Oskar Kokoschka

Wer war Oskar Kokoschka?

Oskar Kokoschka (Pöchlarn 1.3.1886–22.2.1980 Montreux) war ein österreichischer Maler und Grafiker des Expressionismus. Vier Jahre älter als sein ebenso wichtiger Zeitgenosse Egon Schiele, hatte er seine Ausbildung an der Kunstwerbeschule in Wien erhalten. Früh fiel er als außergewöhnlich begabter aber wenig anpassungsfähiger Student auf, der ab 1908/9 die Wiener Moderne um verstörende Porträts, mit denen er sich vom Jugendstil abwandte. In Adolf Loos fand Kokoschka einen frühen Förderer wie in Herwarth Walden aus Berlin.

Oskar Kokoschka und Alma Mahler lernten einander 1912 kennen und führten bis 1915 eine genauso geheime wie von Eifersuchtsszenen geprägte Beziehung. Während seines Kriegseinsatzes wurde der Künstler zweifach schwer verwundet, seine Geliebte wandte sich von ihm ab. Das Angebot, eine Professur an der Kunstakademie in Dresden anzunehmen, kam nach dem Ersten Weltkrieg gerade recht. Gleichzeitig ermöglichte ein Vertrag mit dem Kunsthändler Paul Cassirer eine intensive Reisetätigkeit rund um das Mittelmeer. Mitte der 1920er Jahre kehrte Kokoschka wieder nach Wien zurück, verließ die Stadt an der Donau jedoch bald in Richtung Prag. Nach dem Anschluss floh Oskar Koksochka mit seiner zukünftigen Frau Oldiska Aloisie Palkovská nach London, wo das Paar die Kriegsjahre verbrachte. Der Pazifist engagierte sich früh für die leidende Bevölkerung in Österreich. In der Nachkriegszeit zählte Kokoschka, der sich in der Schweiz niederließ, zu den profiliertesten Porträtisten und Malern von Stadtansichten. Mit seiner farbintensiven, expressiven Malweise interpretierte Kokoschka auch Allegorien und monumentale Spätwerke.

Ausbildung

Oskar Kokoschka studierte ab 1904 an der k.k. Kunstgewerbeschule in Wien in der „Abteilung für Lehramtskandidaten für das Freihandzeichnen an Mittelschulen“ von Anton Ritter von Kenner (1871–1951). Eine frühe Fotografie zeigt fragmentierte Aktmodelle, die Studenten tragen Anzüge und darüber Malerkittel, sind ausgelassen oder studieren eifrig in ihren Büchern.

An der k. k. Kunstgewerbeschule (heute: Universität für angewandte Kunst) unterrichteten seit 1900 die Professoren Josef Hoffmann und Koloman Moser, Hauptvertreter des Jugendstils in Wien, wodurch die Wiener Moderne schon in der Phase ihrer Entstehung zum Unterrichtsgegenstand erhoben wurde. Das gattungsvereinende Gesamtkunstwerk wurde zur Maxime erhoben. Oskar Kokoschka bekam über die Fürsprache seines Zeichenlehrers ein Staatsstipendium für ein Lehramtsstudium am renommierten Institut. Im Jahr 1907 wechselte er in die Klasse von Carl Otto Czeschka, um freischaffender Künstler zu werden. Gleichzeitig verschaffte ihm sein Lehrer Aufträge bei der Wiener Werkstätte. Oskar Kokoschka entwarf in dieser Zeit 22 Postkarten und arbeitete am Gesamtkunstwerk des Cabaret Fledermaus mit.

Stilmerkmale wie die extreme Reduktion der Formen und der Farbtöne (in der Druckgrafik), Ornamentik, Flächigkeit, die Verbindung von Wortkunst und Bildmacht (in den Theaterstücken und Plakatkunst) spielten für das Frühwerk auch des Malers eminent wichtige Rollen. Der Student zeichnete anfangs realistisch-impressionistische Porträts seiner Cousine Anna Donner (1906) und schuf aufwühlende Aktzeichnungen (ab 1907). Georg Minnes „Kniender Jüngling“ (1898) steht zwischen den traditionellen Bildnissen und den eckig aufgefassten Formen der ausgemergelten Kindermodelle. Im Vergleich dazu ist Kokoschkas Entwurf für eine Postkarte der Wiener Werkstätte aus dem gleichen Jahr noch dem Jugendstil zuzuordnen. Das von Carl Otto Czeschka gestaltete „Programmheft des Kabarett Fledermaus“ zeigt drei Lithografien von Oskar Kokoschka, was die enge Verbundenheit der Professoren und ihrer Schüler:innen mit der Kooperative verdeutlicht.

Die träumenden Knaben

Die ersten Jahre fand Oskar Kokoschka nicht nur wohlwollende Aufnahme im Kreis rund um Gustav Klimt (1862–1918), Carl Moll (1861–1945) und stellte mit der Klimt-Gruppe 1908 und 1909 auf den beiden Kunstschauen aus, sondern auch Unterstützung durch Adolf Loos (1870–1933). Kokoschkas selbst geschriebenes und illustriertes „Märchenbuch“ „Die träumenden Knaben“ (1906–1908) sowie das Plakat für die ambitionierte Gruppenausstellung „Kunstschau“ markieren 1908 den Eintritt des jungen Künstlers in die Wiener Szene. Für die Wiener Werkstätte entwarf er im Sommer 1908 das Märchenbuch „Die träumenden Knaben“: Das Künstlerbuch besteht aus acht Bild-Text-Seiten, die zur Gänze von Oskar Kokoschka verfasst und illustriert wurden. In ihnen schildert er sein sexuelles Erwachen, das mit der Angst verbunden war, das kindliche Paradies verlassen zu müssen. Am Ende finden der Ich-Erzähler und das Mädchen Li nicht zueinander. Die ungelenken Bewegungen der Protagonisten hatte Kokoschka anhand von mageren Kindermodellen an der Kunstgewerbeschule studiert. Die existentielle Körperlichkeit traf dabei auf Vorstellungen von Verletzlichkeit aber auch den zeitgenössischen Diskurs um Sexualität und Körperpolitik.1 Eine Reihe von Aktzeichnungen aus den Jahren 1907 bis 1913 zeigt androgyne Körper, die Kokoschka in ihren Geschlechtern einander möglichst angeglichen hat. Carl Otto Czeschka hatte die Idee, Oskar Kokoschka mit Artisten und deren Kindern zusammenzubringen. Die klapprigen Körper hocken, stehen oder tanzen, vollführen absurde Bewegungen.

