Was sind Postimpressionismus, Pointillismus, Divisionismus?

Für wenige Stile in der Kunst sind so viele Begriffe geprägt worden wie für den Postimpressionismus, also die Malerei nach dem Impressionismus: Camille Pissarro nannte ihn „wissenschaftlicher“ Impressionismus (im Gegensatz zum „romantischen“ Impressionismus). Georges Seurat (1859–1891) sprach von Divisionismus und fand auch den Begriff Chromoluminarismus (Farblichtmalerei) gut. Heute verbindet man mit seiner Punkt-Malerei den Terminus Pointillismus. Der Begriff Neoimpressionismus wurde vom Kunstkritiker Felix Fénéon kurz nach der letzten Impressionisten-Ausstellung 1886 erfunden, und von Paul Signac (1863–1935) theoretisch begründet und verbreitet. Postimpressionismus scheint viele Strömungen, zu denen auch noch der Symbolismus von Gustave Moreau und Odilon Redon (1840–1916), der Synthetismus von Paul Gauguin (1848–1903 → Paul Gauguin. Gemälde aus der Südsee),  der Cloisonnismus der Schule von Pont-Aven und die Malerei der Nabis gehören, zusammenzufassen. Jeder dieser Begriffe beschreibt nur einen von mehreren Aspekten der Malerei ab der Mitte der 1880er Jahre. Während Pointillismus auf den Farbauftrag in Punkten fokussiert, spielt Divisionismus auf die Farbzerlegung an.

 

Stilistische Neuerungen des Pointillismus

„Sie [die Gemälde] bestehen aus winzigen Farbtropfen, die nebeneinandergesetzt sind wie die Fäden eines feinen Wandteppichs. Die Wirkung des Ganzen beruht auf der vollkommenen Harmonie dieses Orchesters kleiner Farbflecke.“1 (Paul Adam, Soi, Paris 1886)

„Die optische Mischung an die Stelle der Mischung der Pigmente setzen, oder anders gesagt: Zerlegung der Farbtöne in ihre grundlegenden Elemente.“2 (Pissarro in einem Brief an Durand-Ruel, 1886)

Revolutionäre Punkte, wissenschaftliche Farbwahl – so könnte man die Errungenschaften des Pointillismus in aller Kürze zusammenfassen. An die Stelle der spontanen Reaktion auf eine Lichtstimmung traten Ordnung und Regelwerk. Entgegen der als subjektiv empfundenen Malweise der Impressionisten, sollten die Gemälde der Pointillisten bar jeder individuellen Handschrift aus reinen Farbflecken, bis zum Tod von Georges Seurat 1891 auch noch auch aus richtungs- und formlosen Punkten, aufgebaut werden. Die Punkte bzw. Striche gehen mit benachbarten Flecken eine gleichberechtigte Beziehung ein. Pointillistische Gemälde definierten Objekte und Körper nicht mehr durch Linien, sondern indem sie Farbpunkte nebeneinandersetzten. Dadurch wirken sie flach. Die Motive sind aus Flächen aufgebaut, die mit unzähligen Punkten gefüllt sind. Je nach Distanz der Betrachter zu den Bildern zerfallen diese in farbige, lichtdurchflutete Punktgemenge oder fügen sich zu nuancierten, vibrierenden Flächen. Nicht auf der Palette, sondern erst im Auge (vulgo Gehirn) des Betrachters mischen sich die zerlegten Farben zu beschreibenden Objektfarben. Hinter dieser Betonung der Maltechnik und der Farben steht die Überzeugung, dass Gemälde primär aus Farbwerten komponierte Objekte sind.

 

Pointillismus, Farbe und Harmonie

„Eine Farbe auf die Leinwand setzen, bedeutet nicht nur, den Teil der Leinwand kolorieren, auf den diese Farbe aufgetragen wird, sondern auch, den umgebenden Raum mit der Komplementärfarbe kolorieren.“3 (Michel-Eugène Chevreul)

Der Pointillismus hat seinen Ursprung in den Farbtheorien des Chemikers Michel-Eugène Chevreuls, der Kunsttheoretiker Charles Blanc (1813–1882) und David Sutter (1811–1880), sowie den Studien des amerikanischen Arztes Ogden Nicholas Roods (1831–1902). Chemiker und Ärzte hatten festgestellt, dass einander benachbarte Farbwerte sich gegenseitig beeinflussen. Zu den wichtigsten Erkenntnissen in Farbtheorie und Optik des späten 19. Jahrhunderts zählen: im Farbenkreis geordnete Spektralfarben, optische Farbmischung, Komplementärkontrast, Simultankontrast, ergänzt durch die psychologische Wirkung von Farben (Farbtemperatur) und Linien.

Eugène Chevreul (1786–1889) war ein französischer Chemiker, der in seinen Abhandlungen „Das Gesetz des Simultankontrasts der Farben“ (1839) und „Das Prinzipien von Harmonie und Kontrast der Farben und ihre Anwendung in den Künsten“ (1864) die Grundlagen für die impressionistische und postimpressionistische Malerei legte. Ausgangspunkt für seine Thesen ist die Ordnung der Farben im Farbenkreis. Vor Chevreul hatte sich bereits Eugène Delacroix intensiv mit der Farbwirkung beschäftigt und seine Erkenntnisse praktisch angewandt. Der Chemiker erforschte erstmals, wie sich benachbarte Farben gegenseitig beeinflussen. Vor allem die Entdeckung des Komplementärkontrasts – die Nachbarschaft von komplementären Farben (blau-orange/rot-grün/gelb-violett), die am Farbenkreis gegenüberliegen – veränderte die Malerei der Postimpressionisten.

