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Florenz und seine Maler: Die Erfindung der Renaissance Meisterwerke der Alten Pinakothek von Giotto bis Leonardo da Vinci

Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, Detail, um 1475, Pappelholz, 62 × 46,6 × 1,9 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 7779)

Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, Detail, um 1475, Pappelholz, 62 × 46,6 × 1,9 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 7779)

Die „Erfindung“ der Renaissance ist eng mit der Florentiner Skulptur und Malerei verbunden. Die Alte Pinakothek versammelt rund 120 Werke von Giotto, Donatello, Fra Angelico, Filippo Lippi, Andrea Verrocchio, Pollaiuolo, Sandro Botticelli, Ghirlandaio, Leonardo da Vinci und vielen mehr in ihren Sammlungsbeständen.

 

München, das Florenz an der Isar, ist daher in Deutschland der beste Platz, um die revolutionären und höchst einflussreichen Veränderungen in der Florentiner Malerei nachzuzeichnen. Die Auseinandersetzung mit der Kunst der Antike, die „Erfindung“ der Zentralperspektive, die Suche nach Gesetzen von Harmonie und Schönheit, das Zeichnen nach der Natur und der paragone, der Wettstreit zwischen Malerei und Skulptur, führten zu Lösungen in der Kunst der Neuzeit, die ein gewandeltes Welt- und Menschenbild versinnbildlichen. Im realistischen Porträt zeigt sich der Anspruch von zunehmend mehr Auftraggebern und Künstlern, der Vergänglichkeit ein Bild entgegenzuhalten. Der Akt wurde zur Grundlage der Kunst überhaupt erklärt und dessen Studium zum Zentrum der Künstlerausbildung.

 

 

Bereits Giorgio Vasari ließ die Florentiner Malerei mit Giotto di Bondone (um 1270–1337) beginnen, so auch die Alte Pinakothek. Mit dem genialen Erfinder und „Nebenerwerbsmaler“ Leonardo da Vinci findet die Epoche der Frührenaissance einen ersten Höhepunkt. Seine „Madonna mit der Nelke“ (um 1475) verbindet die von ihm entwickelte Dreieckskomposition mit einem Landschaftsausblick, das leonardeske Sfumato mit der überzeugenden Schilderung von heftiger Bewegung des Kindes und Anmut der Madonna.

Die Ausstellung basiert auf aktuellen Forschungsergebnissen und Restaurierungsprojekten zum Florentiner Bestand der Alten Pinakothek, die jüngst publiziert wurden.

 

 

Florentiner Maler in der Sammlung der Alten Pinakothek

  • Giotto di Bondone (um 1270–1337)
  • Bernardo Daddi (um 1290er Jahre–1348)
  • Taddeo Gaddi (1300–1366 aktiv)
  • Nardo di Cione
  • Cenni di Francesco
  • Niccolò di Pietro Gerini
  • Agnolo Gaddi (um 1350–1396)
  • Gherardo Starnina (um 1360–1413)
  • Fra Angelico (um 1395/1400–1455)
  • Masolino da Panicale, eigentlich Tommaso di Cristofano Fini (um 1383/84–nach 1435)
  • Fra Filippo Lippi (um 1406–1469)
  • Domenico di Michelino, eigentlich Domenico di Francesco d’Antonio (1417–1491)
  • Meister der Geburt von Castello
  • Jacopo del Sellaio
  • Alunno di Benozzo
  • Bartolomeo della Gatta
  • Francesco Botticini
  • Domenico Ghirlandaio (1449–1494)
  • Sandro Botticelli (1445–17. Mai 1510)
  • Filippino Lippi (um 1457–1504)
  • Fra Bartolommeo (1472–1517)
  • Meister von S. Lucia sul Prato
  • Raffaellino del Garbo (Raffaelle de’ Capponi, Raffaelle de’ Carli, Raffaelle de Florentia, um 1466/70–1524)
  • Mariotto Albertinelli (1474–1515)
  • Meister der Beweinung von Scandicci
  • Piero di Cosimo, eigentlich Piero di Lorenzo Ubaldini (1462–1522)
  • Leonardo da Vinci (1452–1519)
  • Alonso Berruguete (1450–1561)
  • Andea del Sarto (1486–1530)
  • Giuliano Bugiardini, eigentlich Giuliano di Pietro di Simone Bugiardini (1475–1554)
  • Nachfolger des Lorenzo di Credi (1456/59–1537)
  • Domenico Puligo, eigentlich Domenico di Bartolommeo Ubaldini (1492–1527)
  • Francesco Granacci, eigentlich Francesco d’Andrea di Marco (1469–1543)
  • Jacopino del Conte (Um 1515–1598)
  • Francesco Salviati (1510–1563)
  • Giorgio Vasari (1511–1574)
  • Kopien nach Jacopo Pontormo, eigentlich Jacopo Carucci (1494–1557), Agnolo Bronzino (1503–1572), Andrea del Sarto (1486–1530) und der „Mona Lisa” von Leonardo.

