0

KHM: Ausstellungen 2019: Caravaggio und Bernini, Mark Rothko Meister von Heiligenstadt, Van Eyck zu Gast, Münzen „böser“ Kaiser

Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, Detail, um 1600/01, Pappelholz, 91,2 × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)

Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, Detail, um 1600/01, Pappelholz, 91,2 × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)

Das Kunsthistorische Museum in Wien widmet seine beiden größten Ausstellungen 2019 dem amerikanischen Abstrakten Mark Rothko (ab 12.3.) und im Herbst den beiden so gegensätzlichen Persönlichkeiten Caravaggio und Gian Lorenzo Bernini (ab 15.10.). Beide prägten mit ihren Werken die Kunst des Barock, wobei Bernini als Bildhauer, Maler und Architekt tätig war. Drama, Pathos, Bewegung sind charakteristisch für ihre Formfindungen, die weit über Rom hinausstrahlten. Das Kunsthistorische Museum besitzt mit der „Rosenkranzmadonna“ eines der bedeutendsten Frühwerke Caravaggios – auf die Doppelpräsentation mit Gian Lorenzo Bernini darf man hierzulande allemal gespannt sein!

Mittelalterliche Malerei und Schatzkunst stehen in den Präsentationen zum Meister von Heiligenkreuz (ab 26.3.) sowie zu „Van Eyck und die Kasel vom Goldenen Vlies“ (ab 10.7.) im Fokus. Erstmals werden alle erhaltenen Tafeln des wohl aus Frankreich stammende Anonymus mit dem Notnamen Meister von Heiligenkreuz in der Kunstkammer zusammengeführt. Die Verbindungen des flämischen Malers Jan van Eyck und dessen „Madonna vor dem Springbrunnen“ (1439) zur etwa zeitgleich entstandenen Kasel vom Ornat des Goldenen Vlieses lädt zum multimedialen Vergleich ein. Die Münzkammer widmet den Münzen „Böser Kaiser“, darunter Caligula, Nero u.v.m., eine Sonderausstellung, in der Ruf(mord) und Münzbild einander gegenübergestellt werden.

 

Ausstellungen im Kunsthistorischen Museum, Wien, 2019

Mark Rothko (12.3.–30.6.2019)

KHM: Mark Rothko

Das Kunsthistorische Museum bereitet eine Ausstellung zum amerikanischen Künstler Mark Rothko (1903–1970) vor, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde. Die Ausstellung wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

Die Ausstellung wird sich mit Rothkos gleichermaßen profundem wie unablässigem Interesse für die Geschichte der Kunst beschäftigen, das sich von der klassischen Mythologie und den antiken Fabeln Ägyptens, Griechenlands und Roms über die byzantinische und frühe italienische Goldgrundmalerei bis zur Renaissance und dem Goldenen Zeitalter in den Niederlanden erstreckt. Den Anfang macht eine Gruppe figurativer Arbeiten, die in ihrer Darstellung von Familien, der Kreuzigung, von Mutter und Kind, klassischen Badenden und des letzten Abendmahls auf die christliche Ikonografie, griechische und römische Mythen und das jüdische Erbe des Künstlers Bezug nehmen. Viele dieser wichtigen frühen Werke kommen als Leihgaben aus der National Gallery of Art in Washington, D.C.

 

 

Ganymed in Love (März bis Juni 2019)

Eine neue Inszenierung von Jacqueline Kornmüller

Zum sechsten Mal hält GANYMED Einzug ins Kunsthistorische Museum Wien. Das Erfolgsformat ist diesmal dem Thema Liebe gewidmet. Die Gemäldegalerie des Kunsthistorischen Museums ist voll von ihr: Liebe als magische Anziehungskraft, maßgebliche Triebfeder und gleichzeitig große Chance. Dreißig KünstlerInnen erwecken die Gefühlswelt der Gemäldegalerie zu neuem Leben. SchauspielerInnen, MusikerInnen und TänzerInnen erzählen von Sehnsüchten, vom Begehren und den Verstrickungen der Liebe.

Diesmal u. a. mit Texten von William Shakespeare, Franz Schuh, Jean-Philippe Toussaint, ruth weiss, Lize Spit, Milena Michiko Flasar und Martin Pollack sowie mit Szenen von Lukas Lauermann, Golnar Shahyar, Mira Lu Kovacs, Rania Ali, Christian Nickel, Sabine Haupt, Ulli Maier und vielen anderen.