„Kunst ist Harmonie. Harmonie ist die Analogie gegensätzlicher und ähnlicher Elemente, des Farbtones, der Farbe und der Linie, die entsprechend ihrer Dominante und dem Einfluss des Lichtes heitere, ruhige oder traurige Zusammenstellungen ergeben. Gegensätze sind: Für den Tonwert ein leuchtender heller gegenüber einem dunkleren. Für die Farbe die Komplementärfarben, d.h. ein gewisses Rot wird seiner Komplementärfarbe gegenübergestellt usw. (Rot-Grün, Orange-Blau, Gelb-Violett). Heiterkeit des Tonwertes ergibt sich durch eine leuchtende Dominante; Heiterkeit der Farbe durch eine warme Dominante; Heiterkeit der Linie durch aufwärts gerichtete Tendenz über der Horizontalen. Ruhe des Tonwertes ergibt sich durch das Gleichgewicht von Hell und Dunkel; Ruhe der Farbe durch das Gleichgewicht von Warm und Kalt; und Ruhe der Linie durch Horizontalen. Trauer der Tonwerte ergibt sich durch Überwiegen des Dunklen, Trauer der Farbe durch eine kalte Dominante und Trauer der Linie aus abwärts gerichteter Tendenz.
Nimmt man die Phänomene der Dauer des Lichteindrucks auf die Netzhaut als gegeben an, dann ergibt sich als Resultat eine Synthese. Das Ausdrucksmittel ist die optische Mischung der Ton- und Farbwerte (der Lokalfarbe und der Farbe des auffallenden Lichtes: Sonne, Petroleumlampe, Gaslampe usw.), d.h. des Lichtes und seiner Wirkung (Schatten) gemäß den Kontrastgesetzen der Abtönung einer Strahlung.
Der Rahmen ist der Harmonie der Tonwerte, Farben und Linien des Bildes entgegengesetzt.“4 (Paul Signac, 1890)

 

Der Durchbruch des Pointillismus auf der letzten Impressionisten-Ausstellung 1886

„Man suche sich die Natur, die dem eigenen Temperament entspricht […]. Man gehe nicht nach Regeln und Prinzipien vor, sondern male, was man sieht und fühlt […]. Man braucht nur einen Lehrmeister – die Natur; auf sie muss man sich immer berufen“ (Camille Pissarro)

Camille Pissarro, der sich selbst kurz dem Pointillismus verschrieben hatte, war für eine Öffnung der Ausstellung in Richtung aktueller Tendenzen in der jungen Malerei von Paris. Während die Impressionisten ohne „Regeln und Prinzipien“ und nur nach eigener Anschauung malten, entwickelte die folgende Generation der Pointillisten ein rigides System. Pissarro lud Seurat, Signac, Gauguin, Emile Schuffenecker (1851–1934) ein und engagierte sich auch für Odilon Redon sowie seinen eigenen Sohn Lucien Pissarro (1863–1944). Berthe Morisot (1841–1895) und ihr Mann Eugène Manet waren für die Organisation dieser letzten Gruppenschau verantwortlich. Die Impressionisten reagierten mit Vorbehalt auf die junge Avantgarde und verbannten die Werke von Pissarro und seiner neuen Freunde in einen gemeinsamen Raum der „Pointillisten“. Wie sehr sich das Konzept des Pointillismus von dem des Impressionismus unterschied, zeigt die eingangs zitierten worte Pissarros. Gleichzeitig verzichteten Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Alfred Sisley und Gustave Caillebotte auf eine Teilnahme an der Gruppenausstellung.

Georges Seurat präsentierte „Ein Sonntagnachmittag auf der Insel Grande Jatte“ (1884–1886) und Paul Signac „Die Putzmacherinnen, Rue du Caire“ (um 1885/86), was sie im Herbst bei den Unabhängigen wiederholten. Die Ausstellung beeindruckte Louis Anquetin (1861–1932), Vincent van Gogh (1853–1890 → Vincent van Gogh. Von Paris nach Arles) und Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901), die einander im Frühjahr im Atelier des Historienmalers Cormon (1845–1924) kennengelernt hatten.

 

Vom Pointillismus (Divisionismus) zum Postimpressionismus

Vor allem Georges Seurat war der Verfechter der Punkt-Manier, die er nach wissenschaftlichen Kriterien und äußert streng angewandt wissen wollte. Paul Signac, der sein Akademiestudium nach der Bekanntschaft mit Seurat aufgab, um sich autodidaktisch zu bilden, wurde anfangs vom Impressionismus geprägt. Im Winter 1884/85 wandte sich Signac dem Pointillismus zu, gab jedoch diese orthodoxe Haltung nach dem unvorhergesehen frühen Tod von Seurat 1891 auf. Paul Signac führte schlussendlich den Pointillismus in den Postimpressionismus über, wobei er selbst den Begriff Neoimpressionismus bevorzugte.