Mörder, Hoffnung der Frauen

Der „Oberwildling“, wie er von der Presse rasch tituliert wurde, brachte ein Jahr später sein Drama-Komödie-Stück „Mörder, Hoffnung der Frauen“ auf die Bretter der „Internationalen Kunstschau“ und publizierte den Text wie auch Szenenbilder 1910 in der Berliner Avantgarde-Zeitschrift „Der Sturm“ (→ Wien | Belvedere: Internationale Kunstschau Wien 1909). Der Architekt Adolf Loos hatte Kokoschka unter seine Fittiche genommen, ihn finanziell unterstützt, mit der Wiener Intelligenzija bekannt gemacht und ihn Herwarth Walden, DEM Berliner Verleger des Expressionismus, vorgestellt.

Das inzwischen ikonenhafte Plakat bewirbt die Aufführung mit einer Darstellung, welche eine Beweinung Christi zitiert: Eine bleiche Frau hält einen blutroten, scheinbar toten Mann in ihren Armen. Über den beiden schweben Sonne und Mond als Symbol für das männliche und weibliche Prinzip. Bei der Uraufführung am 4. Juli 1909 geriet das Publikum über die expressionistisch-schauspielerische Umsetzung des Geschlechterkampfes in Rage. Daraufhin rasierte sich der Künstler eine Glatze und inszenierte sich sowohl in einer Fotografie als auch einem Plakat für die Präsentation der Zeitschrift „Der Sturm“ als verkannter, von der Gesellschaft ausgestoßener Künstler. Er zeigt sich als weiße Figur vor rotem Grund, mit kahl geschorenem Haupt, wie Christus auf eine Seitenwunde zeigend. In seiner Autobiografie schrieb der Künstler über die zweite Version des Plakats, das er 1912 für einen Vortrag in Wien wiederverwendete: „Es war als ein Vorwurf an die Wiener gerichtet.“2

Adolf Loos & Herwarth Walden

Adolf Loos brachte Kokoschka mit Mäzenen der Wiener Gesellschaft zusammen und finanzierte dessen erste Reise in die Schweiz, wo sich Kokoschka erstmals mit der Landschaftsmalerei beschäftigte. Mitte Oktober 1909 malte Oskar Kokoschka schließlich das Porträt von Adolf Loos in dessen Wohnung hinter dem Wiener Musikverein. In der ersten Monografie über Kokoschka fühlte sich Paul Westheim 1918 überzeugend in den kreativen Prozess Kokoschkas ein:

„Das Eiserne, Schneidende dieses Typus zu individualisieren, muß ihn [Kokoschka] ungemein gereizt haben. Ist es nicht so, wenn man aus der Malfläche das Scharfkantige dieses Profils heraustreten sieht, dieses Kinn, diese Backen, die die gedrungene Kraft eines Maschinenteils in sich zu haben scheinen, als ob über Wogen plötzlich ein Schiffsbug sich aufreckte? Wie weiter die Hände ineinander verzahnt und verschraubt sind. Ein Räderwerk aus Fleisch und Knochen, an dem Glied in Glied greift. Eine eminente Charakteristik, die einen Menschen wie ein Monument vor die Augen stellt.“

Mit dieser Unterstützung konnte sich Oskar Kokoschka dem Porträt widmen, womit er ab 1909 zur Speerspitze der Avantgarde nicht nur in der Kaiserresidenz avancierte. In den Jahren 1909/10 brach Oskar Kokoschka mit den traditionellen aber auch modernen Vorstellungen des repräsentativen Porträts. Die Gefühlswelt des Malers, so scheint es, übertüncht die Wiedergabe des Gesehenen; die visionäre Schau der Porträtierten empfand Kokoschka als so wahrhaftig, dass er auch Hässlichkeit bis hin zu deformierten Körperpartien zuließ.

Nach ersten Porträts von Wiener Freunden wie dem Malerkollegen Felix Albrecht Harta und dessen „Vater Hirsch“, den Freund von Karl Kraus und kurz vor seiner geistigen Umnachtung stehenden Schriftsteller Ludwig Ritter von Janikowsky (alle 1909), dem Schauspieler Karl Etlinger (1911), bannte er Frau Karpeles (1911) und „Emil Löwenbach“ (1914) auf die Leinwand. Das „Porträt von Hermann Schwarzwald II“ ist 1916 das erste Bildnis nach Kokoschkas Kriegseinsatz.

Gleichzeitig wandte er sich dem religiösen Bild zu, das er mit kubistischer Formzertrümmerung (ohne die Möglichen des Analytischen Kubismus auszuschöpfen) und toniger Farbigkeit umsetzte. Das „Stillleben mit Hammel und Hyazinthe“ (1910, Belvedere) entstand anlässlich einer Ostereinladung bei Freunden. Das Opfertier und die geheimnisvoll weiß leuchtende Hyazinthe treffen auf einen Olm und eine weiße Maus, zufälliges Arrangement und Erlösermythos greifen in der Komposition ineinander.

Frühe Erfolge stellten sich, unterstützt vom Berliner Galeristen und Verleger Herwarth Walden (1879–1941)3 und Alma Mahler (1897–1964), vor allem in Deutschland ein, wohin der Künstler auch nach der Trennung von Mahler und den dramatischen Erlebnissen im Ersten Weltkrieg zog. Zuvorderst ist hier sein Plakat für den „Sturm“ aus dessen Gründungsjahr 1910 zu nennen: Oskar Kokoschka zeigt sich mit Glatze und Seitenwunde als Ausgestoßener und Verfolgter der Gesellschaft. Der Künstler als „Wahnsinniger“, wie seine Porträts in der Presse beschrieben wurden. Das Porträt von „Herwarth Walden“ hingegen ist als Bildnis eines Intellektuellen mit übermächtiger Stirn und feinnervig aufeinandergepressten Lippen gegeben. Förderer und Künstler – darunter Rudolf Blümner, William Wauer, Peter Baum (alle 1910) – zeugen von der Vernetzung des Wiener Künstlers in der Hauptstadt des deutschen Kaiserreichs.