 

 

Florenz und seine Maler: Ausstellungskatalog

Andreas Schumacher für die Bayerischen Staatsgemäldesammlungen (Hg.)
mit Beiträgen von M. Burioni, C. Campbell, D. Carl, M. W. Cole, D. Korbacher, A. Kranz, W.-D. Löhr, N. Nanobashvili, S. Nethersole, U. Pfisterer, N. Pons, A. Röstel, A. Schumacher, T. Wagener
Ca. 320 Seiten, ca. 170 Abbildungen in Farbe
23,5 x 28,5 cm, gebunden
ISBN 978-3-7774-3064-5
HIRMER Verlag

 

Florenz und seine Maler in München: Bilder

  • Leonardo da Vinci, Madonna mit der Nelke, um 1475, Pappelholz, 62 × 46,6 × 1,9 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 7779)
  • Sandro Botticelli, Beweinung Christi, um 1490/95, Pappelholz, 140 × 209,2 × 3,5 cm (gesamt), 139,6 × 207 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 107)
  • Fra Filippo Lippi, Maria mit Kind, um 1460/65, Pappelholz, 76,9 × 3,2 × 54,1 cm (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 647)
  • Andrea del Sarto, Heilige Familie, um 1514/15, Pappelholz, 137,6 × 104,3 × 3,5 cm (Alte Pinakothek, München)
  • Francesco Salviati, Caritas, um 1543–1545, Pappelholz, 144,1 × 116,1 × 3,4 cm (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. L 1044)
  • Giotto, Letztes Abendmahl, um 1303/06–1312/13, Pappelholz, 47,6 × 46,1 cm (gesamt), 45,2 × 43,9 cm (Malfläche) (Alte Pinakothek, München, Inv. Nr. 643)
  • Fra Angelico, Anhörung der hll. Cosmas und Damian und ihrer Brüder vor Prokonsul Lysias, um 1438/40, Pappelholz, 36,2 × 46,5 cm (AP, München)

Aktuelle Beiträge zur Kunst der Renaissance

2. September 2018
Lorenzo Lotto, Porträt einer Frau als Lukretia, Detail, um 1530–1532, Öl/Lw, 96.5 x 110.6 cm (© The National Gallery, London)

Lorenzo Lotto. Porträts Porträtmalerei der Hochrenaissance in Oberitalien

Lorenzo Lotto (um 1480–1556/7) zählt zu den faszinierendsten Renaissancemalern des frühen 16. Jahrhunderts und ist vor allem für seine Porträts und religiösen Gemälde bekannt. Seine Werke zeichnen sich durch eine expressive Empfindsamkeit und Unmittelbarkeit aus und sind an ihren tief gesättigten Farben und dem markanten Einsatz von Schatten erkennbar.
15. Juni 2018
Giambologna nach Michelangelo, Der Tag, Detail, Florenz, vor 1574, Alabaster (Skulpturensammlung © SKD, Foto: Wolfgang Kreische)

Giambologna, Michelangelo und die Medici-Kapelle Alabaster und Vervollständigung als Kriterien für neue Zuschreibung

Vier Tageszeiten aus Alabaster nach Michelangelos Allegorien in der Medici-Kapelle könnten Frühwerke von Giambologna (1529–1608) sein. Eine Ausstellung im Zwinger in Dresden stellt diese neue Zuschreibung vor.
1. Juni 2018
Pieter Bruegel d. Ä., Der Triumph des Todes, Reiter mit Sense, 1562–1563, Öl/Holz, 117 x 162 cm (Madrid, Museo Nacional del Prado)

Pieter Bruegel der Ältere: Der Triumph des Todes Moralisierende Todesvision im Prado

Pieter Bruegel d. Ä. zeigt, wie alle Stände vom Tod gleich gemacht werden. Grausame Schreckensvision im Stil von Hieronymus Bosch vom Prado restauriert.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.