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Leonardo da Vinci: Biografie Lebenslauf des berühmten Renaissance-Malers, Forschers und Erfinders

Leonardo da Vinci, Kopf eines alten Mannes, Selbstporträt (?), Detail, 1515/16, rote Kreide (Biblioteca Reale, Turin)

Leonardo da Vinci, Kopf eines alten Mannes, Selbstporträt (?), Detail, 1515/16, rote Kreide (Biblioteca Reale, Turin)

Leonardo da Vinci (1452–1519) wurde am 15. April 1452 als unehelicher Sohn des Notars Ser Piero da Vinci und der Bauerntochter Caterina in dem Weiler Anchiano in der Nähe des toskanischen Dorfes Vinci geboren. Er verbrachte seine Kindheit in Vinci vermutlich im Haus seines Großvaters väterlicherseits (1452–1466). Über Leonardos Schulbildung ist nichts dokumentiert, allerdings besuchte er die Lateinschule nicht. Er lernte lesen und schreiben, seine Kenntnisse und Fähigkeiten in Arithmetik waren auch später beschränkt. Um seine naturwissenschaftlichen und technischen Forschungen mit den Zeitgenossen zu diskutieren, lernte er später Latein. Allerdings fühlte er sich in der Sprache nie ganz zuhause.

1464 starb Leonardos Großvater, danach könnte der 12-jährige in den Haushalt seines Vaters nach Florenz übersiedelt sein. Seine Anwesenheit in der Stadt am Arno ist jedoch erstmals 1472 durch seine Mitgliedschaft in der Lukasgilde bestätigt.

 

Ausbildung

Die außergewöhnliche Begabung seines Sohnes soll den Vater dazu angeregt haben, ihn in eine Lehre in Florenz zu geben. Im Alter von 14 Jahren könnte Leonardo seine Ausbildung bei dem berühmten Florentiner Bildhauer und Maler Andrea del Verrocchio angetreten haben. Vor allem Verrocchios Leistungen auf dem Gebiet der Bronzeplastik macht diesen Künstler heute zu einem herausragenden Kunstschaffenden der Renaissance.

Im Jahr 1472 wurde Leonardo da Vinci in die Lukasgilde von Florenz aufgenommen. Obwohl Leonardo nun als unabhängiger Künstler tätig sein konnte, arbeitete er dennoch weitere zehn Jahre mit Verrocchio zusammen. In diesen Jahren malte er erste Porträts und kleine sakrale Bilder mit Darstellungen der Jungfrau Maria.

 

Frühe Werke

Das früheste datierte Werk von Leonardo ist eine außergewöhnliche Zeichnung: Am 5. August 1473 schuf, beschriftete (Spiegelschrift) und datierte er die Darstellung vom Arnotal. Mit dieser Naturstudie wandte sich der wissbegierige Maler erstmals von der traditionellen Sicht auf die Landschaft ab und der ihn umgebenden Natur zu.

Zu den frühesten Gemälden, die Leonardo maler bzw. an denen er beteiligt war, zählen die „Verkündigung“ (um 1472–1475, 98 × 217 cm, Uffizien), einige Teile an der „Taufe Christi“ (um 1475 177 × 151 cm, Uffizien) und das „Porträt der Ginevra de‘ Benci“ (um 1478–1480, 38.1 x 37 cm, National Gallery of Art, Washington DC). Das Bildnis der Ginevra de‘ Benci zeigt die idealschöne Frau im Dreiviertelporträt und bezeugt Leonardos Auseinandersetzung mit der flämischen Malerei des 15. Jahrhunderts.

Als Leonardo 1476 wegen Sodomie angeklagt wurde, wurde der Maler in der Klagschrift als Mitglied der Werkstatt Verrocchios beschrieben. Das ist überhaupt die erste Nennung Leonardos im Kontext Verrocchios, der ihn sowohl in Malerei wie auch Plastik ausbilden konnte. Die Klage wurde fallengelassen.

Im Jahr 1478 erhielt Leonardo den Auftrag, ein Altarbild für eine Kapelle im Regierungssitz in Florenz (Palazzo della Signoria) zu malen. Er scheint dieses Werk nie begonnen zu haben. Stattdessen wandte er sich um 1481/82 einer vielfigurigen „Anbetung der Könige“ (unvollendet, 244 x 240 cm, Gallerie degli Uffizi, Florenz) für die Kirche San Donato a Scopeto außerhalb von Florenz zu. Sein Vater war für die Kirche als Notar zuständig. Im September 1481 erhielt Leonarod als Teilzahlung für die „Anbetung der Könige“ ein Fass Wein. Dennoch hinterließ er das Gemälde unvollendet, bzw. im Zustand der Unterzeichnung. Vielfach wird angenommen, dass diese bereits als so vollkommen angesehen wurde, dass Farbe dem Werk nur noch abträglich gewesen wäre.

