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Paris | Musée d’Orsay: Renoir. Zeichnungen

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 17. März 2026
Auguste Renoir, Junge Frau lehnt sich über einen Balkon, auch bekannt als La Loge, Detail, 1879 (© 2025 Fondation Bemberg / Mathieu Lombard)

Auguste Renoir, Junge Frau lehnt sich über einen Balkon, auch bekannt als La Loge, Detail, 1879 (© 2025 Fondation Bemberg / Mathieu Lombard)

Paris | Musée d’Orsay: Renoir. Zeichnungen

Im Frühjahr 2026 widmet das Musée d’Orsay erstmals eine monografische Ausstellung dem zeichnerischen Werk Pierre-Auguste Renoirs (1841–1919). Dieser Aspekt ist bisher im Œuvre eines der prominentesten Vertreter des Impressionismus erste wenig beleuchtet worden. Die Ausstellung versammelt rund 100 Werke auf Papier, darunter Skizzen, Pastelle, Aquarelle und Gouachen sowie ausgewählte Gemälde, um die zentrale Rolle grafischer Techniken im Schaffen Renoirs zu beleuchten.

Pierre-Auguste Renoir und die Zeichnung: Eine Neubewertung

Entgegen dem gängigen Vorurteil, Renoir sei „kein Zeichner“ gewesen, macht die Ausstellung deutlich, dass seine zeichnerischen Arbeiten keineswegs marginal sind, sondern integraler Bestandteil seiner künstlerischen Entwicklung waren. Bereits seine Zeit an der École des Beaux-Arts und im Atelier von Charles Gleyre in den 1860er Jahren war geprägt von akademischem Zeichenunterricht, der Renoir eine solide technische Grundlage vermittelte.1 In der Folgezeit entwickelte er eine äußerst persönliche, oft als „malerisch“ bezeichnete Zeichensprache, in der Linienführung, Kolorit und Motivwahl untrennbar miteinander verbunden sind.2

Wie Berthe Morisot treffend bemerkte, sei Renoir „ein erstklassiger Zeichner“, dessen vorbereitende Studien das gängige Bild des improvisierenden Impressionisten korrigieren:

„Es wäre interessant, all diese vorbereitenden Studien für ein Gemälde dem Publikum zu zeigen, das sich im Allgemeinen vorstellt, dass die Impressionisten mit größter Lässigkeit arbeiten.“

Ein besonderer Fokus der Ausstellung liegt auf Renoirs zeichnerischer Praxis nach 1880, einer Zeit, in der er sich zunehmend vom Impressionismus abwandte und sich auf klassische Ideale der Linie, der Form und des Volumens besann. In diesem Kontext gewann die Zeichnung nicht nur als Vorstufe zum Gemälde an Bedeutung, sondern wurde zum eigenständigen Ausdrucksmittel. Zahlreiche Studien belegen, dass Renoir vor großformatigen Werken wie „Les Grandes Baigneuses“ (1887) oder „Maternité“ (1910) aufwändige zeichnerische Untersuchungen durchführte, um das Verhältnis von Figur, Raum und Bewegung zu klären.3

Besondere Aufmerksamkeit verdient Renoirs Einsatz der Röteltechnik, die ab den 1880er Jahren zu seinem bevorzugten Medium avancierte. Die Wahl dieser Technik erklärt sich nicht nur durch praktische Aspekte – die Möglichkeit des Verwischens, die samtige Textur und die Nähe zur Darstellung fleischlicher Körper –, sondern auch durch die bewusste Anknüpfung an künstlerische Vorbilder des 18. Jahrhunderts, etwa Jean-Baptiste Greuze oder François Boucher, die Renoir bewunderte.4 In der kunsthistorischen Literatur wird zunehmend erkannt, dass Renoir mit diesen Werken eine Brücke zwischen der Tradition der französischen Zeichnung und den ästhetischen Fragen der Moderne schlug.5

Nicht zuletzt übte Renoirs zeichnerisches Werk Einfluss auf jüngere Künstlergenerationen aus: Pierre Bonnard, der die zeichnerische Leichtigkeit Renoirs bewunderte, bekannte mit einer Mischung aus Ehrfurcht und Resignation, „nicht an Renoirs Zeichnung heranreichen“ zu können.[/note]Natanson 1900, zit. nach Nicholas Wadley, Renoir: A Retrospective, New York 1987, S. 212.[/note] Auch Pablo Picasso, der ein monumentales Rötelbild Renoirs in seiner Privatsammlung hatte, erkannte die souveräne Synthese von Linie und Farbe, von Konstruktion und Spontaneität in Renoirs Spätwerk.6

Die Ausstellung korrigiert damit nicht nur die lange bestehende Vernachlässigung von Renoirs Zeichnungen, sondern versteht sie als Schlüssel zum Verständnis seines gesamten künstlerischen Ansatzes. Sie macht sichtbar, dass Zeichnung für Renoir nicht bloß ein vorbereitendes Werkzeug war, sondern ein autonomes Medium, mit dem er zentrale Themen wie Weiblichkeit, Körperlichkeit und Lichtbehandlung in höchster ästhetischer Raffinesse durchspielte.

Die Ausstellung entsteht in Kooperation mit der Morgan Library & Museum (New York).

Auguste Renoir, Junge Frau lehnt sich über einen Balkon, auch bekannt als La Loge, 1879 (© 2025 Fondation Bemberg / Mathieu Lombard)
Auguste Renoir, Junge Frau lehnt sich über einen Balkon, auch bekannt als La Loge, 1879 (© 2025 Fondation Bemberg / Mathieu Lombard)

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