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Alkersum | MKDW: Stimmungslandschaften des Nordens 1880–1920 Mittsommer in der nordischen Malerei | 2025

Veröffentlicht von Alexandra Matzner von 10. Juli 2025
Akseli Gallen-Kallela, Sonnenuntergang über dem Ruovesi-See, Detail, 1915-16, Collection Broere Charitable Foundation)

Akseli Gallen-Kallela, Sonnenuntergang über dem Ruovesi-See, Detail, 1915-16, Collection Broere Charitable Foundation)

In Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland wird der Mittsommer mit großen ausgelassenen Festen begangen. Das klare Licht an den langen Tagen um die Sommersonnenwende und die sogenannten Weißen Nächte tauchen die Landschaften in eine ganz einzigartige Stimmung. Im Zeitraum zwischen 1880 und 1920, in dem die moderne skandinavische und finnische Kunst eine Hochphase erlebte, entwickelten Künstler:innen eine neue Bildsprache, die den Eigentümlichkeiten und Gefühlslagen ihrer Herkunftsländer Ausdruck verlieh. Realismus, Naturalismus (→ Naturalismus 1875-1918), Impressionismus und Symbolismus hießen die neuen Strömungen. Die Freilichtmalerei förderte eine an der Wirklichkeit orientierte, dennoch subjektive Wahrnehmung der eigenen Zeit.

Nordische Stimmungsmalerei aus der Sammlung Fielmann

Goldgelbes Licht, stimmungsvolle Sonnenuntergänge, lange Sommertage am Strand, geselliges Leben oder auch melancholisch blaue Blicke auf eine geschwungene Küstenlandschaft in der hellen Nacht. So zeigt sich die nordische Lanschaftsmalerei um 1900 - vor allem, wenn es um den Mittsommer geht.

Die Ausstellung in Alkersum versammelt einige der wichtigsten Maler:innen aus Dänemark, Norwegen, Schweden und Finnland, die sich mit den langen Tagen und hellen Nächten auseinandersetzten. Nachdem sie ihre Ausbildung an den heimischen Akademien in Kopenhagen (Christiania), Stockholm absolviert hatten, hielten sich viele von ihnen zur weiteren Fortbildung in Paris auf. Vom Pariser Impressionismus geprägt, machten sie sich auf, zurück im Norden und in Künstlerkolonien über die malerischen Möglichkeiten fernab der Kunstzentren nachzudenken. Natur und Jahreskreislauf inspirierten sie zu farbigen Experimenten, mit denen sie der Heimat aber auch dem gesellschaftlichen Leben nachspürten.

Zu den Höhepunkten im Museum Kunst der Westküste gehören zweifellos die Landschaften von Edvard Munch und Akseli Gallen-Kallela. Sie fühlten sich in die koloristischen Möglichkeiten ihrer Motive ein, wobei Munch als Symbolist sich größere Freiheiten in der Formgebung nahm. Im Vergleich dazu zeigt sich Gallel-Kallela von der romantischen Seite. Er hielt in der wunderbaren Skizze einen dramatischeren, bewegteren Himmel fest, schildert Gelb- und Rosetöne neben Blau und Grün. Der Impressionismus - und der Einfluss von Claude Monet - zeigt sich in den bewegten Pinselstrichen im unteren Bereich des Bildes: Jeder Strich deutet eine Welle an.

Akseli Gallen-Kallela, Sonnenuntergang über dem Ruovesi-See, 1915-16, Collection Broere Charitable Foundation)
Edvard Munch, Landschaft in Vestre Aker, 1882, Sammlung Familie Fielmann)
Edvard Munch, Landschaft in Vestre Aker, 1882, Sammlung Familie Fielmann)

Anna Ancher, Sommerabend (Sammlung Familie Fielmann)
Anna Ancher, Sommerabend (Sammlung Familie Fielmann)

Hoher Frauenanteil

Von den 28 ausgestellten Künstler:innen sind immerhin fünf weiblich. Die liberale Stimmung in den nordischen Ländern ermutigte Künstlerinnen. sich der Malerei zu widmen. Die berühmteste unter ihnen ist zweifellos Anna Ancher, die mir ihrem Mann Michael Ancher das Zentrum der Künstlerkolonie im dänischen Skagen bildete.

Helen Schjerfbek wird gerade in den USA entdeckt und gilt als eine außergewöhnliche Malerin, deren experimentelle Selbstporträts Kunstgeschichte geschrieben haben. In Alkersum kann man sie als virtuose Landschaftsmalerin entdecken.

