Was ist der Expressionismus?

Der Expressionismus (franz., engl. expression „Ausdruck“) war die erste Kunstströmung der Klassischen Moderne, die zu Beginn des 20. Jh. in Anlehnung an die Errungenschaften des Post-Impressionismus radikal mit tradierten Werten und Auffassungen brach und der Kunst neue Inhalte und Intentionen eröffnete. Bis heute zählt der Expressionismus neben Kubismus und Futurismus zu den wichtigsten Errungenschaften der europäischen Kunst vor dem Ersten Weltkrieg. Der Ausbruch des Kriegs 1914 setzte dem Kunstexperiment vorläufig ein Ende. Während des Kriegs fanden viele Maler und Bildhauer jene Anerkennung, um die sie die Jahre vor dem Ersten Weltkrieg so heftig kämpfen mussten.

In Auseinandersetzung an die Errungenschaften des Impressionismus und des Jugendstils brachen Künstler wie Henri Matisse, Ernst Ludwig Kirchner, Wassily Kandinsky, Paul Klee, Franz Marc, Gabriele Münter oder Egon Schiele radikal mit der etablierten Ästhetik der Akademie, der noch diskutierten Auffassung der Spätimpressionisten und dem herrschenden Naturalismus (→ Naturalismus 1875-1918). Wirklichkeitswiedergabe und Weltinterpretation, die im Impressionismus vordergründig auf der Wiedergabe des Gesehenen lag, sollten unter anderem durch „mystische Weltentrücktheit“ (Max Picard, 1916) oder Formzertrümmerung abgelöst werden. Das neue Lebensgefühl und Menschenbild, beide durch Technologie und Wissenschaften radikal verändert, sollten in dieser Bewegung versinnbildlicht werden. Dem Sehen mit dem Auge wurde das innere Sehen, das Sehen des Geistes entgegengestellt. Expressionistische Künstlerinnen und Künstler benutzten häufig das Wort „Vision“ oder „Gesichte“ (Oskar Kokoschka), um ihre inneren Bilder zu beschreiben. Diese „Visionen“ würden naturfremde Bilder liefern, weshalb (notgedrungen) die darauf aufbauende Kunst höchst subjektive Farben und Formen aufweist. Der Expressionismus wird daher von führenden Forscherinnen und Forschern wie Magdalena M. Moeller „mehr als eine Bewegung [gesehen] und weniger als eine stilistischer Äußerung“.1

 

„Der Neo-Impressionismus, oder vielmehr der Teil davon, den man Divisionismus nannte, war der erste Versuch, die Ausdrucksmittel des Impressionismus zu ordnen; es war eine rein physikalische Ordnung, oft wurden mechanische Mittelverwendet, die nur eine physische Erregung hervorrufen. – Der Fauvismus erschüttert die Tyrannei des Divisionismus. Es lässt sich in einem allzu ordentlichen Haushalt, einem Haushalt von Tanten aus der Provinz, nicht leben. Also bricht man in die Wildnis auf, um sich einfachere Mittel zu schaffen, die den Geist nicht ersticken. Dann stößt man auch auf Gauguin und van Gogh. Hier sind ursprüngliche Ideen: Aufbau und Farbflächen. Aufsuchen der stärksten Farbwirkung – der Stoff ist gleichgültig.“ (Henri Matisse)

 

Die Kunstproduktion des Expressionismus beruht auf der Beobachtung der eigenen Befindlichkeit, dem Hören auf Gefühle und dem Instinkt. Damit positionierten sich die Expressionisten im Widerspruch zu den Impressionisten, für die sinnliche Beobachtung der Umwelt Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Schöpfungen war (zumindest der Landschaftsmaler wie Claude Monet). Die Expressionisten wollten sich ihren Motiven unvoreingenommen nähern und so ein Bild der Wirklichkeit entstehen lassen, das Wahrhaftigkeit, also ein subjektives „Für-Wahr-Halten“, ausstrahlt. Ziel des Expressionismus in der Kunst war demnach, die Kunst aus ihrer Abhängigkeit von äußeren Erscheinungsformen zu befreien und ihr neue (geistige) Bereiche zu erschließen – auch in den Bereich der pantheistischen und metaphysischen Weltsicht hinein.

Diese subjektive Weltsicht der Expressionisten war eine Reaktion auf die spätbürgerlichen kapitalistischen Verhältnisse und die verlorengegangene Einheit von Mensch und Natur – eine Folge der rasanten industriellen Entwicklung, Beschleunigung, der technologischen und wissenschaftlichen Revolutionen sowie zunehmenden Verstädterung. Die ungelösten sozialen und politischen Konflikte, die schließlich in den Ersten Weltkrieg mündeten, veranlassten Künstler und Künstlerinnen zu einer oppositionellen Haltung, die der Krisenhaftigkeit der Situation durch Hinwendung zu absoluten Wesens- und Erlebniswerten, zu einer unverbrauchten Ursprünglichkeit und Reinheit jenseits zivilisatorischer Zwänge zu begegnen suchte. Daraus resultierte ihre Beschäftigung mit außereuropäischen, sogenannten „primitiven“ Kulturen in Afrika südlich der Sahara und Ozeanien, mittelalterlicher Kunst und Volkskunst, nicht zu vergessen die als ursprünglich empfundene Kunst von Kindern.

Das Sichtbarmachen des Wesentlichen, für das Auge Unsichtbare, das nicht durch Wiedergabe des äußeren Eindrucks erreicht werden konnte, sondern nur durch die Konzentration auf den inneren Ausdruck, das persönliche Empfinden und Erleben, führte zur Entwicklung einer den Naturalismus als unzureichendes Ausdrucksmittel ablehnenden, von einfachen, ausdrucksstarken Formen und intensiver Farbigkeit geprägten Darstellungsweise. Durch Konfrontation mit Ungewohntem, jeglicher künstlerischer Konvention Widerstrebendem oder Schockierendem sollte der Betrachter aus der allgemeinen menschlichen Entfremdung und Gleichgültigkeit gerissen und unmittelbar berührt werden. Intuition anstatt Komposition, Subjektivität anstatt Regelhaftigkeit ist einigen Künstlern wie beispielsweise Emil Nolde höchstes Gut.

 

„Ich will so gern, dass mein Werk aus dem Material hervorwache. Feste ästhetische Regeln gibt es nicht. Der Künstler schafft, seinem Instinkt folgend, das Werk. Er selbst steht überrascht davor, andere mit ihm.“ (Emil Nolde)

 

Innerhalb des Expressionismus wurden unterschiedliche inhaltliche und formale Auffassungen formuliert und von diversen Künstlervereinigungen vertreten, wobei sich Paris (Frankreich), München, Dresden, Berlin (Deutschland) und Wien (Österreich-Ungarn) als bedeutendste Zentren und Impulsgeber etablierten. In Frankreich gruppierten sich Maler um Henri Matisse, die ab 1905 „Fauves“, die „Wilden“, genannt wurden und bis 1907 gemeinsam ausstellten. Gleichzeitig gründeten Architekturstudenten in Dresden die Künstlergruppe Die Brücke (1905–1913) und luden den Einzelgänger Emil Nolde ein, sich ihnen anzuschließen. In München brachten die Russen Wassily Kandinsky und Alexej von Jawlensky neue Aspekte wie Liebe zur Musik und die Wertschätzung der bayerischen wie russischen Volkskunst ein. Kandinsky schuf als ausgebildeter Jurist und geborener Synästhet ein theoretisches Werk, in dem er seinen Schritt in die Abstraktion auch intellektuell begründete. Der Almanach „Der Blaue Reiter“ wurde titelgebend für die Avantgarde in Bayern.