 

 

Der Meister von Heiligenkreuz (26.3.–23.6.2019)

Diese Ausstellung in der Kunstkammer vereint erstmalig alle bekannten Werke des so genannten Meisters von Heiligenkreuz. Das Kunsthistorische Museum bewahrt seit 1926 das Werk dieses Malers, der zu den eigenwilligsten und zugleich rätselhaftesten Künstlerpersönlichkeiten aus der Zeit um 1400 in Österreich zählt: Sein aus Stift Heiligenkreuz bei Wien stammendes Diptychon, das erst vor Kurzem umfassend restauriert wurde, zeigt auf den Innenseiten die Verkündigung Mariae und die Vermählung der hl. Katharina. Heute in der Kunstkammer ausgestellt, verrät es in der subtilen Ausführung und den graziösen Figuren, dass der heute als Meister von Heiligenkreuz titulierte Anonymus seine Ausbildung im Umfeld der Pariser Hofkunst erfahren haben muss. Von dort scheint der wohl gebürtige Franzose nach Österreich ausgewandert zu sein, denn das Wiener Diptychon wurde auf Brettern aus einer lokalen Eiche ausgeführt.

Von der Hand dieses Malers (bzw. seiner Werkstatt?) sind bis heute lediglich vier weitere Arbeiten bekannt, von denen die beiden heute in Cleveland und Washington befindlichen Tafeln mit dem „Marientod“ und dem „Tod der hl. Klara“ ursprünglich wohl vom selben, vielleicht für Böhmen entstandenen Altarretabel stammen. Die unverwechselbare Formensprache des Künstlers zeigt sich schließlich auch in dem kleinformatigen Fragment seiner „Vermählung der hl. Katharina“, das sich seit 1995 im Wiener Belvedere befindet, während die Zuschreibung eines in Basel befindlichen Diptychons mit dem „Schmerzensmann“ und der „Muttergottes“ in der Forschung nicht unumstritten ist.

 

Theseustempel (25.4.–6.10.2019)

Wer 2019 im Theseustempel ausstellen wird, wird erst später bekanntgegeben werden.

 

Bruchteile (10.5.–20.10.2019)

Die Ausstellung präsentiert zwei Gemälde der Künstler Jeremias Altmann und Andreas Tanzer, begleitet durch Fotografien von Barbara Herbst, in der Antikensammlung. Die Bilder entstanden vor originalen Objekten des Kunsthistorischen Museums; die Fotografien lassen den Entstehungsprozess der Gemälde in den verschiedenen Galerien nachvollziehen. Alle ausgestellten Objekte verweisen auf die größere Werkeinheit „grey time“ – ein Bilderzyklus, an dem die beiden Künstler seit 2013 arbeiten.

In unmittelbarer Nähe zu einem der Referenzwerke in der Antikensammlung ausgestellt, ermöglichen die Gemälde und Fotos eine Suche nach neuen und vielfältigen Zusammenhängen, und dies sammlungsübergreifend: zwischen antiken, neuzeitlichen und den zeitgenössischen Werken; zwischen Malerei und Skulptur; zwischen Vergangenem  und Neugeschaffenem.

 

Van Eyck und die Kasel vom Goldenen Vlies (10.7.–20.10.2019)

Bevor im Februar 2020 die Ausstellung „Van Eyck – An Optical Revolution“ im Museum voor Schone Kunsten Gent eröffnet, zeigt das Kunsthistorische Museum eine kleine exquisite Schau, die dem berühmtesten altniederländischen Meister gewidmet ist: Jan van Eyck. Jan van Eycks (um 1390–1441) „Madonna am Springbrunnen“ (1439) aus dem Koninklijk Museum voor Schone Kunsten Antwerpen (KMSKA) wird im Rahmen der Reihe „Flandern zu Gast“ als Leihgabe zu sehen sein. Darüber hinaus ist ein äußerst prominentes Objekt aus der Kunstkammer Teil der Schau: ein etwa um dieselbe Zeit entstandenes liturgisches Gewand, die Kasel des Meßornats des Ordens vom Goldenen Vlies.

 

 

Caravaggio & Bernini (15.10.2019–19.1.2020)

KHM: Caravaggio & Bernini

Die international angelegte Ausstellung präsentiert erstmals ein großes und überwältigendes, visuelles Barockspektakel im Kunsthistorischen Museum. Im Zentrum steht dabei bahnbrechende Werke des Malers Michelangelo Merisi da Caravaggio (1571–1610) und des Bildhauers Gian Lorenzo Bernini (1598–1680).

Obwohl das Kunsthistorische Museum den umfangreichsten und wertvollsten Bestand an Werken Caravaggios und seiner Nachfolger außerhalb Italiens besitzt, hat in Österreich bislang keine Ausstellung zu diesem Maler und seiner Zeit stattgefunden. Werke des um eine Generation jüngeren Bildhauers, Gian Lorenzo Bernini, dessen Kunst auch für den österreichischen Barock prägend werden sollten, waren hierzulande bisher ebenfalls kaum zu sehen.

