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Gerhard Richter: Biografie Lebensdaten und wichtige Ausstellungen des Malers

Gerhard Richter während der Arbeit am Zyklus 18. Oktober 1977, 1988 © Photo Timm Rautert .

Gerhard Richter während der Arbeit am Zyklus 18. Oktober 1977, 1988 © Photo Timm Rautert.

Gerhard Richter (* 1932) zählt zu den bekanntesten bildenden Künstlern der Gegenwart. Sein Werk umfasst sowohl figurative wie abstrakte Malerei, womit er den Grenzbereich zwischen den beiden in der Nachkriegskunst als gegensätzlich aufgefassten Ausdrucksformen erforschte.

 

Ehefrauen

  • Marianne, genannt Ema (geb. Eufinger): 1. ⚭ 8.6.1957– Mai 1979, Scheidung 1981.
  • Isa Genzken (* 1948): 2. ⚭ 1.6.1982–1993, Gerhard Richter zog im April 1979 von zu Hause aus und später im Jahr mit Isa Genzken zusammen, Scheidung 1994.
  • Sabine Moritz (* 1969): 3. ⚭ 1995. Das Paar hat drei Kinder.

 

Kinder

  • Babette, genannt Betty (* 30.12.1966)
  • Moritz (* 6.1.1995)
  • Ella Maria (* 1996)
  • Theodor (* 2006)

 

 

Beiträge über Gerhard Richter

 

Bilder von Gerhard Richter waren in folgenden Themen- und Gruppenausstellungen zu sehen

 

Biografie von Gerhard Richter (* 1932)

  • 1932

    Gerhard Richter wurde am 9. Februar in Dresden als Sohn von Hildegard und Horst Richter geboren. Seine Mutter, Tochter eines begabten Pianisten, unterstützt seine künstlerischen Interessen.
  • 1936

    Der Vater fand als Mathematik Lehrer eine Anstellung in Reichenau (heute: Bogatynia, 10 km östlich von Zittau und 80 km von Dresden). Geburt der Schwester Gerhard Richters, Gisela (November).
  • 1939

    Richters Vater und seine beiden Onkel zum Kriegsdienst einberufen. Die Onkel fallen im Krieg. Gerhard RIchters Vater Horst kam erst 1946 aus Kriegsgefangenschaft wieder zurück. Richters behinderte Tante Marianne wurde aufgrund einer diagonstizierten Schizophrenie im Zuge des Euthanasieprogramms der Nazis zuerst zwangssterilisiert und 1945 ermordet.
  • 1942

    Gerhard Richter musste der Nachwuchsorganisation der Hitlerjugend, den „Pfimpfen“, beitreten. Mit Hilfe seiner Mutter konnte er sich vor den paramilitärischen Übungen drücken.
  • 1943

    Umzug nach Waltersdorf in der Oberlausitz. Ab August Besuch der Oberschule in Zittau.
  • 1945

    Zu Weihnachten schenkte ihm die Mutter eine erste einfache Kassettenkamera. Im Fotolabor eines Freundes konnte er seine eigenen Filme entwickeln, die ihn 1965 zum ersten gemalten Foto-Bild „Kuh II (88)“ inspirierten.
  • 1946

    Aus finanziellen Gründen musste Gerhard Richter die Oberschule wieder verlassen. Ab 5. September besuchte er die Wirtschaftsschule in Zittau. In den folgenden Jahren begann sich Gerhard Richter für Literatur und Malerei zu interessieren. In der neu eingerichteten Bibliothek in Waltersdorf hatte er erstmals Zugang zu Werken der unter den Nationalsozialismus verfolgten Autoren wie Thomas Mann, Lion Feuchtwanger und Stefan Zweig. 1946 setzt sein zeichnerisches Werk mit Kopien ein. Malte Bühnenbilder für Inszenierungen der Laienspieltruppe.
  • 1947

    Richter besuchte einen Abendkurs im Malen.
  • 1948

    Abschluss der Handelsschule in Zittau mit der Mittleren Reife mit der Note „bestanden“ (24.7.). Ernsthafte Beschäftigung mit Kunstgeschichte und Malen. Dennoch wollte er in diesen Jahren noch Förster werden, für die Ausbildung zum Waldarbeiter war er jedoch nicht kräftig genug.
  • 1949