„Der Neoimpressionist malt keine Punkte, er zerlegt.“5

In seiner Schrift „D’Eugène Delacroix au néo-impressionnisme (Von Eugène Delacroix zum Neoimpressionismus)“ (1899) erklärte Signac, dass die Farben gleichwertig auf die Leinwand aufgebracht werden sollten und dort mittels optischer Mischung eine Harmonie der Kontraste ergeben. Seurat und Henri-Edmond Cross begannen in den 1890er Jahren damit, Ölfarben pastoser und in kurzen Strichen aufzutragen bzw. sich auch der Aquarellmalerei zuzuwenden. Die in horizontalen und vertikalen Lagen gegliederten Kompositionen kommen ohne Illusion von Raum, Körperlichkeit und Bewegung aus. Die Vereinfachung der Formen und der Farben führte zunehmend zu einer Abstraktion der Farbe von den Gegenständen. Mitunter gingen diese Maler dabei bis an den Rand der ungegenständlichen Malerei. Zumindest befreite der Postimpressionismus die Farbe vom Diktum der Abbildung bzw. Nachempfindung und eröffnete einen Weg in die Abstraktion, wie an der künstlerischen Entwicklung von Piet Mondrian (1872–1944) nachvollzogen werden kann.

 

Themen des Postimpressionismus

Wenn auch anfangs das Staunen über die Punkt überwog, so irritierten einige impressionistische Gemälde auch durch die Wahl der Sujets. Georges Seurat verließ die Boulevards von Paris zugunsten der kleinbürgerlichen und proletarischen Vororte. Seine vielfigurigen Kompositionen erstaunen bis heute durch die Bewegungslosigkeit der Typen, die strengen Profildarstellungen, die schablonenartigen Posen. Seurat ging es um das Festhalten des Unvergänglichen, aus einer Summe flüchtiger Eindrücke das Bleibende zu einer Synthese zu führen. Kein Lufthauch zieht durch diese Gemälde. Dies hatte auch zur Folge, dass die dargestellten Motive unbedeutend scheinen.

Ruhe, Harmonie, Idylle darzustellen, sind wohl die wichtigsten Ziele der Pointilisten und Postimpressionisten, in denen sich der idealistische Zug der Künstler offenbart. Dazu nutzten sie ähnliche Motive wie schon zuvor die Impressionistinnen und Impressionisten: die Zurückgezogenheit im eigenen Garten oder den eigenen vier Wänden, Landschaften (vor allem die Häfen von Frankreich und Küsten). Mit mystischen bzw. visionären Bildern (bei den Nabis vor allem Denis) kehrte auch die religiöse Malerei wieder zurück. Während in Frankreich die Suche nach der Idylle vorherrscht, lässt sich für Italien ein besonderes Interesse an der Darstellung sozialer Probleme konstatieren.

 

Divisionismus in Italien

Im Gegenzug zu ihren französischen Kollegen bevorzugten die italienischen Maler der Divisionismus Großformate bis hin zum Triptychon. Mit ihren sozialkritischen Gemälden stellten sie sich auch weiterhin in die Tradition der italienischen Malerei, da sie nicht auf Modellierung, Raumillusion und Bewegungsdarstellung verzichten wollten. Motive aus dem bürgerlichen, städtischen Leben waren genauso selten anzutreffen. Stattdessen beschäftigten sich die italienischen Divisionisten mit Bauernszenen, metaphysischen sowie symbolistischen Themen und setzten diese vielfach mit einem religiösen Unterton um.

Die ersten divisionistischen Gemälde entstanden Ende 1880er Jahre in Italien und wurden 1891 auf der ersten Triennale di Brera (1.5.-30.6.) ausgestellt. Auch wenn die Künstler die Werke der französischen Pointillisten kaum im Original studieren konnten, so kannten sie die den Gemälden zugrundeliegenden Theorien aus französischen und belgischen Kunstzeitschriften. Emilio Longonis Gemälde „Der Streikredner“ (1890/91) stellt den Streik in Mailand vom 1. Mai 1890, dem ersten internationalen Tag der Arbeit, dar. Innovative Technik und klassenkämpferische Thematik ließen das Werk schnell zu einem ästhetischen wie politischen Manifest werden.

 

Postimpressionismus / Divisionismus und die Anarchie

„Gerechtigkeit in der Soziologie, Harmonie in der Kunst: ein und dasselbe […] Ein anarchistischer Maler ist nicht einer, der anarchistische Bilder macht, sondern einer, der ohne sich um Geld zu kümmern, ohne Wunsch auf Bezahlung, mit ganzer Seele gegen die bürgerlichen und gesellschaftlichen Konventionen ankämpft, durch seinen persönlichen Beitrag… Wenn das Auge erzogen und gebildet ist, wird das Volk andere Dinge in den Bildern sehen als bloß den Inhalt. Wenn die von uns erträumte Gesellschaft endlich Wirklichkeit wird, wenn der Arbeiter, befreit von seinen Ausbeutern, die ihn unterjochen, Zeit hat nachzudenken und sich zu bilden, wird er all die verschiedenen Seiten des Kunstwerks schätzen lernen.“6 (Paul Signac, Impressionistes & révolutionnaires, in: La Révolte, 1895)

Die politische Einstellung der Künstler darf zumeist als linksgerichtet bis anarchistisch bezeichnet werden. Vor allem Paul Signac stellte seine Kunst in den Dienst der sozialen Erneuerung. Vor allem in seinem Gemälde „In der Zeit der Harmonie (Das Goldene Zeitalter liegt nicht in der Vergangenheit, es liegt in der Zukunft)“ (1893–1895, Öl auf Leinwand, 300 x 400 cm, Mairie de Montreuil) entwarf er eine positive Zukunftsvision. Das 1895 im Salon des Indépendants ausgestellte Werk zeigt ein irdisches Arkadien: Menschen friedlich vereint in einer sonnendurchfluteten Küstenlandschaft. Zur Jahrhundertwende löste die Utopie die Anarchie ab. Anstelle einer politischen Aufgabe für die Kunst, sahen Kritiker und Künstler verstärkt die Harmonie von Mensch und Natur als zu vermittelndes Thema. Sie tauschten offene Gesellschaftskritik gegen Landschaften und symbolistische, visionäre, idealistische Malerei. Auch wenn die Darstellungen der Natur ebenso als „organisch-sozialistische Realität“ gedeutet werden konnten, so hatte der Divisionismus 1905 seinen revolutionären Impetus aufgegeben.