Mit rund sechzig Hauptwerken – Malerei wie Skulpturen – von Künstlern des frühen 17. Jahrhunderts spürt die Ausstellung dem Phänomen des aufblühenden Barockzeitalters nach und stellt die revolutionär-neuartige Kunst dieser Zeit in Rom vor: faszinierende Werke voller Dramatik, intensiver Leidenschaft, starker Bewegung und farbintensiver Theatralik. Der Maler Caravaggio und der Bildhauer Bernini waren dabei die führenden Persönlichkeiten, die mit ihrer neuartigen Ausdrucksweise ebenso wie mit ihrem unkonventionellen Lebensstil in Rom für Furore sorgten.

Die Ausstellung erhofft sich durch die Zusammenschau von Malerei und Skulptur neuartige Perspektiven auf die römische Kunstlandschaft des frühen 17. Jahrhunderts. Eine vergleichbar groß angelegte Auswahl herausragender Kunstwerke dieser Zeit hat es außerhalb Italiens bislang nicht gegeben. Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Rijksmuseum Amsterdam, wo sie im Frühjahr 2020 zu sehen sein wird.

 

 

Böse Kaiser (Oktober 2019–September 2020)

Über Caius Caesar Germanicus, besser bekannt als Caligula, erzählt man sich, er habe vorgehabt, sein Lieblingspferd zum Konsul zu ernennen. Nero haftet der Verdacht, der Brandstifter Roms gewesen zu sein, bis heute an – sie beide gelten als Paradebeispiele für Cäsarenwahn.

Die zeitgenössische Geschichtsschreibung verfuhr unerbittlich mit unliebsamen Kaisern und sorgte dafür, dass ihr schlechter Ruf bis heute fortlebt. Man bediente sich zum Teil haarsträubender Erfindungen, so soll etwa Maximinus I., genannt der Thraker, achteinhalb Fuß (über 2 Meter 50) groß gewesen sein. Sämtliche Gegenspieler von Konstantin dem Großen wurden als Christenverfolger gebrandmarkt, was lange Zeit als Tatsache galt. Auch manche Beinamen, mit denen Kaiser bedacht wurden, wie eben Caligula (das Stiefelchen), Thrax (der Thraker) oder Apostata (der Abtrünnige), werden von Historikern bis heute benutzt.

Die Münzen jener Kaiser lassen freilich nichts Böses erkennen. Sie setzen sie in genau jenes Licht, in dem sie selbst gesehen werden wollten und bilden so einen erheblichen Kontrast zu schriftlichen Berichten. Die Ausstellung zeigt ausgewählte Münzportraits der „bösen Kaiser“ Roms vom ersten bis zum vierten Jahrhundert nach Christus. Zudem lassen die Rückseiten ausgefeilte Bildprogramme erkennen, mit denen die Botschaft von der Großzügigkeit oder der Milde der Herrscher unters Volk gebracht werden sollte.

Oftmals gab es nach dem Tod verhasster Kaiser einen Regimewechsel und es wurde die damnatio memoriae über sie verhängt, also die Tilgung aus der Erinnerung. Dies hatte zur Folge, dass ihre Namen aus Inschriften ausgemeißelt und in seltenen Fällen sogar ihre Gesichter auf Münzen ausgekratzt wurden.

Quelle: Pressetext

 

KHM: Ausstellungen 2019. Bilder

  • Mark Rothko, Ohne Titel (Rot, Orange), 1968, Öl/Lw, 193 × 175 cm (Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, Foto: Robert Bayer)
  • Ganymed in Love
  • Meister von Heiligenkreuz, Verkündigung, Diptychon, um 1400/1410, Eichenholz, Goldgrund, 72 × 43,5 cm (© KHM-Museumsverband)
  • Jan van Eyck, Madonna am Springbrunnen, 1439, 19 x 12 cm (© KMSKA – Lukas-Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)
  • Caravaggio, David mit dem Haupt des Goliath, um 1600/01, Pappelholz, 91,2 × 116,2 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)
  • Caravaggio, Rosenkranzmadonna, um 1601, Öl/Lw, 364,5 × 249,5 cm (Kunsthistorisches Museum Wien, Gemäldegalerie © KHM-Museumsverband)
  • Caravaggio, Dornenkrönung Christi, um 1601, Öl/Lw, 127 × 166,5 cm (© KHM-Museumsverband)
  • Nero (54–68), Gold, 64/65 n. Chr., Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett (© KHM-Museumsverband)
  • Maximinus I. (Thrax) (235–238), Messing, 236 n. Chr. (Kunsthistorisches Museum Wien, Münzkabinett © KHM-Museumsverband)
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.