 

Leonardo in Mailand: Erfinder, Forscher, Architekt, Maler (1482–1499)

Ein früher Biografie berichtete, dass Leonardo von Lorenzo de‘ Medici 1482 nach Mailand geschickt worden war, um Ludovico Sforza, dem späteren Herzog, eine silberne Lyra in der Form eines Pferdeschädels vorzustellen. Leonardo hatte das Musikinstrument entworfen und nur er konnte es spielen. Vielleicht hat er deshalb seine frühe „Anbetung der Könige [Epiphanie]“ (1481/82, 244 x 240 cm, Uffizien), seine erste vielfigurige Szene, nicht vollendet.

Spätestens im April 1483 hat sich Leonardo da Vinci in Mailand niedergelassen, wo er die folgenden 16 Jahre blieb. Hier erhielt er von der Bruderschaft der unbefleckten Empfängnis in der Franziskanerkirche San Francesco in Mailand den Auftrag für die „Felsgrottenmadonna“ (um 1483–1485, erste Fassung, 199 x 122 cm, Musée du Louvre).

Vielleicht 1487 oder in der zweiten Hälfte der 1480er Jahre Leonardo da Vinci trat in die Dienste von Ludovico Sforza (1452–1508). Hier zeichnete er bis 1499 vor allem Entwürfe für Waffen, schuf ein Tonmodell für ein gigantisches Reiterdenkmal für den Vater des späteren Herzogs (nie ausgeführt). Die tönerne Darstellung des Pferdes maß allein sieben Meter!

Zu den wichtigsten Gemälden, die Leonardo während seines ersten Aufenthalts in Mailand schuf, zählen die beiden Porträts der Mätressen Ludovicos. Um 1489 beauftragte Sforza Leonardo mit dem Porträt seiner Mätresse Cecilia Gallerani: „Porträt der Cecilia Gallerani [Die Dame mit dem Hermelin]“ (54,8 x 40,3 cm, Czartoryski Museum, Krakau). Das Gemälde muss dem Herzog gefallen haben, wohl um 1494 trug er ihm auf, seine neue Geliebte, Lucrezia Crivelli, ebenfalls in einem Bildnis zu verewigen: „Porträt einer Frau [Lucrezia Crivelli?]“ (um 1494, 63 x 45 cm, Musée du Louvre, Paris). Höchstwahrscheinlich steht Ludovico Sforza auch hinter dem Auftrag für das „Letzte Abendmahl“ im Refektorium von Santa Maria delle Grazie in Mailand – wie auch die Dekorationsmalerei im Castello Sforzesco.

Auch als Ingenieur verdiente sich Leonardo einen gewissen Ruhm am Sforza-Hof. Im Jahr 1490 war er an Theateraufführungen mit überraschenden Spezialeffekten beteiligt. Daraufhin wurde Leonardo da Vinci Mitglied der Akademie [academia] (1490–1492). Die Hinwendung Leonardos zur Wissenschaft und sein Versuch, Malerei als wissenschaftliche Tätigkeit zu etablieren, ist 1498 durch seine Teilnahme Leonardos an einem „wissenschaftlichen Disput [scientifico duello]“ belegt. In der Anwesenheit von Ludovico Sforza sollte jeder Teilnehmer die Vorherrschaft seines Faches – entweder in den Wissenschaften oder den Künsten – argumentativ belegen. Aus seinen Aufzeichnungen lässt sich schlussfolgern, dass Leonardo die Position vertrat, dass die Malerei nicht nur eine mathematische Wissenschaft wäre (Perspektive), sondern höher als Die Dichtkunst, Musik und Bildhauerei zu werten wäre. Danach beauftragte Ludovico Sforza eine Publikation über den paragone [den Vergleich von Malerei und Skulptur] bei Leonardo. Er sollte darin die Höherstellung der Malerei argumentieren.