 

Namensgebung des Expressionismus

Der Begriff Expressionismus wurde im April 1911 im Katalog der Frühjahrsausstellung der Berliner Secession eingeführt. Die Zeitgenossen betonten mit dem Begriff die gegensätzliche Haltung der neuesten Avantgarde zum Impressionismus und fassten so unterschiedliche Künstler der Schau wie Kees van Dongen, Othon Friesz, Henri Manguin und Pablo Picasso zusammen.

 

„Ferner haben wir noch eine Anzahl Werke jüngerer französischer Maler, der Expressionisten, untergebracht, die wir glauben, nicht dem Publikum vorenthalten zu dürfen, da die Secession es von jeher für ihre Pflicht hielt, zu zeigen, was außerhalb Deutschlands Interessantes geschaffen wird.“ (Lovis Corinth anlässlich der XXII. Secessions-Ausstellung, 1911)

 

Der Erfolg des Begriffs lag zum einen in dem angedeuteten Gegensatz zum Impressionismus und seiner Verwendung durch junge Künstler, die sich damit von der sich etablierenden Kunst der Vorgängergeneration absetzten wollte. 1912 war der Expressionismus bereits in aller Munde: 1914 erschien mit Paul Fechters Buch „Der Expressionismus“ die erste Publikation zur expressionistischen Kunst.

 

„Die […] Ausstellung […] will einen Überblick über den Stand der jüngsten Bewegung in der Malerei geben, die nach dem atmosphärischen Naturalismus und dem Impressionismus der Bewegung aufgetreten ist und nach einer Vereinfachung und Steigerung der Ausdrucksform, einer neuen Rhythmik und Farbigkeit, nach einer dekorativen oder monumentalen Gestaltung strebt, die man als Expressionismus bezeichnet hat.“ (Richard Reiche, Vorwort zum Katalog zur „Internationalen Kunstausstellung des Sonderbunds Westdeutscher Kunstfreunde und Künstler“, Köln 1912)

 

Der Expressionismus erfasste sämtliche Bereiche der Kunstproduktion, bildende Kunst ebenso wie Literatur, Musik, Theater, Film und Architektur. In der expressionistischen Dichtung ist von Rausch, Traum, Wahnsinn und Ekstase zu lesen. Bis zum Ersten Weltkrieg bestanden „Impressionismus und Expressionismus nebeneinander, als moderner und modernster Stil“2.

 

Stilmerkmale des Expressionismus

Da der Begriff Expressionismus eher eine Haltung als eine Methode beschreibt, werden höchst unterschiedliche Kunstwerke dieser Bewegung zugerechnet. Wenn sich auch Künstler und Künstlerinnen des Expressionismus individuell ausdrückten, so lassen sich doch einige stilistische Gemeinsamkeiten beschreiben.

Pinselstrich

Zu den auffallendsten Stilmerkmalen vieler expressionistischer Werke zählt die wild-undeutliche, rohe Malweise – vor allem im Vergleich zu Bildern des Naturalismus und des Symbolismus. Hinter dieser gewollten Skizzenhaftigkeit stand der Wunsch, Unmittelbarkeit im Ausdruck zu vermitteln. Ähnliche Argumente wurden auch mit dem Pinselduktus verbunden. Der Pinselstich war im Impressionismus befreit und im Pointillismus bzw. Divisionismus wieder gebändigt und reglementiert worden (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus). Subjektivität und Individualität ließen sich durch die Technik des Farbauftrags, sprich Strichführung, ausdrücken.

Expressionistische Farbe

Aus dem Impressionismus übernahmen die Expressionisten die Hochschätzung der Freilichtmalerei. Diese half ihnen, unmittelbare Farb- und Lichterlebnisse umzusetzen. Hierfür stand vor allem das Spätwerk von Vincent van Gogh Pate, das ab 1903 im deutschsprachigen Raum zunehmende Resonanz erfuhr. Ab 1905 waren die Briefe Van Goghs an seinen Bruder in Übersetzung zugänglich.

Dennoch sollte nicht vergessen werden, dass die Konzentration auf das Sichtbare und die konkrete Lebensumwelt vor allem in den Werken von Wassily Kandinsky und Franz Marc durch einen mystischen Aspekt gesteigert zur Erfindung der Abstraktion führte. Indem die Künstler der Farbe einen Eigenwert, eine psychologisch wirksame Kraft zusprachen, begannen sie die Mimesis (beschreibende, abbildende Qualität) abzulehnen. Hierbei spielte die Rezeption von Kubismus und Orphismus eine genauso große Rolle wie die Hinwendung zu russischen Ikonen und bayrischen Glasfenstern.

Um zu neuen Möglichkeiten der Farbverwendung zu gelangen, studierten die Expressionisten die aktuellsten Farbtheorien. Sie lehnten akademische Traditionen und Sehgewohnheiten deutlich ab, was vor allem durch den kontastreichen Einsatz der Farben, die in „schreienden“ unvermischten Farbflächen eingesetzt werden, zum Ausdruck kommt. An Modulation mit Licht und Farben hatten die Expressionisten genauso wenig Interesse wie an Details, was die Tendenz zur Abstraktion stärkte.

Die Farbverwendung der Expressionistinnen und Expressionisten beruht demnach auf ihren subjektiven Gefühlen, ihrer Spontaneität – auf Basis der Farbzerlegung und Farbverschiebung. Letztere geht einher mit der Formzertrümmerung.

Formzertrümmerung

Das vereinfachte, verknappte Formenvokabular des Expressionismus lässt sich in den 1910er Jahren bis zur Formzertrümmerung steigern.

