Isa Genzken

Wer ist Isa Genzken?

Die deutsche Objektkünstlerin Isa Genzken (* 27.11.1948) wird zu den bekanntesten und einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation gezählt. Ihr in knapp 50 Jahren entstandenes skulpturales Werk kreist um Themen der Pop-Kultur und versammelt unter dem Fokus des Architektonischen so wichtige Werkserien wie die meist aus farbig lackiertem Holz gefertigten Ellipsoide und Hyperbolos (1976–1982), mit denen Genzken bei der documenta 7 im Jahr 1982 berühmt wurde, Hi-Fi-Anlagen, Gips- und Betonobjekte bis zu skulpturalen Werken, in denen Genzken Architektur reflektiert. Isa Genzken lebt in Berlin (DE).

„Ja, und ich habe auch immer gesagt, dass man mit jeder Skulptur formulieren können muss: Dies ist zwar kein Readymade, aber es könnte eines sein. So muss eine Skulptur aussehen. Sie muss einen gewissen Realitätsbezug haben. Also nicht irgendwas Versponnenes oder gar Ausgedachtes, so daneben und höflich.“1

Kindheit und Ausbildung

Isa Genzken wurde am 27. November 1948 in Bad Oldesloe, nördlich von Hamburg (Schleswig-Holstein, DE), geboren. 1960 zog die Familie nach Berlin um.

Seit ihrem zwölften Lebensjahr reiste Isa Genzken regelmassig in die USA, um ihre Tante zu besuchen, die in Midtown Manhattan lebte. Ab den späten 60er Jahren besuchte Isa Genzken die Stadt einmal pro Jahr, manchmal blieb sie über einige Monate. 1966 begann Isa Genzken mit figurativen Zeichnungen. Die angehende Künstlerin traf Benjamin H. D. Buchloh, der ein einflussreicher Kunsthistoriker und Advokat von Genzkens Kunst wurde.

Zwischen 1968 und 1971 studierte Isa Genzken an der Hochschule für Bildenden Künste Hamburg in den Klassen des Malers Kau Sudeck und Almir Mavignier, einem Maler, Grafikdesigner (Gebrauchsgrafiker) und Kinetisten zwischen Op Art und geometrisch-konkreter Kunst. Bei Kilian Breier, bekannt für abstrakte Fotografien und Photogramme, belegte Isa Genzken Kurse in Fotografie. Genzken traf in der Ausstellung „Art oft he Real“ im Stedelijk Museum, Amsterdam, auf Kunstwerke von Carl Andre, Ellsworth Kelly und Barnett Newman. In diesen Jahren arbeitete Genzken als Fotomodell, um ihre Ausbildung zu finanzieren.
Anfang der 1970er Jahre wandte sich Isa Genzken Grafikdesign und Fotografie innerhalb des Lette-Vereins Schule des Designs, einem Teil der Hochschule der Künste in Berlin, zu (1971–1973).

Studium bei Gerhard Richter

Im Jahr 1972 schrieb sich Isa Genzken an der staatlichen Kunstakademie in Düsseldorf ein, wo sie bis 1977 in der Klasse von Gerhard Richter studierte, gleichzeitig belegte sie ein Kunstgeschichte- und Philosophiestudium an der Universität in Köln. In diese Zeit entstanden Zeichnungen, Fotografien und Skulpturen. Zu den sie prägenden Autoren dieser Jahre zählt Theodor W. Adorno und seine „Ästhetische Theorie“ (Publ. 1970), die Isa Genzken um 1975 las. Während ihres Studiums traf Genzken die Studierenden Katharina Fritsch, Thomas Struth und den Kunsthistoriker Gregor Stemmrich. Sie lernte zudem Blinky Palermo, Joseph Beuys und Marcel Broodthaers kennen. Buchloh las über amerikanischen Minimalismus (Minimal Art), Konzeptkunst und die Russische Avantgarde. Gemeinsam mit Buchloh besuchte Genzken die Documenta 5 von Harald Szeemann. Genzken schoss erste Fotografien von Auslagen.

