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Keith Haring: Biografie Lebenslauf und wichtigste Kunstaktionen des New Yorker Superstars

Keith Haring in der Albertina 2018

Keith Haring in der Albertina 2018

Das künstlerische Werk von Keith Haring (1953–1990) gehört mit seinen comicartigen Figuren zu den beliebtesten Künstlerœuvres der Welt. Während seiner kurzen aber intensive Karriere von nur knapp zehn Jahren, stellte er während der 1980er Jahre in über 100 Einzel- und Gruppenausstellungen aus. Allein im Jahr 1986 wurden mehr als 40 Beiträge in Zeitungen und Magazinen geschrieben. Außerdem nahm er an vielen kollaborativen Projekten teil und arbeitete mit so unterschiedlichen Künstlern und Performern wie Madonna, Grace Jones, Bill T. Jones, William Burroughs (→ Die Kunst des William S. Burroughs), Timothy Leary, Jenny Holzer, Yoko Ono und Andy Warhol. Keith Haring sprach ein breites Publikum an, wenn er sich mit den universellen Fragen des Menschseins beschäftigte: Geburt, Tod, Liebe, Sexualität und Krieg. Sein Primat der Linie, die großflächig eingesetzten, kontrastreichen Farben und die Direktheit der Aussagen garantieren bis heute einen hohen Wiedererkennungswert.

Zwischen 1978 und 1980 studiert Keith Haring an der School of Visual Arts (SVA), in New York City. Hier fand Haring eine blühende Kunstszene mit Alternativen Ausdrucksweisen vor, die sich jenseits von Galerien und Museen entwickelte. In den Straßen von Downtown, am Südende von Manhattan, den U-Bahn-Stationen, Clubs (Club 57) und früheren Tanzhallen traf er später berühmte Künstler wie Kenny Scharf und Jean-Michel Basquiat. Dazu kamen Musiker, Performance Künstler und Graffitisprayer. Seine Freunde sind Graffiti-Künstler wie Fab Five Fred oder LA II.

„Was ich tat, war abstrakt – es erinnerte an die Dinge, die ich früher gemacht hatte. Aber an einigen Stellen begann ich, diese Zeichnungen von fliegenden Untertassen zu machen, die diese Tiergestalten bestrahlen. Die Untertassen richteten Energiestrahlen auf verschiedene Dinge und die erhielten dann auch diese Kraft. Und so hatten diese Dinge oder Menschen oder Tiere diese Strahlen, die rundum herauskamen.“ (Keith Haring über seine Anfänge 1980)

Doch nicht nur die Gegenwartskunst und die Alternative Szene inspiriereten Keith Haring: Jean Dubuffet, Pierre Alechinsky, William Burroughs, Brion Gysin und Robert Henris Manifest „The Art Spirit“ prägten das Werk von Keith Haring. Ausgehend von Dubuffets „Hourloupe“-Serie, der Idee des All-Over und Ungegenständlicher Kunst, entwickelte Keith Haring zwischen 1978 und 1980 seinen charakteristischen Stil und eine Reihe von signifikanten Figuren. Konzepte wie Christo’s „Running Fence“ (Land-Art) und Andy Warhols Factory (Verbindung von Kunst und Leben) ließen Haring von einer Kunst für Alle träumen.

In der ersten Hälfte der 1980er Jahre schuf Keith Haring Hunderte von Zeichnungen im Öffentlichen Raum. Seine schnellen, rhythmischen Linien, seine wiederkehrenden Motive machten ihn rasch zu einer lokalen Berühmtheit. Bis zu 40 Zeichnungen pro Tag entstanden mit weißer Kreide auf den unbelegten, schwarzen Werbetafeln der New Yorker U-Bahn. Der Maler und Grafiker bezeichnete später die U-Bahn als sein „Labor“ für Ideen und Experimentierfeld für seine einfachen Linien. Als sein „Tag“, seine Signatur als Straßenkünstler, wählt er das krabbelnde, auf plumpe Umrisse reduzierte Kleinkind, von dem kurze Strahlen ausgehen, das „radiant child“:

„Das Baby ist deshalb zu meinem Logo oder meiner Signatur geworden, weil es die reinste und positivste Form menschlichen Lebens darstellt.“ (Keith Haring in einem Tagebuch)

Zwischen 1980 und 1989 konnte Keith Haring internationale Anerkennung erringen und nahm an zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen teil. Zu den Großausstellungen, die ihn einluden gehörte die Documenta 7 in Kassel; die São Paulo Biennale und die Whitney Biennale. Haring schuf zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum (Spectacolor billboard am Times Square), Entwürfe für Bühnenbilder von Theaterstücken und Clubs, Designs für die Uhrenmarke Swatch und eine Werbekampagne für Absolut Wodka. Dazu kommen noch Wandgemälde auf der ganzen Welt. Keith Haring gab auch Zeichnungsworkshops für Kinder in Schulen und Museen in New York, Amsterdam, London, Tokyo und Bordeaux.

