Wassily Kandinsky

Wer war Wassily Kandinsky?

Wassily Kandinsky (1866–1944) war ein russischstämmiger Maler in Deutschland. Er begründete kurz nach 1910 die abstrakte Malerei, indem er zunehmend die Bildgegenstände abstrahierte und gleichzeitig eine Kunsttheorie basierend auf der Korrelation von Formen, Empfindungen, Farben entwickelte. 1911 provozierte er einen Konflikt mit den Vertretern der NKVM und gründete den "Blauen Reiter" (1911/12), gab gemeinsam mit Franz Marc den gleichnamigen Almanach heraus und organisierte zwei Gruppenausstellungen in München. Während des Ersten Weltkriegs musste Kandinsky nach Russland zurückkehren und verließ seine langjährige Lebensgefährtin Gabriele Münter. Während der Weimarer Republik lehrte Kandinsky am Bauhaus in Weimar und Dessau. Von den Nationalsozialisten wurden seine abstrakten Kompositionen als "entartet" diffamiert, worauf der Maler nach Paris emigrierte.

 

Vom Rechtsgelehrten zum Kunststudenten

Der am 4. Dezember 1866 als Sohn des wohlhabenden Teehändlers Wassily Silvestrowitsch Kandinsky und dessen Frau Lidija in Moskau geborene Wassily Kandinsky studierte in der zweiten Hälfte der 1880er Jahre Rechtswissenschaft. Bereits vor seinem Schlüsselerlebnis – in einer Ausstellung französischer Kunst in Moskau hatte er 1896 ein Gemälde aus Claude Monets Serie der „Heuhaufen“ (besser: Getriedeschober) gesehen – hatte er der wissenschaftlichen Laufbahn den Rücken gekehrt und die künstlerische Leitung der Moskauer Druckerei Kušnerev übernommen.

„Vorher kannte ich nur die realistische Kunst, eigentlich ausschließlich die Russen […]. Und plötzlich, zum ersten Mal, sah ich ein ‚Bild‘. Dass das ein Heuhaufen war, belehrte mich der Katalog. Erkennen konnte ich ihn nicht. Dieses Nichterkennen war mir peinlich. Ich fand auch, dass der Maler kein Recht hatte, so undeutlich zu malen. Ich empfand dumpf, dass der Gegenstand in diesem Bild fehlt. Und merkte mit Erstaunen und Verwirrung, dass das Bild nicht nur packt, sondern sich unverwischbar in das Gedächtnis einprägt und immer ganz unerwartet bis zur letzten Einzelheit vor den Augen schwebt. […] Die Malerei bekam eine märchenhafte Kraft und Pracht, unbewusst war aber auch der Gegenstand als unvermeidliches Element des Bildes diskreditiert. [...] Das ‚Licht- und Luftproblem‘ der Impressionisten interessierte mich kaum. Ich fand immer, dass die klugen Gespräche über dieses Problem sehr wenig mit Malerei zu tun haben. Wichtiger erschien mir später die Theorie der Neoimpressionisten, die im letzten Grunde von der Farbmischung sprach und die Luft in Ruhe lies […]“ (Wassily Kandinsky, 1913)

Obwohl Kandinsky nicht viel mit den Zielen des Impressionismus anfangen konnte – war er der Erste, der Monet hinsichtlich der Farbe als Pionier der modernen Kunst des 20. Jahrhunderts wahrnahm. Kandinsky beeindruckte, wie sich bei Monet Farbe und Malerei vom Gegenstand befreiten und verselbstständigten.

 

Ausbildung und Reisen

Im Dezember 1896 übersiedelte Wassily Kandinsky gemeinsam mit seiner ersten Ehefrau nach München, um Malerei zu studieren. Nach dem Besuch der privaten Kunstschule des slowenischen Kunstlehrers Anton Ažbe (1897–1899), setzte er seine Studien an der Münchner Kunstakademie in der Klasse von Franz von Stuck fort (1900–1903 → Franz von Stuck. Sünde und Secession). In diesen Jahren traf er den um zwei Jahre älteren und malerisch sehr erfahrenen Alexej von Jawlensky, der ebenfalls bei Ažbe studierte, zum ersten Mal. Dessen Freundin, die Künstlerin Marianne von Werefkin, hatte zwar ihre eigene Karrier aufgegeben, um Jawlensky zu fördern und Kunsttheorie zu betreiben. Beide wurden 1908 wichtige Diskussionspartner für Kandinsky.