    Gehilfe in einem Werbe- und Anzeigenbüro in Zittau (ab 25.4.), wo ihn die Arbeit aber nicht befriedigte, und Richter nach einem halben Jahr kündigte. Staatsgründung der DDR (7.10.).
  • 1950

    Anstellung als Malsaaleleve am Stadttheater Zittau (1.2. bis 15.7.). Richter bewarb sich im August erstmals der Hochschule für Bildende Künste Dresden, wurde abgelehnt und erhielt einen wertvollen Ratschlag: Gerhard Richter sollte zuerst in einem volkseigenen Betrieb arbeiten und sich von dort aus auf die Akademie delegieren lassen. Richter wurde Betriebsmaler der Dewag, der Deutschen Werbe- und Anzeigen-Gesellschaft (1.10.).
  • 1951

    Zulassung zum Studium an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Lernte seine spätere Ehrefrau Marianne Eufinger (genannt Ema) kennen.
  • 1952

    Walter Ulbricht propagierte in einer Rede die Funktion der Kunst wäre, den „neuen Menschen“, den „Helden der Arbeit“ bei seiner Aufgabe zu unterstützen. Ziel des praktischen Unterrichts war der Sozialistische Realismus. In der Bibliothek waren daher nur Bücher über Alte Meister bis zum Impressionismus zugänglich, die Klassische Moderne galt als Zeichen bürgerlicher Dekadenz. Richter konnte 1952 sein Kunststudium beginnen.
  • 1953

    Im Sommer Abschluss des Grundstudiums; Hauptstudium im neu eingerichteten Fach Wandmalerei bei Heinz Lohmar.
  • 1955

    Im Frühjahr Abschluss des Hauptstudiums mit einem Abendmahl für die Mensa der Dresdner Kunsthochschule. Zum zweisemestrigen Diplomstudiengang zugelassen. Im Dezember erhielt er die Aufgabenstellung für seine Diplomarbeit: die Ausgestaltung eines Vorraums für das Deutsche Hygienemuseum, Dresden.
  • 1956

    Diplomabschluss mit der Wandmalerei. „Lebensfreude“ im Deutschen Hygiene-Museum, Dresden. Das Wandgemälde wurde in den 1960er Jahren übermalt. Als das Werk von Restauratoren 1994 wiederentdeckt wurde, sprach sich Gerhard Richter gegen eine Freilegung der „Friede-Freude-Eierkuchen-Idylle“ aus.
  • 1957

    Dreijährige Aspirantur mit eigenem Atelier an der Hochschule sowie finanzielle Unterstützung. Hochzeit mit Marianne Eufinger, genannt Ema (8.6.).
  • 1959

    Besuch der Documenta 2 in Kassel: Gerhard Richter war tief beeindruckt von Ernst Wilhelm Nay, Jackson Pollock, Lucio Fontana, Jean Fautrier.
  • 1961

    Am 30. März 1961 gelang ihm gemeinsam mit seiner Ehefrau Marianne (Ema) Eufinger die Flucht aus der DDR. Umzug nach Düsseldorf. Studium an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf bei Ferdinand Macketanz. Beschäftigung als Betriebsmaler bei der Deutschen Werbe- und Anzeigengesellschaft (DEWAG) in Zittau.
  • 1962

    Freundschaft mit Konrad Lueg (= Konrad Fischer), Sigmar Polke und Blinky Palermo. Wechsel in die Klasse von K. O. Götz.
  • 1963

    „Demonstrative Ausstellung“, gemeinsam mit Manfred Kuttner, Konrad Lueg und Sigmar Polke in einem Ladengeschäft in der Kaiserstraße 31 A in Düsseldorf. Performance und Ausstellung „Leben mit Pop – Eine Demonstration für den kapitalistischen Realismus“ im Möbelhaus Berges mit Konrad Lueg in Düsseldorf. Mit dem Kapitalistischen Realismus wollen sie das System der westdeutschen Gesellschaft ironisieren.
  • 1964

    Beendigung des Studiums. Ausstellung in der Münchner Galerie Friedrich und Dahlem (gleichzeitig mit Peter Klasen). Erste Einzelausstellungen in der Galerie Schmela, Düsseldorf, und der Galerie René Block, Berlin. Ausstellung mit Konrad Lueg und Sigmar Polke in der Galerie Parnass, Wuppertal.
  • 1966