 

Sammlung Fielmann - eine außergewönliche Entdeckung

Von den 73 Gemälden im Museum der Westküste stammen 49 aus einer hochkarätigen norddeutschen Kunstsammlung, zu der das MKdW exklusiven Zugang hat: der Sammlung Fielmann. Vielen ist der Name von Günther Fielmann, dem vermutlich bekanntesten Optiker Deutschlands, bekannt. Bisher war allerdings kaum öffentlich, dass der 2024 verstorbene Schleswig-Holsteiner Unternehmer aufgebaut hat. Was hauptsächlich die Wände auf Gut Schierensee im Kreis Rendsburg ziert, wird nun in Alkersum vorgestellt. Viele der auf der Insel Föhr gezeigten Werke sind erstmals öffentlich zugänglich.

Berndt Arell, der Leiter der Sammlung Fielmann und früher Generaldirektor des Stockholmer Nationalmuseums, betont die Bedeutung der Landschaftsmalerei für die Identitäsbildung im Norden. Vor allem die politischen Geschicke Finnlands werden von den dort ansässigen Malern (Akseli Gallen-Kallela, Bruno Liljefors) genau beobachtet. Die Lösung aus dem russischen Zarenreich begleiteten sie mit idyllischen Landschaftsbildern, die nicht nur in ihrer Heimat großen Zuspruch erhielten.

Bisher war die Fielmann Group AG für ihre Aktivitäten in der Museumsförderung bekannt. So schenkte sie dem Potsdam Museum erst jüngst ein Damenporträt aus dem 18. Jahrhundert. Dem Museum Kunst der Westküste gelingt nun ein besonderer Coup, indem es die Bilder aus der Privatsammlung der Öffentlichkeit präsentiert.

Victor Westerholm, Sommermorgen, 1904 (Sammlung Familie Fielmann, Foto Jussi Tiainen)
Victor Westerholm, Sommermorgen, 1904 (Sammlung Familie Fielmann, Foto Jussi Tiainen)

Helmer Osslund, Blick von Ringkallen, um 1924 (Sammlung Familie Fielmann)
Helmer Osslund, Blick von Ringkallen, um 1924 (Sammlung Familie Fielmann)

Ausgestellte Künstler:innen

Die Ausstellung bietet einen breiten Überblick über die künstlerischen Entwicklungen in den Ländern des Nordens und präsentiert Werke der bedeutendsten Maler:innen wie Anna Ancher und Michael Ancher, Peder Severin Krøyer und Marie Krøyer-Alfvén, Laurits Tuxen, Bruno Liljefors, Akseli Gallen-Kallela, Helene Schjerfbeck und Christian Skredsvig, Alfred Maurits Bergström, Elin Danielson-Gambogi, Albert Edelfelt, Per Ekström, Prinz Eugen, Viggo Johansen, Gottfrid Kallstenius, Theodor Kittelsen, Nils Edvard Kreuger, Johan Krouthén, Carl Locher, Edvard Munch, Emilie Mundt, Herman Norrman, Helmer Osslund, Harald Slott-Møller, Harald Sohlberg, Victor Westerholm, Carl Wilhelm Wilhelmson.

 

Bilder

  • Victor Westerholm, Sommermorgen, 1904 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Anna Ancher, Sommerabend (Sammlung Familie Fielmann)
  • Bruno Liljefors, Schwäne (Sammlung Familie Fielmann)
  • Christian Skredsvig, Der See Jupsjøen, 1901 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Akseli Gallen-Kallela, Sonnenuntergang über dem Ruovesi-See, 1915-1916 (Collection Broere Charitable Foundation)
  • Michael Ancher, Blick auf den Kattegat, 1916 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Edvard Munch, Landschaft in Vestre Aker, 1882 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Elin Danielson-Gambogi, Dame mit rotem Schirm, 1888 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Gottfrid Kallstenius, Am Meer, 1926, Sammlung Familie Fielmann)
    Helmer Osslund, Blick von Ringkallen, um 1924 (Sammlung Familie Fielmann)
  • Laurits Tuxen, Badeleben an Skagens Nordstrand, 1909 (Sammlung Familie Fielmann)

Mittsommer! Stimmungslandschaften
des Nordens 1880–1920

Deutschland | Alkersum:
Museum Kunst der Westküste
6.7.2025 – 11.1.2026

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Alexandra Matzner

Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.
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