Ab 1901 malte Wassily Kandinsky kleine Ölstudien vor der Natur sowie Temperabilder mit altrussischen Szenen. Enttäuscht über die Lehrmethoden Stucks gründete er im Mai die Ausstellungsvereinigung Phalanx (1901–1904), der er sehr bald als Präsident vorstand. Im Plakat zur ersten „Phalanx“-Ausstellung (1901), das noch formale Mittel des Jugendstil aufnimmt, arbeitete Kandinsky mit antikisierend aussehenden, geharnischten Rittern, die im zentralen Bildfeld energisch für eine neue Kunst eintreten. Auf der linken Seite deuten Zelten die Belagerung einer Felsenstadt an, womit erstmals russisch konnotierte Motive in seinem Werk auftauchen. Damit handelt es sich um ein durch und durch programmatisches Plakat.

Die im Winter 1901/02 gegründete private Malschule gleichen Namens akzeptierte auch Frauen. Im Rahmen dieser Lehrtätigkeit traf Kandinsky die 24-jährige Gabriele Münter (1877–1962 → Gabriele Münter: Malen ohne Umschweife). Um seiner Ehe zu entfliehen, brachen Wassily Kandinsky und Gabriele Münter im Mai 1904 gemeinsam zu einer mehrjährigen Reise auf: Holland, Tunesien, Dresden, Odessa, Rapallo und schlussendlich ein einjähriger Aufenthalt in Paris und Berlin.

Die Hauptwerke Kandinskys der frühen Münchner Jahre sind zweifellos die russischen Szenen, die um 1903 mit der „Die Braut / Russische Schöne in Landschaft“ (Tempera) als eigenständiges Sujet einsetzen und Höhepunkte in den Bildern „Ankunft der Kaufleute“ (1905), „Reitendes Paar“ (1906/07) und „Das bunte Leben“ (1907, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München, Leihgabe der Bayern LB) finden.

Gleichzeitig arbeitete Wassily Kandinsky an 108 kleinen „Landschaftsstudien“ (Spachtel auf Pappe), die er zwischen 1900 und etwa 1906 gleichsam beiläufig und zur Entspannung auf verschiedenen Reisen in Oberbayern, der Oberpfalz oder im teils noch recht ländlich geprägten München-Schwabing malte. Diese kleinen Bilder entstanden stets direkt vor der Natur (en plein-air). Im Rückblick erinnerte sich der Maler 1913 wäre er im Atelier allerdings immer vom Ergebnis enttäuscht worden:

„Meine Farben schienen mir schwach, flach, die ganze Studie — eine erfolglose Anstrengung, die Kraft der Natur zu fangen.“1

Offensichtlich befriedigte ihn die malerische Beschäftigung mit dem Naturabbild nicht mehr, da er sich schon längst mit anderen Fragestellungen beschäftigte. Wie lässt sich die Kraft der Natur einfangen? Wie funktioniert ein Bild? Und: Welche Strategien führen zu einer gelungenen Komposition? Welchen [geistigen] Gehalt vermag ein Bild zu transportieren? Wassily Kandinsky war zunehmend an kompositionellen Problemen interessiert und lehnte es ab, die Eindrücke sichtbarer „Realität“ abzubilden. Um 1906 beendete Kandinsky diese Versuche, landschaftliche Szenen festzuhalten. Gerade in diesen Landschaftsstudien hatte er allerdings, ohne dies vielleicht im Nachhinein selbst wahrnehmen zu können, schon längst unbewusst die Entfernung von der sichtbaren Welt vorangetrieben.

