Was ist Op Art?

Die frühesten Werke der Op Art datieren in die Mitte der 1950er Jahre und gelten als Spielart bzw. Weiterentwicklung der konkreten Kunst. Op Art Kunstwerke sind (meist) abstrakt und arbeiten mit visuellen Effekten. Damit erzielten Künstlerinnen und Künstler den Eindruck von Bewegung, Vibration, Überlappung. Zu den frühesten Werken der Op Art zählt Victor Vasarelys Gemälde „Zebras“ aus dem Jahr 1938.

Allerdings dürfen manche Werke der Op Art auch zur kinetischen Kunst gezählt werden, da sie nicht nur als formal-kompositorischem Wege Bewegung illusionieren, sondern auch durch tatsachliches manuell, mechanisch oder elektrisch bewerkstelligtes In-Bewegung-Versetzen begeistern. Auch die Bewegung der Betrachterinnen und Betrachter vor dem Werk spielt eine wichtige Rolle. Ob auf dem Weg der Illusion oder der faktischen Bewegung den Künstlerinnen und Künstlern ging und geht es darum, den Sehvorgang an sich zu thematisieren. Sie untersuchen mit ihren Werken vor allem die Wirkung optischer Effekte insbesondere in ihrer Übersteigerung mit allen damit verbundenen Implikationen.1 Daraus ergibt sich, dass die Kunstwerke die Funktion von Behelfen haben. Sie stellen im herkömmlichen Sinn nichts dar, sondern sollen dem Gegenüber ermöglichen, eigene Erfahrungen zu machen. Die geistig-mentale Dimension wird durch eine physische ergänzt, kann ein Werk sogar Schwindel auslösen.

Begriff Op Art

Der Begriff Op Art, kurz für Optical Art [Optische Kunst], wurde 1964 vom Kritiker Jon Borgzinner im Time Magazine geprägt. Er verwendete ihn sowohl in einer Rezension von Julian Stanczaks Ausstellung „Optical Paintings“ in der Martha Jackson Gallery wie auch dem Vorschauartikel „Op Art: Pictures that Attack the Eye“ für die Ausstellung „The Responsive Eye“ im New Yorker Museum of Modern Art (Februar 1965). Schnell breitete sich die Bezeichnung aus, wobei die damit bezeichneten Kunstschaffenden nicht nur begeistert darauf reagierten.

Vorläufer und Wegbereiter

Die Optische Kunst, resp. Optische Malerei hat Wurzeln, die bis zum Neo-Impressionismus (→ Postimpressionismus | Pointillismus | Divisionismus), Kubismus, Futurismus, Konstruktivismus, Dada und den Experimenten des Bauhaus in den 1920er Jahren zurückreichen. Josef Albers und seine Frau Anni Albers zählten zu den wichtigsten Vermittlern der Bauhaus-Ideen und der Avantgarde in den USA nach dem Zweiten Weltkrieg. Ab den 1940er Jahren setzte sich Albers theoretisch mit Farbsystemen auseinander und ordnete in seinen Gemälden Farbtöne nach ihren Wirkungen. Vor allem Albers Serie „Hommage to the Square [Huldigung an das Quadrat]“, an der er mehr als 25 Jahre arbeitete, machte diese Überlegungen national bekannt.

Jüngst wird die Op Art als „ein Manierismus der konkreten Kunst“ gesehen (→ mumok: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520–1970). Wenn man den Werken der 1950er und 1960er Jahre Kunstwerke insbesondere des europäischen Manierismus des 16. Jahrhunderts gegenüberstellt, sowie verwandten Phänomenen vom 17. und 18. Jahrhundert bis in der Klassischen Moderne des 20. Jahrhunderts, lässt sich eine Verbindungslinie an „antiklassischen“ Bewegungen erkennen. Diese „durchkreuzt“ die konkrete Kunst und ist gleichzeitig deren Manierismus. Strebten Künstlerinnen und Künstler der konkreten Kunst wie Piet Mondrian nach Harmonie und Maßhaltigkeit, also Ausgewogenheit sowie Geschlossenheit, so evozieren Op Art Werke genau das Gegenteil. Formal sind die beiden Kunstrichtungen eng verwandt, denn sie arbeiten mit rational-konstruktiven und oft sogar repetitiven oder leicht veränderten Gestaltungsprinzipien. In der Op Art werden sie jedoch auf eine Weise – wie geringfügige Abweichungen – eingesetzt, dass die Wahrnehmung überfordert und irritiert wird. Die meisten Vertreterinnen und Vertreter der Op Art begreifen ihre Arbeit als künstlerische Recherche, sie operieren mit allgemein verständlichen und objektiv nachvollziehbaren Regeln.