 

Die Sammler des Pointillismus und des Postimpressionismus

Die Pointillisten wurden von Helene Kröller-Müller gemeinsam mit ihrem Ehemann Anton Kröller gefördert. Sie erwarb zwischen 1907 und 1922 nahezu 11.500 Kunstwerke.

Helene Kröller-Müller träumte von einem eigenenen „Museumshaus“, wo sie ihre Liebe zur modernen Kunst mit allen teilen konnte. Im Jahr 1938 öffnete das von Henry van de Velde geplante Kröller-Müller Museum seine Pforten. Der Skulpturengarten mit Werken von Auguste Rodin, Henry Moore und Barbara Hepworth u. a. versammelt seit 1961 mehr als 160 Skulpturen von wichtigen Bildhauern. In den 1970er Jahren wurde ein neuer Flügel des holländischen Architekten Wim Quist angebaut.

Hedy und Arthur Hahnloser-Bühler gehörten zu den wichtigsten Sammlern der Postimpressionisten in der Schweiz. Ihre Villa Flora in Winterthur zählt auch heute noch zu den bedeutendsten Sammlungen der Nabis außerhalb von Frankreich.

 

Der Pointillismus / Postimpressionismus beeinflusste folgende Maler

Henri Matisse (1869–1954)

Albert Manguin (1874–1949)

Piet Mondrian (1872–1944)

 

Künstler des Postimpressionismus / Pointillismus / Divisionismus in Frankreich

Georges Seurat (1859–1891)

Der früh verstorbene Georges Seurat brach nach dem Besuch der vierten Impressionisten-Ausstellung 1879 sein Studium im Atelier von Henri Lehmann (1878/79) ab, um sich autodidaktisch weiterzubilden. Gemeinsam mit Paul Signac und Camille Pissarro revolutionierte er den Impressionismus. Bekannt wurde Seurat, nachdem er „Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte“ (1884–1886) 1886 auf der Ausstellung der „Indépentants“ präsentierte. Es folgte auf die „Badenden von Asnières“ (1883/84), dem ersten pointillistischen Gemälde. Aufenthalte in der Normandie schlugen sich in Landschaftsgemälde nieder, die ruhige Seestücke, Häfen, Klippen in harmonischen Farbzusammenstellungen zeigen. Die in kleine Punkte zerteilte Malweise hätte Georges Seurat gerne Chromo-Luminarismus oder Divisionismus genannt. Seine Gegener bezeichneten die Werke hingegen als "Konfetti-Kunst". Mit „Les Poseuses (Die Modelle)“ (1887/88), „Parade de cirque (Zirkusparade)“ (1887/88), „Le Cahut“ (1890), „Junge Frau bei der Toilette“ (1890) sowie „Cirque (Zirkus)“ (1890/91, unvollendet) bewies er mehrfach, dass der von ihm erfundene Pointillismus sowohl auf Landschaften wie auf Figurenbilder angewandt werden konnte. Nach Seurats frühem Tod führte Paul Signac den Pointillismus (Auftrag der Farbe in Punkten) in den Post- oder Neoimpressionismus über.

Paul Signac (1863–1935)

Paul Signac entschied sich als Autodidakt dem Impressionismus anzuschließen. Die Bekanntschaft mit Georges Seurat machte ihn 1885/86 zum Pointillisten, da er seinem Freund, der gerade an seiner monumentalen Komposition „Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte“ (1884–1886) gearbeitet hatte, etwas Eigenständiges entgegensetzen wollte. Mit „Die Hutmacherinnen“, „Das Frühstück“ und „Sonntag“ schloss Signac zwar an typische Themen des Impressioismus an, erarbeitete die Oberflächen der Bilder jedoch aus unzähligen, kleinen Farbpunkten. In ihnen zerlegte er das Farbspektrum, das sich - aus gewisser Entfernung betrachtet - im Kopf zusammenfügt. Nach dem vorzeitigen Tod von Seurat 1891 wurde Paul Signac der Kopf der Bewegung und hielt deren Grundsätze in seiner Schrift „Von Eugène Delacroix bis zum Neo-Impressionismus“ (1899) fest. An die Stelle der gleichförmigen und richtungslosen Punkte traten nun mehr oder weniger lange Striche. In manchen späten Landschaften kann man sich an Mosaike erinnert fühlen. Das Flirren, das von den Küsten und Häfen ausgeht, aber auch die strahlenden Komplementärfarben machen die Bilder Signacs zu harmonischen, energiegeladenen Werken voller Atmosphäre. Neben der Ölmalerei übte sich Signac auch im Aquarell, das er mit großer Meisterschaft beherrschte.