„Unfassbare Ideen äußern sich in fassbaren Formen. Fassbar durch unsere Sinne als Stern, Donner, Blume, als Form.
Die Form ist unser Geheimnis, weil sie der Ausdruck von geheimnisvollen Kräften ist. Nur durch sie ahnen wir die geheimen Kräfte, den „unsichtbaren Gott“.
Die Sinne sind untere Brücke vom Unfassbaren zum Fassbaren.
Schauen der Pflanzen und Tiere ist: ihr Geheimnis fühlen.
Hören des Donners ist: sein Geheimnis fühlen. Die Sprache der Formen verstehen heißt: dem Geheimnis näher sein, leben.
Schaffen von Formen heißt: leben. Sind nicht Kinder Schaffende, die direkt aus dem Geheimnis ihrer Empfindungen schöpfen, mehr als der Nachahmer griechischer Form? Sind nicht die Wilden Künstler, die ihre eigene Form haben, stark wie die Form des Donners? Der Donner äußert sich, die Blume, jede Kraft äußert sich als Form. Auch der Mensch. Ein Etwas treibt auch ihn, Worte zu finden für Begriffe, Klares aus Unklarem, Bewusstes aus Unbewusstem. Das ist sein Leben, sein Schaffen.
Wie der Mensch, so wandeln sich auch seine Formen.“ (August Macke, 1912)

Holzschnitt

In der Druckgrafik des Expressionismus ist zu beobachten, dass vor allem die Künstler der Brücke die hohe Bewertung des Holzschnitts aus dem Jugendstil übernahmen. Mit Feuereifer gingen sie daran, Holzplatten zu schneiden und die Motive direkt aus dem Material herauszuschälen. Das Motto der Künstlergruppe – „Jeder gehört zu uns, der unmittelbar und unverfälscht das wiedergibt, was ihn zum Schaffen drängt.“ – wurde als Handabzug eines Holzschnitts vervielfältigt. Kantige Formen und keine Modellierung, letzteres charakteristisch für den Holzschnitt, prägten den Stil der expressionistischen Druckgrafik über weite Strecken.

Bald begannen die Expressionisten in Dresden ohne Vorzeichnung direkt in die Platten zu arbeiten (→ Karl Schmidt-Rottluff Holzstöcke). Diese Beschäftigung mit dem Material ermöglichte beispielsweise Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff wenige Jahre später mit Hammer und Meißel Holzskulpturen zu schaffen, in denen sie sich mit der Ausdrucksweise der „Wilden“, d. h. der „Naturvölker“ Afrikas und Ozeaniens, auseinanderzusetzen.

„Primitivismus“

Zu den wichtigsten neuen Inspirationsquellen der Maler des Expressionismus gehörte die Kunst aus Subsahara-Afrika und Ozeanien. Anfangs kopierten die Künstler, vor allem die Künstler der „Brücke“, die exotischen Werke. Danach übertrugen sie deren Stilmerkmale in die eigene Kunst. Die Auffassung, dass man sich durch Aufstellung afrikanischer und ozeanischer Objekte der eigenen Wohnungen und Ateliers in europäische „Wilde“ verwandeln könnte, verbannte Ludwig Meidner in das Reich der Legendenbildung, wenn er 1913 über das Malen in der Großstadt schrieb:

„Gestehen wir uns ein, dass wir keine Neger oder Christen des frühen Mittelalters sind! Dass wir Bewohner von Berlin sind, anno 1913, in Caféhäusern sitzen und diskutieren, viel lesen, sehr viel vom Verlauf der Kunstgeschichte wissen und: dass wir alle vom Impressionismus herkamen!“ (Ludwig Meidner, 1913)

 

Vorläufer des Expressionismus

Mit der „Sonderbund-Ausstellung“ in Köln 1912 stellten die Protagonisten des Expressionismus ihre „Väter“ mit großen Werkblöcken vor: Paul Cézanne, Vincent van Gogh, Paul Gauguin und Edvard Munch wurden damit in der Erzählabfolge kanonisiert und erhielten gleichzeitig eine historische Position als Vorläufer zugeschrieben. Weiters erfuhr die Kunst der Gotik, die der „Naturvölker“ und der exaltierte Manierismus des griechisch-spanischen Malers El Greco eine neuerliche Aufwertung.

 

„Wir weisen gern und mit Betonung auf den Fall Greco, weil die Glorifikation dieses großen Meisters im engsten Zusammenhang mit dem Aufblühen unserer neuen Kunstideen steht. Cézanne und Greco sind Geistesverwandte über die trennenden Jahrhunderte hinweg. Zu dem „Vater Cézanne“ holten Meier-Graefe und Tschudi im Triumphe den alten Mystiker Greco; beider Werke stehen heute am Eingang einer neuen Epoche der Malerei.“3 (Franz Marc, 1912)

 

Unter den deutschen Malern entwickelten die Künstler der „Brücke“ „zeitlich versetzt ähnliche Stilmerkmal wie die Fauves in Frankreich“4. Voraussetzung waren für beiden Künstlergruppen die „Väter der Moderne“, die seit den Impressionisten rund um Claude Monet eine anti-akademische Richtung vertraten.

Georges Seurat

Georges Seurat, Erfinder des Pointillismus wurde von Paul Signac propagiert und von diesem an Henri Matisse im persönlichen Studium weitergegeben. Seurat war es auch, der Matisse das kleine Fischerdorf Collioure am Fuß der Pyrenäen für Malstudien im Sommer 1905 empfahl. Der Aufenthalt von Matisse und André Derain im pittoresken Hafen kann als „Geburtsstunde“ des Fauvismus gelten.

Paul Cézanne

Paul Cézanne wurde ob seiner Tektonik und seines fleckenhaften Farbauftrags v. a. für die Kubisten wichtig. Der jedoch die gesamte Komposition, oder wie Henri Matisse es in seinen „Notizen“ ausdrückte, die Harmonie der Leinwände nie aus den Augen verlor und auch scheinbar Unfertiges als abgeschlossen bestimmte.

Odilon Redon

Odilon Redon wurde von Matisse gesammelt, sein mystisches Licht und seine neuartige Farbigkeit in seinen Pastellen halfen zu akzeptieren, dass Gefühle hauptsächlich über den Farbeinsatz ausgedrückt werden können. Redon verfasste ein Bekenntnis zur „suggestiven Kunst“. Im Juni 1910 veranstaltete die Neue Künstlervereinigung München, die Vororganisation des „Blauen Reiter“, eine Ausstellung in der Galerie Tannhauser. Im Katalog publizierten die Münchener Künstler einen Text Redons, den er mit folgenden Worten beendete:

„Die Jugend überdies, mit ihren beweglicheren Innenleben und in Frankreich mehr denn ehedem von den erhabenen Wogen der Musik ergriffen, erschließt (sic!) sich notwendigerweise auch den Dichtungen und Träumen der idealistischen Plastik dieser Kunst.“5

Vincent van Gogh

Vincent van Gogh und sein dynamischer Farbauftrag gemeinsam mit der subjektiven Farbverwendung wurden zu wichtigen Inspirationsquellen. Nach Van Goghs ersten großen Ausstellung in der Galerie Bernheim-Jeune 1901 wandten sich v. a. die Künstler der „Brücke“ wie auch Emil Nolde dem Holländer zu.

Paul Gauguin

Paul Gauguin wurde nach seinem frühen Tod 1903 in Gedächtnisausstellungen gefeiert und auch in Deutschland gezeigt. Er trug nicht nur mit seiner großflächigen, farbigen Gestaltung zur Diskussion bei, sondern auch durch seinen Primitivismus, mit dem er an die paradiesische Ursprünge des Menschseins erinnern wollte.

Henri Rousseau

Henri Rousseau wurde nicht nur von Pablo Picasso ob seiner naiven Ausdrucksweise geschätzt, sondern auch von den Künstlerinnen und Künstlern des „Blauen Reiter“. Als Zeichen ihrer Verehrung luden sie „den Zöllner“ 1911 neben Henri Matisse und Robert Delaunay zu ihrer ersten Ausstellung in der Münchener Galerie Thannhauser ein.