Ab 1907/08 führte Wassily Kandinsky beide Zugänge zusammen: die bereits angelegte malerische Tendenz weg vom naturalistischen Motiv hin zum Abstrakten [Landschaftsstudien] bei gleichzeitiger Beibehaltung eines höheren allgemeingültigen Gehalts [russische Szenen] unter dem großen Schlagwort des „Geistigen“.

Obwohl Kandinsky bis 1911 mit seiner ersten Ehefrau verheiratet bliebt, lebten er und Gabriele Münter offen als Paar zusammen. Im Frühjahr 1908 entdeckten sie den Ort Murnau, wo sie gemeinsam mit Alexej von Jawlensky und Marianne von Werefkin einen produktiven Malaufenthalt verbrachten. Hier gelang den vier der Durchbruch zum expressiven Malstil.

Wassily Kandinskys zwischen 1908 und 1910 entstandenes Werk ist heterogen und trägt die Spuren der künstlerischen Stilfindung in sich. Zunehmend stellte die künstlerische Abbildung der Natur für Kandinsky eine Vorstufe zur Abstraktion dar. Es ging ihm nicht mehr allein darum, das Gesehene wiederzugeben bzw. zu interpretieren, sondern den Sinneseindruck mit  seinen Erfahrungen und inneren Befindlichkeit in Deckung zu bringen. Stilistisch ist er in dieser Zeit noch vom Postimpressionismus, dem Fauvismus rund um Henri Matisse beeinflusst. Zunehmend überführte Kandinsky aber die Motive in leuchtende Farbflächen. Die zeichenhafte Reduktion der Formen befreite die Farben; Rhythmus, Farbe und Komposition wurden ihm zu Medien des Übergange zu einer abstrahierten Naturwiedergabe. Die gegenstandsfremden Farben verändern das Erscheinungsbild, sie bilden - dem Künstler zufolge - Töne und ergeben gemeinsam selbständige Akkorde. Damit trat Kandinsky die Reise ins Reich des „Geistigen in der Kunst“ an, die ihn 1911 zur Abstraktion führte. Vergleichbar der Musik soll Malerei nicht das Wahrnehmbare beschreiben, sondern auf einer abstrakten Ebene, als etwas „Geistiges“ heraufbeschwören.

Zu dieser Zeit begann Wassily Kandinsky, Prosagedichte zu verfassen (1908 bis 1912), die er 1913 im Piper Verlag unter dem Titel "Klänge" herausgab. Kandinsky verwendete die Methode der Wortwiederholung sowie das Lallen der Laute. Dadurch entleerte er das Wort seines Sinns und gab den reinen Wortklang frei. Dieser Klang - ob als Laut oder als Farbton - versetzt "die Seele in Vibration und Erschütterung", war sich der Künstler bewusst.

 

Kandinsky und die Neue Künstlervereinigung München

Bevor Wassily Kandinsky gemeinsam mit Franz Marc den Almanach „Der Blaue Reiter“ herausgab, gründete er bereits die „Neue Künstlervereinigung München“, kurz NKVM, als Sammelbecken avantgardistischer Tendenzen (1909–1912). Der noch unbekannte Maler Franz Marc schrieb 1910 eine Entgegnung in der Presse, welche die zweite Ausstellung der NKVM. vernichtend kritisiert hatte. Am Neujahrsabend 1911 lernten die beiden einander persönlich kennen und intensiv zusammenzuarbeiten. Am 8. Oktober wurde ihm auch Paul Klee Kandinsky vorgestellt; die Freundschaft zwischen den beiden Nachbarn in München intensivierte sich allerdings erst während der Bauhaus-Zeit.

Im Herbst 1911 bereiteten Kandinsky und Marc – parallel zur Ausstellungsvorbereitung der NKVM – eine eigene Gruppenausstellung samt Almanach vor. Da Kandinskys abstraktes Werk - „Komposition V“ - aufgrund seiner Größe zurückgewiesen wurde, kam es zum Bruch und zum Austritt. Wenige Wochen später initiierte er gemeinsam mit Franz Marc die insgeheim bereits organisierte Gruppe „Der Blaue Reiter“.