Weitere Beiträge zu Keith Haring

Biografie von Keith Haring (1958–1990)

  • 1958

    Am 4. Mai 1958 wurde Keith Haring in Reading, Pennsylvania, geboren. Er wuchs im nahegelegenen Kutztown, Pennsylvania, auf. Bereits in jungen Jahren entwickelte Keith Haring eine Liebe zum Zeichnen. Eine erste Einführung in die Technik des Comiczeichnens erhielt er von seinem Vater und seiner popkulturellen Umgebung Dr. Seuss und Walt Disney.
  • 1976

    Schulabschluss. Keith Haring besuchte die Ivy School of Professional Art in Pittsburgh, eine kommerzielle Kunstschule. Er realisierte schnell, dass er wenig Interesse daran hatte, ein kommerzieller Grafiker zu werden. Nach nur zwei Semestern beendete er sein Studium dort. In dieser Zeit arbeitete Keith Haring auf eigenen Antrieb in Pittsburgh.
  • 1978

    Erste Einzelausstellung im Pittsburgh Arts and Crafts Center. Ende des Jahres zog Keith Haring nach New York City um, um an der School of Visual Arts (SVA) zu studieren. Freundete sich mit Kenny Scharf und Jean-Michel Basquiat an. An der SVA experimentierte Haring mit Performance, Video, Installation und Collage. Gleichzeitig verlor er aber seine Vorliebe am Zeichnen nie.
  • 1980

    Keith Haring fand ein sehr effektives Medium, das ihm erlaubte, mit einem breiteren Publikum zu kommunizieren: Er zeichnete auf den unbenutzten Werbungspanelen in der U-Bahn. Er zeichnete mit weißer Kreide auf das schwarze, matte Papier und verteilte seine Kunst über das gesamte U-Bahn System von New York. Nur wenige der Werke sind heute noch im Original erhalten; Keith Hering selbst empfand diese Werke als performativ und daher vergänglich. Sein Freund Tseng Kwong Chi hielt viele der Szenen in Fotografien fest. Die Bilder zeigen, wie sensibel und witzig Haring auf die vorgefundene Werbung reagierte. Bis 1985 behielt er diese Taktik der Kunstproduktion im Öffentlichen Raum bei.
  • 1981

    Erste Einzelausstellung in New York bei Westbeth Painters Space.
  • 1982

    Galeriedebut in Soho: Seine Einzelausstellung in der Tony Shafrazi Gallery wurde sehr gelobt und immens populär. Das „radiant child“ 1982 ist es auf dem riesigen Bildschirm an der Stirn des Times Square zu sehen. Keith Haring wurde auch zur Documenta 7 nach Kassel eingeladen. Haring gestaltete seine ersten Plakate.
  • 1983

    Teilnahme an der Whitney Biennale of American Art und an der Biennale von São Paulo teil und hat Galerieausstellungen in London, Mailand und Tokio.
  • 1986

    Im April eröffnete Keith Haring den Pop Shop, einen Laden in Soho, wo er T-Shirts, Spielzeug, Poster, Buttons und Magnete mit seinen Bildern verkaufte. Haring sah in dem Geschäft die Erweiterung seines Werks und bemalte das gesamte Innere mit einem abstrakten Schwarz auf Weiß Wandgemälde. Mit Hilfe des Pop Shop wollte Haring mehr Menschen Zugang zu seinem Werk gewähren, indem er billige Produkte designte. Obwohl der Pop Shop von vielen aus der Kunstszene kritisiert wurde, verfolgte Keith Haring seinen Wunsch, möglichst leichten Zugang zu seiner Kunst zu garantieren. Einige seiner Freunde, Fans und Mentoren, darunter Andy Warhol, unterstützten ihn dabei enorm. Schuf das „Crack is Wack“-Wandgemälde am New Yorker FDR Drive (Stadtautobahn entlang des East River). Gemeinsam mit 900 Kindern malte er ein Wandgemälde anlässlich des 100-jährigen Aufstellung der Freiheitsstatue in New York. 1987 Wandgemälde an der Fassade des Nacker Kinderspitals in Paris (FR); an der West-Seite der Berliner Mauer.
  • 1988

    Bei Keith Haring wurde eine Infektion mit AIDS festgestellt.
  • 1989

    Haring gründete die Keith Haring Foundation, deren Auftrag die Bereitstellung von Geld und Bilder für AIDS Organisationen und Kinderpgrogrammen ist. Darüberhinaus soll die Keith Haring Stiftung das Publikum mit Werken des Künstlers vertraut machen, indem sie Ausstellungen, Publikationen und Lizenzen seiner Bilder mitorganisiert. In den letzten beiden Jahren seines Lebens widmete sich Keith Haring in seinen Werken vermehrt der eigenen Krankheit, um ein Bewusstsein darüber zu schaffen und Aktivismus zu fördern.
  • 1990

    Am 16. Februar 1990 starb Keith Haring im Alter von 31 Jahren an Komplikationen, die mit seiner AIDS-Infektion zusammenhingen. Am 4. Mai wurde in der Cathedral of St. John the Divine in New York City eine Messe zur Erinnerung an den Künstler abgehalten, an der über 1.000 Menschen teilnahmen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.