Camille Pissarro (1830–1903)

Maximilien Luce (1858–1941)

Wenn auch Maximilien Luce nicht der orthodoxeste Pointillist oder Neoimpressionist war, so sind seine Bilder doch für die utopische Ausrichtung des Malstils symptomatisch. Die Punktmalerei beschränkte sich nicht nur auf die Erarbeitung von Farbkonzepten und Wahrnehmungsanalysen, sondern trug eine sozialistische Grundstimmung in sich. Wie ihr großes Vorbider Puvis de Chavannes huldigten viele Avantgardisten (vor allem die italienischen Divisionisten) der Anarchie und setzten die Revolution auf ihren Leinwänden mit politischen Verädnerungen gleich. Maximilien Luce widmete seine Werke dem Arbeiter, der in gemeinschaftlicher Arbeit für Wohlstand und Fortschritt verantwortlich ist. Wenn er in das Borinage reiste, um dort die Lebensbediungungen der Grubenarbeiter festzuhalten, schwingt in seinen Bildern nicht soziale Misere und Unterdrückung mit, sondern er heroisiert die Arbeiter und ihre Tätigkeit.

Henri-Edmond Cross (1856–1910)

Ab 1891 war Henri-Edmond Cross ein wichtiges Mitglied des Divisionismus und eine wichtige Stütze für Paul Signac. Er überzeugte Signac ab 1892 in Südfrankreich zu leben, um in der Küstenlandschaft, den Häfen, den Segelbooten und dem Meer Motive für Gemälde zu finden. Cross selbst nutzte den Pointillismus und eine arabeskenhafte Formgebung. Damit veerfächigte er die Motive und abstrahierte die Kompositionen. Auch in seinem Werk ist die Idylle omnipräsent - also in einer nahen Zukunft gedacht.

Charles Angrand (1854–1926)

Albert Dubois-Pillet (1846–1890)

 

Künstler des Pointillismus in Belgien

Théo van Rysselberghe (1862–1926)

Henry van de Velde (1863–1957)

 

Neoimpressionismus in Holland

Jan Toroop (1858–1928)

Jan Toorop setzte nicht nur 1892 die erste Ausstellung von Vincent van Gogh durch und gehört zu den Künstlern des Symbolismus und des Jugendstils, sondern nutzte auch den Pointillismus. Als Mitglied des belgischen Künstlervereins Les XX (Vingt) konnte er Werke von Georges Seurat und weiteren französischen Vertretern des Pointillismus im Original studieren. Toorop wandte die Maltechnik anschließend in seinen Gemälden an. Er vermittelte den Pointillismus (Neoimpressionismus) nach Amsterdam, wo Piet Mondrian von ihm beeinflusst wurde. Zwischen 1891 und 1894 entwickelte Toorop seinen persönlichen Stil, der von weich schwingenden Linien getragen wird. Als ein Hauptvertreter des holländischen Jugendstils wurde er auch für Gustav Klimt zum Ideengeber.

Künstler des italienischen Divisionismus

Vittore Grubicy De Dragon (1851–1920)

Emilio Longoni (1859–1932)

Angelo Morbelli (1853–1919)

Plinio Nomellini (1866–1943)

Giuseppe Pellizza da Volpedo (1868–1907)

Mit seinem Gemälde „Der vierte Stand (Il Quarto Stato)“ (1898–1901, Öl auf Leinwand, 293 x 545 cm, Mailand, Civica Galleria d’Arte Moderna) wollte er „Kunst um der Menschheit willen“ machen. Er prägte mit seinem gesellschaftskritischen Werk das Bild des Arbeiterstandes, der, geleitet von einer Art Familie, energisch der Sonne entgegenschreitet.

Gaetano Previati (1852–1920)

Giovanni Segantini (1858–1899)

Giovanni Sottocornola (1855–1917)

 

Literatur

  • Paul Adam, Soi, Paris 1886.
  • Julius Meier-Graefe, Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst (1924), Bd. II, München 1987.
  • Pierre Courthion, Georges Seurat, Köln 1991.
  • Peter H. Feist, Der Impressionismus in Frankreich, in: Ingo F. Walther (Hg.), Malerei des Impressionismus 1860–1920, Bd. 1, Köln 1992.
  • Andrea Dippel, Schnellkurs Impressionismus, Köln 2002.
  • John Cage, Color in Art, New York/London 2006.
  • Vivien Greene (Hg.), Arkadien & Anarchie. Divisionismus – Neoimpressionismus (Ausst.-Kat., Deutsche Guggenheim, Berlin; Solomon R. Guggenheim Museum, New York), Ostfildern 2007.
  • Heinz Widauer (Hg.), Seurat, Signac, Van Gogh. Wege des Pointillismus (Ausst.-Kat., Albertina, Wien), Wien 2016.
29. Oktober 2017
Paul Cézanne, Knabe in roter Weste, Detail, 1888-1890, Öl auf Leinwand, 89.5 x 72.4 cm (National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon, in Honor of the 50th Anniversary of the National Gallery of Art)

Cézanne Porträts Bildnisse zur Stilentwicklung

Mehr als 50 Porträts von Paul Cézanne beleuchten dessen revolutionären Ansatz. In der chronologischen Präsentation wird die Entwicklung von Cézannes Porträtmalerei als kontinuierliche Recherche in Bezug auf Stil, Methoden und Darstellung des Subjekts untersucht. Was sind die malerischen und thematischen Charakteristika von Cézannes Porträts?
16. August 2017
Pierre Bonnard, Akt vor dem Spiegel, Detail, 1931, Öl auf Leinwand, 152 x 102 cm (Photo Archive - Fondazione Musei Civici di Venezia © VG Bild-Kunst, Bonn 2017 / Foto: Claudio Franzini)