Wichtige Künstlerinnen und Künstler der Op Art

  • Adolf Fleischmann (1892–1968)
  • Henryk Berlewi (1894–1967)
  • C. Escher (1898–1972)
  • Hans Hinterreiter (1902–1989)
  • Victor Vasarely (1906–1997)
  • Lothar Charoux (1912–1987)
  • Gego (1912–1994)
  • Mario Ballocco (1913–2008)
  • Luis Tomasello (* 1915)
  • Mario Nigro (1917–1992)
  • Edna Andrade (1917–2008)
  • Nadir Afonso (* 1920)
  • Wojciech Fangor (* 1922)
  • Gregorio Varanega (1923–2007)
  • Jesus Rafael Soto (1923–2005)
  • Carlos Cruz-Diez (* 1923)
  • Luis Sacilotto (1924–2003)
  • Marcel Barbeau (* 1925)
  • Almir Mavignier (* 1925)
  • Martha Boto (1925–2004)
  • Francois Morellet (* 1926)
  • Tony DeLap (* 1927)
  • Ludwig Wilding (1927–2010)
  • Piero Dorazio (1927–2005)
  • Julio Le Parc (* 1928)
  • Omar Rayo (1928–2010)
  • Abraham Palatnik (* 1928)
  • Yaacov Agam (* 1928)
  • Wen-Ying Tsai (1928–2013)
  • Julian Stanczak (* 1928)
  • Horacio Garcia-Rossi (1929–2012)
  • Richard Anuszkiewicz (* 1930)
  • Dadamaino (1930–2004)
  • Heinz Mack (* 1931)
  • Bridget Riley (* 1931)
  • Antonio Asis (* 1932)
  • Charles Hinman (* 1932)
  • Rubem Ludolf (1932–2010)
  • Claude Tousignant (* 1932)
  • Walter Leblanc (1932–1986)
  • Victor Bonato (* 1934)
  • Gerhard von Graevenitz (1934–1983)
  • Tadasky (* 1935)
  • Constantin Flondor (* 1936)
  • Alberto Biasi (* 1937
  • Tess Jaray (* 1937)
  • Eduardo Nery (1938–2013)
  • Markus Raetz (* 1941)
  • Francois Rouan (* 1943)
  • Boris Bu´can (* 1947)
  • Andrej Nowacki (* 1953)
  • Eric Zammitt (* 1960)
  • Giacnni Sarcone (* 1962)
  • Chul Hyun Ahn (* 1971)

Beiträge zur Op Art

24. Mai 2019
Bridget Riley, Hesitate, 1964, Dispersion auf Hartfaserplatte, 107 × 113 cm (Tate, London, presented by the Friends of the Tate Gallery 1985)

Kunstmuseum Stuttgart: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels Die Welt als Labyrinth von Manierismus bis Neoavantgarde (1520–1970)

Op Art, Abkürzung für Optical Art, also die Kunst der Illusion und Täuschung, der faktischen und vermeintlichen Bewegung, die in den 1950er und 1960er Jahren ihre Hochphase hatte, wird im Kunstmuseum Stuttgart gänzlich neu interpretiert.
24. Mai 2019
Richard Anuszkiewicz, Untitled, 1961

mumok: Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels 1520–1970 Die Welt als Labyrinth von Manierismus bis Neoavantgarde

Unter den bahnbrechenden Kunstströmungen der 1960er Jahre wurden der Op Art und der kinetischen Kunst bislang die geringste Aufmerksamkeit zuteil. Häufig wurden sie als zu spektakulär und daher oberflächlich deklassiert. Zu Unrecht, denn Op Art und kinetische Kunst schärfen das Bewusstsein für die Ambivalenz der Wirklichkeit. Sie führen buchstäblich vor Augen, dass die Wahrnehmung nicht objektiv, sondern von volatilen Parametern wie Kontext und Betrachter_in abhängig ist – mit allen erkenntnistheoretischen Konsequenzen.
12. Februar 2016
Abstract Loop Austria im 21er Haus, 2016, Installationsansicht: Alexandra Matzner.

Op Art und Konkrete Kunst in Wien Adrian, Kriesche, Philipp, Rockenschaub - Abstract Loop Austria

Von Op-Art, Kinetischer Kunst bis Neo-Geo und der Verbindung mit minimalistischer Skulptur – führt Axel Köhne im 21er Haus die Entwicklung der konkreten Kunst in Österreich von den 1960er Jahren bis heute exemplarisch vor. Klar, emotionslos, regelbasiert, intellektuell-spielerisch, maschinell aber auch so widersprüchlich wie rational und versteckt irrational-sinnlich sollte Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg sein. Köhne stellt Marc Adrian (1930–2008), Helga Philipp (1939–2002), Richard Kriesche (geb. 1940) und Gerwald Rockenschaub (geb. 1952) in den Kontext internationaler Künstler_innen wie u. a. Josef Albers, Dadamaino (Eduarda Emilia Maino), Kurt Kren, Richard Paul Lhose, François Morellet und Jorrit Tornquist. Adrian und Philipp eröffneten neue Möglichkeit, Kunst und mathematisch-rationale Wahrnehmungsexperimente miteinander zu vereinen. Kriesche ging als Erster den Schritt in Richtung Computer-Kunst, und Rockenschaub erweiterte das Spektrum m. E. um den Bild-Witz.
  1. Eva Badura-Triska, Op Art – Manierismus der konkreten Kunst, in: Eva Badura-Triska, Markus Wörgötter (Hg.), Vertigo. Op Art und eine Geschichte des Schwindels (Ausst.-Kat. mumok, Wien, 25.5.–26.10.2019; Kunstmuseum Stuttgart, 23.11.2019–19.4.2020), Köln 2019.