Paul Cézanne

Paul Cézanne (1839–1906) wird hauptsächlich als Maler des Post-Impressionismus gesehen, ging er doch rasch über die Fragestellungen des Impressionismus hinaus und entwickelte eine einzigartige Methode, Formen mit Farben aufzubauen. Sein analytischer Zugang beeinflusste den Kubismus, Fauvismus und folgende Generationen von Avantgarde-Künstlern. Sowohl Henri Matisse wie Pablo Picasso bewunderten seine Gemälde. Matisse erwarb sogar ein Bild von Cézanne und nannte ihn den „Vater von uns allen“.

 

Warum ist Paul Cézanne bedeutend?

Grund für seine Bedeutung und die Sattelstellung seines Werks zwischen zwei Jahrhunderten ist, Cézannes Synthese von Wirklichkeitsbeobachtung (Plein-air Malerei) und Abstraktion (Auftragen der Farbe in Flecken, den sogenannten tache). Damit betonte er den Prozess des Malens und des Studiums von Form und Farbe. In den häufig wiederkehrenden Sujets konzentrierte er sich auf jene Formen, die in der Natur am häufigsten vorkommen: Zylinder, Kugel und Kegel. Cézannes Methode betont die Flächigkeit der Objekte. Zudem arbeitete er in Serien, wobei die Bilder die Sujets leicht variiert durchdeklinieren. Zu den wichtigsten Sujets in Cézannes Werk zählen seine Stillleben und seine Ansichten der Montaigne Sainte-Victoire. Der zwischen der Provence und Paris pendelnde Künstler reiste so gut wie nie und bedurfte keiner neuer Landstriche, um seine beharrliche Recherche an den Möglichkeiten und Grundlagen der Malerei fortzuführen.

In Cézannes späten Gemälden noch deutlicher aber in den Aquarellen, ist die Farbe des Malgrunds von großer Bedeutung, denn der Maler arbeitete mit Leerstellen und Auslassungen, was einigen seiner Werke ein mosaikartiges Aussehen verleiht. Cézannes Aquarelle gelten als Meilensteine im Einsatz der Technik und vor allem dem Einsatz des weißen Papiers.

 

„Paul mag das Genie eines großen Malers haben, er wird aber nie das Genie besitzen, tatsächlich einer zu werden. Das kleinste Hindernis bringt ihn zur Verzweiflung.“ (Emil Zola über Paul Cézanne)

 

Wenn auch Paul Cézanne unerschütterlich daran glaubte, als Maler an bedeutenden Fragestellungen zu arbeiten, genauso ruinierte sich der Aufbrausende durch ständige Selbstzweifel. Als Künstler steht Cézanne paradigmatisch für das Ringen mit sich selbst, das erst spät in seiner Karriere mit Erfolg am Kunst- und Ausstellungsmarkt gewürdigt wurde. Trotz vieler Rückschläge und harscher Kritiken ließ er sich nicht von seinem Weg abbringen. Cézanne weigerte sich, künstlerische Kompromisse einzugehen, ja empfand seinen Mut als unabdingbar für die Abkehr von der akademischen Salonmalerei. Um sich ganz seiner Kunst hinzugeben, lehnte er auch gesellschaftliche Zugeständnisse ab. Obschon Cézanne 1886 nach siebzehnjähriger heimlicher Liebschaft Hortense Fiquet ehelichte und so den gemeinsamen Sohn legalisierte, führte er doch das Leben eines zurückgezogenen, manchmal skurril wirkenden Sonderlings. Seine einzige Leidenschaft war die Malerei, weshalb der Autodidakt der „Einsiedler aus Aix“ gerufen wurde.

 

Stilistische Entwicklung von Paul Cézanne

Paul Cézanne begann 1860 in Aix-en-Provence zu malen und ging zum Studium nach Paris. Cézannes frühe Werke verbinden romantische und klassische Themen mit dunklem Kolorit und expressiver Pinselarbeit – in der Tradition von Eugène Delacroix (1798–1863). Häufig arbeitete er mit dem Palettenmesser, was in der Porträtserie nach seinem Onkel Aubert leicht nachvollzogen werden kann. Dieser kostümierte sich als Anwalt, als Künstler und als Mönch, was durchaus an Edouard Manets spanische Gemälde der 1860er Jahre erinnert.

