0

Potsdam | Museum Barberini: Impressionismus. Die Sammlung Hasso Plattner

Claude Monet, Meule [Getreideschober], Detail, 1891, Öl auf Leinwand, 72.7 x 92.6 cm (Privatbesitz © Courtesy Sotheby’s New York)

Claude Monet, Meule [Getreideschober], Detail, 1891, Öl auf Leinwand, 72.7 x 92.6 cm (Privatbesitz © Courtesy Sotheby’s New York)

Das Museum Barberini in Potsdam wird ab dem 5. September 2020 den französischen Impressionismus aus der Sammlung des Museumsgründers Hasso Plattner zeigen. Über 100 Meisterwerke von Monet, Renoir, Morisot, Sisley, Pissarro, Cross, Signac und weiteren Malern des Impressionismus und Postimpressionismus werden künftig dauerhaft im Museum Barberini präsentiert werden. Darunter sind allein 34 Gemälde von Claude Monet. Mehr Monets sind außerhalb von Paris nirgends in Europa zu sehen. Insgesamt werden über zwanzig Künstler in der Dauerausstellung vertreten sein. Ihre Werke unterstreichen die zentrale Rolle der Landschaftsmalerei zu jener Zeit.

„Aus nationalem Ressentiment wurde der französische Impressionismus in Deutschland in seiner Zeit kaum gesammelt. Meine Sammlung soll deshalb, besonders hier im Osten Deutschlands, ein Ort der deutsch-französischen Freundschaft, des kulturellen Freigeistes und des internationalen Austausches sein.“ (Hasso Plattner über seine Leidenschaft für die Impressionisten)

Monet in der Sammlung Hasso Plattner

In der Dauerausstellung der Sammlung Plattner werden zum ersten Mal auch Gemälde zu sehen sein, die die Hasso Plattner Foundation unlängst erworben hat. Darunter bedeutende Werke von Caillebotte, Pissarro und Pierre-Auguste Renoir, aber auch Monets „Stillleben mit spanischen Melonen“ (1879), „Bordighera, Italien“ (1884) und „Die blühende Wiese“ (1885). Als bekanntestes Bild konnte Claude Monets „Getreideschober“ aus dem Jahr 1890 für das Museum Barberini gewonnen werden. Das Bild ist eine von 25 Variationen des Motivs einfacher Getreideschober, wie sie in unmittelbarer Nähe von Monets Landhaus in Giverny standen. Der Maler nahm sie in den 1890er Jahren zu unterschiedlichen Tages- und Jahreszeiten in den Blick. Als 15 dieser Arbeiten im Mai 1891 in der Pariser Galerie Paul Durand-Ruel ausgestellt wurden, erklärte Monet:

„Für mich existiert eine Landschaft nicht an und für sich, weil ihre Erscheinung sich jeden Moment verändert; sie lebt durch das, was sie umhüllt – durch die Luft und das Licht, die ständig wechseln. […] Für mich erhält das Sujet erst durch seine Umgebung seinen wahren Wert.“

Mit den Getreideschobern entwickelte Monet Ende des 19. Jahrhunderts sein Serienverfahren, das er später mit seinen Seerosenbildern fortsetzte – ein Wendepunkt in seinem Schaffen. Der Getreideschober nimmt in dieser Serie eine herausgehobene Stellung ein, da die in Reihe stehenden Getreideschober hier nicht wie sonst vor dem geraden Horizont inszeniert werden. Dieses Bild wurde 1892 von der Chicagoer Kunstsammlerin Bertha Palmer erworben, die damals eine der größten Sammlungen französischer Landschaftsmalerei außerhalb von Paris besaß, darunter allein neun Bilder aus dieser ersten Serie Monets.

Über die Bedeutung des Ankaufs sagt Museumsgründer Hasso Plattner: „Mit Monets Getreideschober hat die Hasso Plattner Foundation eine Ikone des Impressionismus für den Museumsbetrieb erworben. Meisterwerke wie diese gehören nicht weggeschlossen, sondern sollten öffentlich gezeigt werden. Im Museum Barberini wird das Bild für jedermann zu sehen sein.“ Direktorin Ortrud Westheider: „Mit Monets Getreideschober ist das Museum Barberini mit Sammlungen wie dem Art Institute of Chicago, dem Metropolitan Museum of Art in New York, dem Musée d’Orsay in Paris und dem Kunsthaus Zürich verbunden, die ebenfalls ein Werk aus dieser Serie besitzen.“

Monets Gemälde Getreideschober ist erstmals seit 1945 öffentlich ausgestellt und schon im Rahmen der umfangreichen Retrospektive Monet. Orte zu sehen (→ Museum Barberini: Monet. Orte). In dieser Ausstellung wird das Bild in einen Dialog mit zwei weiteren Variationen der Getreideschober treten können: Das eine Bild stammt aus der Privatsammlung Hasso Plattners. Das andere ist eine Leihgabe aus der National Gallery of Australia in Canberra und befand sich früher ebenfalls in der Sammlung von Bertha Palmer.