 

Der Blaue Reiter

So gelang es den Expressionisten die erste Ausstellung bereits im Dezember 1911 und den Almanach „Der Blaue Reiter“ im Mai 1912 vorlegen zu können (→ Der Blaue Reiter), gleichzeitig hatte Wassily Kandinsky auch sein erstes Buch, „Über das Geistige in der Kunst“, (Publikationsjahr 1912) fertiggestellt. Mit den Aufzeichnungen zu einer Farbenlehre hatte er bereits 1904 begonnen.

Der Titel der neuen Vereinigung bezog sich auf die „Blaue Blume“ im Roman Heinrich von Ofterdingen des romantischen Schriftstellers Novalis (1772–1801). Damit wollten die Beteiligten auf die längst sehnsüchtig erwartete abenteuerliche Reise ins Reich „des Geistigen in der Kunst“ anspielen. Eine weitere Anspielung bezieht sich auf den Heiligen Georg zu Pferd, den „Der Blaue Reiter“ auf dem Buchtitel des Almanachs publizierte. Wassily Kandinsky verarbeitete die Idee des Soldatenheiligen sowohl in den frühen 1910er wie auch den abstrakten Werken der Bauhausjahre. Wassily Kandinskys „geistig“ beseelte, konstruierte Abstraktion lässt sich als Grundidee bis in dessen Märchen- und Sagenbilder des Frühwerks zurückverfolgen. In seinen frühesten abstrakten Bildern versuchte Kandinsky, der selbst Synästhet war, verschiedene Sinne gemeinsam anzusprechen. Daraus entwickelte er eine lyrische und poetische Abstraktion, die sich deutlich von den etwas später einsetzenden, auf rationalen Überlegungen basierenden Abstraktionen von Piet Mondrian unterscheiden.2

Zwischen dem 25. und 28. November 1913 malte Kandinsky sein Hauptwerk der Münchner Jahre, „Komposition VII“.

„Es mussten viele Jahre vergehen, bis ich durch Fühlen und Denken zu der einfachen Lösung kam, dass die Ziele […] der Natur und der Kunst wesentlich, organisch und weltgesetzlich verschieden sind.“ (Wassily Kandinsky, 1913)

 

Jahre in Russland

Als „feindlicher Ausländer“ musste Wassily Kandinsky das Deutsche Kaiserreich verlassen und reiste zunächst in die Schweiz, wo er Klee kontaktierte, bevor er im November in seine Heimatstadt Moskau zurückkehrte. Gabriele Münter übersiedelte in das neutrale Stockholm und lagerte das Werk von Kandinsky ein. Im Winter 1916 traf sich das Paar in Schweden und trennte sich. Nur wenig später traf Wassily Kandinsky Nina Andrejewsky kennen, die er am 11. Februar 1917 heiratete. Der gemeinsame Sohn Wsewolod (1917–1920) verstarb im Alter von drei Jahren.

Nach der Russischen Revolution hatte Wassily Kandinsky sein gesamtes Vermögen verloren. Dennoch arbeitete er aktiv an der Neuordnung der russischen Kunstszene nach der Revolution mit und übernahm Leitungsfunktionen in Moskau. Das Lehrprogramm des im Mai 1920 gegründeten Instituts für Künstlerische Kultur (INChUK) wurde von den Vertretern des Konstruktivismus als subjektiv zurückgewiesen; Kandinskys Kunstauffassung wurde als bourgeois zurückgewiesen (→ Chagall bis Malewitsch. Russische Avantgarden). Aufgrund der kunstpolitischen Schwierigkeiten und der schlechten Versorgungslage, verließen Wassily und Nina Kandinsky im Dezember 1921 Russland und zogen nach Berlin.