Walden war nach Aussage Kokoschkas „eine Art von Mahdi, Prediger einer exaltierten Lehre als Weg zu einer höheren geistigen Existenz in einer besseren und neuen Welt. Ein Fanatiker des Expressionismus.“4 Er könnte Kokoschka mit dessen späteren Galeristen Paul Cassirer bekannt gemacht haben. Aufgrund Kokoschkas Aufenthalt in Berlin und dessen Mitarbeit in der Sturm-Redaktion ab Mai 1910 dürfte das der Ausstellung gezeigte „Bildnis Herwarth Waldens“ (Stuttgart) daher auf Juni 1910 zu datieren sein. Diese Erfolge in Deutschland ermunterten Kokoschka vielleicht den Großteil des Jahres 1910 in Berlin zu verbringen und die Gestaltung der Zeitschrift maßgeblich mitzuprägen.

Cassirer und Osthaus

Vom 21. Juni bis zum 11. Juli 1910 stellte die Berliner Galerie Paul Cassirer Oskar Kokoschka in einer Einzelausstellung vor. Der Sammler und Museumsgründer Karl Ernst Osthaus in Hagen, war so begeistert von der Berliner Schau, dass er sie kurzerhand in seinem Museum Folkwang übernahm (August 1910). Das war nicht nur Kokoschkas erste museale Ausstellung, sondern auch sein erster Ankauf durch ein Museum, erwarb Osthaus doch das in der Ausstellung präsentierten „Bildnis der Herzogin Victoria de Montesquiou-Fezensač“.5 Künstler und Sammler vereinbarten den Preis von 800 Mark, was Kokoschka als Verhandlungsgrundlage mit Cassirer heranzog. Der Sammler dachte sogar daran, ein Auftrageporträt bei Kokoschka zu bestellen:

„Bei nochmaliger Betrachtung Ihrer Bilder kam mir der Gedanke, dass van de Velde für Sie wahrscheinlich ein außerordentlich dankbares Subjekt sein würde. Sollten Sie Lust und Gelegenheit haben, ihn einmal aufs Korn zu nehmen, so würde ich unter Umständen gerne geneigt sein, das Bild zu denselben Bedingungen meiner Sammlung einzureihen wie das der ‚Herzogin‘. Haben Sie Lust auf diesen Gedanken einzugehen so bitte ich Sie, sich bei van de Velde auf mich zu beziehen.“6 (Karl Ernst Osthaus in einem Brief an Kokoschka, 17.9.1910)

Obwohl sich Osthaus im März 1914 das Gemälde „Die Windsbraut“ zur Ansicht nach Hagen schickten ließ, konnte er sich nicht zu einem Ankauf entscheiden.

Oskar Kokoschka und Alma Mahler

Alma Mahler lernte Oskar Kokoschka im April 1912 anlässlich eines Porträtauftrags in Wien kennen. Die „Salonlöwin“ hatte sich ihre finanzielle Unabhängigkeit gesichert und in ihrem Haus verkehrten Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst. Kokoschka verliebte sich Hals über Kopf in sein Modell – wobei ihn wohl mehr ein erträumtes Ideal als die wirkliche Person faszinierte. Aus Eifersucht, vielleicht auch aus der irrigen Annahme, die Gesellschaft stünde zwischen ihnen, wollte er Alma aus ihrer gewohnten Umgebung herausreißen. Als die Beziehung im Juni 1915 schlussendlich zerbrach, meldete sich Kokoschka freiwillig zum Kriegsdienst und wurde als Kavallerist zwei Mal nahezu tödlich verwundet.

Oskar Kokoschka verewigte seine Liebesgeschichte in drei Doppelporträts, gefolgt von der Landschaft Cima Tre Croci“ (1913, Leopold Museum) und „Fortuna“ (Leopold Privatsammlung). Die Fächer – allen voran aber das erst 1989 entdeckte und hier zum zweiten Mal ausgestellte Fresko aus der Mahler-Villa an der Rax – erzählen die Geschichte der Passion: Kokoschka und Alma Mahler mythisch überhöht. Dissonante Farbigkeit und aufgewühlte Pinselschrift kennzeichnen „Stillleben mit Putto und Kaninchen“ (1913/14, Kunsthaus Zürich), eine symbolisch aufgeladene Zusammenstellung von Tieren und einem Baby, das Alma Mahlers Abtreibung(en) thematisiert: Putto und Katze tragen die Gesichtszüge der werdenden Mutter. Das über dem Kamin gemalte Fresko zeigt den Künstler in den Flammen – einzig die engelsgleiche Alma wäre in der Lage, ihn aus dieser höllischen Qual zu befreien.

Alma-Puppe

Im Jahr 1918 ließ sich der Traumatisierte und „verstoßene Liebhaber“, wie sich Kokoschka selbst sah, einen Alma-Fetisch anfertigen. Die Münchener Malerin und Puppenmacherin Hermine Moos (1888–1928) sollte ihm einen Ersatz für die verlorene Geliebte anfertigen. Trotz intensiver Bemühungen der Puppenmacherin, die sich mit ihrem Geschöpf auch ablichten ließ (!), war dem Künstler der Puppenkörper jedoch zu wenig realistisch. Obwohl er die Puppe als ein missratenes Monstrum empfand, nutzte Kokoschka sie zwei Jahre lang als Modell. 1922 zerstörte er sie.

Bisher wurde die „Puppe“ als kompensatorischer Akt des Malers in Dresden interpretiert. Diese einseitige Deutung darf man vermutlich zurecht um ein dadaistisches Potenzial der Aktion erweitern. In Zusammenarbeit mit der Münchner Puppenmacherin Hermine Moos erschuf Kokoschka ein Alter Ego seiner Geliebten, eine künstliche Muse, eine willenlose Marionette, einen Fetisch aus weißem Eisbärfell. Trotz intensiver Bemühungen von Frau Moos war dem Künstler der Puppenkörper jedoch zu wenig realistisch. Die Rekonstruktion der „Puppe“ von Denis Savary sowie die erhaltenen Fotografien von Hermine Moos offenbaren den satirischen Gehalt der Aktion. Die „Puppe“ in die Semper Oper mitzunehmen, versprach Aufmerksamkeit – und hielt dem Akademieprofessor auch heiratswillige Damen vom Hals. Der „verstoßene Liebhaber“, wie sich Kokoschka selbst nannte, führte als Selbstinszenierer und Theaterautor die Regie.