    Ausstellung mit Sigmar Polke in der galerie h, Hannover.
  • 1967

    Vertretungsprofessur an der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Kunstpreis „Junger Westen“ der Stadt Recklinghausen.
  • 1969

    Einzelausstellung im Aachener Kunstverein Gegenverkehr. Gerhard Richter begann den „Atlas“ zusammenzustelen: Er sammelte darin Fotos und Skizzen, die er als Vorlagen für seine Bilder verwendete.
  • 1970

    Reise mit Blinky Palermo nach New York.
  • 1971

    Professur an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf (bis 1994). Einzelausstellung im Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, Düsseldorf.
  • 1972

    Richter gestaltete den Deutschen Pavillon für die 36. Biennale in Venedig. Erste Teilnahme an der Documenta 5 in Kassel.
  • 1973

    Erste Einzelausstellung in New York in der Onnasch Gallery.
  • 1975

    Ausstellungen in der Kunsthalle Bremen und dem Palais des Beaux-Arts, Brüssel.
  • 1976

    Gerhard Richter lernte Isa Genzken kennen, die in seine Klasse an der Kunstakademie wechselte.
  • 1977

    Einzelausstellung im Musée National d’Art Moderne, Centre Georges-Pompidou, Paris.
  • 1978

    Im Sommersemester Gastprofessur am Nova Scotia College of Art and Design in Halifax, Kanada.
  • 1979

    Im April trennte sich Gerhard Richter von seiner ersten Ehefrau. Isa Genzken löste sich im Mai aus ihrer Beziehung.
  • 1980

    Für die neue Kreisberufsschule in Soest plante der Architekt Wolfgang Schwartz ein monumentales Wandgemälde von Gerhard Richter ein, mit denen dieser an seine Ausbildung in der DDR anknüpfte: „Strich (auf Blau) (451)“ (1979) und „Strich (auf Rot) (452)“ (1980). Zuschlag für die Ausgestaltung des U-Bahnhofs König-Heinrich-Platz in Duisburg an Gerhard Richter und Isa Genzken (Fertigstellung 1992).
  • 1982

    Richter erhielt den Arnold-Bode-Preis der Stadt Kassel. Ausstellung der „Abstrakten Bilder“ in der Kunsthalle Bielefeld und im Mannheimer Kunstverein. Heirat mit Isa Genzken.
  • 1983

    Umzug nach Köln.
  • 1985

    Richter erhielt den Oskar-Kokoschka-Preis der Stadt Wien.
  • 1986

    Retrospektive in der Städtischen Kunsthalle Düsseldorf, der Neuen Nationalgalerie, Berlin, der Kunsthalle Bern und dem Museum des 20. Jahrhunderts, Wien. Erste Rückkehr nach Dresden (nach 25 Jahren).
  • 1988

    Retrospektive „Gerhard Richter. Paintings“ in der Art Gallery of Ontario, Toronto; im Museum of Contemporary Art, Chicago, und im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington D.C. Kaspar König berief als neuer Rektor der Städelschule in Frankfurt a.M. Gerhard Richter als Professor für Malerei. Nach einem Semester kehrte dieser Frankfurt enttäuscht den Rücken. Richter wurde dem Kaiserring der Stadt Goslar ausgezeichnet. Der 15-teilige Bilderzyklus „18. Oktober 1977“ (MoMA, New York) entstand.
  • 1989

    Einzelausstellung im Museum Boijmans van Beuningen, Rotterdam. Retrospektive „Gerhard Richter Paintings“ im San Francisco Museum of Modern Art.
  • 1991

    Retrospektive in der Tate Gallery, London.
  • 1993

    Retrospektive im Musée d’Art Moderne Forty de la Ville de Paris, in der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland, Bonn, dem Moderna Museet in Stockholm und Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofía, Madrid.
  • 1994

    Richter beendete seine Lehrtätigkeit an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf.
  • 1995

    Richter erhielt den Wolf-Preis, Jerusalem. Hochzeit mit Sabine Moritz.
  • 1996

    Richter bezog ein neues Atelier am Kölner Stadtrand.
  • 1997

    Gerhard Richter erhielt den Goldenen Löwen auf der 47. Biennale in Venedig, weiters den Praemium Imperiale, Tokio.
  • 1998