Der Bildhauer Leonardo vollendete 1493 ein gigantisches Tonmodell eines Pferdes, das vielgerühmt wurde. Es stand in der Corte Vecchia, in der Nähe des Domes. Leonardo ging jedoch nie über dieses Tonmodell hinaus. Das verstärkte die Zweifel seines Auftraggebers, ob er jemals das Reiterporträt zu Ehren seines Vaters vollenden würde.

Das berühmteste Werk von Leonardo in Mailand ist „Das Abendmahl“ (1494–1498) im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie. Mit seiner spannungsgeladenen und doch harmonischen Komposition, vor allem aber der überzeugenden Darstellung der unterschiedlichen Charaktere und Reaktionen der Apostel wurde „Das Abendmahl“ rasch zum berühmtesten Werk Leonardos.

Im Jahr 1499 eroberte die französische Armee die Lombardai und stürzte Ludovico vom Thron. Leonardo verlor seinen wichtigen ersten Mäzen und seine Stellung bei Hofe. Bevor er Mailand verließ, gewann er französische Gönner für sich und erarbeitete Aufträge, die bis zum Ende seines Lebens wichtig bleiben sollten.

 

Leonardo in Florenz

Nach kurzen Aufenthalten in Venedig und möglicherweise Rom und Neapel kehrte Leonardo 1500 nach Florenz zurück. Seine ersten Werke waren die „Madonna mit der Spindel“ und der Karton der „Anna selbdritt“ (London). Allerdings soll sich der Maler stark mit Geometrie beschäftigt und nur wenig Geduld mit dem Pinsel gehabt haben.

Vom Sommer 1502 bis zum März 1503 stand Leonardo als Militärarchitekt und Ingenieur im Dienst von Cesare Borgia, Sohn von Papst Alexander VI. und Befehlshaber der päpstlichen Armee. Bis Ende des Jahres 1502 bereiste er die neu eroberten Territorien östlich von Florenz, wo er Ceseca, Rimini, Urbino, Pesaro und Imola besuchte. Hier begutachtete er die Befestigungsanlagen, was sein früheres Interesse an militärischer Theorie wiederaufleben ließ.

Nachdem er im März 1503 wieder nach Florenz zurückgekehrt war, begann er an Arbeiten an der „„Porträt der Lisa del Giocondo [Mona Lisa]” (77 x 53 cm, Musée du Louvre, Paris) und der „Leda mit dem Schwan“ (verloren). Gleichzeitig fertigte er Landkarten für die Florentiner Stadtregierung an (Gebiet um Pisa, Chiana-Tal, Arno östlich und westlich von Florenz).

Anghiari-Schlacht

Sein wichtigstes Projekt aber war das Fresko der „Anghiari-Schlacht“ (unvollendet): Leonardo erhielt den Auftrag der florentinischen Stadtregierung im Großen Rat des Palazzo della Signoria (Palazzo della Signoria), dem damaligen Sitz der Republik, die Schlacht von Anghiari (1449) zu malen. Es handelte sich um den wichtigsten Auftrag im öffentlichen Raum, den Leonardo je erhielt. Im Jahr 1505 malte er den zentralen Teil der Komposition der „Anghiari-Schlacht“, die sich auf den Kampf um die Standarte konzentrierte. Aufgrund schlechter Materialwahl blieb die Farbe nicht an der Wand haften, weshalb das Projekt eingestellt wurde. Das unvollendete Fresko blieb mehrere Jahrzehnte lang sichtbar, bis Cosimo de‘ Medici eine Renovierung des Saales beauftragte: Giorgio Vasari bemalte die Wand mit einem weiteren Schlachtengemälde.

 

Leonardos zweiter Aufenthalt in Mailand

Auf Bitten der französischen Besatzer kehrte Leonardo im Sommer 1506 nach Mailand zurück. In den folgenden zwei Jahren reiste er wiederholt zwischen Florenz und Mailand, beschäftigte sich mit Staffeleibildern, vor allem aber seinen anatomischen Studien. So sezierte Leonardo im Winter 1506/07 einen alten Mann im Hospital Santa Maria Novella in Florenz. Die im Rahmen dieser Sektion entstandenen Zeichnungen können als Leonardos größte Leistungen in der Anatomie gewertet werden. An der medizinischen Fakultät der Universität Pavia sezierte er weitere Leichen.

Im Frühjahr 1508 kehrte Leonardo da Vinci endgültig nach Mailand zurück. Bis 1513 lebte der Maler und Forscher in und um Mailand. Wahrscheinlich begann er in dieser Zeit mit der Arbeit am Gemälde „Anna selbdritt“. Er plante eine Villa für den Statthalter in Mailand und ein weiteres Reiterstandbild des Söldnerführers Gian Giacomo Trivulzio.

