsworth war. Laut Nash, mit dem er eine enge Freundschaft verband, verbrachte Nicholson während seines Jahres im Slade mehr Zeit mit Billardspielen als mit Malen oder Zeichnen, da die abstrakte Formalität des grünen Köders und die ständig wechselnden Beziehungen der Kugeln, so behauptete er später, mehr Konsequenz für die Ausbildung seiner Ästhetik hatte.

Anfänge und Erster Weltkrieg

Zwischen 1911 und 1917 hielt sich Ben Nicholson in Tours, Mailand, auf Madeira, in London, Nord-Wales und in Pasadena auf. Der Maler wurde wegen einer Asthmaerkrankung vom Militärdienst im Ersten Weltkrieg befreit. Er reiste 1917 nach New York, um seine Mandeln operieren zu lassen, besuchte dann andere amerikanische Städte und kehrte 1918 nach Großbritannien zurück. Vor seiner Rückkehr starb Nicholsons Mutter im Juli an Grippe und sein Bruder Anthony Nicholson wurde im Kampf getötet.

Werke

Von 1920 bis 1933 war er mit der Malerin Winifred Nicholson verheiratet und lebte in London. Nach Nicholsons erster Ausstellung figurativer Werke in London im Jahr 1922 wurde sein Werk vom synthetischen Kubismus, mit Werken von Georges Braque und Pablo Picasso, und später vom Primitivismus Henri Rousseaus beeinflusst. 1925 schloss Ben Nicholson sich der Gruppe „Seven and Five Society“ in London an, im folgenden Jahre wurde er Vorsitzender der „Seven and Five“ und verließ sie 1936.

Ben Nicholson malte anfangs Stillleben in der Art seines Vaters, ehe er sich der abstrakten Kunst zuwandte. Prägend war die Auseinandersetzung aber auch mit „De Stijl“, insbesondere mit Piet Mondrian. Von letzterem stammt der Begriff „Neoplastizismus“, der auch für Nicholsons Werke bestimmend wurde, nämlich die Betonung der Senkrechten und Waagrechten sowie von Gelb, Rot und Blau als Primärfarben und der farblosen Stufen Weiß, Grau und Schwarz.

In London lernte Nicholson die Bildhauer Barbara Hepworth (mit der er von 1938 bis 1951 verheiratet war) und Henry Moore kennen. Bei Besuchen in Paris lernte er Mondrian kennen, dessen Arbeiten im neoplastischen Stil ihn in eine abstrakte Richtung prägen sollten, und Picasso, dessen Kubismus ebenfalls Eingang in sein Werk finden sollte. Seine Gabe war jedoch die Fähigkeit, diese europäischen Trends in einen neuen, erkennbar eigenen Stil zu integrieren. Zum ersten Mal besuchte er 1928 zusammen mit seinem Malerkollegen Christopher Wood St. Ives, Cornwall, wo er den Fischer und Maler Alfred Wallis traf.

Von 1932 bis 1939 lebte Ben Nicholson in London und hatte Kontakte mit Piet Mondrian und Naum Gabo. Im Jahr 1933 schuf Ben Nicholson erste geometrische Reliefs: Sein erstes Holzrelief, „White Relief“, das nur aus rechten Winkeln und Kreisen bestand, entstand in Paris und zeigt den Einfluss Naum Gabos. Nicholson wurde ebenfalls 1933 Mitglied der Gruppe „Unit One“. Er gehörte der Gruppe „Abstraction-Création“ an, die er 1937 verließ; im Jahr 1937 gab er zusammen mit Naum Gabo und dem Architekten Leslie Martin das Buch „Circle: Inter­national Survey of Constructivist Art“ heraus, das Barbara Hepworth, mit der von 1938 bis 1951 verheiratet war, gestaltete. Nicholson glaubte, dass abstrakte Kunst von der breiten Öffentlichkeit getragen werden sollte, wie die „Nicholson Wall“ zeigt, ein Wandgemälde, das er für den Garten des Sutton Place in Guildford, Surrey, geschaffen hat.

Seit 1939 lebten Hepworth und Nicholson in St. Ives in Cornwall, das sie als Zentrum abstrakter Kunst – „Penwith Society of Artists“ – etablierten. 19 Jahre lang lebte der Maler und Bildhauer in Trezion, Salubrious Place. Ben Nicholson trat 1943 der St. Ives Society of Artists bei und lebte bis 1955 in Cornwall. 1952 gewann er den renommierten Carnegie Prize, und 1954 vertrat er Großbritannien auf der Biennale von Venedig (gemeinsam mit Francis Bacon und Lucian Freud). 1955 wurde eine Retrospektive seiner Arbeiten in der Tate Gallery in London gezeigt. 1956 gewann Nicholson den ersten internationalen Guggenheim-Gemäldepreis und 1957 den internationalen Preis für Malerei auf der Biennale von Sao Paulo.