1974 performte Isa Genzken in der Konrad Fischer Galerie in Düsseldorf die „Instructions for a Mental Exercise“ des US-amerikanischen Künstlers Bruce Nauman. Über sieben Tage hinweg widmete sie sich der Performance, die für sie wie eine „Körpermeditationsübung“ wirkte. Für die Zeitschrift „Interfunktionen“ verfasste sie den Beitrag „Two Exercises“, bestehend aus einer zeichnerischen Versuchsanordnung und einem Tagesbericht. Isa Genzken notierte ihre Stimmungen, Gefühle, Wahrnehmungen, die sie während der Ausführung empfand und machte.

„Day 7, exercise A – I had no difficulty starting the exercise. The same sensations I had on day 5 got more intense after I had sunk into the floor, to the extent that my ego merged into this three-dimensional space. […] Day 7, exercise B – With this exercise I felt after a short time that I was part of the floor, or that the floor was going through me. I felt concentrated into two dimensions with the floor and distinctly raised higher. After the exercises I needed about half an hour in each case to collect myself, and then felt good.”2 (Isa Genzken, in: October Files)

Während Isa Genzkens häufigen Reisen nach New York fotografierte sie die Ohren von Passantinnen, die sie in später mit Werbeaufnahmen von Hi-Fi-Anlagen (abfotografiert aus amerikanischen, französischen, deutschen, japanischen Zeitschriften) ausstellte.

Frühe konzeptuelle Fotografie

Das Interesse Isa Genzkens für Kunst und Kultur der Vereinigen Staaten wird bereits in den Siebziger Jahren greifbar, als sie ein Reisestipendium der Kunstakademie Düsseldorf gewann und währenddessen ein Album mit Aufnahmen von Hochhäusern füllte. Obwohl Genzken als Objektkünstlerin bekannt geworden ist, spielen Fotografien in ihrem Werk eine wichtige Rolle. Das frühe Fotobuch „Berlin“ (1973) überrascht mit Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus Düsseldorf und einer Reminiszenz an Ed Ruschas fotografische Analyse von Straßenzügen wie „Every Building on the Sunset Strip“ (Los Angeles 1966). Das Fotobuch Genzkens kann man privaten Aufnahmen der jungen Künstlerin aus Amerika gegenüberstellen – hier zeigt sich bereits ihre Faszination an Wolkenkratzern als Symbol des amerikanischen Traums.

Zu Isa Genzkens wichtigsten Bekannten und Freunden zählten die Künstler der New Yorker Avantgarde der 1970er Jahre. Neben Dan Grahams „Homes for America“ (1965 aufgenommen) findet sich auch Grahams Kollaboration mit Robin Hurst unter dem Titel „Private 'Public' Space: The Corporate Atrium Garden“ (1987). Mit Dan Graham zusammen besuchte die junge deutsche Künstlerin 1977 die Wohnblocks, die er auf der Lower East Side von Manhattan fotografiert hatte. Gordon Matta-Clark ist mit seinem berühmten „Splitting“ von 1974 sowie einer Papierskulptur aus geschnittenem, gestapeltem Papier vertreten. Aspekte der Malerei – oder besser der Repräsentation – bringt Jasper Johns in die Schau, da „Two Flags (Zwei Flaggen)“ (1959) und „Target“ (1967–1969) das Ineinanderfallen von Bild und Abbild kritisch hinterfragen. Die Konzeptkunst wird über Lawrence Weiners „TWO MINUTES OF SPRAY PAINT DIRECTLY UPON THE FLOOR FROM A STANDARD AEROSOL SPRAY CAN“ aus dem Jahr 1968, wie der Titel schon schön beschreibt, als roter Fleck am Fußboden vertreten sein. Der zweite wichtige Einflussfaktor – der Minimalismus oder in diesem Fall besser die Auseinandersetzung mit dem Ready-Made – ist mit Hilfe von Carl Andre und seinem „Socratic Love“ (1988), einer über einem Holzstab gezogenen Socke mit bewusst phallischer Form, in der Schau nachvollziehbar gemacht. Von den Düsseldorfer Künstlern ist einzig Genzkens Lehrer und Ehemann (1982 bis 1993) Gerhard Richter mit „Kugel II“, einer hochglanzpolierten Edelstahlkugel, in deren Spiegelbild sich die Welt krümmt, vertreten.

