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Paris | Jeu de Paume: Florence Henri

Florence Henri im Jeu de Paume

Florence Henri im Jeu de Paume

Florence Henri war eine höchst vielseitige Künstlerin, die zunächst für ihre Gemälde bekannt wurde, bevor sie sich zwischen Ende der 1920er und Anfang der 1940er Jahre als eine wichtige Figur in der Avantgardefotografie einen Namen machte. Henri lebte in Schlesien, München, Wien, Rom und vor allem Berlin, bevor sie sich 1924 schließlich in Paris niederließ und sich der Fotografie widmete. Dieses Medium ermöglichte es ihr, Experimente mit dem räumlichen Beziehungen durchzuführen, insbesondere durch den Einsatz von Spiegeln und Objekten.

„Mit den Fotos von Florence Henri tritt die fotografische Praxis in eine neue Phase ein, deren Umfang bis heute undenkbar gewesen wäre. Über die präzise und exakte dokumentarische Komposition dieser hochdefinierten Fotos hinaus wird die Erforschung der Lichteffekte nicht nur durch abstrakte Photogramme, sondern auch durch Fotos von realen Motiven angegangen. Das gesamte Problem der manuellen Malerei wird durch den fotografischen Prozess an Bord genommen und dank dieses neuen optischen Instruments offensichtlich eine ganz neue Tiefe erhalten. Reflexionen und räumliche Beziehungen, Überlagerungen und Schnittpunkte sind nur einige der Bereiche, die aus einer völlig neuen Perspektive und Perspektive erkundet werden.“1 (Lászlo Moholy-Nagy, Dezember 1928)

Florence Henri im Jeu de Paume

Das Jeu de Paume präsentiert ein weites Panorama der fotografischen Produktion von Florence Henri von 1927 bis 1940, darunter ihre Selbstporträts, abstrakte Kompositionen, Künstlerporträts, Akte, Fotomontagen, Fotocollagen sowie dokumentarische Aufnahmen aus Rom, Paris und der Bretagne. Die Ausstellung umfasst Vintage-Drucke, Dokumente und veröffentlichtes Material. Der Kommentar von László Moholy-Nagy sind ein perfektes Beispiel für die Position von Florence Henri:

„Mit den Fotos von Florence Henri tritt die fotografische Praxis in eine neue Phase ein, deren Umfang bis heute undenkbar gewesen wäre. Über die präzise und exakte dokumentarische Komposition dieser hochdefinierten Fotos hinaus wird die Erforschung der Lichteffekte nicht nur durch abstrakte Photogramme, sondern auch durch Fotos von realen Motiven angegangen. Das gesamte Problem der manuellen Malerei wird durch den fotografischen Prozess an Bord genommen und dank dieses neuen optischen Instruments offensichtlich eine ganz neue Tiefe erhalten. Reflexionen und räumliche Beziehungen, Überlagerungen und Schnittpunkte sind nur einige der Bereiche, die aus einer völlig neuen Perspektive und Perspektive erkundet werden.“2 (Lászlo Moholy-Nagy, Dezember 1928)

Wer war Henri?

In jungen Jahren studierte Florence Henri Musik und Malerei in England und Deutschland. 1919, als sie an die Berliner Akademie der Künste wechselte, machte sie der Schriftsteller und Kunsthistoriker Carl Einstein bekannt. Daraufhin freundete sie sich mit mehreren Persönlichkeiten der Avantgarde an, darunter Hans Arp, Hans Richter, John Heartfield und László Moholy-Nagy. Sie nahm Unterricht bei Paul Klee und Wassily Kandinsky am Bauhaus in Weimar.

1924 zog Florence Henri nach Paris, wo sie zuerst an der Académie Montparnasse, deren Direktor André Lhote war, dann an der Académie moderne, gegründet von Fernand Léger und Amédée Ozenfant, lernte. 1927, nach einem Besuch am Bauhaus in Dessau, gab sie die Malerei zugunsten der Fotografie auf. In dieser Zeit schuf sie ihre berühmten Selbstporträts in Spiegeln und ihren Stillleben; das Ergebnis ihrer ersten Schritte in der Erforschung des Raums, die sie durch das Medium Fotografie durchführte.

Zwischen Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre fanden in Deutschland drei legendäre Ausstellungen zur Geschichte der europäischen Fotografie statt: „Fotografie der Gegenwart“ im Folkwang Museum in Essen (1929); „Film und Foto (Fifo)“ veranstaltete im selben Jahr vom Deutschen Werkbund in Stuttgart und „Das Lichtbild“ in München (1931). Diese Ausstellungen zeugen von der rasanten Erweiterung neuer fotografischer Konzepte und einem Bruch mit der Tradition. Die „Fifo“ markierte den Höhepunkt des Neuen Sehen, deren Exponent in der Ausstellung „Das Lichtbild“ war, deren führender Vertreter Albert Renger-Patzsch war. Florence Henri wurde eingeladen, in Anerkennung ihrer fotografischen Produktion in dieser grundlegenden Zeit, in der die Fotografie unsere Vision enden und neue Erfahrungen frei machte, eine bedeutende Anzahl von Drucken auf diesen drei Ausstellungen zu zeigen.

Florence Henris Studio konkurrierte mit dem von Man Ray, obwohl sie auch eine Schule der Fotografie eröffnet hatte, in der sich unter anderem Lisette Model und Giséle Freund einschrieben. Trotz der zentralen Position, die ihr Œuvre Ende der 1920er Jahre in der Avantgardefotografie einnahm, ihres Rufs als Porträtistin in Paris und der Tatsache, dass ihre Fotos in vielen illustrierten Zeitschriften der Zeit wie „Arts et Métiers“ und „Lilliput“ usw. veröffentlicht worden waren, bleibt Florence Henris Werk weitgehend unbekannt.

Quelle: Jeu de Paume

  1. László Moholy-Nagy, Zu den Fotografien von Florence Henri, in: i10, Nr. 17–18, Amsterdam 1928.
  2. László Moholy-Nagy, Zu den Fotografien von Florence Henri, in: i10, Nr. 17–18, Amsterdam 1928.