Erster Weltkrieg

Die Muse aber auch die Angst vor dem Kriegseinsatz als Infanterist trieben den Maler 1915 in den Ersten Weltkrieg.  Diesen überlebte er schwer verwundet und traumatisiert.

Das malerische Werk von Oskar Kokoschka erfuhr während des Ersten Weltkriegs eine deutliche Veränderung – stilistisch wie auch thematisch. Aus gesundheitlichen Gründen hielt er sich in Dresden auf. Das Elbflorenz, mit seinen barocken Gebäuden, der berühmten Gemäldegalerie und den schon von Bernardo Bellotto (gen. Canaletto) gemalten Brücken, inspirierte Kokoschka vermehrt zu Landschaftsbildern. Vor Dresden widmete sich Kokoschka nur vereinzelt dem Naturbild, in Dresden wandelte er sich langsam zu einem Landschaftsmaler. Charakteristisch für die nun folgenden Gemälde sind der flüssige Pinselduktus und die leuchtenden, vitalen Farben aber auch der leicht gewölbte Bildraum, mit denen Kokoschka seinen subjektiven Blick auf Städte vermittelte.

Reisekünstler und Lehrer

In den Jahren 1919 bis 1923 hatte Oskar Kokoschka eine Professur an der renommierten Dresdner Kunstakademie inne. In diesen Jahren fand er zu reinen, leuchtenen Farben wie der Bildvergleich zwischen „Die Freunde“ (1917/18) und „Der Maler II (Maler und Modell II)“ (1923) offenkundig werden lässt. Nach Jahren der Rekonvaleszenz und der Enttäuschung über die Menschheit gelang es Oskar Kokoschka, neuen Halt zu finden. Dies zeigt sich deutlich in den Gemälden ab 1921, mit denen der nunmehr in Dresden lehrende Maler sich wohl auch mit den künstlerischen Äußerungen der Expressionisten auseinandersetzte. Zeitgenossen verglichen die Bilder mit jenen von Emil Nolde oder auch Ernst Ludwig Kirchner, angesichts der sprühenden Farben und der monumentalen Komposition.

Im Jahr 1925 schied Kokoschka freiwillig aus dem Kollegium in Dresden aus, denn er wollte frei sein und reisen - sein Nachfolger wurde Otto Dix. Finanziert wurden die Malexpeditionen rund um das Mittelmeer vom Berliner Galeristen Paul Cassirer, der die so entstandenen Bilder gleich erwarb. Wie sich Oskar Kokoschka im Schützengraben während des ersten Weltkriegs geschworen hatte, widmete er sich nun nur mehr der Schönheit der Welt.

Paris, London, Venedig gehörten zu den ersten Zielen in Europa, gefolgt von Nordafrika im Frühjahr 1928. Ein Angestellter der Galerie, Helmuth Lütjens, begleitete ihn und machte zahlreiche Fotografien, die Jahre später von Olda in ein Album geklebt wurden. Man sieht Kokoschka im Gespräch mit Beduinen, auf einem Esel reitend in der Wüste oder bei der Rast in einer Oase. Vom algerischen Biskra aus fuhr Kokoschka zwischen dem 22. und 29. Februar täglich in das nahe gelegene Col de Sfa. Von einer Anhöhe des Aurès-Gebirges hielt er im Bild „Exodus (Col de Sfa bei Biskra)“ die Wüste fest: tiefblau-violette Schatten treffen auf goldocker-orangefarbene Dünen in einer unendlichen Tiefe. In einem Brief  nach Hause schrieb der Maler:

„Ich sitze in der Wüste und male. Ich werde von einem Wagen hin und zurückgefahren mit meinem Zeug. Hie und da kommen Karawanen vorbei, die auf's Bild kommen sollen. Sie ziehen jetzt schon langsam mit ihren Tieren, Kamelen und Schafen ins Gebirge, weil es im Süden, wo die wirkliche Wüste ist, schon siedet.“7

Die Wochen zwischen seinen Reisen verbrachte Kokoschka ab 1925 wieder in Wien, denn er hatte seiner Familie im Sommer 1920 im Liebhartstal (16. Bezirk) ein Haus gekauft. Die Weltwirtschaftskrise traf den vielreisenden Kokoschka schwer. Zwar hatte er mit einer großen Ausstellung in der Kunsthalle Mannheim und in der Pariser Galerie von Georges Petit internationalen Erfolg, doch er verkaufte nichts. Kokoschka war 1931 wieder mittellos. Genau in dieser Situation machte ihm das Historische Museum der Stadt Wien ein unglaubliches Angebot: Für 12.000 Schilling, ein lukratives Honorar, wünschte sich die Direktion eine Wiener Ansicht. Kokoschka nannte es deshalb sein „Lebensrettungsbild“. Als Standort wählte er den Park von Schloss Wilhelminenberg unweit von seinem eigenen Haus im Liebhartstal. Das im 16. Wiener Gemeindebezirk gelegene Palais war um 1900 die Residenz von österreichischen Erzherzögen. 1926 erwarb die Stadt Wien das Anwesen samt Park und richtete ein städtisches Kinderheim ein. Ein für die Elite errichteter Palast wurde vom Roten Wien den Kindern der Armen gewidmet! Kokoschka richtete im Herbst 1931 seinen Blick auf die im Garten spielenden Kinder und beschrieb das Bild so:

„Im Vordergrund verschiedene Gruppen von Kindern, die die alten, bekannten Spiele spielen und neue, die man ihnen beigebracht hatte. […] Der Mittelgrund zeigt den Palast, in dem sie untergebracht waren. Im Hintergrund ein weiter Blick über Wien und das Donautal… Da der Vordergrund die anderen beiden an Ausdehnung übersteigt, erscheint das Bild voll von jubilierenden Kindern. Es war mein erstes Bild mit politischer Einstellung.“

Prag

Oskar Kokoschka war nach dem Tod seiner Mutter im Herbst 1934 nach Prag gekommen, um Wien zu entfliehen und seine Schwester zu sehen. Der Umzug nach Prag erfolgte aus wirtschaftlichen Gründen, denn er sollte den Staatsgründer und Präsidenten der Tschechoslowakischen Republik, den bereits hochbetagten Tomáš Garrigue Masaryk, porträtieren. Die Schönheit der Stadt spornte ihn zu 16 Städtebildern an (Herbst 1934–1938).

