Anton Faistauer

Wer war Anton Faistuaer?

Anton Faistauer (St. Martin bei Lofer 14.2.1887–13.2.1930 Wien) war ein österreichischer Maler des Expressionismus und gehört zu den bedeutendsten Malern der österreichischen Moderne. Als Studienkollege von Egon Schiele löste er sich 1909 vom Akademismus und entwickelte ein höchst eigenständiges Werk.
Neben Landschaften, Stillleben und Porträts schuf Faistauer in den 20er Jahren einige großformatige Freskomalereien, die heute als seine Hauptwerke gelten. Bekannt sind vor allem Faistauers Freskoausstattung für das Salzburger Festspielhaus, die 1938 abgeschlagen wurde, sowie die Deckengemälde für die Dorfkirche in Morzg bei Salzburg. Mit ihnen versuchte er, eine zeitgenössische Freskomalerei zu entwickeln und moderne mit traditionellen Elementen zu verschmelzen.

„Alle Farbe wird Klang, und wäre er noch so laut, so wird seine Härte aufgehoben im Klingen seiner Umgebung.“1 (Anton Faistauer)

Kindheit & Ausbildung

Anton Faistauer wurde am 14. Februar 1887 in Sankt Martin bei Lofer, Salzburg, geboren. Er stammte aus einer Bauernfamilie und wollte ursprünglich Geistlicher werden und verbrachte einen großen Teil seiner Jugend in Maishofen. Dort prägten ihn seine tiefreligiöse Mutter und die Naturerfahrung im Pinzgau. Während der Gymnasialzeit in Bozen wandte sich Anton Faistauer der Malerei zu. Zunächst schwankte der Gymnasiast zwischen Malerei und Schriftstellerei. Dass schließlich die Malerei gewann, verdankte er seinem Gymnasialfreund Albert Paris Gütersloh sowie dem Besuch der „Impressionisten-Ausstellung“ in der Wiener Secession 1903. Die dort ausgestellten Bilder begeisterten den Sechzehnjährigen dermaßen, dass er sich daraufhin vom Bozener Gymnasium abmeldete, um nach Wien zu übersiedeln und Maler zu werden.

Anton Faistauer besuchte von 1904 bis 1906 die private Malschule R. Scheffers in Wien, wo er vermutlich Robin Christian Andersen kennenlertne, der später sein Schwager wurde. Faistauer bestand beim dritten Versuch die Aufnahmeprüfung an der Wiener Akademie und studierte 1906 bis 1909 bei Alois Delug und Christian Griepenkerl. Zu seinen Klassenkollegen gehörten Anton Kolig, Franz Wiegele, Josef Dobrowsky und Egon Schiele.

1909: Nach drei Jahren akademischer Ausbildung gründete er gemeinsam mit Kolig, Andersen, Wiegele und Schiele aus Protest gegen den konservativen Kunstbetrieb die „Neukunstgruppe“. Ende des Sommersemesters 1909 erfolgte sein Austritt aus der Akademie. In dieser Phase seines Rebellierens arbeitete er zumeist im Geist der Wiener Secession, das heißt flächig und schönlinig, zeitweilig unter völliger Verdrängung jenes ersten Impulses, der ihn in seiner Gymnasialzeit bewegt hatte – die Malerei Paul Cézannes.

Frühe Werke

Im Dezember 1909 und 1910 stellte die „Neukunstgruppe“ im Kunstsalon Pisko auf dem Schwarzenbergplatz erstmals aus, weitere Ausstellungen folgten in Prag (1910), Wien (Hagenbund), Budapest (1912), München, Köln, Dresden und Rom. In den Jahren zwischen 1909 und 1912 unternahm Anton Faistauer Reisen ins Tessin, nach Oberitalien und nach Berlin. Er beschäftigte sich mit dem Licht, der Landschaft und nicht zuletzt den venezianischen Meistern Tizian und Jacopo Tintoretto. Das Seherlebnis in Venedig – drei Wochen nach dem Tod seiner geliebten Mutter im Spätsommer 1911 – ließ ihn von der Dreidimensionalität in der Malerei träumen, von dunklen Farbtönen und dem „Geheimnis“, womit der Secessionsstil für ihn gänzlich überholt war. Der künstlerische Neubeginn sollte ihm mit dem Studium von Paul Cézanne gelingen. Er wählte eine „dunkle, satte und warme Farbigkeit mit [einem] weichen pastosen Farbauftrag“, um „das Dauernde, das Seiende durch die Erscheinung hindurch [zu] erfassen“.