Aber auch Künstler wie der Norweger Edvard Munch und der Belgier James Ensor haben wichtige Rollen in der Geschichte des deutschen Expressionismus gespielt.

 

 

25. Juni 2018
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18. Juni 2018
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28. Februar 2018
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25. Januar 2018
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31. August 2017
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Anton Kolig: Werk und Leben Farbiger Expressionismus für Porträts, Männerakte und Allegorien

Anton Kolig (1886–1950) verbindet in seiner Malerei die Moderne der Jahrhundertwende mit expressiven Tendenzen der Zwischenkriegszeit und abstrahierenden Auffassungen der Nachkriegszeit. Neben Herbert Boeckl, den Kolig nach dem Ersten Weltkrieg kennenlernte, zählt Kolig zu den wichtigsten Expressionisten Österreichs. Vor allem mit Porträts und großformatigen Jünglingsakten der 1920er Jahre gelang ihm der internationale Durchbruch, der 1928 durch eine Berufung an die Stuttgarter Akademie gekrönt wurde.
1. Juli 2017
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Edvard Munch: Mehr als nur der Schrei Spätwerk des norwegischen Malers als Befragung von Leben und Ich

Der Norwegische Maler und Druckgrafiker Edvard Munch (1863–1944) ist so berühmt für seine frühen Werke (vor 1900), dass häufig übersehen wird, dass sich das Œuvre des Künstlers über mehr als sechzig Jahre erstreckt. Wenn auch „Der Schrei“, „Madonna“ und „Vampir“ schon längst ikonischen Status im öffentlichen Bewusstsein errungen haben, so gilt es doch mehr von Munchs Werk zu entdecken.
5. März 2017
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Richard Gerstl Leben und Werk: Ausstellung in der Schirn, Frankfurt

Richard Gerstl (1883–1908) wird oft als Österreichs erster Expressionist bezeichnet: in Auseinandersetzung mit Werken von Vincent van Gogh und Edvard Munch entwickelte er seine Malerei in Richtung befreiter Malweise und intensiver Farbigkeit.
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Alfred Wickenburg Werk & Leben

Alfred Wickenburg (1885–1978) gilt als einer der Hauptvertreter des „österreichischen Kubismus“ der Zwischenkriegszeit, in dem kubistische Stilmittel im Sinn des Expressionismus für die eigenen ästhetischen Zwecke adaptiert wurden. Seine Ausbildung in München, Paris und Stuttgart ließ den in Graz geborenen Maler früh mit konstruktiven Konzepten an ihren originären Entstehungsorten in Kontakt kommen.
20. Februar 2017
Egon Schiele, Aktselbstbildnis, Detail, 1910, Schwarze Kreide, Pinsel, Aquarell, Deckfarben, Deckweiß auf braunem Packpapier (Albertina, Wien)

Egon Schiele. Gezeichnete Bilder Ausstellung zur franziskanischen Ethik im Werk Schieles in der Albertina

Egon Schiele (1890–1918), dem früh verstorbenen Expressionisten, widmet die Albertina kurz vor der 100. Wiederkehr seines Todestags eine umfassende Ausstellung zu dessen zeichnerischem Werk aus eigenem Bestand. Seine 13 Skizzenbücher nicht mitgerechnet, besitzt die Albertina eine der weltweit größten Sammlungen von Werken Schieles, die 160 Arbeiten auf Papier sowie Dokumente und Erinnerungen an sein Leben umfasst.
6. Februar 2017
Ernst Ludwig Kirchner, Die Straße, 1913, Öl auf Leinwand, 120,5 × 91 cm (The Museum of Modern Art, New York, purchase, 1939, Foto © 2017 Digital image, The Museum of Modern Art/Scala Florence)

Ernst Ludwig Kirchner: Die Berliner Jahre Ausstellung im Kunsthaus Zürich

Mit 31 Jahren übersiedelte Ernst Ludwig Kirchner (1880–1938) nach Berlin. Die Jahre zwischen 1911 und 1917 lebte er in der Zweimillionen-Metropole, die Sommermonate verbrachte er auf der Ostseeinsel Fehmarn. Wenn der Mitbegründer der Künstlergruppe „Brücke“ thematisch bereits etablierte Wege ging – Straßenszenen, Porträts, Zirkus, Tanz, Varieté, Akte im Atelier und in der Natur waren in der Dresdner Zeit bereits ausgeprägt – so änderte er in Berlin und Fehmarn seinen Malstil. Zwischen 1912 und 1917 verwendete Kirchner gedeckte Farbtöne und spitze Formen. Hier das frenetisch-nervöse Großstadtleben, da die Erholung in ländlicher Abgeschiedenheit; hier die Misere und Entfremdung des Großstädters, da das harmonische Leben in Einheit mit der Natur. So werden und wurden Ernst Ludwig Kirchners Bilder aus den Berliner Jahren gerne gedeutet. Über diese apokalyptisch-paradiesische Lesart hinaus zeigt das Kunsthaus Zürich den Kirchner der Jahre 1911 bis 1918.
27. November 2016
Paula Modersohn-Becker, Mädchen in rotem Kleid vor Sonnenblume, 1907 (Privatbesitz)

Paula Modersohn-Becker Pionierin der Moderne

Das Werk von Paula Modersohn-Becker gilt als wegbereitend für die Moderne in Deutschland, denn stets war die Künstlerin auf der Suche nach der „großen Einfachheit der Form“ und dem lebendigen Ausdruck der Farbe. In den ägyptischen Mumienporträts aus dem Louvre (1.-4. Jahrhundert) fand sie diesen genauso wie in den Gesichtern alter Bäuerinnen und junger Kinder im niedersächsischen Worpswede.
21. September 2016
Pablo Picasso, Frau mit gefalteten Händen, 1907, Musée national Picasso – Paris (links); Mutter mit Kind, 1907, Musée national Picasso – Paris (rechts), Ausstellungsansicht „Fremde Götter. Faszination Afrika und Ozeanien“ im Leopold Museum 2016/17, Foto: Alexandra Matzner © Bildrecht.

Picasso war ein Afrikaner! Afrikanische Kunst und Primitivismus in der Moderne

Was bedeutet(e) die Entdeckung der afrikanischen Kunst und etwas später der ozeanischen Kunst für die Entwicklung der Moderne in Europa? Die brüske Antwort Picassos lautete 1923: „Afrikanische Kunst? Die kenne ich nicht!“ Dass diese harsche Abwehr mitnichten des Pudels Kern beschreibt, ist in den letzten Jahren auch durch Ausstellungsprojekte vielfach herausgearbeitet worden. Der hohe Grad an Stilisierung und Abstraktion, der allerdings nicht als Zeichen für fehlenden Realismus in der afrikanischen Kunst gedeutet werden darf, irritierte und begeisterte das europäische Publikum. Dass die Radikalität der künstlerischen Produktion im frühen 20. Jahrhundert, ihre Brüche mit den Traditionen und ihre Formfindungen nicht ohne die Auseinandersetzung mit der als „primitiv“, d. h. nicht von der europäischen Zivilisation verbildeten, gesammelten und wertgeschätzten Kunst entstehen hätte können, muss nach diesem Museumsbesuch zweifelsfrei anerkannt werden.
8. April 2016
Wilhelm Lehmbruck, Kniende, 1911, Kneeling Woman, Bronze, 174,5 × 67,7 × 140 cm Privatbesitz.