Die Prager Zeit muss für den knapp fünfzigjährigen Maler eine glückliche gewesen sein: Hier lernte er seine spätere Frau, die 19-jähri8ge Oldriska Aloisie Palkovská, genannt Olda, kennen und malte Bilder der Stadt. Kein anderer Aufenthaltsort Kokoschkas wurde davor so oft ins Bild gesetzt wie Prag. Gleichzeitig begann er politische Kunst in Form von lithographierten Plakaten zu machen, auf denen er etwa 1937 zur Unterstützung baskischer Kinder aufrief.

1934 reiste er nach Prag, um Tomáš Garrigue Masaryk zu porträtieren. Noch im selben Jahr lernte er den Prager Rechtsanwalt Dr. Palkowsky kennen. Dieser hatte selbst eine kleine Kunstsammlung und war mit Kokoschka über die Kunsthandlung Paul Cassirer bekannt geworden. Seine Tochter Olda hatte gerade ihr Studium der Rechtswissenschaften begonnen, das sie 1938 mit einer Dissertation abschloss. Die privaten Fotos des Paares Oskar und Olda dokumentieren den unbeschwerten, zwanglosen Umgang zwischen ihnen. Nichts deutet auf die immer schwierigeren Verhältnisse im Land hin. Nach Abschluss von Oldas Studium 1938 gelang ihnen gemeinsam die Flucht nach England, wobei die junge Juristin beide Flugtickets aus eigener Tasche bezahlte. 1941 heirateten Oskar Kokokschka und Olda. Zeit seines Lebens wird sie die umsichtige Organisatorin seiner Kunst, seiner Ausstellungen und seines Heims sein. Ihr ist es zu verdanken, dass die Universität für angewandte Kunst in Wien den privaten Fotoschatz der Kokoschkas erbte.

Exil in England

Nahezu mittellos kam das Paar in England an, und Oskar Kokoschka stürzte in eine tiefe Schaffenskrise. Erst ein kurzer Aufenthalt im südwestenglischen Fischerdorf Polperro inspirierte ihn zu neuen Arbeiten. Erstmals bediente er sich dabei wieder der Aquarelltechnik. Diese zwang Kokoschka zum schnellen Arbeiten und erlaubte keine Korrekturen, weshalb er knapp 14 Jahre später seine Studenten der „Schule des Sehens“, eine von ihm ins Leben gerufene Sommerakademie in Salzburg, anhalten wird, sich mit diesem Material zu schulen. Er selbst widmete sich ebenfalls höchst unspektakulärer Motive wie Stillleben und Landschaften. Im Wirrwarr der Zeit bilden diese Aquarelle einen Ruhepol. In den Landschaftsbildern – in Öl und Wasserfarbe – beginnen Licht und Farbe einander zu durchdringen. Das genaue Studium von Bildausschnitten zeigt immer wieder wie lasierende Partien und pastoses Material nebeneinander auf der Leinwand aufgetragen werden.

Doch der politische Mensch Kokoschka konnte nicht stillschweigend die folgenden Ereignisse hinnehmen. Vor allem die englische Appeasementpolitik, welche eine Beschwichtigungsstrategie gegenüber Hitler anstrebte, ließ Kokoschka Stellung beziehen: in geheimnisvollen Bildern wie dem „Roten Ei“ (1940/41) hält er mit seiner Meinung über die „Opferung“ der Tschechoslowakei an Hitler-Deutschland nicht hinter dem Berg. Das gemeinsame Essen der Achsenmächte Deutschland-Italien und Frankreich-England muss ausfallen, das rote Ei bleibt als ungelöstes Problem zurück und erinnert wohl nicht von ungefähr an eine Bombe.

„Entarteter Künstler“ & politisches Engagement

Für die Ausstellung der Galerie Wolfberg in Zürich schuf Kokoschka eines seiner schönsten Plakate: ein jugendliches Selbstbildnis, das seine Auseinandersetzung mit dem Kubismus verrät. Den Nationalsozialisten sollte es im Katalog der Ausstellung „Entartete Kunst“ 1937 als Beleg für Kokoschkas Unzurechnungsfähigkeit dienen. Die im Juli 1937 in München eröffnete NS-Hetzschau „Entartete Kunst“ präsentierte neun Gemälde von Oskar Kokoschka. Davor waren bereits 417 Werke aus Museen und öffentlichen Sammlungen entfernt und gewinnbringend – etwa in Auktionen in der Schweiz – verkauft worden. Kokoschkas Situation war prekär, als er 1938 Prag verließ, um nach London zu fliehen: Er war ein geächteter Maler, seine Kunstwerke aus den Museen entfernt und im Katalog zur Ausstellung „Entartete Kunst“ wurden zwei seiner Grafiken abgebildet. Die Beschriftung stellt die höhnische Frage:

„Welche von diesen drei Zeichnungen ist wohl von Insassen eines Irrenhauses? Staunen Sie: Die rechte obere! Die beiden anderen dagegen wurden einst als meisterliche Graphiken Kokoschkas bezeichnet.“8

Die Ausstellung tourte von München beginnend durch Deutschland und endete in Wien. Ironischerweise organisierte Carl Moll, bedeutender Kunst-Promotor, Landschaftsmaler und Stiefvater von Alma Mahler, noch im Jahr 1937 im MAK - Museum für angewandte Kunst die allererste Retrospektive Oskar Kokoschkas. Der 50-jährige Maler erlebte Entwürdigung in Hitler-Deutschland und Ehrung in seiner alten Heimat zur gleichen Zeit.

Kurz nachdem Oskar Kokoschka 1938  im englischen Exil angekommen war, begann er sich politisch zu engagieren: Zur sich verschlimmernden politischen Lage äußerte sich der Maler künstlerisch in Form von Allegorien (→ Oskar Kokoschka. Exil und Heimat (1934–1980)). Das sind höchst komplexe Bilder, in denen allgemeine Begriffe, Gedanken und Theorien mit Hilfe von Figuren ausgedrückt werden wie „Anschluss – Alice im Wunderland“ (1942). Darin kritisierte der Künstler die zögerliche Haltung der Alliierten gegenüber der aggressiven Kriegspolitik Hitlers. Einen entsprechenden Kommentar dazu liefert eine von Kokoschka selbst stammende Beschriftung auf einer Fotografie von diesem Gemälde:

„The „Anschluss“ 1939. Speak not evil, see not evil, hear not evil, this is how the three monkeys in the Buddhist legend are remembered. Die Wahrheit darf nicht genannt, gehört noch gesehen werden, obwohl sie ein Feigenblatt trägt, aber Wien kann ruhig abbrennen und die Kinder dort verhungern. Dies stört auch heute noch die Großmächte nicht, die ihre Generalpolitik ruhig weiterbetreiben. OK“9.