„Ich glaube, dass Fotografie viel mit Skulptur zu tun hat – weil sie räumlich ist und weil sie Realität abbildet. Ich habe zum Beispiel i8mmer einen viel größeren Bezug zur Fotografie gehabt als zur Malerei. Als ich damals die Werbeanzeigen von HiFi-Anlagen fotografiert habe, dachte ich: Jeder hat jetzt so einen Turm zu Hause. Das ist das Neueste, das Modernste, das es zur Zeit gibt. Also muss eine Skulptur genauso modern sein und das aushalten. Daraufhin habe ich die Fotografien an die Wand gehängt und ein Ellipsoid auf den Boden gelegt und gedacht: Das Ellipsoid muss mindestens so gut sein wie diese Werbung. Mindestens so gut. So gut muss eine moderne Skulptur sein.“3 (Isa Genzken, 2003)

Nach ersten Versuchen Isa Genzkens im Bereich konzeptioneller Fotografie, die mit Werken von Genzkens Freund Dan Graham aber auch der sachlichen Haltung und seriellen Fotografien von Bernd und Hilla Becher in Verbindung gebracht werden können, wandte sich die Künstlerin den mithilfe eines Computers perfekt berechneten und konstruierten Formen der „Ellipsoiden“ und „Hyperboloide“ zu.

Hyperbolos und Ellipsoide

In den Hyperbolos und Ellipsoide - mathematisch Ellipsoiden und Hyperboloiden - reflektierte Isa Genzken die „Entstehung von Raumkörpern aus der Eingrenzung durch Flächen, […] welche durch ihre leichte Realisierbarkeit in der Architektur dominieren“.4 Anstelle einer ästhetischen Zugangsweise trat bei Genzken eine mathematisch-naturwissenschaftliche, da ihr Ralph Krotz vom 1. Institut für Physik an der Universität Köln diese teils über sechs Meter langen Objekte am Computer berechnete. Genzken setzte diese komplexen, aber schlussendlich mittels Aneinanderreihung von Geraden vergleichsweise leicht zu konstruierenden Objekte als hölzerne Bodenskulpturen um.5

Meist wird das Werk von Isa Genzken aus formalen Gründen in den Kontext des Minimalismus gerückt. Dennoch unterscheiden sich ihre Arbeiten von den bewusst und betont objektiven (anti-subjektiven) und analytischen Werken ihrer Vorbilder und Zeitgenossen der 1970er Jahre durch eine subtile Betonung ihrer Person im Werkprozess.6

Isa Genzken reagierte auf Minimalismus und Konstruktivismus – und brach mit diesen Kunstrichtungen, indem sie die Objekte in Handarbeit persönlich fertigte. Farben definieren Teile dieser Skulpturen. Die Objekte liegen ohne Podest oder Platte auf dem Boden und wirken mit ihren kleinen Auflageflächen fast schwebend. Öffnungen machen sie als Außen und Innenform erfahrbar. Im Jahr 1982 brachten diese Skulpturen Isa Genzken den internationalen Durchbruch, wurde sie mit den Ellipsoiden doch auf die documenta 7 eingeladen.7

Arbeiten mit und ohne Podest

Waren die frühesten Skulpturen von Isa Genzken Bodenarbeiten, die sich kaum vom Untergrund abhoben, so begann die Künstlerin ab Mitte der Achtziger Jahre mit hohen, oft aus Metall gefertigten Sockeln als Teil ihrer Werke zu arbeiten. Beton wählte sie als Material für Architekturmodelle, um eine raue Ästhetik zu erzielen. In Arbeiten wie „Soziale Fassade“ und den nach Freunden benannten Säulen reflektiert die Künstlerin anhand von architektonischen Formen Soziales. Das Gebaute wird so zu einem Symbol gesellschaftlichen Verhaltens und von Beziehungen.