Wilhelm Lehmbruck. Werke und Leben Mit überlängten Proportionen und Vergeistigung zur expressionistischen Skulptur

Wilhelm Lehmbruck (1881–1919) wurde mit überschlanken, vergeistigten Figuren in strenger architektonischer Bauweise berühmt. Als erster europäischer Bildhauer ignorierte er die menschliche Proportion, um von einer idealisierten Bildhauerei zum affektgeladenen Leib zu gelangen. Damit eröffnete er dem Menschenbild in der Skulptur völlig neue Darstellungsmöglichkeiten. Gemeinsam mit dem Lehmbruck Museum in Duisburg stellt das Leopold Museum den Bildhauer in einer umfassenden Gesamtschau vor – und Hans-Peter Wipplinger bringt ihn erstmals in Beziehung zu Egon Schiele (1890–1918).
6. April 2016
Paul Klee, Insula dulcamara, 1938, 481, Öl- und Kleisterfarbe auf Papier auf Jute, originale Rahmenleiste (Zentrum Paul Klee, Bern)

Paul Klee. Bilder voller Poesie Überblick über Werke und Leben des deutschen Expressionisten

Der Grafiker und Maler Paul Klee (1879–1940) verband in seinem Werk unterschiedliche Strömungen der Avantgarde und steuerte Essentielles zur Künstlergruppe „Der Blaue Reiter“ bei. Er fand während der berühmten Tunisreise 1914 zur Farbe. Als Bauhaus-Lehrer und Professor der Düsseldorfer Akademie lehrte er seine Überzeung, dass Kunst nicht darstellt, sonder etwas sichtbar machen würde. 1933 von den Nationalsozialisten diffamiert und aus dem Dienst entlassen, emigrierte Paul Klee in die Schweiz, wo er, von Krankheit gezeichnet, unermüdlich weiterarbeitete. Klees Spätwerk prägte die Amerikanischen Expressionisten.
26. Februar 2016
Edouard Manet, Die Dante-Barke (nach Delacroix), um 1854, Öl/Lw, 37.5 x 45 cm (Musée des Beaux Arts de Lyon (B830) © Lyon MBA - photo Alain Basset)

Delacroix und die Malerei der Moderne Wegbereiter von Renoir, Monet, Cézanne, Gauguin, Redon...

Eugène Delacroix (1798–1863) steht an der Schwelle von Salonmalerei und moderner Malerei, die nur sich selbst verpflichtet ist. In Auseinandersetzung mit dem Grand Style von Paul Delaroche und den Farbtheorien Michel Eugène Chevreuls (1786–1889) entwickelte er einen auf Farben und Pinselstrich basierenden Malstil. Obwohl Delacroix kaum Schüler hatte, wurde sein Personalstil und seine Überlegungen zu Kunst zu den folgenreichsten des 19. Jahrhunderts. Generationen von Impressionisten (Manet, Fantin-Latour, Bazille, Renoir), Spätimpressionisten (Cézanne, Van Gogh), Symbolisten (Moreau, Redon, Gauguin) und Pointillisten (Seurat, Matisse, Metzinger) bezogen sich auf oft ungeahnte Weise auf ihren 1863 verstorbenen Wegbereiter.
8. Januar 2016
Max Beckmann und Berlin, 2015 (Kerber Verlag).

Max Beckmann und Berlin

„Beckmann ist Berliner, lebt aber in Frankfurt am Main.“ Dieser Selbstbeschreibung Max Beckmanns (1884─1950) aus dem Jahr 1924 folgten seine Zeitgenossen, wenn sie ihn als den Maler des modernen Berlin empfanden. Der nun vorliegende Ausstellungskatalog „Beckmann und Berlin“ (Kerber Verlag) beweist, wie sehr sich der Künstler mit der Hauptstadt verbunden fühlte, auch wenn er in Frankfurt lebte. Kuratorin Stefanie Heckmann legte nicht nur Augenmerk auf die Berliner-Jahre, sondern auch einen Fokus auf die Ausstellungsgeschichte Beckmanns in Berlin. Insgesamt zehn Aufsätze analysieren nicht nur das Verhältnis des Künstlers zur Stadt, sondern führen auch genauso gekonnt wie allgemein in das Werk Beckmanns ein.
19. Oktober 2015
Edvard Munch, Das kranke Kind, 1907, Öl auf Leinwand, 118,7 x 121 cm (Tate, Presented by Tomas Olsen 1939, Poto Credit: © Tate, London 2014)

Edvard Munch. Archetypen Wrke: Der Schrei, Das kranke Kind, Madonna, Vampir...

In Zusammenarbeit mit dem Munch-Museet in Oslo präsentiert das Madrider Museo Thyssen-Bornemisza 80 Werke des norwegischen Malers Edvard Munch (1863–1944). Die Kuratoren Paloma Alarcó und Jon-Ove Steihaug zeigen einen Künstler, der mehr ist als der Maler von Ängsten und Obsessionen, sondern der auch mit großer Sensibilität die Veränderungen in der modernen Kunst wahrnahm und verarbeitete.
8. Oktober 2015
Karl Schmidt-Rottluff, Boote am Wasser (Boote im Hafen), 1913 © Courtesy of Osthaus Museum Hagen & Institut für Kulturaustausch, Tübingen.

Farbenrausch. Werke des deutschen Expressionismus Einführung in Malerei und Druckgrafik

Die Ausstellung „Farbenrausch. Meisterwerke des deutschen Expressionismus“ (Leopold Museum) bzw. „Radikal subjektiv“ (Barlach Haus Hamburg) präsentiert Gemälde, Zeichnungen und Druckgrafiken aus dem Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen/Deutschland. Das Karl Ernst Osthaus Museum in Hagen bezieht sich in seiner Gründungsidee auf den gleichnamigen Sammler und Unterstützer der Moderne und Begründe des Folkwang Museums. Nachdem Karl Ernst Osthaus 1921 verstorben war, verkauften seine Erben Sammlung und Namen jedoch nach Essen. Der Verlust traf die Bürger der Stadt tief: Ab 1927 bauten sie eine neue Museumssammlung auf und gründeten dazu den Karl Ernst Osthaus Bund. Die zeitgenössische Multimedia Installation von Virgil Widrich am Beginn der Wiener Schau berauscht sich an den Farben der expressionistischen Werke.
19. Juli 2015
Munch : Van Gogh (Mercator Fonds)

Munch : Van Gogh Ungeahnte Parallelen in Leben und Werk

Vincent van Gogh (1853–1890) und Edvard Munch (1863–1944) - zwei Giganten der Kunst im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert - werden in einer Ausstellung erstmals (!) einander gegenübergestellt. Schon auf der legendären Sonderbundausstellung in Köln 1912 wurden sie als „Väter der modernen Kunst“ gefeiert. Heute wird der eine für die Befreiung der Farbe und seinen dynamischen Pinselstrich verehrt, während der andere die dunkle Seite der Liebe, Angstzustände, Krankheit und Tod ergiebig erforschte.
8. Juli 2015
Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris. Paul Klee und Wassily Kandinsky in ihrem Garten in Dessau, um 1927, Foto: Nina Kandinsky, Bibliothèque Kandinsky, Centre Georges Pompidou, Paris.