Einmal mehr beeinflussten Politik und militärisches Geschick Leben und Werk des Renaissance-Genies: Als 1512 Schweizer Truppen, unterstützt vom Paper und dem Heiligen Römischen Reich, einen Teil von Mailand besetzten, setzten sie den Sohn von Ludovico Sforza als Herzog ein. Da dieser das Mäzenatentum seines Vaters nicht aufnehmen konnte, verlor Leonardo jegliche finanzielle Unterstützung. Er hielt sich daher häufig in der Familienvilla seines wohlgeborenen Gehilfen Francesco Melzi auf. Hier entwarf Leonardo Verbesserungen für die Villa und setzte seine wissenschaftlichen Studien fort: anatomische Untersuchungen (Hunde, Vögel, Ochsen).

 

Leonardo in Rom

Im September 1513 verließ Leonardo die Lombardei endgültig und reiste nach Rom. Hier lebte er drei Jahre lang und genoss das Mäzenatentum von Giuliano de‘ Medici, dem Bruder der kurz zuvor gewählten Papstes Leo X. Michelangelo hatte die Decke der Sixtina fertig bemalt, und Raffael arbeitete in den Stanzen. Was Leonardo künstlerisch in Rom vollbrachte, ist ungewiss.

Im Juli 1515 gab die florentinische Gemeinde in Lyon bei Leonardo einen mechanischen Löwen in Auftrag, um den frisch gekrönten König Franz I. zu begrüßen. So kam auch der neue französische König in Kontakt mit dem Erfindungs- und Ideenreichtum des Florentiners. Nachdem im März 1516 Giuliano de‘ Medici verstorben war, gibt es im August des Jahres den letzten Beleg von Leonardos Anwesenheit in Rom: Der Ingenieur und Architekt untersuchte die Basilika San Paolo fuori le mura. Danach übersiedelte er, nun im Alter von 64 Jahren, nach Frankreich.

 

Leonardo in Frankreich

Ab Januar 1517 arbeitete Leonardo am Hof von König Franz I. im Königsschloss in Amboise (Loiretal). Er war als Maler, Ingenieur und Architekt für den König in einer privilegierten Stellung tätig, lebte in seinem eigenen Haus und erfreute sich erstmals in seinem Leben eines regelmäßigen Einkommens. Leonardo arbeitete in den letzten eineinhalb Jahren seines Lebens nur noch wenig. Allerdings standen die „Mona Lisa“ und die „Anna selbdritt“ noch immer auf der Staffelei. Zu den weiteren Projekten der Spätzeit Leonardos gehören Entwürfe für ein weiteres Reiterstandbild. Seinen Lebensunterhalt verdiente er jedoch damit, den Hof in technischen Belangen zu beraten und Lustbarkeiten zu entwerfen. Zudem erfreute sich Franz I. der Gesellschaft Leonardos, dem er gerne beim Reden zuhörte, wie Benvenuto Cellini berichtete (→ Benvenuto Cellini: Saliera).

Am 2. Mai 1519 verstarb Leonardo da Vinci in Amboise. Sein Grabstein befindet sich auf dem Grund des Château d’Amboise, wo er besichtigt werden kann.

 

Ehefrau / Liebhaber

  • Leonardo blieb unverheiratet.
  • Gian Giacomo Caprotti, genannt Salaj (Mailand, um 1480–vor dem 10. März 1524): Salaj kam gegen 1490 als Zehnjähriger in die Leonardo-Werkstatt, wo er als Gehilfe beschäftigt wurde. Obwohl er seinem Meister viele Streiche spielte und Geld entwendete, nahm ihn Leonardo nach Mantua, Venedig, Florenz, Mailand und Rom mit. Ob Leonardo ein homosexuelles Verhältnis mit seinem Schüler und Mitarbeiter hatte, war früh in Diskussion (Lomazzo). Eine Notiz im Codex Atalnticus scheint darauf hinzudeuten. Giorgio Vasari nimmt in seiner Leonardo-Biografie an, Salaj wäre das Modell der „Mona Lisa“ und deren Name ein Anagramm auf „mon salai“.