Alice ist das nackte Mädchen rechts, das Feigenblatt macht aus ihr auch eine Eva nach dem Sündenfall. Die drei Personen in der Mitte tragen englische, deutsche und französische Stahlhelme, ihre Kleidung verrät sie als Vertreter von Staat, Militär und Kirche. Den Engländer kann man durch den Schriftzug „Our times 1938“ als den britischen Premier Arthur Neville Chamberlain identifizieren. Er hatte nach dem Münchener Abkommen davon gesprochen, den „Frieden für unsere Zeit“ - „Peace for our times“ - gerettet zu haben. Der Deutsche neben ihm lässt jedoch gerade eine Granate fallen, der Madonnenstatue rechts außen sind bereits die Köpfe abgeschlagen, und im Hintergrund brennt schon Wien.

Wenn Kokoschka auch immer wieder betonte, dass er eigentlich kein politischer Mensch wäre, so zeugen seine Werke und auch sein Handeln in dieser schwierigen Zeit von Mut und einem menschenfreundlichen Charakter. Das Eintreten für die Unterdrückten und Schwachen der Gesellschaft, immer wieder Kinder, die er durch Hilfsaktionen und Spenden unterstützte, ließen ihn nach dem Kriegsende zur moralischen Instanz in Europa werden.

In den Karikaturen beklagt er die Zerstörung von Menschlichkeit, Kultur als Folge von Macht- und Profitgier von politischen Entscheidungsträgern. Mit der von ihm 1953 in Salzburg gegründeten Schule des Sehens wollte er sich direkt an junge Kunstschaffende wenden. Sie sollten das Sehen üben und dadurch ein Verständnis für die Welt und das eigene Tun entwickeln.

Schweizer Refugium

Nach dem Ende des Weltkrieges ließ sich Oskar Kokoschka nicht mehr in Österreich nieder. Es entstanden einige Bilder als Aufträge der öffentlichen Hand, wie eine Ansicht von Salzburg oder von der Neueröffnung der Wiener Staatsoper. In Villeneuve am schweizerischen Ufer des Genfer Sees bezogen Kokoschka und seine Frau 1953 ein Haus mit Seeblick. Der Garten wurde ihm zum Motiv, denn er fing die vergängliche Blütenpracht in leuchtenden Aquarellen ein. Bis ins Jahr 1970 reiste er auch viel und malte kontinuierlich Städtebilder. Auffallend ist an seinen spätesten Arbeiten, dass die Farbe immer transparenter und fleckiger aufgetragen wird. Das Pulsierende des städtischen Lebens aber auch die Un(be)greifbarkeit eines menschlichen Antlitzes finden darin glaubhafte Umsetzung in Malerei.

Prometheus-Triptychon: Hades und Persephone - Apokalypse - Prometheus-Sage

„Gestern habe ich den letzten Strich (Axthieb mochte ich fast sagen) an meinem Deckengemälde getan, und nun bin ich verzweifelt wie schon viele, viele Jahre nicht. Dass etwas fertig ist, woran man nicht die geringste Kleinigkeit andern kann, kommt einem so wie ein Überfall vor. […] Ein Trost bloß, dass auch ein Uccello, der die Perspektive für die Renaissancewelt erfunden hat aus einer geistigen Not heraus, ebenso wenig verstanden wurde. […] Dies ist vielleicht ein letztes großes Werk, vielleicht mein bestes, und Seilern weis nicht ganz, was er da besitzt.“10 (Oskar Kokoschka in einem Brief an Josef Paul Hodin)

„Europäer sein heißt immer wieder, den Barbaren in sich selber bekämpfen, „man ist nicht Mensch, weil man zur Welt kam, Mensch muss man immer wieder erst werden“, so sagte ein griechischer Philosoph. Dies ist der Inhalt meines Bildes. Die Figur der Freiheit wendet sich jedem Beschauer zu, der an dem Bild entlang geht, sie streckt ihm ihre Hand entgegen. […] meine beste Arbeit.“11

Jerusalemer Gesichter

Zwischen dem 15. und 22. März 1973 hielt sich der 87-jährige Kokoschka in Jerusalem auf, um Porträts von führenden Persönlichkeiten der Stadt für die „Jerusalem Foundation“ zu zeichnen: Golda Meir, der 96. Griechisch-Orthodoxen Patriarch von Jerusalem, Benedictos I., der Vorstand der Omar-Moschee, Scheich Mustafa Khalil el-Ansari, der Bürgermeister von Jerusalem, Teddy Kolleck aber auch den israelischen Verteidigungsminister Moshe Dayan. Diese Porträtsitzungen mündeten 1975 in einer Lithografie-Folge, die unter dem Titel „Jerusalem Faces“ in London herausgegeben wurde. Die Verleger stifteten der „Jerusalem Foundation“ die Herstellungskosten und den Verkaufsgewinn. Friedlich sind die politischen und geistlichen Führer in der Lithographiefolge vereint. Nichts deutet auf den knapp ein halbes Jahr später aufflammenden kriegerischen Konflikt hin, der als der Jom-Kippur-Krieg in die Geschichte eingehen und in Europa die Ölkrise auslösen sollte.

Time, Gentlemen please!

Schnell mit Farbstiften hingeworfene Skizzen für Theaterprojekte aber auch Studienblätter von Musikern und kunsthistorisch bedeutenden Werken (wie der „Erwachende Sklave“ von Michelangelo Buonarroti, 1954) geben beredt Ausdruck von der handwerklichen Perfektion, dem nicht mehr Nachdenken müssen, und vermitteln das Potenzial seines Einfühlungsvermögens. Nicht umsonst hatte sich Kokoschka in seiner Frühzeit als „Seelenaufschlitzer“ einen Namen als Portraitist gemacht.
Um 1970 entstanden die letzten großformatigen Ölgemälde. „Time, Gentlemen please“ (1970), die Aufforderung englischer Pub-Besitzer, das Lokal zu verlassen, liest sich wie ein Vermächtnis des Künstlers: ein sicherer, lockerer Strich, sich auflösende Formen und das Selbstbildnis in der Tür. Für ihn schien es nun Zeit, ins Dunkle zu gehen.