Pierre Bonnard Farbe, Licht, Gefühle und der „Akt im Gegenlicht“ beschäftigten den Postimpressionisten

Pierre Bonnard (1867–1947) gehörte neben Edouard Vuillard, Maurice Denis und Paul Sérusier zur Künstlergruppe „Nabis“ (hebräisch für „die Erleuchteten“), die ab den 1888 den Impressionismus durch eine flächige, dekorative Gestaltung ablöste und so den Jugendstil vorbreitete. Bonnard war zeitlebens kein „Star“ und sein Werk wurde nicht journalistisch oder kunstkritisch „ausgebeutet“.
14. August 2017
Vincent van Gogh, Sonnenblumen, Detail, 1888, Öl/Lw, 100.5 x 76.5cm (Seiji Togo Memorial Sompo Japan Nipponkoa Museum of Art, Tokyo)

Van Goghs Sonnenblumen Fünf Sonnenblumen-Gemälde auf drei Kontinenten live auf Facebook vorgestellt

Van Goghs Sonnenblumen entstanden zwischen August 1888 und Januar 1889 in Arles (Südfrankreich): sieben Versionen seines berühmtesten Gemäldes malte rund um seinen Nervenzusxammenbruch. Heute sind fünf dieser Werke in Museen auf der ganzen Welt verstreut und konnten seither für keine Ausstellung an einen Ort gebracht werden. Am 14. August 2017 werden die „Sonnenblumen” virtuell, genauer: auf Facebook, wiedervereint.
7. August 2017
Félix Vallotton, Die Weiße und die Schwarze, 1913, Öl auf Leinwand, 114 x 147 cm (Hahnloser/Jaeggli Stiftung, Winterthur, Schenkung Geschwister Jäggli, 1981)

Villa Flora: Meisterwerke des Postimpressionismus Die Sammlung von Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler

Arthur und Hedy Hahnloser-Bühler trugen zwischen 1905 und 1936 eine der prestiegeträchtigsten Schweizer Privatsammlungen zusammen: Die derzeit im Kunstmuseum Moritzburg Halle (Saale) ausgestellten Werke von den Nabis und Fauvisten stehen aber auch für die Freundschaften des Sammlerehepaares, für das die so häufig genutzte Formel „Leben für die Kunst“ wahrhaftig zutraf.
28. Juni 2017
Vincent van Gogh, Baumwurzeln, Auvers-sur-Oise Juli 1890, Öl auf Leinwand, 50.3 × 100.1 cm (Van Gogh Museum, Amsterdam / Vincent van Gogh Foundation)

Vincent van Gogh: Bilder vom Wald Bäume und Wälder im Werk von Van Gogh, Rousseau und Corot

Vincent van Gogh (1853–1890) ist als Maler von Äckern, Gärten und Olivenhainen berühmt – doch auch Wälder spielen in seinem Werk eine nicht unbedeutende Rolle. Die frühe Orientierung des holländischen Landschaftsmalers an den Meistern der Schule von Barbizon, seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Daubigny und des Impressionismus während seiner Pariser Jahre und nicht zuletzt sein Aufenthalt im Hospital von Saint-Paul in Saint-Rémy-de-Provence inspirierten ihn zu seiner Serie von Waldeinblicken.
5. März 2017
Richard Gerstl, Die Familie Schönberg, Ende Juli 1908, Öl auf Leinwand, 88,8 x 109,7 cm (Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien)

Richard Gerstl Leben und Werk: Ausstellung in der Schirn, Frankfurt

Richard Gerstl (1883–1908) wird oft als Österreichs erster Expressionist bezeichnet: in Auseinandersetzung mit Werken von Vincent van Gogh und Edvard Munch entwickelte er seine Malerei in Richtung befreiter Malweise und intensiver Farbigkeit.
8. Februar 2017
Georges Seurat, Un dimarche à la Île de la Grande Jatte (Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte), 1884–1886, Öl auf Leinwand, 205,7 x 305,8 cm (The Art Institute of Chicago, Helen Birch Bartlett Collection)

Achte Impressionisten-Ausstellung 1886 Krise und Ende des Impressionismus

Die Vorbereitungen zur achten Impressionisten-Ausstellung 1886 waren geprägt von alten Vorbehalten gegenüber Kollegen, Missgunst, Eifersüchteleien und wechselnde Loyalitäten. Finanzielle Misserfolge, nicht zuletzt wegen einer Wirtschaftskrise in Frankreich in den beginnenden 1880er Jahren, ließen die ohnehin zaghaften Ankäufe impressionistischer Malerei einbrechen, ungeachtet der Versuche des Kunsthändlers Paul Durand-Ruel, die Impressionisten auch in New York bekannt zu machen. Generell lässt sich beobachten, wie Galeristen zunehmend als Ausstellungsmacher von Personalen auftraten, die sie vorfinanzierten. Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir, Gustave Caillebotte und Alfred Sisley folgten Pissarros Einladung erst gar nicht. Sie versuchten ihr Glück bei Georges Petit, dessen Galerie sich an ein betuchtes, kaufkräftiges Publikum wandte. Animositäten mit Edgar Degas in den vorangegangenen Jahren verleideten ihnen die Teilnahme an Pissarros Projekt genauso wie dessen Engagement für ihre „Schützlinge“.
7. November 2016
Vincent van Gogh : Paul Gauguin, Cover

