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Jan Vermeer: Biografie Lebenslauf des Delfter Barockmalers

Johannes Vermeer van Delft (1632–1675, tätig in Delft), Die Malkunst, Detail, um 1665-66, Leinwand (© Wien, Kunsthistorisches Museum)

Johannes Vermeer van Delft (1632–1675, tätig in Delft), Die Malkunst, Detail, um 1665-66, Leinwand (© Wien, Kunsthistorisches Museum)

Jan Vermeer (1632–1675) war ein bedeutender niederländischer Maler des Barock. Zu seinen Lebzeiten war der in Delft wohnhafte Künstler vermutlich nur einem kleinen Kreis von Eingeweihten und Kunstliebhabern bekannt. Aber heute gilt der Delfter Maler neben Rembrandt van Rijn als der berühmteste Künstler des „Goldenen Zeitalters“. Sein berühmtestes Werk ist das „Mädchen mit den Perlohrring“ (Mauritshuis, Den Haag).

Kindheit

Jan Vermeer wurde Ende Oktober 1632 als zweites Kind und ältester Sohn von Reynier Jansz. „Vos [Fuchs]“ (um 1591–1652) und Digna Baltens in Delft geboren. Seine Taufe fand am 31. Oktober 1632 in der Nieuwe Kerk, die zur Reformierten Kirche gehörte, statt. Er hatte eine ältere Schwester namens Geertruijt Vermeer, die am 15. März 1620 in Delft getauft worden war. Der Vater Vermeers arbeitete als Weber und stellte Kaffa (feines Seidengewebe, Samt) her. Er führte allerdings auch einen Gasthof namens „De Vliegende Vos [Fliegender Fuchs]“ an der Voldersgracht. Vermeers Mutter Digna Baltens stammte aus Antwerpen.

Vermeers Vater trat am 13. Oktober 1631 der Lukasgilde als Kunsthändler bei. Dadurch wuchs Jan Vermeer in einer Umgebung auf, in welcher Kunst zum Alltag gehörte. Vermeers Vater hatte gute Kontakte zu den Malern in Delft. Ab dem 6. September 1640 nannte sich Reynier Jansz. „Vermeer“, eine Zusammenziehung des Namens „Van der Meer“, der schon früher von der Familie verwendet worden war. Johannes wurde später unter diesem Namen berühmt.

Am 23. April 1641 kaufte der Vater Jan Vermeers das Gasthaus „Mechelen“ auf dem Marktplatz in Delft, für das er sich hoch verschuldete. Im Gasthaus dürfte Vermeers Vater auch Gemälde verkauft haben. Nach dem Tod des Vaters, die Beerdigung fand am 12. Oktober 1652 statt, dürfte Jan Vermeer das Geschäft seines Vaters übernommen haben.

Ausbildung und Einflüsse

Da bisher keine Dokumente zur Ausbildung Jan Vermeers gefunden wurden, gehören die Lehrjahre des Delfter Malers zu den geheimnisumwittertsten Jahren. Seine ersten Bilder weisen keine stilistische Verbindung zu den in Delft heimischen Traditionen auf. Aufgrund stilkritischer Analysen des Frühwerks lassen sich folgende drei Hypothesen aufstellen:

  • Jan Vermeer wurde um 1647/48 bis in die frühen 1640er Jahre in Delft – und vielleicht auch Utrecht – ausgebildet. Wer sein Lehrmeister war, ist nicht dokumentiert.
  • Leonaert Bramer (1596–1674) könnte Jan Vermeers Lehrer gewesen sein: Am 5. April 1653 veröffentlichte Vermeer das Aufgebot für die Hochzeit mit Catharina Bolnes, der Tochter von Maria Thins, was einer standesamtlichen Trauung entsprach. Vermeers Trauzeuge war der Maler Leonaert Bramer, woraus geschlossen wird, dass Jan Vermeer möglicherweise bei Bramer seine Ausbildung erhalten hat (nicht dokumentarisch belegt!). Leonaert Bramer war der bedeutendste Maler der Stadt und hat sich auf vielfigurige Historienbilder mit kräftigen Lichteffekten spezialisiert.
  • Eine Lehre bei Carel Fabritius /1622–1654) kann, wenn sie überhaupt erfolgt ist, nur sehr kurz gedauert haben, denn Fabritius hat sich erst im Oktober 1652 in die Delfter St. Lukasgilde eintragen lassen und verstarb bereits 1654.
  • Jan Vermeer war – vielleicht aufgrund der finanziell angespannten Lage seines Vaters und dessen guter Verbindungen zu Malern – hauptsächlich Autodidakt. Er könnte sich nach ersten Unterweisungen in Zeichen- und Maltechniken selbst anhand der Gemälde aus der väterlichen Kunsthandlung weitergebildet haben.
  • Ein weiterer wichtiger Einfluss ging von der kleinen Kunstsammlung aus, die Vermeers Schwiegermutter ihr Eigentum nannte. Sie besaß einige ausgewählte Werke der Utrechter Schule und war weitschichtig mit dem Utrechter Maler Abraham Bloemenaert (1564–1651) verschwägert. Daher wäre es auch denkbar, dass Vermeer in Utrecht in der Werkstatt von Bloemenart tätig war.

Die Stileigenart von Vermeers Frühwerk kann mit Hilfe der kleinen Kunstsammlung seiner Schwiegermutter, Maria Thins, kontextualisiert werden. Sie war nicht nur weitschichtig mit dem Utrechter Maler Abraham Bloemaert verschwägert, sondern besaß Gemälde der Utrechter Schule. Nachweislich gehörten ihr Dirck van Baburens „Die Kupplerin“ und „Römische Caritas“, die Vermeer im Hintergrund seiner eigenen Bilder „Das Konzert“ bzw. „Sitzende Virginalspielerin“ sowie „Musikstunde“ wiedergegeben hat.

Vermeer in der Gilde und als Meister in Delft

Gesichert ist die Aufnahme Jan Vermeers in die St. Lukas-Malergilde am 29. Dezember 1653. Der 21-jährige Johannes Vermeer ließ sich als „Meesterschilder“ (Meister) in der Delfter Malergilde einschreiben. Von diesem Moment an galt er als ausgelernter und selbständiger Maler, der seine eigenen Bilder signieren und verkaufen durfte. Zu seinen Lebzeiten hatte Vermeer einen guten Ruf in seiner Heimatstadt: zwei Mal fungierte er als Vorstand der Malergilde (1661/62 und 1671/72). Zudem berief man ihn im Mai 1672 nach Den Haag, wo er seine Expertise über die Qualität von italienischen Gemälden, die zum Verkauf standen, abgab.

Um die Mitte der 1650er Jahre begann Jan Vermeer seine Laufbahn als Maler mit religiösen und mythologischen Historienbildern wie „Christus bei Maria und Martha“ (um 1654/55, National Gallery of Scotland, Edinburgh) und „Diana mit ihren Gefährtinnen“ (um 1655/56, Mauritshuis, Den Haag). Warum Jan Vermeer in der zweiten Hälfte der 1650er Jahre von den biblischen und mythologischen Themen zu Genreszenen und Stadtansichten überwechselte, ist nicht bekannt.

Der 1646 nach Delft übersiedelten Tiermaler Paulus Potter (1625–1654) war bis 1649 Mitglieder der St. Lukasgilde; das muss die beiden Maler bei aller Unterschiedlichkeit zusammengebracht haben. Während der 1650er Jahre entwickelte sich in Delft ein neuer Stil der Architekturmalerei (schräge Raumeinblicke mit dynamischen Kompositionen, starkes Helldunkel, Integration von Figuren im Raum), zu deren wichtigsten Protagonisten die Maler Emanuel de Witte (um 1617–1692), Hendrick van Vliet (1611/12–1675) und Gerrit van Houckgeest (um 1600–1661) zählten. Ab 1650 prägte für kurze Zeit auch der zugezogenen Carel Fabritius (1622–1654) das künstlerische Leben der Stadt, indem er die Stadt in naturalistischen Architekturbildern und Perspektivstudien festhielt (→ Carel Fabritius: Der Distelfink).