 

Vom Impressionismus zum Post-Impressionismus: 1870er

Die drei Werke, die Cézanne auf der Erste Impressionisten-Ausstellung 1874 zeigte, folgten gänzlich der Impressionistischen Doktrin und Technik. Er trug schnell einzelne Pinselstrich auf und hatte für die Werke seine dunkle Palette gegen eine hellere, impressionistischere eingetauscht. Cézanne hatte sich der Anleitung durch Camille Pissarro (1830–1903) hingegeben und der Plein-air-Malerei zugewandt. Seine „Badende“ (1874/75) zeigen eine Entwicklung in Stil und Tonalität, sowie das berühmte Thema, das Cézanne immer wieder aufgreifen würde. Die Landschaft zeigt die Brillanz einer impressionistischen Landschaft, während die Figuren aus der Fantasie des Malers komponiert sind – Paul Cézanne studierte selten lebende Akte, viel lieber übernahm er Posen und Haltungen aus der Kunstgeschichte. „Die Fischer (Fantastische Szene)“ (um 1875) zeigt, wie er sich mühte, diese beiden Quellen – Naturstudium und Arbeiten nach der Vorstellung – miteinander in Einklang zu bringen.

In den Stillleben von der Mitte der 1870er Jahre an wird deutlich, wie Cézanne sukzessive die dicke, krustige Oberfläche verließ, und begann zu adressieren technische Probleme der Form und Farbe durch Experimente mit subtil graduierten tonalen Variationen, oder „konstruktiven Pinselstrichen“. Damit wollte er dimension in seinen Objekten erzeugen. Die starken Hell-Dunkel-Kontraste legte er zugunsten einem raffinierteren System von Farbwerten, die er nebeneinander auftrug, ab. Bis Anfang der 1890er Jahre hatte Cézanne das Problem gemeistert, wie er Formen völlig aus Farbe aufbauen konnte. Gleichzeitig interessierte er sich für Szenen mit verzogener Perspektive. Die Objekte in seinen Gemälden werden ohne den Einsatz von Licht und Schatten gemalt, zudem ignoriert Cézanne die Gesetze der Perspektive. Dadurch erreicht er, dass die Objekte und ihr Verhältnis zueinander wichtiger sind als ihre Organisation im Sinne der Zentralperspektive mit einem fixen Betrachterstandpunkt.

 

1880er/1890er

Ab 1882 führte Paul Cézanne eine bedeutende Anzahl von Landschaftsgemälden in seiner Heimatstadt Aix und L’Estaque aus. L’Estaque war ein kleines Fischerdorf in der Nähe von Marseille. Hier konzentrierte er sich weiterhin auf die bildnerischen Probleme, die mit dem Schaffen von Raum zusammenhängen. Nun begann Cézanne ein System von Strichen einzusetzen, um eine Art horizontaler Kachel entstehen zu lassen. Dadurch entsteht ein Rhythmus, der sich besonders gut an den Häusern erkennen lässt. Mit diesen Gemälden nahm Paul Cézanne den (analytischen) Kubismus vorweg, der von Georges Braque (1882–1963) und Pablo Picasso (1881–1973) um das Jahr 1908 entwickelt wurde.

Im Jahr 1890 begann Paul Cézanne eine Serie von fünf Gemälden von Bauern aus der Provence, die Karten spielen. Subtile Farbabstufungen zeigen, wie sehr sich der Maler bereits mit den Qualitäten von Farbe auseinandergesetzt hat. Das Thema der Landarbeiter setzte er mit dem „Sitzenden Bauern“ fort, womit er dem Arbeiter der Dritten Republik (1870–1940) Tribut zollte.

 

Später Ruhm

Seine erste Einzelausstellung erhielt Paul Cézanne bei dem Kunsthändler Ambroise Vollard (1867–1939) im Jahr 1895. Obwohl sich einige Kritiker der Kunst des Südfranzosen mit Skpsis näherten, stieg die Reputation des Malers schnell. Ein Zirkel von Förderern rund um den Kritiker Bernard Berenson (1865–1959), Künstlern und den Sammlern Henry Osborne Havemeyer (1848–1907) sowie dessen Ehefrau Louisine Havemeyer (1855–1929) machten ihn auch in den USA bekannt. Posthume Ausstellungen in der Galerie Bernheim-Jeune und dem Salon d’Automne 1907 in Paris etablierten Cézannes künstlerische Bedeutung endgültig.