 

Kinder

  • Keine bekannt

 

Weitere Beiträge zu Leonardo da Vinci

 

 Biografie von Leonardo da Vinci (1452–1519)

  • 15. April 1452

    Leonardo da Vinci wurde als unehelicher Sohn des Notars Ser Piero da Vinci und der Bauerntochter Caterina in dem Weiler Anchiano in der Nähe des toskanischen Dorfes Vinci geboren.
  • 1452–1466

    Leonardo verbrachte seine Kindheit in Vinci vermutlich im Haus seines Großvaters väterlicherseits. Über Leonardos Schulbildung ist nichts dokumentiert. Er besuchte die Lateinschule nicht. Er lernte lesen und schreiben, seine Kenntnisse und Fähigkeiten in Arithmetik waren auch später beschränkt. Um seine naturwissenschaftlichen und technischen Forschungen mit den Zeitgenossen zu diskutieren, lernte er später Latein. Allerdings fühlte er sich in der Sprache nie ganz zuhause.
  • 1464

    Tod des Großvaters. Der 12-jährige könnte in den Haushalt seines Vaters nach Florenz übersiedelt sein. Seine Anwesenheit in der Stadt am Arno ist erstmals 1472 durch seine Mitgliedschaft in der Lukasgilde bestätigt.
  • 1466–1482

    Lehre in Florenz. Im Alter von 14 Jahren wurde Leonardo bei dem berühmten Florentiner Bildhauer und Maler Andrea del Verrocchio in die Lehre gegeben. Ob dieser sein Hauptlehrer war, ist nicht belegt.
  • 1472

    Aufnahme in die Lukasgilde von Florenz. Obwohl Leonardo nun als unabhängiger Künstler tätig sein konnte, arbeitete er dennoch weitere zehn Jahre mit Verrocchio zusammen. In diesen Jahren malte er erste Porträts und Kleiner sakrale Bilder mit Darstellungen der Jungfrau Maria.
  • 5. August 1473

    Leonardo schuf, beschriftete (Spiegelschrift) und datierte die außergewöhnliche Landschaftszeichnung vom Arnotal.
  • um 1472–1475

    „Verkündigung“ (98 × 217 cm, Uffizien)
  • um 1475

    „Taufe Christi“ (177 × 151 cm, Uffizien)
  • 1476

    Leonardo wurde wegen Sodomie angeklagt. Die Klage wurde fallengelassen. In der Klagschrift wird der Maler als Mitglied der Werkstatt Verrocchios beschrieben (erste Nennung!).
  • um 1478–1480

    „Porträt der Ginevra de‘ Benci“ (38.1 x 37 cm, National Gallery of Art, Washington DC)
  • 1478

    Leonardo erhielt den Auftrag, ein Altarbild für eine Kapelle im Regierungssitz in Florenz (Palazzo della Signoria) zu malen. Er scheint dieses Werk nie begonnen zu haben.
  • März 1481/82

    Im März 1481 beauftragten die Mönche von San Donato Leonardo mit der „Anbetung der Könige“ (unvollendet, 244 x 240 cm, Gallerie degli Uffizi, Florenz) für die Kirche San Donato a Scopeto außerhalb von Florenz. Sein Vater war für die Kirche als Notar zuständig.
  • September 1481

    Erhielt ein Fass Wein als Teilzahlung für die „Anbetung der Könige“.
  • 1482

    Ein früher Biografie berichtete, dass Leonardo von Lorenzo de‘ Medici nach Mailand geschickt worden war, um Ludovico Sforza, dem späteren Herzog, eine silberne Lyra in der Form eines Pferdeschädels vorzustellen. Leonardo hatte das Musikinstrument entworfen und nur er konnte es spielen. Vielleicht hat er deshalb seine frühe „Anbetung der Könige [Epiphanie]“ (1481/82, 244 x 240 cm, Uffizien), seine erste vielfigurige Szene, nicht vollendet.
  • April 1483

    Spätestens im April 1483 hat sich Leonardo da Vinci in Mailand niedergelassen, wo er die folgenden 16 Jahre blieb. Hier erhielt er den Auftrag für die „Felsgrottenmadonna“.
  • um 1483–1485

    „Felsgrottenmadonna“ (erste Fassung, 199 x 122 cm, Musée du Louvre) für die Bruderschaft der unbefleckten Empfängnis in der Franziskanerkirche San Francesco in Mailand. Diese Fassung wurde nie übergeben und eine zweite in Auftrag gegeben.
  • Vielleicht 1487 oder zweite Hälfte der 1480er Jahre–1499