Zusammenarbeit mit Wolfgang Tillmans

Die Zusammenarbeit von Isa Genzken mit Wolfgang Tillmans kann man als Ausdruck einer Künstlerfreundschaft verstehen, die 1983 mit einer Fotostrecke begann: Tillmans begleitete Isa Genzken durch den Kölner Dom. Unter dem aussagekräftigen Titel „Atelier“ zeigt er die Künstlerin auf ihrem Weg durch das Gotteshaus. Mit seinen riesigen Dimensionen, seiner Raumstruktur und dem Zusammenwirken von Skulpturen und Raumfolie, so lässt sich argumentieren, ist der Dom Inbegriff für das architektonisch-skulpturale Denken Genzkens. Der Titel basiert auf einer ironisch-humorvollen Aussage der Künstlerin und lässt gleichzeitig tief in ihre Arbeitspraxis blicken.

Raumfüllend ist die Installation „Science Fiction/Hier und jetzt zufrieden sein“, die die heute in Berlin lebende Künstlerin gemeinsam mit Wolfgang Tillmans im Jahr 2001 für das Museum Ludwig in Köln schuf. Mit Spiegelfolie verkleidete Säulen und eine riesige Fototapete von Wolfgang Tillmans ergänzen einander zu einem clubartigen Raum, in dem Besucherinnen, Besucher und Kunstwerk miteinander in Interaktion treten können.

Urbanismus made in Germany

Die städtische Umgebung inspirierte Isa Genzken zu einigen ihrer wichtigsten Arbeiten. Diese Auseinandersetzung mit dem Urbanen, seien es Hochhäuser mit ihren gläsernen Fassaden, Musik-Clubs oder prächtig geschmückte Säulen, findet eine Unterbrechung in den „Strandhäusern zum Umziehen“, die 2000 im Frankfurter Kunstverein erstmals unter Nicolaus Schafhausen ausgestellt wurden. Die Architekturmodelle sind aus verschiedensten gefundenen Materialien zusammengebastelt und trotz einheitlicher Formgebung dadurch höchst individuell ausgebildet. In ihnen scheint Isa Genzken die Frage nach dem Verhältnis von Massenproduktion und Einzigartigkeit vorweggenommen zu haben. Der Urlaub wird mit konsumfernen, selbstgezimmerten Strandhäusern zum persönlichen Erlebnis, die Stadt kann warten.

Mit der vielteiligen Arbeit „The Poverty“ (2009) wandte sich Isa Genzken Armut und Obdachlosigkeit zu. Von den „Sozialen Fassaden“ und Architekturmodellen für Wolkenkratzer aus der jüngsten Zeit sind ab 2000 immer häufiger kaum versteckte soziale Anklagen im Werk Genzkens zu finden. Anstelle der brüchig gewordenen Glitzerfassade tritt nun die Realität von Wohnungsnot.

Isa Genzken in Österreich

Isa Genzken war in Österreich bereits einige Male zu Gast: 1985 luden sie Silvia Eiblmayr, Monika Prischl-Maier, Heidi Grundmann und VALIE EXPORT zur Gruppenausstellung „Kunst mit Eigen-Sinn. Internationale Ausstellung aktueller Kunst von Frauen“ ins Museum des 20.Jahrhunderts, Wien, ein. Es sollte bis 1996 dauern, bis Genzken wieder in Wien präsentiert wurde. „MetLife. Isa Genzken“ fand in der Generali Foundation, kuratiert von Sabine Breitwieser, statt. Im Jahr 2002 wurde ein Bild aus der Serie „Ohr“ als permanente Installation auf der Fassade des neuen Rathauses von Innsbruck angebracht. Vier Jahre später, 2006, folgte eine Soloshow im Taxispalais, Innsbruck, und eine Ausstellung in der Wiener Secession. Genzken schuf die mehrteilige Installation „Wäscheleine (gewidmet Michael Jackson)“ 2010 als Auftragswerk für die Ausstellung „Utopie und Monument II. Über die Virtuosität des Öffentlichen“, eine Begleitveranstaltung des steirischen herbstes, kuratiert von Breitwieser.