Literatur zu Oskar Kokoschka

  • Tobias Burg, Oskar Kokoschka und Egon Schiele im 'besten modernen Museum Folkwang', in: Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert, hg. v. Museum Folkwang (Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen, 20.8.2022–8.1.2023), Göttingen 2022, S. 98–111.
  • Oskar Kokoschka – Expressionist, Migrant, Europaer. Eine Retrospektive (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 14.12.2018–10.3.2019; Leopold Museum, Wien, 6.4.–8.7.2019), Heidelberg 2018.
  • Tobias G. Natter, Franz Smola (Hg.), Kokoschka – Das Ich im Brennpunkt. Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Oskar Kokoschka-Zentrum der Universität für angewandte Kunst Wien, (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 4.10.2013–27.1.2014), Wien 2013.
  • Oskar Kokoschka, Mein Leben, Wien 2008.
  • Heinz Spielmann, Oskar Kokoschka. Leben und Werk, Köln 2003.
  • Tobias G. Natter, Kokoschka und Wien (Begleitband zum Ausst.-Kat. Kokoschka und Dresden 18.12.1996–2.3.1997), Wien 1996
  • Ludwig Hevesi, Altkunst – Neukunst. Wien 1894-1908, Wien 1909, hg. von Otto Breicha, Wien 1986.
  • Werner J. Schweiger, Der junge Kokoschka. Leben und Werk 1904–1914, Wien 1983.

Beiträge zu Oskar Kokoschka

20. August 2022
Franz Marc, Liegender Stier, Detail, 1913, Tempera auf Papier, 40 x 46 cm (Museum Folkwang, Essen, Foto: Jens Nober)

Essen | Museum Folkwang: Expressionismus am Folkwang Entdeckt – Verfemt – Gefeiert | 2022

Im Herbst 2022 zeichnet diese Ausstellung erstmals das besondere Verhältnis zwischen dem Museum Folkwang und den Künstler*innen des Expressionismus nach.
5. Juli 2022
Oskar Kokoschka, Selbstporträt, Detail, 1917, 79 x 63 cm (Von der Heydt-Museum Wuppertal)

Paris | MAM: Oskar Kokoschka Ein Wilder in Wien | 2022/23

Die erste Retrospektive des österreichischen Künstlers Oskar Kokoschka (1886-1980) in Paris zeigt den Expressionisten als "Fauve", als "Wilden" von Wien.
5. März 2022
Franz Marc, Die Blauen Fohlen, Detail, 1913 (Kunsthalle Emden)

Tübingen | Kunsthalle: Herzstücke. Sammlung Kunsthalle Emden Expressiv-figurative Kunst zu Gast

Expressiv-figurative Kunst des 20. Jahrhunderts: Von bekannten Meisterwerken des deutschen Expressionismus mit Künstlern der Künstlergruppen „Die Brücke“ und „Der Blauer Reiter“ über die expressiven Tendenzen der Nachkriegszeit bis in die 1990er Jahre.
10. Dezember 2021
Franz von Stuck, Tilla Durieux als Circe in dem gleichnamigen Stück von Pedro Calderón de la Barca, 1912 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie/ Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland, Foto: bpk/Nationalgalerie, SMB, Leihgabe der Bundesrepublik Deutschland/Jörg P. Anders)

Wien | Leopold Museum: Tilla Durieux Eine Jahrhundertzeugin und ihre Rollen | 2022/23

In einer umfassend angelegten Schau geht das Leopold Museum erstmals der Faszination, die Tilla Durieux bereits bei ihren Zeitgenoss:innen auslöste, auf den Grund. Anhand von Bildnissen quer durch alle Medien folgt sie den Spuren dieser schillernden Persönlichkeit.
22. Dezember 2020
Gerhard Richter, Mozart, 1981, Öl/Lw, 50 cm x 70 cm (© Gerhard Richter 2020 (01852020), WVZ-Nr. 472-1)

Würzburg | Museum Kulturspeicher: MOZART IMAGINE MOZART | MOZART BILDER anlässlich 100 Jahre Mozartfest

IMAGINE MOZART | MOZART BILDER zeigt anhand von Bildern, Briefen und Noten den Wandel des Mozartbildes seit 1790. Die Mozart-Ausstellung anlässlich 100 Jahre Mozartfest in Würzburg.
5. April 2019
Oskar Kokoschka, Das rote Ei, Detail, 1940–1941, Öl/Lw, 61 x 76 cm (National Gallery in Prague, © Fondation Oskar Kokoschka, Vevey / 2017 ProLitteris, Zürich)

Oskar Kokoschka: Eine Retrospektive Österreichischer „Expressionist. Migrant. Europäer“ auf dem Prüfstand

Oskar Kokoschka (1886–1980) zählt zu den wichtigsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Sein nachhaltiges Erbe für die Kunstproduktion der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart ist unbestritten und dennoch rätselhaft.
11. November 2017
Erich Heckel, Szene am Meer, 1912, Öl auf Leinwand, 96 x 121 cm (Von der Heydt-Museum Wuppertal, © Nachlass Otto Gleichmann, Foto: © Von der Heydt-Museum Wuppertal / Foto: Antje Zeis-Loi, Medienzentrum Wuppertal)

Bielefeld | Kunsthalle Bielefeld: Der böse Expressionismus

Die Brisanz des Expressionismus droht im Wohlgefallen zu verschwinden, weshalb die Kunsthalle Bielefeld mit „Der böse Expressionismus. Trauma und Tabu“ die wilden, antibürgerlichen Seiten der Kunstform aufdeckt.
30. April 2014
Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell, Cover des Ausstellungskatalogs Wolfsburg 2014, HIRMER.

Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell Porträts von Mensch und Tier

Noch unter der Herausgeberschaft des jüngst verstorbenen Markus Brüderlin (1958-2014) legt das Kunstmuseum Wolfsburg einen Ausstellungskatalog zu „Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell“ vor. Das Haus feiert mit dieser Schau sein 20jähriges Bestehen und beleuchtet in elf Kapiteln Leben und Werk des international gefeierten Expressionisten. Als Rebell der Vorkriegszeit etablierte sich Oskar Kokoschka in Österreich und Deutschland innerhalb der Avantgarde, um nach schwerer Verwundung im Ersten Weltkrieg eine Professur in Dresden anzutreten. Während der Mensch schon immer im Zentrum von Kokoschkas Werk stand, wurden die Kriegserlebnisse zum Auslöser einer besonders offensichtlichen, humanistischen Haltung in den folgenden Jahrzehnten. Kokoschkas Porträts von Mensch und Tier ist diese Schau gewidmet.
4. Oktober 2013
Trude Fleischmann, Oskar Kokoschka und Olda Palkovska, London 1939 © Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum

Oskar Kokoschka. Werke und Fotografien Ausstellung "Das Ich im Brennpunkt"

Zirka 230 Fotografien, 30 Gemälde und 50 Arbeiten auf Papier von und mit Oskar Kokoschka (1886–1980), so die Bilanz der Herbstausstellung des Leopold Museums, Wien. Das Kuratorenteam Tobias G. Natter, Franz Smola, Patrick Werkner und Bernadette Reinhold wählten aus den ca. 5.000 erhaltenen Aufnahmen, die Dr. Olda Kokoschka (1915–2004) der Universität für angewandte Kunst in Wien hinterlassen hat, knapp 230 zum Werdegang und zur medialen Wirkung des berühmten Künstlers aus und ergänzten sie durch wichtige Leihgaben aus aller Welt. Der Titel „Kokoschka – Das Ich im Brennpunkt“ fokussiert auf die repräsentative Funktion der Medien: Im Zentrum steht Kokoschka, Fotografien und Kunst gewähren einen Einblick in dessen Leben von seinen Postkartenentwürfen für die Wiener Werkstätte über die berühmten Städteansichten bis zum späten Gemälde „Amor und Psyche“ und der Lithografiefolge „Jerusalem Faces“ (1973).
12. April 2008
Oskar Kokoschka, Das rote Ei, 1940/1941, Öl auf Leinwand © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008 (Národní Galerie, Prag)

Oskar Kokoschka. Exil und neue Heimat (1934–1980) Flucht und politische Bilder

Dem „enfant terrible“, dem „Oberwildling“ der Wiener Kunstszene kurz nach 1900 widmet die Albertina eine umfassende Schau, die nicht die epochalen Neuerungen am Beginn seiner Karriere in den Mittelpunkt stellt, sondern das Werk seiner zweiten Lebenshälfte thematisiert. Unter dem Titel „Exil und neue Heimat“ wurden 167 Arbeiten, davon 90 Grafiken aus dem Bestand der Albertina, zusammengetragen, um die künstlerische Position eines der ganz Großen der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts neu zu bewerten. Fernab der zeitgleichen Auseinandersetzung der internationalen Nachkriegsavantgarde mit den Möglichkeiten der Abstraktion, widmete sich Kokoschka Zeit seines Lebens der figurativen Malerei, dem Malen und Komponieren mit und von Licht per se.
  1. Heike Eipeldauer.
  2. Oskar Kokoschka, Mein Leben, Wien 2008, S. 109.
  3. Herwarth Walden hieß eigentlich Georg Lewin und war einer der wichtigsten Unterstützer der Avantgarde der 1910er und 1920er Jahre. Die von ihm mit Unterstützung von Karl Kraus gegründete Zeitschrift „Der Sturm“ erschien von März 1910 bis 1932. Ab 1912 betrieb er auch die Sturm-Galerie, in der Oskar Kokoschka erste Kontakte zu wichtigen Berliner Sammlern und dem Galeristen Paul Cassirer knüpfen konnte. 1932 emigrierte Herwarth Walden gemeinsam mit seiner dritten Ehefrau nach Moskau, um als KPD Mitglied dem NS-Terror zu entgehen. Die stalinistische Sowjetregierung misstraute jedoch dem Lehrer Walden, da er sich öffentlich zur Avantgarde-Kunst bekannte. Am 31. Oktober 1941 starb Walden in einem Gefängnis bei Saratow, in das er aufgrund seiner deutsch-jüdischen Wurzeln „als Staatsfeind“ eingeliefert worden war. Seine Frau und seine 1933 geborene Tochter Sina konnten sich in die deutsche Botschaft retten und fliehen. Siehe: Tobias G. Natter, Kokoschka und Wien (Begleitband zum Ausst.-Kat. Kokoschka und Dresden 18.12.1996–2.3.1997), Wien 1996, S. 40.
  4. Oskar Kokoschka, Mein Leben, Wien 2008, S. 113.
  5. Tobias Burg, Oskar Kokoschka und Egon Schiele im 'besten modernen Museum Folkwang', in: Expressionisten am Folkwang. Entdeckt – Verfemt – Gefeiert, hg. v. Museum Folkwang (Ausst.-Kat. Museum Folkwang, Essen, 20.8.2022–8.1.2023), Göttingen 2022, S. 98–111, hier S. 99.
  6. Zitiert nach: Werner J. Schweiger, Der junge Kokoschka. Leben und Werk 1904–1914, Wien 1983, S. 162.
  7. Zit. nach Heinz Spielmann, Oskar Kokoschka. Leben und Werk, Köln 2003, S. 261.
  8. Zit. nach einer Abbildung der Katalogseite im Katalog: Kokoschka – Das Ich im Brennpunkt. Eine Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Oskar Kokoschka-Zentrum der Universität für angewandte Kunst Wien, hg. v. Tobias G. Natter und Franz Smola (Ausst.-Kat. Leopold Museum, Wien, 4.10.2013–27.1.2014), Wien 2013, S. 173.
  9. Zit. nach ebenda, S. 186.
  10. Zit. nach: Oskar Kokoschka, Briefe III. 1934–953, hg. von Olda Kokoschka / Heinz Spielmann, Düsseldorf 1986, S. 241.
  11. zit. n. Cathérine Hug, Kokoschka revisited, in: Oskar Kokoschka – Expressionist, Migrant, Europaer. Eine Retrospektive (Ausst.-Kat. Kunsthaus Zürich, 14.12.2018–10.3.2019; Leopold Museum, Wien, 6.4.–8.7.2019), Heidelberg 2018.