Ehefrauen und Kinder

Am 5. November 1920 heiratete Nicholson in St. Martin-in-the-Fields die Malerin Winifred Roberts (1893–1981), mit der er drei Kinder hatte: Jake (Juni 1927), Kate (Juli 1929) und Andrew (September 1931). Das Paar ließ sich 1938 scheiden. Am 17. November 1938 heiratete er in zweiter Ehe die Bildhauerin Barbara Hepworth (1903–1975), mit der er ebenfalls drei Kinder hatte, es waren Drillinge, geboren 1934: Sarah, Rachel und Simon. Die Scheidung von Barbara Hepworth erfolgte 1951.

Im Juli 1957 heiratete Ben Nicholson die deutsche Künstlerin Felicitas Vogler (1922–2006), mit der er sich 1958 im Tessin niederließ. Zuerst wohnte das Künstlerpaar in Ronco, dann in Gadero oberhalb Brissagos, wo sie 1961 ein nach Nicholsons Entwürfen erbautes Haus bezogen.

„Die Lage war wunderbar: der Blick umfasste die ganze Weite des Sees mit den umrahmenden Bergen bis nach Italien hinein, das Haus war groß und geräumig, es hatte Riesenfenster, die die Landschaft Teil unseres täglichen Lebens werden ließ, im Wechsel der Jahreszeiten eine immerwährende Quelle der Inspiration zum Malen und Fotografieren. Und für Ben erfüllte sich, wenn auch sehr spät, ein Lebenstraum: ein riesiges Atelier mit dem besten Licht von Norden und einer herrlichen Aussicht über die Brissago-Inseln nach Ascona und die Bergkette dahinter. Kein Wunder, dass er in den folgenden zehn Jahren [...] kleine kostbare Miniaturen (schuf), die direkt aus dem Herzen kamen, ebenso wie gewaltige Monumental-Reliefs, die mich oft an uralte Sakralbauten oder Tempel Tausende von Jahren zurückerinnern. Daneben schuf er auch feine Malereien in Pastelltönen – zarte durchsichtige Gebilde, die sich in Luft, in ein Unendliches aufzulösen scheinen. Die vielen Zeichnungen mit ölfarbigem Hintergrund hingegen, die Stilleben-Themen in allen Varianten behandeln, entstanden oft zu mehreren am gleichen Tage, wenn er besonders gut gestimmt war. Der letzte von zwei bis drei Versuchen war meist der freieste und beschwingteste, die Linien in einem Zug gezogen.“1

1971 trennte sich Nicholson von ihr und zog allein zurück nach Cambridge; er hatte die die englische Sprache zu sehr vermisst. Das Paar blieb weiterhin miteinander befreundet, seine Scheidung erfolgte im Jahr 1977. Ben Nicholsons letzter Wohnort war ab 1972 in der Pilgrim's Lane, Hampstead, London, wo er bis zu seinem Tod im Atelier arbeitete.

Tod

Ben Nicholson starb am 6. Februar 1982 in London. Er wurde am 12. Februar im Golders Green Crematorium eingeäschert.

Einige seiner Werke sind in der Tate Gallery, Tate St. Ives und Kettle’s Yard Art Gallery in Cambridge ausgestellt.

Beiträge zu Ben Nicholson

Felicitas Vogler, Ben Nocholson mit Tommy, 1965

Bern | Kunstmuseum: Felicitas Vogler und Ben Nicholson


Die Ausstellung „The Quiet Eye“ zeigt erstmals ausgewählte Farbfotografien von Felicitas Vogler (1922–2006) sowie Gemälde und Zeichnungen von Ben Nicholson (1894–1982), die Felicitas Vogler dem Kunstmuseum Bern vermachte. Während Voglers Fotografien einen Überblick über ihr gesamtes Schaffen vermitteln, konzentrieren sich die Werke Nicholsons auf solche, die während der gemeinsamen Zeit entstanden sind. Um auch eine frühere Schaffensperiode anzudeuten, wurde das „weisse Relief“ von 1935, das sich im Besitz der Anne-Marie und Victor Loeb-Stiftung befindet, in die Ausstellung integriert.
  1. Felicitas Vogler, Mein Leben mit Ben Nicholson im Tessin, undatiert.