Literatur zu Isa Genzken

  • Isa Genzken – Werke von 1973 bis 1983, hg. v. Søren Grammel (Ausst.-Kat. Kunsthalle Basel, 5.9.2020–24.1.2021; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21, Düsseldorf, 8.5.–5.9.2021), Köln 2019.
  • Isa Genzken: Retrospective, hg. v. Sabine Breitwieser und Laura Hoptman (Ausst.-Kat. The Museum of Modern Art, New York, 23.11.2013–10.3.2014), New York 2013, S. 303–318.
  • Isa Genzken – Early Works (Ausst-Kat. Galerie Buchholz, Berlin, 8.3.–20.4.2013), Berlin 2013.
  • Isa Genzken. Jeder braucht mindestens ein Fenster (Ausst.-Kat., The Renaissance Society of Art, Chicago, Portikus, Frankfurt a. Main, Palais des Beaux-Arts, Brüssel, Städtische Galerie im Lenbachhaus, München), Köln 1992.

1973 Isa Genzken begann ihre vielteiligen Zeichnungsserien (1973 bis 1976), die auf selbst definierte Handlungsvorschriften oder auf kinetischen Abfolgen basieren, und schuf Künstlerbuch „Berlin, 1973“ mit Gelatinesilberdrucken von Architektur und urbane Szenen aus Berlin. Vom 30. Juli bis zum 4. August performte sie ohne Publikum „Two Exercises“ von Bruce Nauman in Konrad Fischers Galerie. Buchloh publizierte ihre Bemerkungen neben Naumans Anweisungen in „Interfunktionen“, einem Kunstmagazin.

1974 Genzken begann die Skulpturengruppe der Ellipsoide und Hyperbolos, eigentlich Rotationshyperboloide (bis 1983) und drehte den Film „Zwei Frauen im Gefecht“.

1975 Arbeite an den „Parallelogrammen“ und „Ellipsen“, die 1976 als Genzkens erste Skulpturen realisiert wurden. Parallel dazu schuf die Künstlerin bis zu acht Meter lange Computergrafiken auf Endlospapier. Gleichzeitig beschäftigte sie sich mit Adornos „Ästhetischen Theorie“ (publ. 1970), aus der sie – Benjamin H. D. Buchloch zufolge – „realen Widerstand gegen die Fetischisierung der Erfahrung in der Kulturindustrie, sondern auch reale Momente der subjektiven Identität, deren Artikulation und reale Kommunikation“ gewährleitet sah.8

1976 Besuch der 37. Biennale von Venedig; erste Einzelausstellung in der Galerie Konrad Fischer, Düsseldorf. Hier begegnete Genzken auch Werne von Künstlern wie Carl Andre oder Sol LeWitt.

1977 Reisestipendium der Akademie nach New York und Los Angeles; Isa Genzken traf dort Dan Graham, Lawrence Weiner, Michael Asher und den Musiker Kim Gordon (ab 1981 Gitarrist der Band Sonic Youth). Mit Dan Graham besuchte Genzken die Wohnblocks, die er auf der Lower East Side von Manhattan fotografiert hatte („Homes for America “, 1966/67). Es entstand der Ordner „Fotos USA-Reise 1977“.

1978 Isa Genzken begann an der Fachhochschule Niederrhein in Krefeld zu unterrichten. Erhielt das Karl Schmidt-Rottluff-Stipendium, das ihr für zwei Jahre ein Monatseinkommen sicherte und eine Ausstellung in der Math Ausstellungsbewerbung beim Museum of Modern Art in New York für Hi-Fi-Analgen und Autos („Hi-Fis“). Während eines Amerikaaufenthalts entstanden Fotografien von Schaufenstern und Auslagen von Musikgeschäften.