 

Kandinsky am Bauhaus

Am 1. Juli 1922 trat Wassily Kandinsky in den Lehrkörper des Bauhaus in Weimar ein. Wie Paul Klee wurde ihm ein Teil der Grundausbildung übertragen: „Gestaltungslehre Farbe“, „Analytisches Zeichnen“, künstlerische Leitung der Werkstatt für Wandmalerei. 1925 zog er nach Dessau mit, wo er die Einrichtung freier Malklassen forderte. Ab Oktober 1932 unterrichtete er im ehemaligen Bauhaus, nun das private „Freie Lehr- und Forschungsinstitut“ in Berlin.

Um 1922 begegnete Wassily Kandinsky dem Problem der unzureichenden Wahrnehmung alles Äußerlichen mit der Entwicklung der „kosmischen“ Abstraktion. Durch sie sollte Grundlegenderes als das bloß oberflächlich Sichtbare darstellbar werden.

Am 16. Dezember 1933 verließ er zusammen mit Nina Deutschland und traf am 21. Dezember in Paris ein.

 

Paris: 1933–1944

Die Kandinskys wohnten in Neuilly-sur-Seine. Der bis zu seinem Lebensende täglich malende Kandinsky wurde von Christian Zervos in einer Einzelausstellung 1934 dem Pariser Publikum vorgestellt. Allerdings konnte es sich nicht so recht für dessen Malerei erwärmen. Während der 1920er und auch noch in den 1930er Jahren hatte es Kandinsky schwer, mit seiner Kunst Anerkennung zu finden. Häufig wurden seine abstrakten Kompositionen als „dekorativ“ abgetan. Der wichtigste Sammler des Künstlers wurde der New Yorker Solomon Guggenheim, der sich für ungegenständliche Kunst begeisterte (→ Guggenheim Museum: Solomon R. Guggenheim & ungegenständliche Kunst). Guggenheim kaufte auch aus der Ausstellung „Entartete Kunst“, in der 14 Werke Kandinskys gezeigt wurden. Insgesamt wurden 57 Werke Kandinskys aus deutschen Museen konfisziert und verkauft. Obwohl Kandinsky mehrfach eingeladen worden ist (u. a. von Josef Albers), nach Amerika zu emigrieren, lehnte er ab.

„Die abstrakte Malerei verlässt die „Haut“ der Natur, aber nicht ihre Gesetze.“ (Wassily Kandinsky, 1937)

Im Frühjahr 1944 erkrankte Wassily Kandinsky, er arbeitete aber bis Ende Juli weiter. Am 25. August wurde Paris durch die Alliierten von den Deutschen Besatzern befreit. Am 13. Dezember starb Kandinsky im Alter von 78 Jahren an einem Hirnschlag.

Beiträge zu Wassily Kandinsky

3. April 2019
August Macke, Frauen im Park (mit weißem Schirm), Detail, 1913 (© Stiftung Renate und Friedrich Johenning Foto Linda Inconi–Jansen)

Leopold Museum: Deutscher Expressionismus Die Sammlungen Braglia und Johenning zu Gast in Wien

Ca. 130 Werke aus der Schweizer Sammlung Braglia und der deutschen Sammlung Johenning werden erstmals in Wien präsentiert: mit Nolde, Klee, Marc, Kandinsky, Jawlensky, Werefkin, Macke.
25. Juni 2018
Wassily Kandinsky, Murnau – Landschaft mit grünem Haus, 1909 (Privatsammlung)

Vom Expressionismus zum Informel in Deutschland: Nolde, Kandinsky, Nay Farbe und Gefühl zwischen Figur und Abstraktion

Anhand einer konzentrierten Auswahl von 26 Werken zeichnet das Museum Barberini – parallel zur Ausstellung „Gerhard Richter. Abstraktion“ – den Weg vom Expressionismus zum Informel nach. Potsdam präsentiert dafür Gemälde von Willi Baumeister, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky, Ernst Wilhelm Nay, Emil Nolde, Max Pechstein, Karl Schmidt-Rottluff und Fritz Winter.
10. Februar 2018
Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris. Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris.