29. Oktober 2017
Paul Cézanne, Knabe in roter Weste, Detail, 1888-1890, Öl auf Leinwand, 89.5 x 72.4 cm (National Gallery of Art, Washington, Collection of Mr. and Mrs. Paul Mellon, in Honor of the 50th Anniversary of the National Gallery of Art)

Cézanne Porträts Bildnisse zur Stilentwicklung

Mehr als 50 Porträts von Paul Cézanne beleuchten dessen revolutionären Ansatz. In der chronologischen Präsentation wird die Entwicklung von Cézannes Porträtmalerei als kontinuierliche Recherche in Bezug auf Stil, Methoden und Darstellung des Subjekts untersucht. Was sind die malerischen und thematischen Charakteristika von Cézannes Porträts?
26. Oktober 2017
Paul Cézanne, Selbstbildnis mit Palette, Detail, um 1890 (Stiftung Sammlung E.G. Bührle, Zürich), Foto: SIK Zürich (J.-P. Kuhn)

Cézanne. Metamorphosen in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe Kopieren für die Avantgarde

Das Werk von Paul Cézanne (1839–1906) wird in der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe anhand von 100 Gemälden und Aquarellen nach drei Aspekten untersucht, die als charakteristisch für den „Vater der Moderne“ gelten: Das Aufbrechen der Bildgattungen, Cézanne und die Kopie sowie Doppeldeutigkeiten und Verunklärung sind, so die Kuratoren Alexander Eiling und Pia Müller-Tamm, essentielle Faktoren für die Bedeutung des französischen Males.
24. Oktober 2017
Paul Cézanne, Grosses pommes, um 1891-92, Öl auf Leinwand, 44,8 x 58,7 cm, The Metropolitan Museum of Art, New York, Legat Stephen C. Clark, 1960.

Paul Cézanne: Biografie Leben und Werk des französischen Avantgardemalers

Paul Cézanne (1839–1906) kam als Sohn eines wohlhabenden Huterzeugers und späteren Bankiers in Aix-en-Provence zur Welt. Leben und Werk des Malers ausführlich erzählt.
26. Februar 2016
Edouard Manet, Die Dante-Barke / The Barque of Dante (nach / after Delacroix), um / about 1854, Öl auf Leinwand / Oil on canvas, 37.5 x 45 cm, Musée des Beaux Arts de Lyon (B830) © Lyon MBA - photo Alain Basset.

Delacroix und die Malerei der Moderne Wegbereiter von Renoir, Monet, Cézanne, Gauguin, Redon...

Eugène Delacroix (1798–1863) steht an der Schwelle von Salonmalerei und moderner Malerei, die nur sich selbst verpflichtet ist. In Auseinandersetzung mit dem Grand Style von Paul Delaroche und den Farbtheorien Michel Eugène Chevreuls (1786–1889) entwickelte er einen auf Farben und Pinselstrich basierenden Malstil. Obwohl Delacroix kaum Schüler hatte, wurde sein Personalstil und seine Überlegungen zu Kunst zu den folgenreichsten des 19. Jahrhunderts. Generationen von Impressionisten (Manet, Fantin-Latour, Bazille, Renoir), Spätimpressionisten (Cézanne, Van Gogh), Symbolisten (Moreau, Redon, Gauguin) und Pointillisten (Seurat, Matisse, Metzinger) bezogen sich auf oft ungeahnte Weise auf ihren 1863 verstorbenen Wegbereiter.
10. Februar 2010
Paul Cézanne, Steingutkrug, 1893/94, Fondation Beyeler, Riehen/Basel © Foto: Peter Schibli, Basel.

Augenschmaus Vom Essen im Stillleben

Die allerorts zu beobachtende Popularität von Kochen und Essen in den Medien findet in Ausstellung und Katalogpublikation „Augenschmaus – vom Essen im Stillleben“ eine ergötzliche visuelle Entsprechung.