Pieter de Hooch

Wer war Pieter de Hooch?

Pieter de Hooch (Rotterdam getauft 20.12.1629–1684 oder später, Amsterdam) war ein niederländischer Genremaler des Barock. Sein Schaffen fiel in die Zeit des Goldenen Zeitalters, in denen die Niederlande eine kulturelle Blütezeit erlebten; sein wichtigster Zeitgenosse war der ebenfalls in Delft ansässige Jan Vermeer. Pieter de Hooch spezialisierte sich auf das bürgerliche Genre mit spannenden Raumfluchten und präzisen Texturschilderungen.

Kindheit und Ausbildung

Am 20. Dezember 1629 wurde Pieter de Hooch in der Reformierten Kirche in Rotterdam getauft. Sein Vater Hendrick Hendricksz de Hooch war Maurer, und die Mutter, Annetge Pieters, arbeitete als Hebamme. Pieter de Hooch war das älteste von fünf Kindern der Familie; seine vier Geschwister starben früh, sodass er sie mit 28 Jahren (1657) bereits überlebt hatte.

Arnold Houbraken zufolge war Pieter de Hooch etwa von 1645 bis 1647 gemeinsam mit Jacob Ochtervelt (1634–1682) Schüler des Haarlemer Landschaftsmalers Nicolaes Berchem (1620–1683 → Niederländische Landschaftsmalerei in Italien). Jedoch gibt es in seinem Werk keine stilistischen Einflüsse dieses Lehrers. Dagegen wurde von Fleischer aufgrund stilistischer Nähe die Meinung vertreten, De Hooch hätte bei Ludolf de Jongh (1616–1679) in Rotterdam gelernt und erst später bei Nicolaes Berchem. Diese Möglichkeit erscheint angesichts von De Hoochs Frühwerk wahrscheinlich, allerdings könnte er auch von Duyster, Codde und Sorgh oder Gerard ter Borch beeinfluss worden sein. Pieter de Hooch bildete sich unter dem Einfluss von Carel Fabritius (→ Carel Fabritius: Der Distelfink) und Rembrandt van Rijn fort.

Pieter de Hooch in Delft

Pieter de Hooch übersiedelte zu seinem unbekannten Zeitpunkt nach Delft. Eine erste Erwähnung in Delft stammt aus dem Jahr 1652, als er zusammen mit Hendrick van der Burch (1627–nach 1666) Zeuge bei der Eröffnung eines Testaments war. Van der Burch war der talentierteste Schüler von Pieter de Hooch und wurde auch dessen Schwager, als de Hooch in Delft Jannetge van der Burchs heiratete. Wie viele seiner malenden Zeitgenossen ging Pieter de Hooch noch einem zweiten Beruf nach: Er arbeitete für einen Kleiderhändler Der wichtigste Käufer von Bildern De Hoochs war Justus de la Grange (1632–1664), ein reicher Kaufmann aus Delft, der 1655 mindestens elf seiner Gemälde besaß.

Das Frühwerk von Pieter de Hooch ist schwierig in eine Chronologie zu bringen, da der Maler seine Werke nicht datierte. Die erste Datierung findet sich auf einem Gemälde aus dem Jahr 1658. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Pieter de Hooch eine Faszination für Szenen mit trinkenden Soldaten in einer Scheune oder einem Wirtshaus hatte, wie „Das leere Glas“ (Museum Boijmans Van Beuningen, Rotterdam). Nach 1658 änderte De Hooch seine Motivwahl und wandte sich Einblicken in bürgerliche Interieurs zu, in denen meist Frauen bei ihren Tätigkeiten beobachtet werden. Damit folgte Pieter de Hooch dem allgemeinen Trend vom Wachstubenbilde zur häuslichen Szene. Zudem fällt auf, dass er die frühen Werke mit lockerem, flottem Pinselstrich gemalt hat.

Im April 1654 wohnte Pieter de Hooch wieder in Rotterdam, höchstwahrscheinlich im Haus seines Vaters in der Lombertstraat. 1655 wurde der Genremaler in die Delfter Malergilde aufgenommen und änderte seinen Malstil und sein Kolorit. Mitte der 1650er Jahre begann er, seine Gemälde immer sorgfältiger auszuführen, kräftigere und abwechslungsreichere Farbtöne zu verwenden.