    Leonardo da Vinci trat in die Dienste von Ludovico Sforza (1452–1508). Hier zeichnete er vor allem Entwürfe für Waffen, schuf ein Tonmodell für ein gigantisches Reiterdenkmal (nie ausgeführt). Zuvor hatte sich der zum Maler ausgebildete Leonardo dem mächtigen Herzog von Mailand in einem Bewerbungsschreiben selbst vorgestellt – dieses ist nur als Entwurf erhalten. Darin versucht Leonardo seinen zukünftigen Auftraggeber von seinen Qualitäten als Maler, Bildhauer, Militär-Ingenieur zu überzeugen. Trotz seiner geringen Produktion als Künstler und dem Fehlen von herzeigbaren Erfahrungen als Ingenieur oder Architekt wurde Leonardo nach Mailand berufen.
  • um 1489

    Ludovico Sforza beauftragte Leonardo mit dem Porträt seiner Mätresse Cecilia Gallerani: „Porträt der Cecilia Gallerani [Die Dame mit dem Hermelin]“ (54,8 x 40,3 cm, Czartoryski Museum, Krakau). Das Gemälde muss dem Herzog gefallen haben, wenige Jahre später trug er ihm auf, seine neue Geliebte, Lucrezia Crivelli, ebenfalls in einem Bildnis zu verewigen. Höchstwahrscheinlich steht Ludovico Sforza auch hinter dem Auftrag für das „Letzte Abendmahl“ im Refektorium von Santa Maria delle Grazie in Mailand – wie auch die Dekorationsmalerei im Castello Sforzesco.
  • 1490

    Als Ingenieur verdiente sich Leonardo einen gewissen Ruhm am Sforza-Hof. In diesem Jahr war er an Theateraufführungen mit überraschenden Spezialeffekten beteiligt. In dieser Zeit tauschte Leonardo in seinen Zeichnungen den Silberstift gegen rote und schwarze Kreide aus. Dieser ermöglichte ihm schnell zu skizzieren und durch Verwischen den „Sfurmato“-Effekt zu erzeugen. Die Köpfe der Apostel im „Abendmahl“ gehören zu den ersten Zeichnungen, die Leonardo da Vinci in dieser Technik machte.
  • 1490–1492

    Leonardo da Vinci war Mitglied der Akademie [academia]
  • 1493

    Der Bildhauer Leonardo vollendete ein gigantisches Tonmodell eines Pferdes, das vielgerühmt wurde. Es stand in der Corte Vecchia, in der Nähe des Domes. Leonardo ging nie über dieses Tonmodell hinaus. Das verstärkte die Zweifel seines Auftraggebers, ob er jemals das Reiterporträt zu Ehren seines Vaters vollenden würde.
  • 1493–1508

    „Felsgrottenmadonna“ (The National Gallery, London) vollendet von seinem Schüler Ambrogio de Predis (um 1455–nach 1508).
  • um 1494

    „Porträt einer Frau [Lucrezia Crivelli?]“ (63 x 45 cm, Musée du Louvre, Paris)
  • 1494–1498

    Leonardo malte „Das Abendmahl“ im Refektorium des Dominikanerklosters Santa Maria delle Grazie. Mit seiner spannungsgeladenen und doch harmonischen Komposition, vor allem aber der überzeugenden Darstellung der unterschiedlichen Charaktere und Reaktionen der Apostel wurde „Das Abendmahl“ rasch zum berühmtesten Werk Leonardos.
  • 1498

    Teilnahme Leonardos an einem „wissenschaftlichen Disput [scientifico duello]“, der in der Anwesenheit von Ludovico Sforza abgehalten wurde. Jeder Teilnehmer sollte die Vorherrschaft seines Faches – entweder in den Wissenschaften oder den Künsten – argumentativ belegen. Es ist wahrscheinlich, dass Leonardo in seinem Vortrag die traditionellen Vorstellungen der Hierarchien der Fächer herausforderte. Desgleichen stellte er die Reihenfolge des Wissens, der Fähigkeiten und dem daraus entspringenden sozialen, intellektuellen und wirtschaftlichen Status in Frage. Aus seinen Aufzeichnungen lässt sich schlussfolgern, dass Leonardo die Position vertrat, dass die Malerei nicht nur eine mathematische Wissenschaft wäre (Perspektive), sondern höher als Die Dichtkunst, Musik und Bildhauerei zu werten wäre. Überlieferungen eines Mailänder Freundes und Partners von Leonardo legen nahe, dass dieser die Auseinandersetzung gewonnen haben könnte. Danach beauftragte Ludovico Sforza eine Publikation über den paragone [den Vergleich von Malerei und Skulptur] bei Leonardo. Er sollte darin die Höherstellung der Malerei argumentieren. Wenn auch eine Quelle aus dem 16. Jahrhundert nahelegt, dass dieses Buch wirklich existierte, so ist dessen Inhalt nur aus verschiedenen Notizen bekannt. Für diese und andere künstlerische Leistungen belohnte der Herzog Leonardo mit einem Garten außerhalb der Porta Vercelli.
  • 1499