    Ausstellung der Landschaften im Sprengel Museum Hannover. Richter erhielt den Wexner-Preis, Columbus, Ohio.
  • 1999

    Retrospektive der Arbeiten auf Papier. in Winterthur, Dresden, Krefeld und Tilburg. Für den Deutschen Bundestag entstand das Werk „Schwarz-Rot-Gold“.
  • 2000

    Gerhard Richter erhielt den Staatspreis des Landes Nordrhein-Westfalen.
  • 2001

    Richter wurde zum Ehrendoktor der Universität Löwen ernannt.
  • 2002

    Retrospektive „Gerhard Richter: Years of Painting“ im Museum of Modern Art, New York, im Art Institute of Chicago und im San Francisco im Museum of Modern Art.
  • 2003

    Retrospektive „Gerhard Richter: Forty Years of Painting“ im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington, D.C.
  • 2004

    Eröffnung von drei Räumen mit Werken von Gerhard Richter im Albertinum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.
  • 2005

    Retrospektive „Gerhard Richter“ im K20, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf; Städtische Galerie im Lenbachhaus und Kunstbau, München, 21st Century Museum of Contemporary Art, Kanazawa und im Kawamura Memorial Museum of Art, Sakura.
  • 2007

    Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln. Einweihung des von Gerhard Richter gestalteten Südquerhausfensters im Kölner Dom.
  • 2008

    Retrospektive „Gerhard Richter. Bilder aus Privatsammlungen“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden, in den National Galleries of Scotland, Edinburgh, und dem National Art Museum of China, Peking. Ausstellungen: „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ im Museum Morsbroich, Leverkusen; „Gerhard Richter. Abstrakte Bilder“ im Museum Ludwig, Köln, und anschließend im Haus der Kunst, München.
  • 2009

    Ausstellung „Gerhard Richter. Portraits“ in der National Portrait Gallery, London. Retrospektive „Gerhard Richter. Bilder aus Privatsammlungen“ in der Albertina, Wien, und Duisburg. Ausstellung „Gerhard Richter. Übermalte Fotografien“ im Centre de la Photographie Genève und dem Espacio Fundación Telefónica, Madrid.
  • 2010

    Wiedereröffnung des Albertinums in den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden mit zwei Räumen mit Werken von Gerhard Richter.
  • 2011

    Retrospektive „Gerhard Richter. Panorama“ in der Tate Gallery, London.
  • 2012

    Ausstellung des Bildarchivs „Atlas“ in der Kunsthalle im Lipsiusbau, Dresden. Retrospektive „Gerhard Richter. Panorama“ und in der Neuen Nationalgalerie Berlin und dem Musée National d’Art Moderne, Centre Georges-Pompidou, Paris; „Gerhard Richter. Dessins et Aquarelles 1957–2008“ im Louvre.
  • 2013

    Ausstellung „Gerhard Richter. Streifen & Glas“ im Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden. Ausstellung des Bildarchivs „Atlas“ im Kunstbau des Lenbachhauses, München.
  • 2014

    Ausstellung „Gerhard Richter. Streifen und Glas“ im Kunstmuseum Winterthur. Ausstellung „Gerhard Richter. Bilder/Serien“ in der Fondation Beyeler, Riehen/Basel.
  • 2015

    „Birkenau (937/1–4)“ wurde im Albertinum, Staatliche Kunstsammlungen Dresden, erstmals öffentlich ausgestellt. Ausstellung neuer abstrakter Bilder bei Wako Works of Art, Tokio.
  • 2016

    Eröffnung des Pavillons mit der permanenten Installation „14 Panels of Glass for Toyoshima, dedicated to futility“ auf der japanischen Insel Toyoshima. Ausstellung „Gerhard Richter: Paintings and Drawings“ in der Marian Goodman Gallery, New York.
  • 2017

    Ausstellungen: „Gerhard Richter. Neue Bilder“ im Museum Ludwig, Köln; „Gerhard Richter“, Queensland Art Gallery & Gallery of Modern Art, Brisbane.
  • Gerhard Richter lebt arbeitet am Stdtrand von Köln. www.gerhard-richter.com
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.