1980 In New York machte Genzken Fotografien von „Ohren“, Passantinnen. Entwarf gemeinsam mit Gerhard Richter die U-Bahn-Station König-Heinrich-Platz in Duisburg, die in den folgenden 12 Jahren (sic!) fertiggestellt wurde. Erhielt den Kunstpreis der Akademie der Künste in Berlin.

1981 Isa Genzken schloss die Serie der Hyperbolos mit „MBB“ ab, das sie als einziges aus Epoxidharz und gemeinsam mit der Firma Messerschmidtt-Bölkow-Blohm (MBB) realisierte. Dieses Jahr kann man mit vier Ausstellungsbeteiligungen als den Durchbruch Isa Genzkens auffassen. Unter den Kuratoren, die sie förderten, war auch Kasper König.

1982 Heiratete im Juni Gerhard Richter. Erstes vertikales Hyperbolo „Rossi“ und „Weltempfänger“, ihre einzige Ready-made Skulptur. Mit Ellipsoid- und Hyperbolo-Skulpturen Teilnahme an der documenta 7, die von Rudi Fuchs kuratiert wurde.

1983 Begann mit Ton zu modellieren. Ende des Jahres Umzug nach Köln. ScHUF 2Staffelei2 und „Rheinbrücke“, mit denen sie sich von den Ellipsoiden und Hyperbolos abwandte.

1984 Während einer Reise nach New York lernte sie Daniel Buchholz kennen, der ihr langjähriger Galerist und Freund wurde. Genzken und Richter trennten sich zum ersten Mal.

1985 Genzken fuhr fort Tonskulpturen zu machen und benannte sie nach architektonischen Elementen oder Typen von Gebäuden.

1986 Erste Skulpturen aus Beton, die sie fast ausschließlich auf von ihr entworfene Metallpodeste stellte. Einige wurden nach Künstlern benannt, viel mehr jedoch tragen Begriffe aus der Architektur als Namen. Bereitete ein Modell für ABC für Skulptur-Projekte Münster vor.

1987 Isa Genzken fertigte den ersten „Weltempfänger“ aus Beton. Teilnahme an Skulptur.Projekte Münster, organisiert von Kasper König und Klaus Bussmann. Hier zeigte sie ABC, Genzkens erste ortsspezifische Außenskulptur. Erste Ausstellung in der Galerie Daniel Buchholz in Köln.

1988 Erste „Basic Research“ Gemälde in Frottage-Technik. Kreierte „Großes Fenster“, welches das Fenster-Thema in ihrer Kunst einführte. Hatte im Kunstmuseum Winterthur ihre erste museale Präsentation mit ca. 70 Werken.

1989 Genzkens Arbeit ABC für Münster wurde zerstört. Produzierte Röntgenbilder von ihrem eigenen Schädel.

1990 Erhielt eine einjährige Anstellung als Gastprofessorin an der Universität der Künste in Berlin.

1991 Einjähriger Lehrauftrag für Skulptur an der Städelschule in Frankfurt.

1992 Teilnahme an der documenta IX. Isa Genzken drehte „Chicago Drive“, für den sie sich von der Architektur Chicagos besonders inspirieren ließ. Fotografierte „Flugzeugfenster“, die sie später in einer Reihe skulpturaler Werke wieder aufnehmen wurde. Filmte „Meine Großeltern im Bayrischen Wald“ selbst. Eröffnung der U-Bahn-Station in Duisburg – ein Gemeinschaftsprojekt mit Gerhard Richter- an dem zwölf Jahre nach der Beauftragung.

1993 Isa Genzken traf Wolfgang Tillmans, der sie im Kölner Dom fotografierte. Da Genzken die monumentale Kirche im Spaß als ihr „Atelier“ bezeichnet, wird das der Titel der Serie. Für den Kunstsammler Frieder Burda machte sie ihre ersten Guss: „Rose“. Trennung von Gerhard Richter.