Klee & Kandinsky Nachbarn, Freunde, Konkurrenten

Das Paul Klee Zentrum in Bern und die Städtische Galerie im Lenbachhaus in München kooperieren für eine Ausstellung der Sonderklasse: Klee & Kandinsky. Künstlerisch wie menschlich höchst verschiedenartige Charaktere mit unterschiedlich verlaufenden Karrieren freundeten sich Kandinsky und Klee dennoch miteinander an.
5. Juli 2015
Stein aus Licht. Kristallvisionen in der Kunst (KERBER, Cover)

Kristallvisionen in der Kunst

Kristalle und Kristallines von der Romantik bis zur Gegenwartskunst interessieren Matthias Frehner und Daniel Spanke vom Kunstmuseum Bern. In sechs Aufsätzen nähern sie sich dem Kristall und seiner Bedeutung für die bildende Kunst, von der Aufklärung im 18. Jahrhundert, der kristallinen Form als Ausgangspunkt architektonischen Denkens bis hin zur Erneuerung der Malerei im Kubismus und Expressionismus.
23. Mai 2015
Feininger / Kubin in der Albertina

Lyonel Feininger / Alfred Kubin Eine Künstlerfreundschaft

Auch wenn Lyonel Feininger und Alfred Kubin einander vermutlich nur ein einziges Mal persönlich getroffen haben, so verband sie doch zwischen dem 25. November 1912 und dem 13. März 1919 eine interessante Brieffreundschaft, die im Austausch von Blättern kulminierte.
11. Mai 2015
Tracey Emin vor Egon Schieles Gemälde „Sitzender Männerakt, (Selbstdardstellung)“, 2014, Leopold Museum, Wien / Foto: A. Ludwig.

Tracey Emin – Egon Schiele "Where I want to go" im Leopold Museum

Als das Leopold Museum Tracey Emin (* 1963) einlud, eine Soloshow in Wien auszurichten, entschied sich die britische Künstlerin spontan, Werke von Egon Schiele (1890–1918) zu integrieren. Für den Dialog mit einer Installation, Zeichnungen, Neon- und Soundarbeiten, großformatigen Stickbildern und kleineren Bronzeskulpturen wählte sie ein Gemälde, 14 Zeichnungen und Gedichte des österreichischen Expressionisten. Akte, Selbstbefragungen und das Gefühl von Einsamkeit bestimmen die Schau!
27. Februar 2015

Wally Neuzil – Ihr Leben mit Egon Schiele Modell, Geliebte, Freundin? Wie eine Frau das Werk des österreichischen Expressionisten beeinflusste

Wally, eigentlich Walburga Neuzil, war zwischen 1911 und 1915 Lieblingsmodell und Lebenspartnerin von Egon Schiele. Das berühmte „Bildnis Wally Neuzil“ (1912) des Leopold Museums ist der Ausgangspunkt für eine Spurensuche, die die von Männern dominierte Kunstwelt des frühen 20. Jahrhunderts dekonstruiert.
15. Oktober 2014
Jenny Saville vor ihrem Gemälde

Egon Schiele – Jenny Saville Geschlechter- und Körperstudien im Extrem

Als Jenny Saville vor knapp einem Jahr Wien besuchte, hätte sie sich nicht träumen lassen, dass ihre monumentalen Gemälde und Zeichnungen bereits heuer in Dialog mit den expressiven Werken Egon Schieles treten würden. Oliver Wick konzipierte für das Kunsthaus Zürich eine spannende Gegenüberstellung, die hauptsächlich von der ästhetischen Wirkung der Gemälde lebt, die Bedeutung der Figurenbilder für Schieles Modernität bestätigt aber dennoch nicht auf Landschaften und Städtebilder des Wieners verzichtet.
4. Oktober 2014
August Macke und Franz Marc – Eine Künstlerfreundschaft (Cover), Hatje Cantz.

August Macke und Franz Marc Eine Künstlerfreundschaft

Das Kunstmuseum Bonn und die Städtische Galerie am Lenbachhaus, München, widmen der Künstlerfreundschaft zwischen dem Bonner August Macke (1887–1914) und dem Münchener Franz Moritz Wilhelm Marc (1880–1916) eine umfassende Schau und einen ausführlichen Katalog. Berühmt wurden Macke und Marc für überaus farbenfrohe Werke: darunter die 30 Aquarelle, die Macke während seiner Tunis-Reise gemeinsam mit Paul Klee (Oktober 1913 bis Juni 1914) geschaffen hat, oder die blauen Pferde Marcs. Zwischen dem 6. Januar 1910, dem ersten Treffen in Marcs Münchener Atelier, und dem 26. September 1914, als August Macke auf einem französischen Schlachtfeld bei Perthes-les-Hurlus fiel, spannt sich ein viereinhalbjähriger Bogen gemeinsamen Arbeitens, Nachdenkens über Kunst, sich aneinander Reibens. So verschieden die Künstler auch waren – Macke war weltoffen, spontan, direkt und Marc introvertiert, nachdenklich und ein Misanthrop – so viele Berührungspunkte lassen sich aufzeigen.
30. April 2014
Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell, Cover des Ausstellungskatalogs Wolfsburg 2014, HIRMER.

Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell Porträts von Mensch und Tier

Noch unter der Herausgeberschaft des jüngst verstorbenen Markus Brüderlin (1958-2014) legt das Kunstmuseum Wolfsburg einen Ausstellungskatalog zu „Oskar Kokoschka. Humanist und Rebell“ vor. Das Haus feiert mit dieser Schau sein 20jähriges Bestehen und beleuchtet in elf Kapiteln Leben und Werk des international gefeierten Expressionisten. Als Rebell der Vorkriegszeit etablierte sich Oskar Kokoschka in Österreich und Deutschland innerhalb der Avantgarde, um nach schwerer Verwundung im Ersten Weltkrieg eine Professur in Dresden anzutreten. Während der Mensch schon immer im Zentrum von Kokoschkas Werk stand, wurden die Kriegserlebnisse zum Auslöser einer besonders offensichtlichen, humanistischen Haltung in den folgenden Jahrzehnten. Kokoschkas Porträts von Mensch und Tier ist diese Schau gewidmet.
12. April 2014
Kandinsky, Klee, Schiele... Graphikmappen des frühen 20. Jahrhunderts, Ausst.-Kat. Staatsgalerie Stuttgart, 2014 (HIRMER).