Es fehlen darüber hinaus auch jegliche Hinweise auf eine Verbindung Vermeers mit Jan Steen (um 1625–1679) und Pieter de Hooch (1629–1684), die beide 1654 bzw. 1655 nach Delft kamen. Vielleicht hatten ihre Werke, darunter de Hoochs Darstellungen von Räumen und Höfen der bürgerlichen Bevölkerung mit bedeutender Wirkung von Sonnenlicht, eine Vorbildwirkung für den Wechsel Vermeers von der Historienmalerei zu Genre- und Landschaftsmalerei. Auffallend ist auch, dass keine Verbindungen zu überregional tätigen Künstlern nachweisbar sind, darunter Nicolaes Maes (1634–1693) und Samuel van Hoogstraeten (1627–1678) in Dordrecht, Franz van Mieris d. Ä. (1635–1681) und Gerrit Dou (1613–1675) in Leiden oder Gabriel Metsu in Amsterdam (1629–1667).

Wenn auch Michael Montias durch seine sorgfältigen Archivstudien viel Neues zur Biografie des Malers entdeckte, so ist über das Werk des niederländischen Barockmalers wenig bekannt. Vermeer hat nie über Kunst geschrieben, noch andere Notizen über seine künstlerischen Ideal hinterlassen. Desgleichen fehlen auch Zeichnungen oder Studien. Keines seiner Bilder ist als Auftragswerk ausgewiesen, was bedeuten könnte, dass er in erster Linie für eine kleine Gruppe lokaler Kunden gemalt haben dürfte. Damit sind neue Erkenntnisse über Vermeers Malkunst nur aus der präzisen Analyse seiner erhalten Werke, Vergleichen zu den Bildern seiner Zeitgenossen und literarischen Quellen möglich.

Zu Vermeers Biografie gehört auch, dass er gegen Ende seines Lebens finanziell stark angeschlagen war.  Aufgrund der Invasion französischer Truppen 1672 verschlechterte sich die wirtschaftliche Lage in Holland enorm. Als der Maler 1675 starb, hinterließ er seiner Witwe und acht unversorgten Kindern einen Berg von Schulden.

Ehefrau

Catharina Bolnes (Tod 1688): 20.4.1653 Catharina Bolnes war die Tochter von Maria Thins in Schipluiden, einem Vorort von Delft. Für sie konvertierte Jan Vermeer vielleicht vom Calvinismus zum Katholizismus.

Kinder

Jan Vermeer hatte elf Kinder, vier weitere Kinder starben früh. Als der Delfter Maler 1675 starb, waren alle noch minderjährig, acht seiner Kinder lebten noch zu Hause.

Schüler von Jan Vermeer

  • Jan Steen (1626–1679)

Weitere Beiträge zu Jan Vermeer

Biografie von Jan Vermeer (1632–1675)

  • Ende Oktober 1632 | Taufe 31.10.1632

    Ende Oktober 1632 wurde Jan Vermeer als zweites Kind und ältester Sohn von Reynier Jansz. „Vos [Fuchs]“ (um 1591–1652) und Digna Baltens in Delft geboren und in der Nieuwe Kerk getauft. Er wurde am 31. Oktober in der Nieuwe Kerk getauft. Am 15. März 1620 war seine Schwester Geertruijt Vermeer in Delft getauft worden. Der Vater Vermeers arbeitete als Weber und war auf die Produktion von Kaffa (Seidengewebe, Samt) spezialisierte. Er führte allerdings einen Gasthof namens „De Vliegende Vos [Fliegender Fuchs]“ an der Voldersgracht.
  • 13.10.1631