    Die französische Armee eroberte die Lombardai und stürzte Ludovico vom Thron. Leonardo verlor seinen Mäzen und seine Stellung. Bevor er Mailand verließ, gewann er französische Gönner für sich und erarbeitete Aufträge, die bis zum Ende seines Lebens wichtig bleiben sollten.
  • Dezember 1499/1500

    Kurzer Aufenthalt in Venedig, Mantua, wo er eine Kreidezeichnung von Isabella d’Este anfertigte (und möglicherweise Rom und Neapel).
  • April 1500

    Leonardo kehrte nach Florenz zurück. Seine ersten Werke waren die „Madonna mit der Spindel“ und der Karton der „Anna selbdritt“ (London). Allerdings soll der Maler sich stark mit Geometrie beschäftigt und nur wenig Geduld mit dem Pinsel gehabt haben.
  • April 1501

    Nachdem er bereits seit einem Jahr im Kloster Annunziata wohnte, lieferte er den Karton für das Altarbild für die Basilica della Santissima Annunziata ab: Der Entwurf für das Gemälde „Anna selbdritt“ wurde in Florenz heftig akklamiert. Im gleichen Jahr malte er die „Madonna mit der Spindel“ für den französischen Hof.
  • Sommer 1502–März 1503

    Im Alter von 50 Jahren trat Leonardo als Militärarchitekt und Ingenieur in den Dienst von Cesare Borgia, Sohn von Papst Alexander VI. und Befehlshaber der päpstlichen Armee. Bis Ende des Jahres 1502 bereiste er die neu eroberten Territorien östlich von Florenz, wo er Ceseca, Rimini, Urbino, Pesaro und Imola besuchte. Hier begutachtete er die Befestigungsanlagen, was sein früheres Interesse an militärischer Theorie wiederaufleben ließ.
  • März 1503

    Rückkehr nach Florenz. Beginn der Arbeiten an der „Mona Lisa“ und der „Leda mit dem Schwan“. Nun fertigte er Landkarten für die Florentiner Stadtregierung an (Gebiet um Pisa, Chiana-Tal, Arno östlich und westlich von Florenz). Sein wichtigstes Projekt aber war das Fresko der „Anghiari-Schlacht“ (unvollendet) und – aus heutiger Sicht – das Porträt der „Mona Lisa“ (Louvre). Leonardo erhielt den Auftrag der florentinischen Stadtregierung im Großen Rat des Palazzo della Signoria (Palazzo della Signoria), dem damaligen Sitz der Republik, die Schlacht von Anghiari (1449) zu malen. Es handelte sich um den wichtigsten Auftrag im öffentlichen Raum, den Leonardo je erhielt.
  • um 1503–1517

    „Porträt der Lisa del Giocondo [Mona Lisa]” (77 x 53 cm, Musée du Louvre, Paris)
  • um 1503–1519

    „Hl. Anna selbdritt” (168.4 x 113 cm, Musée du Louvre, Paris)
  • 1504/05

    Entwurfsarbeiten für die „Anghiari-Schlacht“
  • 1505

    Leonardo malte den zentralen Teil der Komposition der „Anghiari-Schlacht“, die sich auf den Kampf um die Standarte konzentrierte. Aufgrund schlechter Materialwahl blieb die Farbe nicht an der Wand haften, weshalb das Projekt eingestellt wurde. Das unvollendete Fresko blieb mehrere Jahrzehnte lang sichtbar, bis Cosimo de‘ Medici eine Renovierung des Saales beauftragte: Giorgio Vasari bemalte die Wand mit einem weiteren Schlachtengemälde.
  • Sommer 1506

