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KHM: Mark Rothko Rothkos Beschäftigung mit Alten Meistern in Wien

Mark Rothko, Ohne Titel (Rot, Orange), Detail, 1968, Öl/Lw, 193 × 175 cm (Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, Foto: Robert Bayer)

Mark Rothko, Ohne Titel (Rot, Orange), Detail, 1968, Öl/Lw, 193 × 175 cm (Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler, Foto: Robert Bayer)

Das Kunsthistorische Museum bereitet eine Ausstellung zum amerikanischen Künstler Mark Rothko (1903–1970) vor, dessen Werk in Österreich noch nie gezeigt wurde. Die Ausstellung wird mehr als vierzig wichtige Arbeiten aus Rothkos gesamtem Schaffen umfassen und Vorstellungen des Sakralen, Geistigen, Tragischen und Zeitlosen nachgehen. Rothkos Tochter Kate und sein Sohn Christopher, die von Anfang an in das Projekt eingebunden waren, werden für die Schau zahlreiche bedeutende Werke aus der Sammlung der Familie als Leihgaben zur Verfügung stellen.

Die Ausstellung wird sich mit Rothkos gleichermaßen profundem wie unablässigem Interesse für die Geschichte der Kunst beschäftigen, das sich von der klassischen Mythologie und den antiken Fabeln Ägyptens, Griechenlands und Roms über die byzantinische und frühe italienische Goldgrundmalerei bis zur Renaissance und dem Goldenen Zeitalter in den Niederlanden erstreckt. Den Anfang macht eine Gruppe figurativer Arbeiten, die in ihrer Darstellung von Familien, der Kreuzigung, von Mutter und Kind, klassischen Badenden und des letzten Abendmahls auf die christliche Ikonografie, griechische und römische Mythen und das jüdische Erbe des Künstlers Bezug nehmen. Viele dieser wichtigen frühen Werke kommen als Leihgaben aus der National Gallery of Art in Washington, D.C.

Im nächsten Schritt setzt sich die Ausstellung mit den tiefgreifenden Auswirkungen von Rothkos erster Europareise im Jahr 1950 auseinander. Der Künstler besuchte Paris und Venedig, Arezzo, Siena, Rom und Florenz, wo er Michelangelos Biblioteca Medicea Laurenziana und die Fresken Fra Angelicos im Kloster San Marco besichtigte. Eine ganze Reihe großformatiger Studien für die Seagram-Wandmalereien beleuchtet den unmittelbaren Einfluss dieser Erfahrungen auf Rothkos Werk. Zentrale Leihgaben offenbaren, wie Rothko von den Techniken der alten Meister lernte: Er begann wie Tizian Farben übereinanderzuschichten und entwickelte in seinem reifen Werk ein an Rembrandt erinnerndes Gefühl für „inneres Licht“. Mit den Worten des im Jahr 2017 verstorbenen John Berger: „Er tat nichts als zurückzuschauen, auf eine Weise, wie das vor ihm kein anderer Maler jemals getan hatte.“

Mark Rothko hat einmal gesagt, dass er eine Kunst schaffe, „die mindestens tausend Jahre Bestand haben würde“. Die Ausstellung wird dieser Überzeugung auf den Grund gehen, indem sie das Werk des Künstlers durch das Prisma der Geschichte betrachtet. Sie wird auf Rothkos umfangreiche Schriften zu Kunstgeschichte, Mythos, Drama der menschlichen Existenz und zur Vorstellung von Malerei als Erfahrung zurückgreifen, um seine Vision und künstlerische Reife in einen Zusammenhang zu stellen und neue Lesarten einiger seiner größten Werke anzubieten. Das Kunsthistorische Museum, eines der angesehensten Museen der Welt, ist auf einzigartige Weise dafür prädestiniert, eine solche Ausstellung zu zeigen. Seine Sammlung von Gemälden alter Meister wie Pieter Bruegel der Ältere, Caravaggio, Albrecht Dürer, Holbein, Raffael, Rembrandt van Rijn, Peter Paul Rubens, Tizian, Diego Velázquez und Jan Vermeer wird von Werken der ägyptischen, griechischen und römischen Antike, einer außergewöhnlichen Kunstkammer mit naturalia, exotica, scientifica und artificilia, Waffen und Rüstungen, Tapisserien, Musikinstrumenten und vielen weiteren Objekten ergänzt.

Insgesamt betrachtet stehen die Sammlungen für 5.000 Jahre menschlichen Strebens vom alten Ägypten bis zum Jahr 1800. In jüngster Zeit hat sich das Museum verstärkt für Kunst und KünstlerInnen der heutigen Zeit engagiert, um deren komplexem Verhältnis zu diesen historischen Sammlungen nachzuspüren. 2013 startete mit einem dem Maler Lucian Freud gewidmeten Überblick ein neues Programm von größeren Einzelausstellungen. Die sehr konzentrierte Freud-Schau wurde gemeinsam mit dem Künstler vor dessen Tod konzipiert und kuratiert und in unserer Gemäldegalerie präsentiert, die Freud sehr gut kannte. Die Reihe wurde 2015 mit einer großen Ausstellung fortgesetzt, die das Werk Joseph Cornells im Dialog mit der Kunstkammer vorstellte. Es war die erste Schau von Cornells Schaffen in Europa seit mehr als dreißig Jahren. Mit der für 2019 geplanten Mark Rothko-Ausstellung setzen wir diesen Dialog fort und erweitern ihn durch die Einbeziehung der ägyptischen, griechischen und römischen Bestände des Museums.

Die Schau wird von Jasper Sharp kuratiert, der von Christopher Rothko eng unterstützt und beraten wurde. Neben Leihgaben aus Museen wie der Fondation Beyeler, Riehen, dem Jewish Museum, New York, dem Kunstmuseum Bern und dem Kunstmuseum Basel haben bereits die Familie Rothko und die National Gallery of Art, Washington, D.C., Werke zugesagt. Der die Schau begleitende Katalog wird Beiträge von Christopher Rothko, Jasper Sharp und Thomas E. Crow enthalten und auf Deutsch und Englisch erscheinen.

 

Abstrakte Kunst

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.