Vincent van Gogh : Paul Gauguin in Arles

Im Jahr 1888 lud Vincent van Gogh (1853–1890) seinen Malerkollegen Paul Gauguin (1848–1903) ein, zu ihm nach Arles in sein „Atelier des Südens“ zu kommen. Diese nur neun Wochen dauernde Zusammenarbeit wirkte sich auf beide Maler aus – künstlerisch wie emotional. Neben kameradschaftlicher Unterstützung war die Phase in Südfrankreich von Rivalität, Bewunderung und Eifersucht, Hoffnung und Enttäuschung geprägt. Vor allem Vincent van Goghs Hoffnung, eine Künstlerkolonie in Arles zu gründen, musste sich aufgrund unterschiedlicher Auffassungen als undurchführbar erweisen. Neun Wochen gemeinsames Arbeiten brachte die beiden Maler zwar menschlich nicht näher, dennoch beeinflussten sie einander künstlerisch. Das Experiment „Atelier des Südens“ endete mit Vincent van Goghs Nervenzusammenbruch und der panischen Flucht Paul Gauguins vor der Selbstverletzung Vincents.
19. September 2016
Francis Picabia: Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung wechseln kann (Hatje Cantz)

Francis Picabia: Unser Kopf ist rund ... damit das Denken die Richtung wechseln kann

Wenige Künstler des 20. Jahrhunderts sind so schwierig einzuordnen wie Francis Picabia (1879–1951). Der Franzose mit spanischen Wurzeln war Künstler, Dichter und Provokateur, Herausgeber des Kunstmagazins „391“, schrieb für Theater und Film, gestaltete Feste und Abendgalas der High Society in Cannes. Flankiert wird diese Aufzählung durch seinen selbst geschaffenen Ruf als Playboy, Gigolo und Womanizer. Die Stile seiner Malerei reichen von impressionistischen Anfängen über Kubismus und Abstraktion hin zu Dada (1917–1924), mechanomorphen Bildern und fotorealistischen, durchwegs kitschigen Bildern der 1940er Jahre wieder zurück in die Abstraktion.
14. September 2016
Paul Signac, Venedig, die rosa Wolke (Ankerplatz bei der Giudecca), 1909, Öl auf Leinwand, 73 × 92 cm (Albertina, Wien - Sammlung Batliner)

Seurat, Signac, Van Gogh – Wege des Pointillismus Kein Punkt ist gleich!

Ein Punkt, ist ein Punkt, ist ein Punkt? So einfach ist es wohl nicht, wie mir Albertina-Kurator Heinz Widauer in der Pointillismus-Ausstellung erklärt. Er zeigt diesen Herbst die „Mutation des Punktes“ von Georges Seurat (1859–1891) und Paul Signac bis Théo van Rysselberghe, Vincent van Gogh, Paul Klee und Piet Mondrian. Die Schau demonstriert die Entwicklung der Punktmalerei von Mitte der 1880er bis in die 1930er Jahre. Farbenprächtige Landschaften, lichterfüllte, helle Kompositionen, paradiesische Küstenschilderungen in Spektralfarben, aber auch repräsentative Porträts, intime Interieurs und mystisch-dekorative Visionen locken in den kommenden Wintermonaten sicher nicht nur Kunst-Enthusiasten in das Wiener Haus.
13. September 2016
Paul Signac, L’arc (Der Regenbogen, Venedig), 1905, Öl auf Leinwand, 73 x 92 (Privatsammlung)

Paul Signac Retter des Neo-Impressionismus

Paul Signac (1863–1935), der „Heilige Paul des Neo-Impressionismus“ (Thadée Natanson), war Maler und wichtigster Apologet der neoimpressionistischen Malerei. Van Gogh sprach vom feurigen Temperament, während Henri-Edmond Cross ihn als „kalten und methodischen Denker und Träumer“ charakterisierte. Signac arbeitete nicht nur als Maler, wie ein Apostel. Mit Georges Seurat und Camille Pissarro war er einer der ersten, der die Technik des divisionistischen Farbauftrags im Winter 1885/86 einsetzte.
6. September 2016
Georges Seurat, Un dimarche à la Île de la Grande Jatte (Ein Sonntagnachmittag auf der Île de la Grande Jatte), 1884–1886, Öl auf Leinwand, 205,7 x 305,8 cm (The Art Institute of Chicago, Helen Birch Bartlett Collection)

Georges Seurat, Erfinder des Pointillismus

Georges Seurat (1869–1891) hat zwar ein quantitativ überschaubares Werk hinterlassen, dennoch ist es von höchster Bedeutung für die Entwicklung der Malerei im ausgehenden 19. Jahrhundert. Das Frühwerk von Seurat, der 1878/79 im Atelier von Henri Lehmann studierte und sein Studium nach dem Besuch der vierten Impressionisten-Ausstellung 1879 abbrach, ist tief geprägt vom Impressionismus...
5. August 2016
„La femme au miroir“ in Jena, Cover des Ausstellungskatalogs

Französische Druckgrafik von Manet bis Picasso

Eine interessante Auswahl französischer Druckgrafik aus der Coninx-Stiftung Zürich – von Werken der Impressionisten bis Pablo Picasso – ist derzeit in der Kunstsammlung Jena zu sehen. Gezeigt werden 77 Druckgrafiken von den Impressionisten, Nabis und der Schule von Paris sowie 46 Werke von Pablo Picasso.
26. Februar 2016
Edouard Manet, Die Dante-Barke / The Barque of Dante (nach / after Delacroix), um / about 1854, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 37.5 x 45 cm, Musée des Beaux Arts de Lyon (B830) © Lyon MBA - photo Alain Basset.