    Vermeers Vater trat am 13. Oktober 1631 der Lukasgilde als Kunsthändler bei. Dadurch wuchs Jan Vermeer in einer Umgebung auf, in welcher Kunst zum Alltag gehörte. Vermeers Vater hatte gute Kontakte zu den Malern in Delft.
  • 6.9.1640

    Ab diesem Jahr nannte sich Reynier Jansz. „Vermeer“, eine Zusammenziehung von „Van der Meer“, der schon früher von der Familie verwendet worden war. Johannes wurde später unter diesem Namen berühmt.
  • 23.4.1641

    Der Vater von Vermeer kaufte das Gasthaus „Mechelen“ auf dem Marktplatz in Delft, für das er sich hoch verschuldete. Im Gasthaus dürfte Vermeers Vater auch Gemälde verkauft haben.
  • Um 1647/48

    Jan Vermeer muss sich in dieser Zeit in eine Lehre begeben haben. Dies wird aus dem Umstand seiner Aufnahme in die Lukasgilde 1653 zurückgerechnet, da dieser Mitgliedschaft eine sechsjährige Lehre vorausgegangen sein muss. Die Annahme, dass Vermeer gleichzeitig mit Nicolaes Maes (1634–1693) bei Rembrandt van Rijn ausgebildet worden sein könnte, wird heute zurückgewiesen. Desgleichen kann eine Lehre bei Carel Fabritius /1622–1654) wenn überhaupt, nur sehr kurz gedauert haben, denn dieser hat sich erst im Oktober 1652 in die Delfter St. Lukasgilde eintragen lassen und verstarb bereits 1654. Da das Frühwerk von Vermeer sowohl Delfter wie auch Utrechter Einflüsse zeigt, könnte er seine Lehrzeit in beiden Städten verbracht haben. In Utrecht könnte er auf Abraham Bloemaert (1566–1651) gestoßen sein, da dieser Beziehungen zu Vermeers späterer Frau unterhielt.
  • 12.10.1652

    Tod des Vaters und Beerdigung am 12. Oktober 1652. Es wird vermutet, dass Jan Vermeer das Geschäft seines Vaters übernahm.
  • 20.4.1653 Hochzeit

    Am 5. April 1653 veröffentlichte Vermeer das Aufgebot für die Hochzeit mit Catharina Bolnes, die Tochter von Maria Thins (entspricht einer standesamtlichen Trauung). Ihr Trauzeuge war der Maler Leonaert Bramer, woraus geschlossen wird, dass Jan Vermeer möglicherweise bei Bramer seine Ausbildung erhalten hat (nicht dokumentarisch belegt!). Aber Leonaert Bramer war ein bedeutender Maler der Stadt und hat sich auf vielfigurige Historienbilder mit kräftigen Lichteffekten spezialisiert. Ob der Calvinist Jan Vermeer für seine Frau zum Katholizismus übergetreten ist, kann nicht eindeutig nachgewiesen werden. Am 20. April folgte die kirchliche Eheschließung in Schipluiden, einem Vorort von Delft.
  • 22.4.1653

    Jan Vermeer und Gerard ter Borch (1617–1681) unterschrieben ein Dokument beim Notar De Langue. Der berühmte Porträt- und Genremaler hat daher den erst sich profilierenden Vermeer gekannt. Allerdings gibt es keine Hinweise für ein Schüler-Lehrer-Verhältnis zwischen den beiden, ter Borch war nur auf der Durchreise.
  • 29.12.1653: Vermeers Aufnahme in die Malergilde