Wassily Kandinsky: Biografie Lebenslauf und Ausstellungen des russisch-deutschen Malers

Wassily Kandinskys Lebenslauf fasst alle wichtigen Ereignisse, Ausstellungen, Freundschaften des russisch-deutschen Expressionisten und (Co-)Erfinders der Abstraktion zusammen.
9. Oktober 2016
William Turner (1775–1851), Venedig, die Seufzerbrücke (Venice, the Bridge of Sighs), 1840 ausgestellt, Öl auf Leinwand, 68,6 x 91,4 cm (Tate, London: Accepted by the nation as part of the Turner Bequest 1856 Inv.-Nr. N00527)

Venedig. Stadt der Künstler Das Bild der Lagunenstadt in Malerei und Fotografie von 1600 bis heute

„Man kann aus Venedig nicht abreisen, ohne sofort wiederkommen zu wollen!“ Mit diesem Satz von Claude Monet kann sich wohl so ziemlich jeder Venedig-Reisende identifizieren. Nicht mehr als 13 Quadratkilometer ist Venedig groß, doch seine Anziehungskraft bewegt bis heute Massen. Die Ausstellung im Bucerius Kunstforum widmet sich dem Blick der Künstler auf Venedig vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart – und ermöglicht einen ausgezeichneten Einstieg in das Thema.
23. August 2016
Wassily Kandinsky (Moskau 1866–Neuilly-sur-Seine 1944), Dominant Curve (Courbe dominante), April 1936, Öl auf Leinwand, 129.2 x 194.3 cm (New York, Solomon R. Guggenheim Museum. Solomon R. Guggenheim Founding Collection, Inv.-Nr. 45.989)

Guggenheim Museum: Solomon R. Guggenheim & ungegenständliche Kunst Museumsgründer und Föderer von Wassily Kandinsky

Mehr als 100 Werke der europäischen und amerikanischen Kunst aus den Guggenheim Sammlungen stehen im Palazzo Strozzi stellvertretend für die beiden Gründerfiguren des wichtigen Museumskomplexes mit New Yorker Wurzeln: Solomon Robert Guggenheim (1861–1949) und seine Nichte Peggy Guggenheim (1898–1979). Unterstützt durch Hilla Rebay, sammelte Solomon R. Guggenheim Gemälde der ungegenständlichen Abstraktion und etablierte sie durch seine Museumsgründung im Kanon der Kunstgeschichte. Das ikonische Guggenheim Museum von Frank Lloyd Wright in New York erfuhr durch seinen ersten Direktor James Johnson Sweeney eine markante Erweiterung durch zeitgenössische europäische und amerikanische Maler und Bildhauer.
4. März 2016
Konstantin Juon, Komsomolzinnen: Jugend bei Moskau, 1926, Öl auf Leinwand, 59 x 71 cm; im Hintergrund: Kazimir Malewitsch, Schwarzer Kreis, um 1923, Öl auf Leinwand, 105,5 x 106 cm (beide Sankt Petersburg, Staatliches Russisches Museum), Installationsansicht Albertina 2016, Foto: Alexandra Matzner.

Chagall bis Malewitsch. Russische Avantgarden Malerei zur Zeit der Russischen Revolution

Stilvielfalt und ideologische Kämpfe zwischen Künstlern prägten die russische Avantgarde von 1905 bis 1935: Larionow gegen den Neoklassizismus, Chagall gegen Malewitsch, Kandinsky gegen Rodtschenko, aber auch Brüche innerhalb einzelner Künstleroeuvres. Alles war möglich, bis 1932 der Sozialistische Realismus per Verordnung der Avantgarde ein Ende machte.
26. Februar 2016
Edouard Manet, Die Dante-Barke (nach Delacroix), um 1854, Öl/Lw, 37.5 x 45 cm (Musée des Beaux Arts de Lyon (B830) © Lyon MBA - photo Alain Basset)

Delacroix und die Malerei der Moderne Wegbereiter von Renoir, Monet, Cézanne, Gauguin, Redon...