Graphikmappen des frühen 20. Jahrhunderts

Die kurz vor der Jahrhundertwende einsetzende Begeisterung für „Künstlerdrucke“ in Form der Wiederentdeckung der Radierung, des (farbigen) Holzschnitts und der Lithografie hatte viel mit einem neuen Verständnis von Kunst als die Massen bewegende Kommunikationsform in der Moderne zu tun. Gleichzeitig wird aber nicht auf den ökonomischen und markttechnischen Wert der Mappenwerke vergessen: Als kollektive Unternehmungen repräsentierten sie nicht nur einen programmatischen Zugang der Beteiligten, sondern waren wichtige Verdienstmöglichkeiten für junge, aufstrebende Künstlerinnen und Künstler.
8. März 2014
Horizont Jawlensky (HIRMER)

Alexej von Jawlensky Leben und Bilder

Roman Zinglgänsberger, Kustos für Klassische Moderne am Museum Wiesbaden, legt mit „Horizont Jawlensky. Alexej von Jawlensky im Spiegel seiner künstlerischen Begegnungen 1900–1914“ eine akribische Spurensuche nach den französischen Vorbildern des aus Russland stammenden Künstlers vor. Bildreich, rhetorisch geschickt und mit genauen Beobachtungen der stilistischen Qualitäten, versteht es Zinglgänsberger, Jawlensky bereits in dieser Zeit, zwischen den Meistern der Avantgarde in München und Paris zu verankern. Welche Rolle Jawlensky im Rahmen der Neuen Künstlervereinigung München und des Blauen Reiter spielte, wird hingegen in dem von HIRMER verlegten Katalog nicht thematisiert.
24. Februar 2014
Franz Lerch, Mädchen mit Hut, 1929, Öl auf Leinwand, 80 x 60 cm © Belvedere, Wien.

Kunst in Wien und Berlin (1900-1935) Kunst zweier Metropolen

Gemeinsam mit der Berlinischen Galerie, Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur erarbeitete das Belvedere die reiche Schau „Wien – Berlin. Kunst zweier Metropolen“. Der zeitliche Horizont spannt sich hierbei von den Secessionsbildungen 1897 in Wien und 1898 in Berlin bis in die frühen 30er-Jahre, d.h. stilistisch vom Jugendstil über den Expressionismus, hin zu Dada, Konstruktivismus und Neue Sachlichkeit.
10. Februar 2014
Wassily Kandinsky, Murnau, 1908, Ö auf Karton, Merzbacher Kunststiftung.

Expressionismus in Deutschland und Frankreich

Bereits am Cover des umfassenden Katalogs wird deutlich, dass Timothy O. Benson, Kurator am LACMA und Organisator dieser Wanderausstellung, den deutsch-französischen Kunstaustausch über die Farbe definiert. Denn was der Begriff „Expressionismus“ genau beschreibt, das wussten bereits die Zeitgenossen nicht. Von Alfred Döblin bis Oskar Kokoschka reichen die Kommentatoren einer Kunstrichtung , die sich über Innerlichkeit, Mystik, Farbexperimenten und Farbexplosionen (bis ins Unrealistische), dynamischem Pinselduktus, Musikalität, Kubismus-Rezeption, Primitivismus (vom „nordischen“ Nolde, der ägyptisierenden Modersohn-Becker bis zur Rezeption afrikanischer Plastik durch die Fauves und die Brücke Künstler) u.v.m. als neu und zeitgemäß definierte.
4. November 2013
Paul Klee, mit dem Kometen, 1917,125, Aquarell auf Gipsgrundierung auf Gaze auf Karton, 24,5 x 22 cm, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel, Vermächtnis Alla Goldschmidt-Safieva, Inv. Nr. 11191.

Paul Klee. Bilder aus dem Ersten Weltkrieg Mythos Fliegen

Das H2 – Zentrum für Gegenwartskunst im Glaspalast in Augsburg rollt erstmals die Kriegsaktivitäten von Paul Klee auf, der zwischen 1917 und 1919 in der Königlich Bayerischen Fliegerschule V in Gersthofen-Gablingen bei Augsburg stationiert war. Während in der Literatur bislang Klees Haltung zum Krieg marginalisiert und keine Auswirkungen auf das künstlerische Werk nachgewiesen wurden, wird nun erstmals der Einfluss des Fliegens auf sein Werk und die drohenden Gefahr einer Versetzung an die Front genau nachgezeichnet. Diese Quellenarbeit zahlt sich aus, denn die deutlich erweiterte Faktenlage ermöglicht einen neuen Zugang zu Klees abstrahierten Aquarellen dieser Zeit: Fliegen ist für Klee eine existenzielle Vorstellung, die die Dualität von Himmel und Erde erfahrbar macht und als solche auch die Motivwahl über die Kriegszeit hinaus bestimmt
4. Oktober 2013
Trude Fleischmann, Oskar Kokoschka und Olda Palkovska, London 1939 © Universität für angewandte Kunst Wien, Oskar Kokoschka-Zentrum

Oskar Kokoschka. Werke und Fotografien Ausstellung "Das Ich im Brennpunkt"

Zirka 230 Fotografien, 30 Gemälde und 50 Arbeiten auf Papier von und mit Oskar Kokoschka (1886–1980), so die Bilanz der Herbstausstellung des Leopold Museums, Wien. Das Kuratorenteam Tobias G. Natter, Franz Smola, Patrick Werkner und Bernadette Reinhold wählten aus den ca. 5.000 erhaltenen Aufnahmen, die Dr. Olda Kokoschka (1915–2004) der Universität für angewandte Kunst in Wien hinterlassen hat, knapp 230 zum Werdegang und zur medialen Wirkung des berühmten Künstlers aus und ergänzten sie durch wichtige Leihgaben aus aller Welt. Der Titel „Kokoschka – Das Ich im Brennpunkt“ fokussiert auf die repräsentative Funktion der Medien: Im Zentrum steht Kokoschka, Fotografien und Kunst gewähren einen Einblick in dessen Leben von seinen Postkartenentwürfen für die Wiener Werkstätte über die berühmten Städteansichten bis zum späten Gemälde „Amor und Psyche“ und der Lithografiefolge „Jerusalem Faces“ (1973).
4. Juli 2013
Emil Nolde, Landschaft in rotem Licht, 1938/45, Aquarell, 18,5 x 27,3 cm © Nolde Stiftung Seebüll.

Emil Nolde. Werke in Glut und Farbe Gärten, christliche Motive und "Ungemalte Bilder"

Emil Nolde (1867–1956) gilt heute als einer der wichtigsten Expressionisten des frühen 20. Jahrhunderts – nicht nur in Deutschland. Seine Bildmotive sind zwar in der traditionellen Malerei verankert, so finden sich neben zahlreichen Porträts Meeresansichten und Küstenlandschaften, Garten- und Blumenbilder, Szenen aus dem Großstadtleben in Berlin und zahlreiche religiöse Darstellungen, sein freier Umgang mit Farbe ist jedoch legendär. Die Leihgaben für die Nolde-Schau im Unteren Belvedere in Wien stammen aus dem reichen Bestand der „Stiftung Seebüll Ada und Emil Nolde“, die sich im Wohn- und Atelierhaus der Noldes (errichtet zwischen 1926 und 1932) mit liebevoll gepflegter Gartenanlage befindet und dort auch besichtigt werden kann. Die Ausstellung in Wien zeigt Werke aus allen wichtigen Schaffensperioden und bringt auch noch eine Reihe von österreichischen Künstlern als „Schüler“ Noldes zusammen.
17. Oktober 2012
Paul Klee. Sein Leben - Seine Kunst (Prestel Verlag).