    Der 21-jährige Johannes Vermeer ließ sich als „Meesterschilder“ (Meister) in der Delfter Malergilde einschreiben. Von diesem Moment an galt er als ausgelernter und selbständiger Maler, der seine eigenen Bilder signieren und verkaufen durfte. Die Gilde verrechnete ihm den vollen Betrag von sechs Gulden, davon konnte er allerdings nur ein Viertel begleichen. Der günstigere Tarif von drei Gulden wurde nur gewährt, wenn man bei einem lokalen Meister in die Lehre gegangen war. Die Einschreibgebührt könnte also ein Hinweis auf die Ausbildung Vermeers außerhalb von Delft sein. Eine andere Erklärung zieht in Betracht, dass Vermeer vielleicht größtenteils Autodidakt gewesen sein sein könnte. Das würde auch erklären, warum sein Frühwerk so heterogene Einflüsse verschiedener Künstler zeigt.
  • um 1653–1654

    Jan Vermeer malte „Diana und ihre Gefährtinnen“, sein frühestes erhaltenen Bild und ein Beleg, dass er sich als Historienmaler etablieren wollte. Als Vorbild nahm er wohl ein Werk von Jacob van Loo (1614–1670).
  • 1654

    Der „Meistermaler“ Jan Vermeer bezeugt eine notariell beglaubigte Schuldverschreibung.
  • um 1654–1655

    „Christus bei Maria und Martha“ entstand. Es ist das größte Bild von Vermeer. Wie schon oben angedeutet, ist das Frühwerk Vermeers von unterschiedlichen Künstlern gleichermaßen beeinflusst. Für „Christus bei Maria und Martha“ dürfte er die Komposition (Pose des sitzenden Christus und weniger jener Mariens) eines Bilder des Antwerpener Erasmus Quellinus II. (1607–1678) als Vorbild herangezogen haben. Da die Anordnung der Figuren bei einer Reihe von italienischen und flämischen Malern aufzufinden ist, ist eine eindeutige Identifikation von Vermeers Inspirationsquelle nicht möglich.
  • 14.12.1655

    Vermeer und seine Frau Catharina erklärten sich zu Zweitbürgern und Gesamtschuldnern für die vom inzwischen verstorbenen Reynier Jansz- Vos gemachten Schulden. Das Dokument ist mit „Johannes Rejnijersz Vermeer“ unterzeichnet, der Nachname „Vosch“ wurde gestrichen. In diesem Jahr signierte und datierte er „Die heilige Praxedis“.
  • Um 1655–1656

    „Diana mit ihren Gefährtinnen“ (Mauritshuis, Den Haag)
  • 24.7.1656

    Vermeer zahlte den Rest seines Mitgliedsbeitrags der Lukasgilde.
  • 1656

    „Bei der Kupplerin“ (Dresden, Gemäldegalerie) ist Jan Vermeers erstes datiertes Werk (auch signiert). Drei Jahre nach seiner Aufnahme in die Malergilde wählte er erstmals (heute nachweisbar) ein Thema der Genremalerei. Damit – wie auch dem dramatischen Lichteinfall – schloss er an die Errungenschaften der Utrechter Caravaggisten an, darunter Dirck van Baburen (um 1594/95–1624), Gerard van Honthorst (1592–1656) und Jan van Bilert (1597/98–1671). um 1656–1657 Jan Vermeer malte „Das schlafende Mädchen“ (The Metropolitan Museum of Art, New York) – sein erstes Bild mit nur einer einzigen Figur, was auf das spätere Werk des Delfter Barockmalers vorausweist. Ursprünglich wollte er noch einen Mann im angrenzenden Raum und einen Hund in der Türöffnung malen, doch tilgte er deren Existenz selbst noch im Bild aus.
  • 1657

    Vermeer malte „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ (um 1657) und schuf damit zum ersten Mal einen „echten Vermeer“. Albert Blankert stellte bereits treffend fest, dass „alle ‚vermeerartigen‘ Vermeers erst nach der ‚Kupplerin‘, also nach 1656 gemalt wurden“.
  • 18.6.1657

