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Keith Haring: Poster für den guten Zweck! Aufklärung, Toleranz und Menschenrechte

Keith Haring, Ignorance = Fear, Silence = Death, Fight Aids Act Up, New York, USA, 1989, Offsetlithografie, 61,1 x 109,5 cm © Keith Haring Foundation

Keith Haring, Ignorance = Fear, Silence = Death, Fight Aids Act Up, New York, USA, 1989, Offsetlithografie, 61,1 x 109,5 cm © Keith Haring Foundation

Einprägsame, große Figuren, poppige Farben und ein moralischer Inhalt – so lassen sie nahezu alle Poster von Keith Haring (1958–1990) beschreiben. Der in den 1980er Jahren in New York arbeitende Künstler fand in legendären Subway Drawings seinen charakteristischen Stil und eine öffentlich zugängliche Kommunikationsfläche. Die mit weißer Kreide auf schwarzem Papier gezeichneten Geschichten changieren zwischen Pop- und Hochkultur, zwischen Plakat-Design, Comics, Graffiti und Streetart. Ort seiner Kunst ist nicht die Galerie, sondern die unterirdischen Wege; Publikum nicht eine wohlhabende Elite, sondern die breite Masse. Komplexe Themen verstand er so aufzubereiten, dass sie scheinbar einfach zu verstehen sind.

Poster für den guten Zweck!

Keith Haring gestaltete sein erstes Plakat im Jahr 1982. Vier Plakaten im Jahr `82 folgten neun `83, danach zehn bis zwanzig jedes weitere Jahr.1 Interessant ist auch die Themenwahl Harings. Von seinen rund 100 Postern bewerben allein 23 verschiedenste gesellschaftspolitische Themen, 26 widmen sich kulturellen Anlässen, nur 19 entwarf Haring für seine Ausstellungen. Als einer der Ersten thematisierte er Aids und erfand für die Krankheit Motive, die noch heute verwendet werden. Menschrechte, Toleranz, bessere Bildungschancen für Kinder aus ärmeren Schichten und Aufklärung über die Krankheit Aids, Liebe und Sex, Gewalt und Tod sind die wichtigsten Themenkreise in Harings Postern. Er entwickelte Kürzel für Hunde und Engel, für Gut und Böse. Das „radiant child“, das strahlende, krabbelnde Baby, stand für den Künstler selbst.

 

 

Haring entwickelte für seine Plakate keinen neuen Stil, sondern nutzte jene einprägsame visuelle Sprache, die er Mitte des Jahres 1982 entwickelt hatte: Er definierte mit einem schwarzen Rahmen das Bildfeld. Dann reduzierte er alles auf eine bewegliche, kräftige Umrisslinie, Bewegungslinien verdeutlichen Dynamik und Strahlen geben eine Art innerer Energie wieder. Im Vergleich zu seinen Gemälden sind die Motive einfacher gestaltet, weshalb sie sich sehr einfach interpretieren lassen. Besondere Direktheit setzte Keith Haring ein, wenn es sich an Kinder richtete.

Keith Haring entwarf die Plakate mit schwarzem Marker oder Pinsel auf einem angemessen großen Bogen Papier. Dazu kamen Angaben zu den Farben. Die Drucker setzten dann seine gezeichneten Ideen in Offsetlithografien um.

 

 

Keith Haring. Poster im MKG

„Keith Haring. Posters“ vereint über 100 Plakate aus der Sammlung des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). Zahlreiche kleinere Objekte und Marketing-Produkte, die Haring in seinem New Yorker Pop Shop verkaufen ließ, ergänzen die Schau. Der Hamburger Sammler Claus von der Osten schenkte dieses weltweit einzigartig volständige Konvolut an das MKG.

Kuratiert von Jürgen Döring

 

 

Keith Haring: Posters: Bilder

  • Ausstellungsansicht © Foto | photo: Michaela Hille
  • Keith Haring, Ignorance = Fear, Silence = Death, Fight Aids Act Up, New York, USA, 1989, Offsetlithografie, 61,1 x 109,5 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, Montreux 1983, 17ème Festival du Jazz, Juillet 8-24, 1983 Siebdruck, 100 x 70 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, National Coming Out Day, entstanden für die “National Gay Rights Advocates”, New York, USA, 1988, Offsetlithografie, 66 x 58,4 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, Crack Down!, 1986, Offsetlithografie | offset lithograph, 56 x 43,4 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, USA celebrates UNICEF!, 1988, Offsetlithografie, 43,2 x 55,9 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, American Music Festival – New York City Ballet, 1988, Siebdruck © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, The Humane Society of Broward County, 1987 Offsetlithografie, 86,2 x 55,8 cm © Keith Haring Foundation
  • Keith Haring, Pisa 89, 1989, Offsetdruck, 100 x 79,8 cm © Keith Haring Foundation

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  1. Diese hohe Produktivität auf diesem Gebiet findet Jürgen Döring nur bei Andy Warhol und Robert Rauschenberg.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.