1994 Scheidung von Richter. Reiste Ende des Jahres nach New York und blieb für drei Monate.

1995 Nach der Rückkehr lebte sie für einige Monate in Berlin. Isa Genzken traf Kai Althoff in Köln.

1996 Genzken übersiedelte von Köln nach Berlin. Im Juli und August in New York, mietete sich ein Atelier in Hoboken.

1997 Erstmals entstanden Assemblagen aus Küchenutensilien. Teilnahme an der Skulptur.Projekte Münster, organisiert von Kasper König.

1998 Isa Genzken machte bis ins Jahr 2000 freistehende Säulen, die sie nach Freunden benannte. Fertigte aus eigenen Kleidungsstücken collagierte Objekte.

2000 Für eine Ausstellung im Kunstverein Frankfurt machte Isa Genzken u.a. die Serie der „Strandhäuser zum Umziehen“, kuratiert von Nicolaus Schafhausen.

2001 Teilnahmen an der 52. Biennale von Venedig (Kurator Nicolaus Schafhausen) und der Biennale von Istanbul; es entstand die Serie „New Buildings for Berlin (bis 2003)“. Genzken collagierte weiterhin See- und Stadtlandschaften. Während 9/11 hielt sich Isa Genzken in New York auf.

2002 In Zusammenarbeit mit Wolfgang Tillmans entstand die Installation „Science Fiction/Hier und jetzt zufrieden sein“ für das Museum Ludwig in Köln. Genzken machte eine erste Serie der „Sozialen Fassaden“. Dritte Teilnahme an der documenta 11 in Kassel, kuratiert von Okwui Enwezor.

2003 Erste Teilnahme an der 50. Biennale von Venedig im italienischen Pavillon, kuratiert von Francesco Bonami, wo Isa Genzken „Haare wachsen wie sie wollen“ installierte. Einzelausstellung in der Kunsthalle Zürich, im Museum Abteiberg Mönchengladbach (kuratiert von Beatrix Ruf)

2004 Schuf „Empire/Vampire“ sowie eine zweite Serie von „New Buildings for Berlin“.

2005 David Zwirner vertrat Isa Genzken ab 2005 in New York. Einzelausstellung in der Photographers Gallery, London

2006 Einzelausstellung im Taxispalais, Innsbruck (kuratiert von Silvia Eiblmayr) und dem Camden Arts Centre, London (kuratiert von Jenni Lomax).

2007 Nicolaus Schafhausen lud Isa Genzken ein, Deutschland auf der 52. Biennale von Venedig zu vertreten. Ihre vielteilige Installation „OIL“ füllte den gesamten Pavillon. Teilnahme an Skulptur.Projekte Münster.

2008–2014 Isa Genzkens Installationen wurden immer raumfüllender und vielteiliger. Arbeit mit Puppen, von der Decke hängenden Elementen, Podesten auf Rollen, nutzte Designerstühle und Rollstühle.

2008 Einzelausstellung in der Kunsthalle malmö

2009 Einzelausstellung in der Whitechapel Gallery, London, und im Museum Ludwig, Köln

2013–2014 Isa Genzken wurde in einer großen Retrospektive in New York gewürdigt. Die von Sabine Breitwieser und Laura Hoptman kuratierte Schau mit über 100 Werken aus den Jahren 1973 bis 2013 reiste weiter ins Museum of Modern Art Chicago (12.4.–3.8.2014) und ins Dallas Museum of Art (14.9.2014–4.1.2015).

2017 Isa Genzken erhielt den Goslarer Kaiserring.

2020 “Isa Genzken: Window” bei Hauser & Wirth, London (7.2.–2.5.2020)

Beiträge zu Isa Genzken

20. August 2020
Isa Genzken in her studio, Düsseldorf, 1982 (Foto: Andreas Schön, ©2020, ProLitteris, Zurich)

Basel | Kunstmuseum Basel: Isa Genzken Werke von 1973 bis 1983 Frühe Werke: Hyperbolos & Ellipsoide

Die Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Gegenwart und im Neubau lenkt den Blick auf das herausragende künstlerische Werk, das Isa Genzken im ersten Jahrzehnt ihres Schaffens formuliert hat.
3. Januar 2018
ARTinWORDS Visitor's Choice 2017

Visitor’s Choice 2017: Was hat die User von ARTinWORDS am meisten interessiert?