    Maria Thins machte ihr erstes Testament. Darin vermachte sie ihren Schmuck Vermeers Tochter Maria; eine Summe von 300 Gulden sprach sie dem Maler und Catharina zu.
  • 30.11.1657

    Vermeer nahm einen Kredit von 200 Gulden auf; Kreditgeber Pieter Claesz. Van Ruijven (1624–1674) könnte auch der Hauptmäzen des Malers geworden sein. Manche Forscher vermuten, dass sein Mäzenatentum die Feinmalerei und die Themenwahl des Künstlers beeinflusst haben könnte.
  • 1657–1658

    „Das Milchmädchen“ (Rijksmuseum, Amsterdam) zeigt auf beispielhafte Weise, wofür Jan Vermeer berühmt wurde: Die Konzentration auf den Hauptgegenstand und das Zurückdrängen äußerlich wahrnehmbarer Emotionen zugunsten eines Gefühls. Gleichzeitig wandte er sich mit „Straße in Delft“ (Rijksmuseum, Amsterdam) der Landschaftsmalerei zu.
  • Um 1657–1659

    „Brieflesendes Mädchen am offenen Fenster“ (Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Gemäldegalerie Alte Meister)
  • Um 1658–1659

    „Herr und Dame beim Wein“ (Staatliche Museen, Gemäldegalerie, Berlin)
  • Um 1658–1660

    „Der Soldat und das lachende Mädchen“ (Frick Collection, New York)
  • Um 1659–1660

    „Das Mädchen mit dem Weinglas“ (Herzog Anton Ulrich Museum, Braunschweig)
  • 1660

    Am 27. Dezember 1660 wurde „ein Kind von Johanne Vermeer, wohnhaft Oude Langedijk“ in der Oude Kerk in Delft beigesetzt. Es ist das früheste Dokument, demzufolge Vermeer und seine Familie in den Haushalt der Schwiegermutter am Oude Langendijk („Papisten“-Viertel) umgezogen waren.
  • Um 1660–1661

    „Ansicht von Delft“ (Mauritshuis, Den Haag)
  • 1662

    Für zwei Jahre zum Syndikus („Hoofdman“ / Altermann / Vorsteher) der Delfter Malergilde ernannt. Während der 1660er Jahre galt Vermeer demnach als seriöser und innovativer Künstler.
  • Um 1662

    „Junge Frau mit Wasserkanne“ (The Metropolitan Museum of Art, New York)
  • Um 1662–1663

    „Das Mädchen mit der Laute“ (The Metropolitan Museum, New York)
  • 11.8.1663

    Im Tagebuch des Kunstliebhabers und Alchimisten Balthasar de Monconys (1611–1655), einem Mitglied des französischen Kronrats, findet sich ein Eintrag über Vermeer, da ihn der Maler besucht hatte. Der französische Reisende notierte, dass die Gemälde Vermeers etwas überteuert angeboten wurden.
  • 1663

    Im Inventar des Bildhauers Johan Larson in Den Haag ist eine „Visage“ von Jan Vermeer aufgeführt.
  • 1663 oder 1664

    Jan Vermeers erster Sohn, Johannes, wurde geboren.
  • Um 1662–1664

    „Die Musikstunde (Herr und Dame am Virginal)“ (Royal Collection)
  • 1664

    Jan Vermeer ist in einer Liste von Milizmännern in Delft erwähnt. Um 1664–1665 „Junge Frau mit Wasserkanne am offenen Fenster“ (Metropolitan Museum of Art, New York)
  • um 1665–1666

    „Das Konzert“ (Isabella Steward Gardner Museum, Boston – Verbleib unbekannt, da gestohlen) zeigt im Hintergrund Dirk van Baburens Genrebild „Die Kupplerin“.
  • Um 1666–1667

    „Mädchen mit rotem Hut“ (National Gallery of Art, Andrew W. Mellon Collection, Washington DC) und „Der Liebesbrief” (Rijksmuseum, Amsterdam). Auch „Dame mit Dienstmagd mit Brief“ (The Frick Collection, New York) entstand 1667.
  • 1667

