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New York | MoMA: Marcel Duchamp

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 12. April 2026
Marcel Duchamp, Rotorelief, Detail

Marcel Duchamp, Rotorelief, Detail

„Warum ist das Kunst?“ – diese Frage stellt das Publikum zeitgenössischer Kunst oft. Eine Antwort darauf zu finden, ist ohne Bezug auf das Werk von Marcel Duchamp (1887–1968) nahezu unmöglich. In seiner über 60 Jahren währenden Karriere befragte Duchamp die bis in die 1910er Jahre gängige Definition von Kunst und ebnete mit radikalen Antworten den Weg für eine neue Ära der künstlerischen Freiheit. Die Auswirkungen seines Tuns und Denkens sind bis heute spürbar.

Das MoMA widmet dem bedeutenden Franzosen 2025 eine große Ausstellung mit rund 300 Kunstwerken, von denen etwa die Hälfte aus dem eigenen Bestand kommen. Die Zusammenarbeit mit dem Philadelphia Museum of Art garantiert dem New Yorker Museum so bedeutende Leihgaben wie „Akt eine Treppe herabsteigend (Nr. 2)“ (1912, Philadelphia Art Museum), das es mit dem eigenen Gemälde „The Passage from Virgin to Bride“ (München, Juli-August 1912, MoMA) konfrontieren kann. Dieses Werk ist gleichzeitig im Kontext von „Die Neuvermählte/Braut wird von ihren Junggesellen entkleidet, sogar (oder: Großes Glas) [La Mariée mise à nu par ses célibataires, même]“ (1915–1923, Philadelphia) entstanden. Das Werk gilt als unvollendet, wobei der Künstler empfahl, seine Notizen zu lesen, die er während der Betrachtung hinterlassen hatte. Diese zwischen 1912 und 1923 entstandenen 93 erläuternde Dokumente wurden unter dem Titel „Boîte verte [Grüne Kiste]“ (1934) veröffentlicht. Kurzum: Wenn New York und Philadelphia sich zusammentun, kann man von einer Ausstellungshighlight im Frühjahr 2025 sprechen!

Marcel Duchamp

USA | New York: MoMA, Floor 6 The Steven and Alexandra Cohen Center for Special Exhibitions
12.4. – 22.8.2026

Marcel Duchamp im MoMA (Frühjahr 2026)

Obwohl sich Duchamps Werk einer einfachen Einordnung zu einem Ismus oder Ismen verweigert, prägte es verschiedene Strömungen der modernen Kunst maßgeblich, vom Kubismus zum Dadaismus, vom Surrealismus bis hin zur Pop Art. Duchamps Schaffen zeichnete sich durch ständige Neuerung und bewusste Widersprüchlichkeit aus:

„Ich habe mich dazu gezwungen, mich selbst zu widersprechen, um nicht meinem eigenen Geschmack zu entsprechen.“

Mit seiner Fragmentierung der menschlichen Form löste Duchamps Gemälde „Akt eine Treppe herabsteigend (Nr. 2)“ (1912) bei seiner Präsentation auf der legendären „Armory Show“ in New York 1913 einen Skandal aus. Seine Erfindung des Ready-made als Kunstform veränderte die Definition von Kunst und Künstlersein grundlegend, wie sein skandalöses Werk „Fountain“ (1917) – ein massenproduziertes Urinal, das er umdrehte und mit dem Pseudonym „R. Mutt“ signierte – eindrucksvoll beweist. Und sein monumentales Glas „Die Braut, entkleidet von ihren Junggesellen, ja sogar“ oder das „Große Glas“ (1915–1923) befreite die Malerei als Medium endgültig von Leinwand und Wand. In den folgenden 50 Jahren entwickelte Duchamp weiterhin bahnbrechende Ideen. Für sein „tragbares Museum“, „Die Kiste im Koffer“ (1935–1941), reproduzierte er sein bisheriges Werk in sorgfältiger Kleinarbeit im Miniaturformat.

Mit rund 300 Kunstwerken präsentiert diese Ausstellung die erste Retrospektive des Künstlers in den USA seit 1973. In den vergangenen fünfzig Jahren hat sich die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Duchamps rätselhaftem Werk intensiviert – ebenso wie die Entstehung von Mythen und Missverständnissen. Die Ausstellung bietet einen umfassenden Überblick über Duchamps vielseitiges Schaffen in allen künstlerischen Ausdrucksformen von 1900 bis 1968 und ermöglicht dem heutigen Publikum erstmals einen ganzheitlichen Einblick in sein gesamtes künstlerisches Werk.

Kuratiert von Ann Temkin, der Kuratorin für Malerei und Skulptur am MoMA (Marie-Josée und Henry Kravis Curator of Painting and Sculpture), Michelle Kuo, der Chefkuratorin und Publisher des MoMA, und Matthew Affron, dem Kurator für moderne Kunst am Philadelphia Museum of Art (Muriel and Philip Berman Curator of Modern Art), in Zusammenarbeit mit Alexandra „Lo“ Drexelius, Assistentin der Abteilung für Malerei und Skulptur am MoMA, und Danielle Cooke, Ausstellungsassistentin am Philadelphia Museum of Art.
Quelle: MoMA

Nach ihrer Präsentation im MoMA wird die Ausstellung vom 10. Oktober 2026 bis zum 31. Januar 2027 im Philadelphia Museum of Art zu sehen sein. Eine weitere Version der Ausstellung wird im Frühjahr 2027 im Grand Palais in Paris präsentiert. Die Ausstellung wird von Jeanne Brun, stellvertretende Direktorin des Centre Pompidou – Musée National d’Art Moderne, in Zusammenarbeit mit Pauline Creteur, wissenschaftlicher Mitarbeiterin der stellvertretenden Direktorin, kuratiert und vom Centre Pompidou und dem Grand Palais-RMN gemeinsam organisiert.

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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