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Beatriz Milhazes Fröhliche Bilder und Mobiles

Installationsansicht der Ausstellung «Beatriz Milhazes» in der Fondation Beyeler Riehen/Basel, Gamboa Seasons, Detail, Courtesy of the artist, Foto © 2011, Serge Hasenböhler, Basel

Installationsansicht der Ausstellung «Beatriz Milhazes» in der Fondation Beyeler Riehen/Basel, Gamboa Seasons, Detail, Courtesy of the artist, Foto © 2011, Serge Hasenböhler, Basel

Der schmale Ausstellungskatalog mit goldenem Cover präsentiert jene 2010 entstandenen Werke der Brasilianerin Beatriz Milhazes, die in der Fondation Beyeler in Riehen/Basel und der Fundação Calouste Gulbenkian Centro de Arte Moderna/Lissabon gezeigt wurden. Die 1960 in Rio de Janeiro geborene Künstlerin ist für ihre an den Scherenschnitten Henri Matisses, der Pop Art und der Op Art sowie der Psychedelischen Kunst inspirierten Blumenbilder und ornamentale Abstraktionen weltweit bekannt geworden. 2003 hat sie Brasilien auf die Biennale von Venedig vertreten.

Die Fondation Beyeler präsentierte im Souterrain einen eigens für die Ausstellung gefertigten, monumentalen Jahreszeitenzyklus, eine Auswahl von Collagen und ein Mobile. Auf der Art Basel Miami Beach 2010 stellte die Fondation Beyeler zudem eine Bodenarbeit vor, die die gesamte Fläche des Standes mit erstmals von Milhazes entworfenen Keramikfliesen bedeckte und die auch als Covermotiv für den dreisprachigen Katalog ausgesucht wurde. Erstmals hatte sich Milhazes für die Gemälde des Jahreszeitenzyklus ein Thema gewählt (sonst erhalten die Bilder erst nach Fertigstellung poetisch-mystische Bildtitel), die Werke in vorbereitenden Zeichnungen konzipiert und die Breiten der Werke auf die Dauer der Jahreszeit in Rio angepasst. Der Sommer wird im Hintergrund von einer riesigen Sonne mit Strahlen erhellt, der Herbst ist im Vergleich ruhiger, der Winter schmal und abstrakt, während der Frühling erneut mit dem prosperierenden Blumenmotiv arbeitet. Das Mobile mit dem Titel „Gamboa Seasons“ ist aus bunten Dekorelementen aus Plastik, Perlschnüren und dergleichen gestaltet, wie sie auch für die berühmten Umzugswägen im Karneval von Rio Verwendung finden. Milhazes Verbindung von heimischer Folklore mit internationalen Strömungen der Kunstgeschichte erinnert daher nicht von ungefähr an das „Antropophagistische Manifest“ (1928) von Oswald de Andrade*, in dem die Aufnahme der Moderne in Brasilien als Akt des (gewaltsamen) Einverleibens in Analogie zum Kannibalismus beschrieben wird.

 

 

Für Michiko Kono, Assistenzkuratorin der Fondation Beyeler, ist das Schwanken der Kompositionen zwischen Symmetrie und Asymmetrie von größter Bedeutung. Milhazes beschreibt ihren Ansatz mit der Formulierung, „eine geordnete Freiheit“ finden zu wollen, treffend. Die Materialität der Werke, die gleichermaßen gemalt wie collagiert werden, erlaubt dabei ein konzeptuelles wie experimentelles Vorgehen. Delfim Sardo, unabhängiger Kurator und Essayist in Portugal, verortet die Malerei Milhazes` kunsthistorisch (zwischen Sonia Delaunay. Malerei, Design und ModeFrida Kahlo und Bridget Riley) und der brasilianischen Tropicalia-Bewegung (ausgehend von Hélio Oiticicas neo-konkreter Kunst).

 

 

Fazit: Wunderbar bebilderter Katalog, die Texte gehen allerdings wenig detailliert auf die aktuellen Arbeiten ein, sondern versuchen, die Künstlerin allgemein „einzuordnen“.

* http://dmp.bard.edu/wp-content/uploads/2011/11/Andrade_CannibalistManifesto.pdf

 

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.