Meistgelesene Ausstellungsbesprechungen, gefragteste Künstlerinnen, aufsehenerregende Gespräche mit Persönlichkeiten aus dem Kunstbereich und Aufreger aus dem Kunstmarkt! ARTinWORDS zeigt euch, was die User 2017 am meisten interessierte.
22. Dezember 2017
David LaChapelle, An illuminating path, 1998

Michael Jackson und die Kunst Einfluss des Pop Sängers auf bildende Künstler seit den 1980ern

Michael Jackson – Sänger, Kultfigur, Rekordhalter, aber auch Musikvideo-Pionier – hatte zweifellos einen größeren Anteil an der Entwicklung der visuellen Kultur als gemeinhin bekannt. Einige der bekanntesten Größen der Kunstwelt – darunter Andy Warhol und Isa Genzken – beschäftigten sich eingehend mit dem Mythos Michael Jacksons. Die international tourende Ausstellung befragt erstmals zeitgenössische Künstlerinnen und Künstlern ob der Qualitäten, die sie in dem Megastar fanden und noch immer finden.
7. Juli 2015
Okwui Enwezor

56. Biennale von Venedig All the World’s Future: Künstler & Künstlerinnen Liste und wichtige Werke

Goldener Löwe für das Lebenswerk geht an El Anatsui (* 1944 Anyako/Ghana; Bildhauer) Alle 139 Teilnehmende Künstler_innen aus 53 Ländern.
24. Juni 2014
Isa Genzken, Strandhäuser zum Umziehen, 2000 (Detail), Courtesy Sammlung FRAC Nord-Pas de Calais, Dunkerque und Galerie Buchholz, Berlin/Köln.

Wien | Kunsthalle: Isa Genzken I`m Isa Genzken, The Only Female Fool

Die deutsche Objektkünstlerin Isa Genzken (* 1948) wird zu den bekanntesten und einflussreichsten Künstlerinnen ihrer Generation gezählt. Die Ausstellung in der Kunsthalle Wien beleuchtet ihr knapp vierzigjähriges Werk unter dem Fokus des Architektonischen und versammelt so wichtige Werke wie die „Ellipsoiden“ (1976/2013) und „Hyperbolus“, mit denen Genzken Anfang der Achtziger Jahre berühmt geworden ist, mit den „Strandhäusern zum Umziehen“ (2000), den nach Freunden benannten Säulen und „New Buildings for Berlin“ (2001/2014).
  1. Zit. n. Isa Genzken. Ein Gespräch mit Wolfgang Tillmans, in: Camera Austria, Nr. 81 (2003), S. 17.
  2. Isa Genzken, Two Exercises, 1973 (1974), in: Lisa Lee (Hg.), October Files 17, Cambridge 2015, S. 1–6, hier S. 3.
  3. Zit. n. Isa Genzken. Ein Gespräch mit Wolfgang Tillmans, in: Camera Austria, Nr. 81 (2003), S. 8.
  4. Isa Genzken über ihre Ellipsoiden und Hyperbolos, in: Isa Genzken – Early Works (Ausst-Kat. Galerie Buchholz, Berlin 8.3.–20.4.2013) Berlin 2013, S. 57.
  5. Ebenda, S. 57.
  6. Isa Genzken – Werke von 1973 bis 1983, hg. v. Søren Grammel (Ausst.-Kat. Kunsthalle Basel, 5.9.2020–24.1.2021; Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, K21, Düsseldorf, 8.5.–5.9.2021), Köln 2019.
  7. In der Folge war sie auch auf der documenta IX (1992) und 11 (2002). Jüngst stellte sie auf der Biennale von Venedig 2015 aus. → Biennale von Venedig 2017: Künstlerinnen und Künstler