Madrid | Prado: Hans Baldung Grien

Hans Baldung Grien, Die Harmonie (Die drei Grazien?), Detail, 1541–1544, Öl auf Holz, 151 x 61 cm (P002219, Prado, Madrid)
Der Prado besitzt zwei Tafeln von Hans Baldung Grien (1484/1485–1545), einem Schüler Albrecht Dürers und herausragenden Maler der deutschen Renaissance: „Harmonie“ (möglicherweise „Die drei Grazien“?) und „Die Lebensalter und der Tod“ (um 1541–1544). Die einst als Diptychon bezeichneten Werke wurden vor kurzem restauriert. Das Museum thematisiert in dieser Ausstellung die außergewöhnliche Ikonografie – eine Idylle versus einer Todesvision –, die dahinterstehenden Naturstudien und den künstlerischen Kontext. Die kurz vor Baldungs Tod entstandenen Gemälde erzählen von Vorstellungen über Leben und Tod, Schönheit und Hässlichkeit, und die Hoffnung in den Glauben.
Hans Baldung Grien
Spanien | Madrid: Museo Nacional del Prado
24.11.2026 – 7.3.2027
- Hans Baldung Grien, Die Harmonie (Die drei Grazien?), 1541–1544, Öl auf Holz, 151 x 61 cm (P002219, Prado, Madrid)
- Hans Baldung Grien, Die Lebensalter und der Tod, 1541–1544, Öl auf Holz, 151 x 61 cm (P002220, Prado, Madrid)
Hans Baldung Grien im Prado
Die beiden Gemälde im Prado, „Harmonie“ (möglicherweise „Die drei Grazien“?) und „Die Lebensalter und der Tod“, zählen zu Baldungs letzten Werken und stammen aus der Zeit um 1541 bis 1544. Sie sollen von oder für Friedrich den Großen von Solms-Laubach, einem deutschen Grafen aus Rheinland-Pfalz, in Auftrag gegeben worden sein. Dieser war ein Freund Melanchthons, Martin Luthers geistlichem Weggefährten, der sich nur wenige Jahre zuvor den Lehren der Reformation zugewandt hatte.
Das Gemäldepaar wurde 1547, offenbar kurz nach seiner Fertigstellung, Juan de Ligne übergeben. Vermutlich gelangten die Gemälde auf diesem Weg und über einen engen Verbündeten der spanischen Krone im Niederländischen Krieg in die Sammlung Philipps II. Dort werden sie als Diptychon beschrieben: als „Die drei Grazien“ und „Die Lebensalter und der Tod“.
Die beiden Bilder führen einen Diskurs über ein im spätmittelalterlichen Denken allgegenwärtiges Thema – das Motiv der Vanitas und des triumphierenden Todes. Die beiden Tafeln stellen die grundlegenden Ideen ewiger Schönheit und irdischen Lebens einander gegenüber. Während „Harmonie“ eine elysische Vision der Schönheit entwirft, zeigt die Hintergrundslandschaft der „Lebensalter“ eine Winterlandschaft mit Krieg, Mord und Brandschatzung. Damit erinnert diese Tafel an Hieronymus Boschs Höllenlandschaft. Die eine findet ihren Ausdruck in poetischen Formen der Schönheit, und die andere dient als Memento Mori, eine Warnung vor der Vergänglichkeit.
Baldungs Interesse an der idealisierten menschlichen Gestalt und den Lebensaltern sowie sein Naturstudium wurden durch die letzte Restaurierung sichtbar. Nun ist es möglich, die botanischen Details (Erdbeeren) und den markanten Tonwertunterschied zwischen den beiden Tafeln zu erkennen.
Hans Baldung Grien und die deutsche Renaissance
Zeitlebens pflegte Hans Baldung Grien ein ausgezeichnetes Verhältnis zu seinem Lehrer Albrecht Dürer. In Madrid soll der Versuch unternommen werden, den Maler, der ab 1509 in Straßburg ansässig war, im breiteren Kontext der deutschen Renaissancekunst zu betrachten. Zweifellos kannte Baldung das Werk Lucas Cranachs des Älteren (→ Lucas Cranach der Ältere).
Natur- und Pflanzenstudien – das Erbe Albrecht Dürers
Dürers künstlerisches Erbe, seine Naturstudien und seine Überlegungen zur idealen menschlichen Gestalt prägten Baldung auch nach seinem Umzug nach Straßburg nachhaltig. Der künstlerische Dialog zwischen den beiden, insbesondere Baldungs ständige Bezugnahme auf seinen Meister und auf zeitgenössische Strömungen der deutschen Renaissancemalerei in seinen späteren Werken, verankert das künstlerische Erbe der Prado-Tafeln in ihrer Entstehungszeit.
Antike und Christentum – ein Konflikt?
Einbettung antiker Motive in einen christlichen Bildkontext, der aus einem erneuten Interesse an klassischen Themen im Werk Dürers und seiner Zeitgenossen resultiert.
Restaurierung
Ein Abschnitt widmet sich den Funden, die bei der Reinigung dieser beiden Werke gemacht wurden und Aufschluss über den kreativen Prozess geben.
Kuratiert von Christine Seidel, Kuratorin für Renaissancemalerei, The National Gallery, London.
Wer war Hans Baldung Grien?
Hans Baldung Grien (1484/1485–1545) war eine der zentralen Figuren der deutschen Renaissancemalerei. Geboren in eine Familie von Juristen und Humanisten, arbeitete er in der Werkstatt Albert Dürers in Nürnberg. Er war wohl dessen ehrgeizigster Lehrling und übernahm höchstwahrscheinlich die Leitung der Werkstatt während Dürers zweiter Italienreise. Baldung behielt den Spitznamen, den er in dieser Werkstatt erhalten hatte („Grien“) und pflegte zeitlebens eine enge Beziehungen zu seinem Meister. Nachdem er im Frühjahr 1509 nach Straßburg gezogen war und dort das Bürgerrecht erworben hatte, machte er sich als Meister mit eigener Werkstatt selbstständig. Hans Baldung Grien begann seine Karriere in der Stadt am Rhein als Porträtist und Kupferstecher; bedeutende kirchliche Aufträge folgten bald. Er arbeitete für Mitglieder der Oberschicht in Straßburg, einer Stadt mit einer stark autonomen Stadtverwaltung. Nachdem er sich als angesehener Maler etabliert hatte, begann er in den 1520er Jahren, großformatige mythologische und historische Szenen sowie allegorische Sujets zu malen. Die Auftraggeber dieser privaten Werke sind heute nahezu unbekannt, doch Baldungs visuell und intellektuell kühne Schöpfungen lassen auf einen humanistischen Kontext schließen.
Bilder
- Hans Baldung Grien, Die Lebensalter und der Tod, 1541–1544, Öl auf Holz, 151 x 61 cm (P002220, Prado, Madrid)
- Hans Baldung Grien, Die Harmonie (Die drei Grazien?), 1541–1544, Öl auf Holz, 151 x 61 cm (P002219, Prado, Madrid)