Im Jahr 1913 heiratete Anton Faistauer Ida Andersen, die Schwester des Malers Robin Christian Andersen. Ihr gemeinsamer Sohn Peter. Am 1. Oktober wurde die erste Kollektiv-Ausstellung Faistauers in der Galerie Miethke in Wien eröffnet, die 33 Ölgemälde umfasste und sehr erfolgreich verlief. 1914 gewann Faistauer den 1. Preis im Reininghaus-Wettbewerb, die der Kunstsalon Pisko ausgeschrieben und mit einer Ausstellung begleitet hatte (Januar–Februar 1914). Der mit 3.000 Gulden dotierte Preis wurde vom Kunstsammler Carl Reininghaus ausgelobt; die Juroren waren Gustav Klimt, Rudolf Junk und Josef Hoffmann. Der Erwerb eines großen „Blumenstücks“ durch die Österreichische Staatsgalerie (heute: Belvedere) machten den jungen Maler sichtbar erfolgreich. In der Folge beruhigte sich der Bildaufbau und der Pinselstrich, bzw. Faistauer arbeitete mit der Spachtel.

Anton Faistauer verbrachte mit seiner Frau im Sommer 1913 längere Zeit in der Wachau. Das Ergebnis waren eine Reihe bemerkenswerter Landschaftsbilder, die er unter dem Titel „Dürnsteiner Ansichten“ in einem Notizbuch auflistete.2 Wenngleich viele dieser Kompositionen Faistauers intensive Auseinandersetzung mit der Kunst von Paul Cézanne zeigen, lassen sie stilistisch die wachsende Distanz zum Vorbild erkennen: im Verhältnis von Licht und Farbe versuchte der Künstler eine stimmungsgeladene und sinnliche Wirklichkeitswiedergabe, in der eine Zunahme der räumlichen Qualitäten zu beobachten ist.

Erster Weltkrieg

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhinderte eine Einzelausstellung Anton Faistauers bei Paul Cassirer in Berlin. Da er von früher Kindheit keine gute Konstitution hatte, konnte sich der Maler anfangs dem Kriegsdienst entziehen. 1915 übersiedelte er kriegsbedingt nach Maishofen. Während des Ersten Weltkriegs absolvierte Faistauer von 1916 bis 1918 Militärdienst, vorerst – wegen Untauglichkeit „ohne Waffe“ – im k.u.k.-Infanterieregiment Nr. 59, ab Juli 1917 im k.u.k.-Heeresmuseum „zur besonderen Verwendung“. Im Museum organisierte er gemeinsam mit Egon Schiele Kriegsbilderausstellungen und konnte sich künstlerisch wieder betätigen. Sein Hang zur Symmetrie, ein ovaler Zusammenschluss der Figuren und zu einer aufgehellten Palette sind nun deutlich zu spüren. 1918 war Faistauer Teilnehmer der 49. Ausstellung der Wiener Secession im März 1918, wenige Monate später waren seine Gemälde im Salzburger Kunstverein zu sehen.

Expressive Werke und Freskomalerei

Am 8. Januar 1919 gründete Anton Faistauer in Salzburg zusammen mit Felix Albrecht Harta und anderen die radikale Künstlervereinigung „Der Wassermann“. In der Nacht vor der Eröffnung der ersten großen Ausstellung des „Wassermann“ am 3. August 1919 starb seine erste Frau. Daraufhin zog der Maler mit seinem Sohn nach Salzburg und stürzte sich in die Arbeit. Klare Form und noch intensivere Farben dominieren in den folgenden Jahren das Werk Faistauers. Die malerische Weiterverarbeitung einer locker hingeworfenen Zeichnung erfolgt mit borstigem Pinsel und dem Einsatz von Lack, wodurch der Eindruck einer glänzenden Reliefoberfläche entsteht.

Für Faistauer war vor allem die Malerei von Paul Cézanne von Bedeutung. Dieses schimmernde Stillleben gehört zu den Gemälden, die über Cézannes Malweise weit hinausgehen. Es ist eine Weiterführung, eine Neuschöpfung. Es wird ein radikaler Bruch mit der klassischen Perspektive vollzogen, die Pinselführung ist überaus locker. Was dieses warm leuchtende, heitere Bild mit gesättigten Farben von denjenigen Cézannes unterscheidet, ist die geschlossene und ausgewogen symmetrische Komposition.