Boris Friedewald: Paul Klee Sein Leben - Seine Kunst

Boris Friedewald erzählt die Lebensgeschichte von Paul Klee mit märchenhaftem Grundton.
12. Oktober 2012
Christoph Kleinschmidt, Intermaterialität (Transcript Verlag)

Intermaterialtät

Der Germanist Christoph Kleinschmidt widmet sich in seiner jüngst publizierten Dissertation den materiellen Verbindungen im Expressionismus. Dabei bezieht sich der Autor nicht nur auf die herkömmlichen Materialien in den Künsten, sondern konvergiert Material und Medium unter die Kategorie Intermaterialität, die er auch gerne als „neues Modell in der Forschung“ einführen möchte.
12. März 2012
Karl Schmidt-Rottluff. DIE HOLZSTÖCKE (HIRMER).

Karl Schmidt-Rottluff Holzstöcke Druckstöcke und ihre skulpturalen Qualitäten

Der gewichtige Band „Karl Schmidt-Rottluff. DIE HOLZSTÖCKE“, vom Brücke Museum Berlin und seiner Direktorin Magdalena M. Moeller bei HIRMER herausgegeben, fasst auf ca. 500 Seiten mehrere Aspekte zu Karl Schmidt-Rottluff zusammen: Der Herausgeberin gelingt der Spagat zwischen einer interessanten Einführung in das Thema Schmidt-Rottluff und der Holzschnitt und einem klassischen Sammlungskatalog.
17. März 2011
Wassily Kandinsky, Entwurf zu „Improvisation 30 (Kanonen)“, 1913, Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau München.

Der Blaue Reiter Ein Tanz in Farben aus dem Lenbachhaus und der Albertina

München 1912: Die Ausstellung „Schwarz-Weiss“ der Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ erregt die Gemüter der Bayern. Vor der Buch- und Kunsthandlung von Hans Goltz sammeln sich immer wieder Menschentrauben, um die moderne Kunst in den Auslagen mit wütenden Protesten und Beschimpfungen zu kommentieren.
3. November 2009
Herbert Boeckl, Selbstbildnis, 1923, Öl auf Leinwand, 61 x 50 cm (Belvedere, Wien) © Herbert Boeckl - Nachlass, Wien.

Herbert Boeckl Werk und Leben

Herbert Boeckl (1894–1966) gilt als einer der wichtigsten österreichischen Künstler der Zwischenkriegszeit. Seine Weiterführung des sog. Frühexpressionismus gehört zweifelsohne zu den interessantesten Positionen expressiver Gestaltungsmöglichkeiten der 20er Jahre. Boeckls bildimmanenter Diskurs ob der Möglichkeiten des „malerischen Expressionismus“ (Gerhard Schmidt) operiert dabei mit den klassischen Themen der Kunst – Porträt, Landschaft und Stillleben.
12. April 2008
Oskar Kokoschka, Das rote Ei, 1940/1941, Öl auf Leinwand © Fondation Oskar Kokoschka/VBK, Wien 2008 (Národní Galerie, Prag)

Oskar Kokoschka. Exil und neue Heimat (1934–1980) Flucht und politische Bilder

Dem „enfant terrible“, dem „Oberwildling“ der Wiener Kunstszene kurz nach 1900 widmet die Albertina eine umfassende Schau, die nicht die epochalen Neuerungen am Beginn seiner Karriere in den Mittelpunkt stellt, sondern das Werk seiner zweiten Lebenshälfte thematisiert. Unter dem Titel „Exil und neue Heimat“ wurden 167 Arbeiten, davon 90 Grafiken aus dem Bestand der Albertina, zusammengetragen, um die künstlerische Position eines der ganz Großen der europäischen Kunst des 20. Jahrhunderts neu zu bewerten. Fernab der zeitgleichen Auseinandersetzung der internationalen Nachkriegsavantgarde mit den Möglichkeiten der Abstraktion, widmete sich Kokoschka Zeit seines Lebens der figurativen Malerei, dem Malen und Komponieren mit und von Licht per se.
5. März 2008
Albin Egger-Lienz, Der Sämann, aus Sämann und Teufel, 1908, 126 x 111,3 cm © Leopold Museum, Wien.

Albin Egger-Lienz Tiroler Bauern und universelle Themen

Der später als Albin Egger-Lienz bekannt gewordene Künstler wurde am 29. Jänner 1868 in Stribach als uneheliches Kind des Fotografen und Kirchenmalers Georg Egger und der Bauerntochter Maria Trojer geboren – und als Ingenuin Albuin Trojer getauft. Die Mutter übergab das einjährige Kind dem inzwischen in Lienz ansässigen und verheirateten Vater. Im Jahr 1877 willigte die Bezirkshauptmannschaft der Namensänderung von Trojer zu Egger ein. Ab 1891 nannte er sich Egger-Lienz.
24. November 2007
Josef Engelhart, Loge im Sofiensaal, 1903, Öl auf Leinwand, 100 x 95 cm, Wien Museum.

Kunst in Wien und Paris (1880-1960)

Etwa 250 Objekte von mehr als 100 Künstler_innen, gegliedert in 15 Stationen – das ist die nüchterne Bilanz eines der aufwändigsten Ausstellungsprojekte des Wiener Herbstes 2007. Noch bis Anfang 2008 widmet sich das Untere Belvedere der spannenden Frage nach den künstlerischen Beziehungen zwischen der Pariser und Wiener Kunstszene vom Impressionismus zum Informel. Dass Paris ab der Mitte des 19. Jahrhunderts unangefochten eines der europäischen Zentren der Kunstentwicklung war, ist weithin bekannt. Wie sehr haben sich aber österreichische Künstler auf einen Gedankenaustausch mit ihren französischen Kollegen eingelassen? Und vor allem: Hat diese Auseinandersetzung Spuren in ihren Werken hinterlassen?
  1. Magdalena M. Moeller, Zur Einführung, in: Magdalena M. Moeller (Hg.), Expressionismus. Die große Künstlerbewegung der Moderne, Köln 2005, S. 7.
  2. Angelika Wesenberg, Impressionismus – Expressionismus. Kunstwende, in: Angelika Wesenberg (Hg.), Impressionismus – Expressionismus (Ausst.-Kat. Alte Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin, 22.5.–20.9.2015), München 2015, S. 20.
  3. Franz Marc, Geistige Güter, in: Wassily Kandinsky, Franz Marc (Hg.), Der Blaue Reiter, München 1912, S. 3.
  4. Magdalena M. Moeller: Die Brücke und Fauves, in: Expressionismus in Deutschland und Frankreich. Von Matisse zum Blauen Reiter (Ausst.-Kat. Zürich 7.2.-11.5.2014), Zürich 2014, S. 81.
  5. Zit. n. Odilon Redon: Ich wende mich hier…, in: Neue Künstlervereinigung München E.V. II. Ausstellung, München 1910, S. 45.