    Jan Vermeer wurde in Dirck van Bleyswycks „Beschreibung von Delft“ erwähnt. Au0erdem veröffentlichte Arnold Bon ein Gedicht, in dem er Vermeer als den Nachfolger von Carel Fabritius und seiner Malweise bezeichnete („als Meister folgend auf seinen [Fabritius‘] Pfaden“]. Am 10. Juli wurde ein kleiner Sohn von Vermeer und Catharina in der Nieuwe Kerk in Delft begraben.
  • Um 1666–1668

    „Die Malkunst“ (Kunsthistorisches Museum, Wien) 1668 „Der Astronom“ (signiert, Louvre, Paris) ist das zweite datierte Werk von Vermeer.
  • 1669

    „Der Geograf“ (Städelsches Kunstinstitut, Frankfurt a. M.) ist das dritte datierte Werk Vermeers.
  • 14.5. und 21.6.1669

    Der wohlhabende, junge Amateur Pieter Teding van Berckhout (1643–1713) besuchte den „berühmten“ und „Hervorragenden“ Vermeer zwei Mal. Er sah beim ersten Mal „einige Kuriositäten“ und beim zweiten Mal „ein paar Beispiele seiner Kunst, deren außergewöhnliches und ganz eigenartiges Element die Perspektive ist“.
  • 16.7.1669

    Ein weiteres Kind wurde im Familiengrab in der Oude Kerk in Delft beigesetzt.
  • 1670

    Tod der Mutter Digna Baltens (13.2.1670 Beerdigung in der Nieuwe Kerk in Delft). Am 2. Mai wurde seine Schwester Geertruijt in der Nieuwe Kerk in Delft beingesetzt. Daraufhin erbte Jan Vermeer 148 Gulden und die Schenke seiner Eltern „Mechelen“. Erneute Wahl Vermeers zum Syndikus der Delfter Malergilde (für zwei Jahre).
  • Um 1670–1672

    „Briefschreiberin und Dienstmagd“ (National Gallery of Ireland, Dublin) und „Stehende Virginalspielerin“ (The National Gallery, London) entstanden.
  • 1672

    Jan Vermeer verpachtete das „Mechelen“ für 180 Gulden jährlich.
  • 27.5.1672

    Am 27. Mai 1672 reiste der Maler nach Den Haag, wo er gemeinsam mit Johannes Jordaens (1616–1680) zwölf Gemälde der venezianischen und römischen Schule für den Kurfürsten von Brandenburg auf ihren Wert schätzte. Der Kunsthändler Gerard Uylenburgh wollte sie Kurfürst Friedrich Wilhelm für eine Summe von 30.000 Gulden verkaufen. Jan Vermeer bestätigte ihre Echtheit, gab aber auch zu Protokoll, dass sie „Schund und schlechte Gemälde sind“ und nur ein Zehntel des Verkaufspreises wert wären.
  • 1672

    Invasion Hollands durch König Ludwig XIV. von Frankreich und zusammenbrechende Wirtschaft in der Folge. Jan Vermeer gehörte zu den Leidtragenden der politisch-ökonomischen Situation.
  • 27.6.1673

    Beisetzung eines Kindes von Vermeer im Familiengrab in der Oude Kerk.
  • 21.7.1673

    Vermeer veräußerte zwei Schuldurkunden von insgesamt 800 Gulden; einem im Werk von 500 Gulden lautete auf den Namen Magdalena Pieters, Tochter von Pieter Claesz van Ruijven, von dem Vermeer 1657 Geld geliehen hatte.
  • Um 1672–1674

    „Allegorie des Glaubens“ (Metropolitan Museum of Art, New York)
  • 1674

    Tod von Reynier Bolnes, Vermeers Schwiegervater. Der Maler reiste nach Gouda, um den Nachlass zu regeln.
  • 1675