1921 ging Anton Faistauer eine zweite Ehe mit Emilie Ehrenberger ein, drei Jahre später wurde sein zweiter Sohn Thomas geboren. Er beteiligte sich an der Frühjahrs- und Herbstausstellung der Wiener Secession und wandte sich 1922 der Freskomalerei zu: Die Gemeinde Morzg beauftragte ihn, die Pfarrkirche mit dem Marien-Zyklus auszustatten. Bezahlt wurde der Maler und seine zwei Gehilfen in Naturalien. Mit diesem Auftrag etablierte sich Anton Faistauer in Salzburg als Maler – auch das Porträtist der sogenannten guten Gesellschaft.

In seinem 1923 veröffentlichten Buch „Neue Malerei in Österreich“ setzte er sich programmatisch mit dem Modernismus seiner Zeit auseinander. Er beschäftigte sich mit Franz Wiegele und Anton Kolig, den Hauptvertretern des Nötscher Kreises, mit denen er seit 1909 in Verbindung war und korrespondierte. Zu Gustav Klimt und Egon Schiele merkte er spitzzüngig an:

„Klimt zog das leichte, seichte Geldjudentum der Inneren Stadt an und er wurde sein Maler; auf Schiele lastete die Vorstadt mit den tragischen Gesichtern, mit dem Hunger, dem Hass und der Fratze“.

Zusammenfassend wurde bereits bemerkt, dass Faistauer in seinem Buch „einen Mangel an nationaler Identität und damit [ein] Fehlen eines einheitlichen Kunststrebens“ feststellte. Er war der Ansicht, dass im Wien der Secessionszeit das Ornamentale, Dekorative und Kunstgewerbliche überhandgenommen hätte. Für die nächste Generation würden sich Fragen des Kolorismus stellen, für die in Wien um 1900 keine Antworten gefunden worden waren. Der französische Impressionismus und Postimpressionismus (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus) warfen für Faistauer Probleme auf, die nur ein Studium der französischen Malerei und der österreichischen Barockmalerei lösen würden.

1924 und 1925 hielt er sich mehrmals in Bozen auf, um sein Magen- und Lungenleiden zu behandeln. 1925 beteiligte er sich an der Internationalen Kunstausstellung in Zürich gemeinsam mit Oskar Kokoschka. Nachdem die zweite Ehe gescheitert und 1926 geschieden worden war, lebte er mit der Keramikerin Adelgunde Krippel zusammen.
Genau in dieser Phase erhielt er den Auftrag, die Vorhalle des (kleinen) Salzburger Festspielhaus mit Fresken auszumalen. Faistauer zeichnete für das inhaltliche Programm verantwortlich und brachte die Macht der Musik und des Schönen, mit dem Weg des Menschen von der Geburt bis zum Tod, den Leidenschaften und Tugenden an die Wand. Innerhalb von drei Monaten malten Anton Faistauer an die 200 Figuren. Allein für die Erstellung der Kartons brauchte er zwei Monate Zeit, weitere fünf Wochen für die Übertragung (29.6.–6.8.1926). Für das Werk wurde Anton Faistauer vom Bundespräsidenten zum Professor ernannt. Die Nationalsozialisten ließen 1939 die Wandbilder wieder abnehmen; gerettete Reste konnten wieder installiert werden.

1927 erfolgte der Umzug nach Wien. Reisen nach Venedig, Neapel, Taormina, Palermo und Genua schlossen sich an; die auf dieser Reise entstandenen Veduten in einem „tragischen Ton“ verraten eine existenzielle Persönlichkeitskrise. In diesen Jahren kurz vor Faistauers Tod zeigen seine Bilder eine Tendenz zur Vereinfachung des Aufbaus wie auch der Zeichnung. In Wien malte er das berühmte Porträt des Kammersängers Richard Mayr als „Ochs“ und weitere Gesellschaftsporträts. Eine Professur an der Wiener Akademie scheint er abgelehnt zu haben – zu sehr war der Maler von Ausstellungs- und Reisetätigkeiten in Anspruch genommen.

Tod

1930 erlitt Anton Faistauer eine Magenblutung, weshalb er operiert werden musste. Am 13. Februar 1930 starb Anton Faistauer an den Folgen des Eingriffs. Faistauer wurde auf dem Friedhof von Maishofen begraben. Das Grabmal wurde nach einem Entwurf von Clemens Holzmeister errichtet.

  1. Zit. n. Franz Fuhrmann, Anton Faistauer, Salzburg 1972, S. 40.
  2. Albin Rohrmoser, Anton Faistauer, Salzburg 1987, S. 30-32.