Delacroix und die Malerei der Moderne Wegbereiter von Renoir, Monet, Cézanne, Gauguin, Redon...

Eugène Delacroix (1798–1863) steht an der Schwelle von Salonmalerei und moderner Malerei, die nur sich selbst verpflichtet ist. In Auseinandersetzung mit dem Grand Style von Paul Delaroche und den Farbtheorien Michel Eugène Chevreuls (1786–1889) entwickelte er einen auf Farben und Pinselstrich basierenden Malstil. Obwohl Delacroix kaum Schüler hatte, wurde sein Personalstil und seine Überlegungen zu Kunst zu den folgenreichsten des 19. Jahrhunderts. Generationen von Impressionisten (Manet, Fantin-Latour, Bazille, Renoir), Spätimpressionisten (Cézanne, Van Gogh), Symbolisten (Moreau, Redon, Gauguin) und Pointillisten (Seurat, Matisse, Metzinger) bezogen sich auf oft ungeahnte Weise auf ihren 1863 verstorbenen Wegbereiter.
26. Mai 2015
Henri Rousseau, Die Schlangenbeschwörerin, 1907, Öl auf Leinwand, 167 x 189,5 cm, Paris, Musée d'Orsay © RMN-Grand Palais (Musée d’Orsay)/Hervé Lewandowski.

Henri Rousseau Die archaische Unschuld

Dem malenden „Zöllner“ Henri Rousseau (Laval 1844–1910 Paris) und seinem Einfluss auf die internationale Avantgarde widmen die Fondazione Musei Civici di Venezia, unterstützt durch das Musée d’Orsay und das Musée de l’Orangerie, beide Paris, eine groß angelegte Ausstellung im Palazzo Ducale. Als Autodidakt und anfänglicher Freizeitmaler revolutionierte Rousseau die Kunst des ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Heute ist er für seine Urwaldbilder und Traumlandschaften berühmt.
9. Februar 2014
Henri de Toulouse-Lautrec, Ambassadeurs, Aristide Bruant dans son cabaret, 1892, Farblithografie (Plakat), 135 x 93,5 cm. © Kunsthalle Bremen – Der Kunstverein in Bremen. Foto: L. Lohrich.

Schirn analysiert den Montmartre Esprit Montmartre. Die Bohème in Paris um 1900

Die Schirn Kunsthalle Frankfurt nähert sich der Pariser Avantgarde um 1900 über jenen fast schon mythischen Ort an, an dem sie ihre anti-akademischen und revolutionären Ideen in Malerei, Grafik und Plakatkunst umsetzte: dem Montmartre im 18. Arrondissement. Er ist höchste Erhebung im Pariser Becken, Gipsbergwerk, Arbeiterbezirk mit ärmlichen Behausungen, Ort der kommerziellen Unterhaltungsindustrie und halbseidene Gegend, ein Anziehungspunkt für die Bohème aber auch eine Pilgerstätte zum heiligen Dionysius. Neben dem allseits bekannten Künstler Henri de Toulouse-Lautrec (1864–1901), der wie kein Zweiter das Bild der Sänger und Sängerinnen, der leichten Mädchen und der Vergnügungslokale am Montmartre prägte, stehen Vincent van Gogh und Pablo Picasso im Zentrum einer Reihe von weniger bekannten Künstlern und zweier Künstlerinnen, die sich dem Esprit des Viertels hingaben und daraus Inspiration zogen.
21. September 2013
André Derain, Porträt des Henri Matisse, 1905, Tate Purchased 1958 - zu sehen in: Matisse und die Fauves- Albertina (20.09.2013 – 12.01.2014) - zu sehen in: Matisse und die Fauves- Albertina (20.09.2013 – 12.01.2014)

Matisse und die Künstler des Fauvismus Zweieinhalb Jahre Kunstrevolte in Paris

Künstler und Geschichte des Fauvismus in der Albertina: Die „Fauves“ (franz. für Wilde/Bestien/wilde Tiere) waren eine Gruppe französischer Künstler rund um Henri Matisse, die zwischen 1905 und 1907 in wechselnder Beteiligung miteinander ausstellten. Rund 160 Werke von 50 internationalen Leihgebern konnten die Kuratoren Heinz Widauer (Albertina) und Claudine Grammont (Paris) für die Ausstellung zusammentragen.
  1. Zitiert nach http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k113280m
  2. Zitiert nach Peter H. Feist, Der Impressionismus in Frankreich, in: Ingo F. Walther (Hg.), Malerei des Impressionismus 1860–1920, Bd. 1, Köln 1992, S. 280.
  3. Zitiert nach Pierre Courthion, Georges Seurat, Köln 1991, S. 15.
  4. Zitiert nach: John Cage, Color in Art, New York/London 2006, S. 73.
  5. Zitiert nach Heinz Widauer, in: Heinz Widauer (Hg.), Signac, Seurat, van Gogh (Ausst.-Kat. Albertina, Wien), München 2016, S., 22.
  6. Zitiert nach Giovanna Gines, Divisionismus, Neoimpressionismus, Sozialismus, in: Arkadien und Anarchie, S. 29–40, hier S. 31.