    Im Juli reiste Jan Vermeer zum letzten Mal nach Amsterdam, um dort am 20. Juli 1675 von dem Händler Jacob Rombouts ein Darlehen über 1.000 Gulden aufzunehmen. Warum Vermeer dazu gezwungen gewesen sein könnte gab 14 Monate nach seinem Tod seine Witwe zu Protokoll: Durch den französisch-niederländischen Krieg (1672–1679) hätte Vermeer keine Bilder mehr verkaufen können, weshalb er in finanzielle Notlage geriet. Auch sein Kunsthandel entwickelte sich während der Kriegsjahre nicht positiv. Vermeer musste Bilder, wie seine Witwe bestätigte, unter ihrem Wert verkaufen.
  • Mitte Dezember 1676 | 15.12.1676: Tod & Begräbnis

    Jan Vermeer starb Mitte Dezember in Delft. Er wurde am 15. Dezember 1675 in der Familiengruft in der Oude Kerk zu Delft beigesetzt. Alle elf Kinder (vier weitere starben früh) waren bei seinem Ableben noch minderjährig, davon lebten acht noch zu Hause.
  • 1676

    Tilgen der Schulden AM 27. Januar verkaufte Catharina Bolnes zwei Gemälde ihres verstorbenen Mannes an den Bäcker Hendrick van Buyten, um eine Schuld von 617 Gulden und 6 Stuivers bezahlen zu können. Am 10. Februar kaufte der Kunsthändler Jan Coelnbier im Namen von Jannetje Stevens, einer der Gläubiger von Vermeer, von Catharina 26 Gemälde für 500 Gulden und brachte sie nach Haarlem. Am 24. Februar versuchte Catharina, durch die Übergabe des Geälde „Der Maler in seinem Atelier“ eine Schule bei ihr zu begleichen.
  • 29.2.1676 Nachlass

    Ein Nachlassinventar von Vermeer wurde erstellt.
  • 24. & 30.4. / 30.9.1676

    Da die Familie hochverschuldet war, meldete Catharina den Konkurs an. Der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoeks (1632–1732), der Erfinder des Mikroskops, wurde zum Nachlassverwalter bestellt. Die Witwe verzichtete auf ihr Erbrecht, um von den Schulden loszukommen.
  • 2. & 5.2.1677

    Antoni van Leeuwenhoek erschien vor dem Hohen Rat von Delft, um Vermeers Schulden bei Jannetje Stevens zu tilgen. Die 26 Gemälde von Vermeer, die sich im Besitz von Jan Coelnbier befanden, wurden der Erbmasse wieder zugeführt. Geplant war eine Versteigerung von Jan Vermeers Gemälden.
  • 12.3.1677

    Maria Thins setzte Anthoni van Leeuwenhoeks formell durch eine notariell beglaubigte Urkunde davon in Kenntnis, dass „Der Maler in seinem Atelier“ ihr am 24. Februar 1676 von ihrer Tochter übergeben worden war. Daher wäre das Gemälde nicht in die geplante Versteigerung im Lukasgildehaus einzubeziehen.
  • 15.3. oder 15.5.1677 Nachlassauktion

    Vermeers Witwe gab zu Protokoll, dass ihr Mann während der Kriegsjahre weder eigene Bilder noch die in Kommission genommenen Kunstwerke verkaufen konnte. Auf der Nachlassauktion wurden 26 Bilder Vermeers angeboten, darunter auch „Der Maler in seinem Atelier“. Catharina Bolnes und ihre Mutter führten einen verzweifelten Kampf, um zu verhindern, dass „Die Malkunst“ (KHM, Wien) bei einer Versteigerung der Lukasgilde verkauft würde.
  • 27.12.1680

    Beisetzung von Maria Thins; ihre Tochter Catharina Bolnes erbte ihren Besitz.
Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.