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Gent: Jan van Eyck. Eine optische Revolution Pionier der Renaissance in Burgund

Jan van Eyck, Der Genter Altar, Außentafeln: Verkündigung, Verkündigungsengel, Detail, um 1430–1431 (©www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Jan van Eyck, Der Genter Altar, Außentafeln: Verkündigung, Verkündigungsengel, Detail, um 1430–1431 (©www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

Jan van Eyck (um 1390–1441) war Hofmaler Philipps des Guten (1396-1467), Herzog von Burgund, und ein Pionier der Ölmalerei. Der extravagante Herzog und seine Gesellschaft umgaben sich mit den führenden Künstlern ihrer Zeit. Gleichzeitig florierten die flämischen Handelsstädte Gent und Brügge. Reiche Kaufleute und Politiker nahmen sich den Glanz des Hofes zum Vorbild und umgaben sich selbst gern mit edlen Produkten. Das war das kreative Umfeld Jan van Eycks, zwischen Hof und Stadt, zwischen Kunst und Handwerk.

Weltweit sind nur etwa zwanzig Werke von Jan van Eyck erhalten. Es gilt als sehr seltene Ausnahme, dass ein wesentlicher Teil dieser Werke im Frühjahr 2020 nach Gent kommt, wo die Gemälde neben Werken seiner begabtesten Zeitgenossen ausgestellt werden. Am 10. Mai gab das Museum der Schönen Künste Gent (MSK) in einer Presseaussendung bekannt, dass „Jan van Eyck. Eine optische Revolution“ die größte Ausstellung aller Zeiten zum Werk und Umfeld dieses revolutionären Malers handelt. Folgende Werke wurde den Ausstellungsmachern für Gent bereits zugesagt:

  • Jan und Hubert van Eyck, Die Anbetung des Mystischen Lammes, 1432 (jüngst restaurierte Außentafeln des Genter Altars), aus der St Bavo Kathedrale, Gent – Nach 2020 werden diese Tafeln weder mit dem Genter Altar in der St. Bavo Kathedrale vereint und stehen für Ausstellungen daher nicht mehr zur Verfügung.
  • Jan van Eyck, Die Madonna am Brunnen, 1439, aus dem Königlichen Museum der Schönen Künste [Koninklijk Museum voor Schone Kunsten], Antwerpen
  • Jan van Eyck, Porträt von Baudouin de Lannoy, um 1435, aus der Gemäldegalerie der Staatliche Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, Berlin
  • Jan van Eyck, Diptychon der Verkündigung, um 1433–1435, aus dem Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid
  • Jan van Eyck, Porträt eines Mannes mit blauem Chaperon, um 1428−1430, Muzeul National Brukenthal, Sibiu (Romania)
  • Jan van Eyck, Hl. Barbara, 1437, aus dem Königlichen Museum der Schönen Künste [Koninklijk Museum voor Schone Kunsten], Antwerpen: Es sieht wie die erste autonome Zeichnung der westlichen Kunstgeschichte aus. Handelt es sich um ein unvollendetes Gemälde oder eine Zeichnung?
  • Jan van Eyck und Werkstatt, Madonna am Brunnen, um 1440, aus einer Privatsammlung
  • Jan van Eyck, Die Verkündigung, um 1434-1436, aus der Andrew W. Mellon Collection, National Gallery of Art, Washington DC
  • Hand G (Jan van Eyck), Miniaturen aus dem Turin-Mailändische Stundenbuch, um 1420–1440, aus dem Palazzo Madama, Turin

 

 

Höhepunkt der spätmittelalterlichen Kunst

Jan van Eyck überragte seine Zeitgenossen und entfesselte mit seiner Kunst eine optische Revolution. Mit seiner unvergleichlichen Technik und Beobachtungsgabe schuf er in der Ölmalerei eine bis dahin unbekannte neue Qualität und war er richtungsweisend für die Malerei. Van Eycks Fühigkeit Licht wiederzugeben, das vor allem seinem Interesse entsprang, wie sich Licht auf verschiedenen Oberflächen verhält, war bis zu seinen Werken unbekannt.Gleichzeitig entwickelte der Maler als Landschaftsmaler einen Zugang zur Wiedergabe der Räume, der zwischen Makro- und Mikrokosmos changiert (Erwin Panofsky). Sein Meisterwerk ist die „Anbetung des Lamm Gottes“ (St.-Bavo-Kathedrale in Gent), ein Auftragswerk des Genter Schöffen Joos Vijd, das er nach dem Tod seines Bruders Hubert van Eyck im Jahr 1432 zu Ende führte.

Zentrales Thema der Ausstellung ist die vom Königlichen Institut für das Kunsterbe (KIK) durchgeführte und im Jahr 2012 begonnene Restaurierung der Außentafeln „Der Anbetung des Lamm Gottes“ im MSK. In direkter Zwiesprache mit anderen Kunstwerken von Van Eyck können die Besucher das spektakuläre Ergebnis der restaurierten Außentafeln aus nächster Nähe bestaunen. Das wird zu einer Neubewertung seiner Kunst und des historischen Kontexts führen, in dem seine Kunstwerke entstanden sind.

 

Im Gespräch mit Van Eycks Zeitgenossen

Zur Konkretisierung der optischen Revolution von Van Eyck werden seine Gemälde neben den Werken seiner begabtesten Zeitgenossen aus Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien gezeigt. Etwa 80 Werke des Spätmittelalters und der Frührenaissance kommen dafür nach Gent: Malerei, Miniaturkunst, Skulpturen und Zeichnungen. Auch sie bewegten sich in den höchsten Kreisen und erhielten prestigeträchtige Aufträge. Die Ausstellung beleuchtet die künstlerischen Berührungspunkte sowie ihre Unterschiede. Die Ausstellung bringt die bedeutenden Maler aus Florenz und Rom nach Gent, um Jan van Eycks Leistungen im internationalen Kontext zu beleuchten.

„Van Eyck. Eine optische Revolution“ deckt die Mythen über den Künstler auf und stellt seine Technik, sein Werk und seinen Einfluss in ein neues Licht.  Ziel der Ausstellung ist es, den Besuchern ein Staunen zu entlocken, das dem seiner Zeitgenossen ähnelt, als sie seine Kunst zum ersten Mal sahen: eine unvergessliche Erfahrung. Das ist die umfassendste van-Eyck-Ausstellung aller Zeiten. Meisterwerke von Van Eyck und seinen Zeitgenossen entführen in die Lebenswelt der Großmeister der alt-niederländischen Malerei.

Jan van Eyck spielte im ausgesprochen kulturellen Milieu am herumziehenden Hof des Herzogs von Burgund, Philips des Guten, eine zentrale Rolle. „Jan van Eyck und der Hof der Herzöge von Burgund“ erschafft eine Erlebniswelt, in der die prunkvolle Hofhaltung anhand von Gemälden, Standbildern, Zeichnungen, Teppichkunst, Miniaturkunst und Meisterwerken zum Ausdruck gebracht wird.

Quelle: Pressetext + Vortrag vom Direktor des Königlichen Museums in Antwerpen.

 

 

Gent: Jan van Eyck. Eine optische Revolution: Bilder

  • Jan van Eyck, Der Genter Altar, Außentafeln: Verkündigung, Verkündigungsengel, Detail, um 1430–1431 (©www.lukasweb.be - Art in Flanders vzw, foto Hugo Maertens)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.