Eugène Delacroix (1798–1863) steht an der Schwelle von Salonmalerei und moderner Malerei, die nur sich selbst verpflichtet ist. In Auseinandersetzung mit dem Grand Style von Paul Delaroche und den Farbtheorien Michel Eugène Chevreuls (1786–1889) entwickelte er einen auf Farben und Pinselstrich basierenden Malstil. Obwohl Delacroix kaum Schüler hatte, wurde sein Personalstil und seine Überlegungen zu Kunst zu den folgenreichsten des 19. Jahrhunderts. Generationen von Impressionisten (Manet, Fantin-Latour, Bazille, Renoir), Spätimpressionisten (Cézanne, Van Gogh), Symbolisten (Moreau, Redon, Gauguin) und Pointillisten (Seurat, Matisse, Metzinger) bezogen sich auf oft ungeahnte Weise auf ihren 1863 verstorbenen Wegbereiter.
8. Juli 2015
Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris. Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris.

Klee & Kandinsky Nachbarn, Freunde, Konkurrenten

Das Paul Klee Zentrum in Bern und die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München kooperieren für eine Ausstellung der Sonderklasse: Klee & Kandinsky. Künstlerisch wie menschlich höchst verschiedenartige Charaktere mit unterschiedlich verlaufenden Karrieren freundeten sich Kandinsky und Klee dennoch miteinander an.
10. Februar 2014
Wassily Kandinsky, Murnau, 1908, Ö auf Karton, Merzbacher Kunststiftung.

Expressionismus in Deutschland und Frankreich Was die deutschen Künstlern von ihren französischen Kollegen lernten

Bereits am Cover des umfassenden Katalogs wird deutlich, dass Timothy O. Benson, Kurator am LACMA und Organisator dieser Wanderausstellung, den deutsch-französischen Kunstaustausch über die Farbe definiert. Denn was der Begriff „Expressionismus“ genau beschreibt, das wussten bereits die Zeitgenossen nicht. Von Alfred Döblin bis Oskar Kokoschka reichen die Kommentatoren einer Kunstrichtung , die sich über Innerlichkeit, Mystik, Farbexperimenten und Farbexplosionen (bis ins Unrealistische), dynamischem Pinselduktus, Musikalität, Kubismus-Rezeption, Primitivismus (vom „nordischen“ Nolde, der ägyptisierenden Modersohn-Becker bis zur Rezeption afrikanischer Plastik durch die Fauves und die Brücke Künstler) u.v.m. als neu und zeitgemäß definierte.
10. Mai 2012
Richard Thomson, Rodolphe Rapetti, Frances Fowle: Traumlandschaften. Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky, Stuttgart 2012 (Belser Verlag)

Traumlandschaften Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky

Der Belser Verlag legt mit „Traumlandschaften. Symbolistische Malerei von Van Gogh bis Kandinsky“ den deutschsprachigen Ausstellungskatalog zu einer international kuratierten Schau vor, die bereits in Edinburgh, Helsinki und Amsterdam zu sehen war bzw. sein wird. Die Landschaftsmalerei lag den Symbolisten sehr am Herzen, soweit bekannt. Ihr Ziel damit war, Stimmungen, Gefühle und Nachdenken auszulösen. Die Mittel waren je nach Künstler und seiner Herkunft verschieden.
17. März 2011
Wassily Kandinsky, Entwurf zu „Improvisation 30 (Kanonen)“, 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Der Blaue Reiter Ein Tanz in Farben aus dem Lenbachhaus und der Albertina

München 1912: Die Ausstellung „Schwarz-Weiss“ der Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ erregt die Gemüter der Bayern. Vor der Buch- und Kunsthandlung von Hans Goltz sammeln sich immer wieder Menschentrauben, um die moderne Kunst in den Auslagen mit wütenden Protesten und Beschimpfungen zu kommentieren.
  1. Wassily Kandinsky, „Rückblicke“, 1913, zit. n., Wassily Kandinsky, Die gesammelten Schriften, hg. von Hans K. Roethel und Jelena Hahl-Koch, Bd. 1, Bern 1980, S. 36.
  2. Piet Mondrians Abstraktion ist mehr im Sinne Paul Klees als universaler Urgrund aller Natur [auch der reinen Malerei] zu verstehen.