„Diese Sammlung ist für das Museum Barberini eine große Chance. Mit Leidenschaft und einem unfehlbaren Blick für Qualität hat Hasso Plattner im Lauf der letzten 30 Jahre eine der bedeutendsten Sammlungen impressionistischer Malerei weltweit zusammengetragen. Neben den wichtigen Häusern in Berlin, Bremen, Frankfurt, Köln, München und Stuttgart gewinnt die deutsche Museumslandschaft jetzt dank seiner großzügigen Dauerleihgaben mit Potsdam einen weiteren Standort, der über einen herausragenden Bestand impressionistischer und postimpressionistischer Werke verfügt.“ (Ortrud Westheider, Direktorin des Museums Barberini)

Impressionismus aus der Sammlung Plattner im Museum Barberini: Bilder

  • Gustave Caillebotte, Rue Halévy, Blick aus der sechsten Etage, 1878, Öl/Lw, 59,5 x 73 cm (Hasso Plattner Foundation)
  • Claude Monet, Bordighera, Italien (Detail), 1884, Öl/Lw, 60 x 73 cm (Hasso Plattner Foundation)
  • Claude Monet, Die blühende Wiese, 1885, Öl/Lw, 65 x 80,5 cm (Hasso Plattner Foundation)
  • Claude Monet, Getreideschober, 1890, Öl/Lw, 73 x 92,5 cm (Hasso Plattner Foundation. Photo: Lutz Bertram, Berlin)
  • Camille Pissarro, Raureif, eine junge Bäuerin macht Feuer, 1888, Öl/Lw, 92,8 x 92,5 cm (Hasso Plattner Foundation)

Weitere Beiträge zum Impressionismus

21. August 2020
Anna Ancher, Kleines Mädchen mit Blumen, Detail, 1885 (Skagens Kunstmuseer)

Kopenhagen | Nationalgalerie: Anna Ancher

Die dänische Nationalgalerie in Kopenhagen (SMK) plant die größte Überblicksausstellung zur Malerin Anna Ancher (1859–1935). Ziel ist, ihren Beitrag zur Erneuerung der dänischen Kunst zu würdigen.
15. August 2020
Ilja Repin, Auf dem Feldweg. Wera Repina mit ihren Kindern, Detail, 1879, Öl/Lw, 61.5 х 48 cm (Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau)

Baden-Baden | Museum Frieder Burda: Impressionismus in Russland „Aufbruch zur Avantgarde“ bringt Meisterwerke der Tretjakow-Galerie nach Deutschland

Zahlreiche Künstler in Russland ließen sich von der Malweise französischer Impressionisten anregen. Zu den ersten und wichtigsten zählte Ilja Repin, der Mitte der 1870er Jahre in Paris lebte. Zurück in Russland brachte er das Studium des Sonnenlichts, die Freilichtmalerei und die hellen Farben in die realistische Malerei ein. Ausstellung im Frühjahr/Sommer2021.
13. Juli 2020
Edouard Manet, Der Dichter Zacharie Astruc, Detail, 1866, Öl/Lw, 90,5 x 116 cm (Kunsthalle Bremen - Der Kunstverein in Bremen)

Bremen | Kunsthalle Bremen: Manet und Astruc Künstlerfreunde des Impressionismus

Mit dem „Bildnis des Zacharie Astruc“ in der Kunsthalle Bremen Manet ein programmatisches Statement zum Geschmack der Avantgarde. Die Ausstellung geht der Künstlerfreundschaft nach und stellt Bilder von Manet neben Grafiken und Skulpturen von Astruc.
23. Juni 2020
Lovis Corinth, Der Herzogstand am Walchensee im Schnee, Detail, 1922, Öl/Lw, 78 x 98 cm (Belvedere, Wien)

Wien | Belvedere: Lovis Corinth Corinths Stilwandel von Realismus zu Impressionismus und Expressionismus

Lovis Corinth vollzog den Übergang vom Realismus über den Impressionismus zum Expressionismus. Im Sommer 2021 begibt sich das Belvedere auf die Spuren dieses Mitbegründers der Berliner Secession.
21. Juni 2020
Claude Monet, Truthähne, Detail, 1877 (Musée d’Orsay, Paris)

Paris | Musée d’Orsay: Dekorationen des Impressionismus

Gibt es eine impressionistische Dekorationsmalerei? Wenn ja, was deckt diese ab? Das Musée d'Orsay widmet sich im Frühjahr 2021 diesem bisher übersehenen Kapitel der impressionistischen Malerei.
2. Juni 2020
James Tissot, The Gallery of HMS Calcutta (Portsmouth), Detail, um 1876, Öl/Lw, 68,6 × 91,8 cm (© Tate, London)

Paris | Musée d`Orsay: James Tissot Maler der Moderne zwischen Gesellschaft und Bibel

Das Musée d’Orsay präsentiert Tissot als Maler der „modernen Zweideutigkeit“, vereinte er doch in seinem Werk Gesellschaftsporträts mit moralisierenden, literarischen Themen, Beziehungsanalysen mit Bibelillustrationen.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.