    Auf Bitten der französischen Besatzer kehrte Leonardo nach Mailand zurück. In den folgenden zwei Jahren reiste er wiederholt zwischen Florenz und Mailand. In diesen Jahren beschäftigte er sich mit Staffeleibildern, vor allem aber seinen anatomischen Studien.
  • um 1506–1515

    „Johannes der Täufer“ (73 x 56,5 cm, Musée du Louvre, Paris)
  • Winter 1506/07

    Leonardo sezierte einen alten Mann im Hospital Santa Maria Novella in Florenz. Die im Rahmen dieser Sektion entstandenen Zeichnungen können als Leonardos größte Leistungen in der Anatomie gewertet werden.
  • Frühjahr 1508

    Endgültige Rückkehr nach Mailand. Tod von Ludovico Sforza in französischer Gefangenschaft, 27. Mai 1508). Bis 1513 lebte der Maler und Forscher in und um Mailand. Wahrscheinlich begann er in dieser Zeit mit der Arbeit am Gemälde „Anna selbdritt“. An der medizinischen Fakultät der Universität Pavia sezierte er weitere Leichen. Er plante eine Villa für den Statthalter in Mailand. Entwürfe für das Reiterstandbild des Söldnerführers Gian Giacomo Trivulzio.
  • 1511

    Die französischen Besatzer standen unter militärischem Druck durch die „Heilige Liga“ aus päpstlichen, venezianischen und spanischen Truppen.
  • 1512

    Schweizer Truppen, unterstützt vom Paper und dem Heiligen Römischen Reich, besetzten einen Teil von Mailand und setzten den Sohn von Ludovico Sforza als Herzog ein. Da dieser das Mäzenatentum seines Vaters nicht aufnehmen konnte, verlor Leonardo jegliche finanzielle Unterstützung. Er hielt sich häufig in der Familienvilla seines wohlgeborenen Gehilfen Francesco Melzi auf. Er entwarf Verbesserungen für die Villa und setzte seine wissenschaftlichen Studien fort: anatomische Untersuchungen (Hunde, Vögel, Ochsen).
  • September 1513

    Leonardo verließ die Lombardei endgültig und reiste nach Rom. Hier lebte er drei Jahre lang und genoss das Mäzenatentum von Giuliano de‘ Medici, dem Bruder der kurz zuvor gewählten Papstes Leo X. Michelangelo hatte die Decke der Sixtina fertig bemalt, und Raffael arbeitete in den Stanzen. Was Leonardo künstlerisch in Rom vollbrachte, ist ungewiss.
  • 1514

    Reisen nach Civitavecchia und Parma
  • 1515

    Reisen nach Florenz, Bologna und möglicherweise zu den Pontinischen Sümpfen.
  • Juli 1515

    Die florentinische Gemeinde in Lyon gab bei Leonardo einen mechanischen Löwen in Auftrag, um den frisch gekrönten König Franz I. zu begrüßen. So kam auch der neue französische König in Kontakt mit dem Erfindungs- und Ideenreichtum des Florentiners.
  • 1516

    Tod von Giuliano de‘ Medici im März 1516. Im August gibt es den letzten Beleg von Leonardos Anwesenheit in Rom: Der Ingenieur und Architekt untersuchte die Basilika San Paolo fuori le mura. Im Alter von 64 Jahren Umzug nach Frankreich.
  • 1517–1519

    Ab Januar 1517 arbeitete Leonardo am Hof von König Franz I. im Königsschloss in Amboise (Loiretal). Er war als Maler, Ingenieur und Architekt für den König in einer privilegierten Stellung, lebte in seinem eigenen Haus und erfreute sich erstmals in seinem Leben eines regelmäßigen Einkommens. Leonardo arbeitete in den letzten eineinhalb Jahren seines Lebens nur noch wenig. Allerdings standen die „Mona Lisa“ und die „Anna selbdritt“ noch immer auf der Staffelei. Zu den weiteren Projekten der Spätzeit Leonardos gehören Entwürfe für ein weiteres Reiterstandbild. Seinen Lebensunterhalt verdiente er jedoch damit, den Hof in technischen Belangen zu beraten und Lustbarkeiten zu entwerfen. Zudem erfreute sich Franz I. der Gesellschaft Leonardos, dem er gerne beim Reden zuhörte, wie Benvenuto Cellini berichtete.
  • 2. Mai 1519

    Tod von Leonardo da Vinci in Amboise. Sein Grabstein befindet sich auf dem Grund des Château d’Amboise, wo er besichtigt werden kann.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.