Eines der wichtigsten Werke Pieter de Hoochs ist das signierte und datierte Gemälde „Delfter Hof“ im der National Gallery in London. Es zeigt den Innenhof eines Hauses mit einer Frau und einem kleinen Mädchen; links in einem Gang ist eine weitere Frau zu sehen. Die vermeintliche Hausherrin blickt auf die Straße im Hintergrund, weshalb sie als Rückenfigur gezeigt wird. Der über der Pforte eingemauerte Giebelstein stammt aus dem Kloster Hieronymusdael in Delft. Die geschickt konstruierte Raumdarstellung arbeitet mit Versatzstücken aus der Realität, die der Maler im Atelier zu gefälligen Kompositionen zusammenführte (vgl. Jan Vermeer, Straße in Delft, um 1658–1660, Rijksmuseum, Amsterdam).

Amsterdam: luxuriöse Interieurs

1660 oder 1661 zog Pieter de Hooch nach Amsterdam. 1661 wurde dort seine Tochter Diewertje getauft, die eines von seinen sieben Kindern war. Trotz reicher Kunden lebte Pieter de Hooch in seinen ersten Amsterdamer Jahren wohl in einem Armeleuteviertel. Erst 1668 zog er mit seiner Familie in ein besseres Stadtviertel um, in die Konijnenstraat nahe der Lauriergracht, war aber nie vermögend genug, um ein eigenes Haus zu kaufen. Über die letzten Lebensjahre Pieter de Hoochs ist nur wenig bekannt. Sein Sohn, der ebenfalls Pieter de Hooch hieß, war sein Schüler und wurde 1684 in das dolhuys, das städtische Irrenhaus, eingeliefert, wo er verstarb und am 24. März 1684 auf dem Sint-Anthonis-Kerkhof begraben wurde. Wann Pieter de Hooch der Ältere verstarb, ist nicht bekannt. Jedenfalls datieren seine letzten Werke aus dem Jahr 1684.

Werke

Pieter de Hoochs Genrebilder zeigen häufig Szenen in Innenräumen holländischer Bürgerhäuser, wobei er sich vor allem mit dem Licht und Schatten aber auch Texturen auseinandersetzte. Er beschränkte sich meist auf wenige Figuren, die er bei ruhigen Beschäftigungen zeigte. Oft stellte Pieter de Hooch zwei oder mehrere zusammenhängende Räume mit Durchblick dar, wobei die Darstellung von Raum, Tiefe und Perspektive immer wichtiger wurde. Die Anordnung der Figuren im Raum und die Schaffung räumlicher Tiefe durch eine überzeugende Anwendung der Perspektive – gesteigert durch „doorkijkjes“ (Raumfluchten) und schwarz-weiße Marmor- und Natursteinböden – sind in Pieter de Hoochs Bildern revolutionär und erinnert an die Werke seines Zeitgenossen Nicolaes Maes (1634–1693) und Samuel van Hoogstraten. Ob die Bilder moralisierende Botschaften vermitteln und als Metaphern für die häusliche Tugend zu verstehen sind (siehe Psalm 128), kann vermutet aber nicht bewiesen werden.

Im Laufe der 1660er Jahre wurden Pieter de Hoochs Interieurs immer luxuriöser, was auch bei anderen Malern des Goldenen Zeitalters zu beobachten ist. Es könnte sich hierbei aber auch um Wünsche der vermögenden Kundschaft des Malers gehandelt haben.

Häufig wurde Pieter de Hoochs Werk mit jenem seines Zeitgenossen Jan Vermeer verglichen. Die beiden Delfter Künstler standen möglicherweise in einem schöpferischen Wettstreit. So ließe sich erklären, warum sie fast zeitgleich ähnliche Themen aufgriffen; zudem lassen sich ähnliche Begeisterung für und Konzentration auf die Darstellung von Raum, Perspektive, Licht und Farbe feststellen. Die malerische Ausarbeitung der Werke De Hoochs ist allerdings penibler und detailreicher, während Vermeer mit pastosem und lockerem Pinselstrich die Wahrnehmung abstrahierte und so vermutlich auch das Bild der Camera Obscura imitierte.

Nachleben

Der bedeutende Künstlerbiograph Arnold Houbraken hatte 1719 kaum Informationen über Pieter de Hooch. Er beurteile ihn als „exzellent im Malen von Interieurs, und darin von kleinen Gesellschaften von Herren und Damen“. Trotzdem nahm Houbraken De Hooch wie auch Jan Vermeer nicht in seine Liste der besten Künstler des 17. Jahrhunderts auf.1

Zu den von Pieter de Hooch beeinflussten Malern gehälrt der französische Rokokokünstler Jean Siméon Chardin (1699–1779).

  1. Zit. n. Jeroen Giltaij, Der Zauber des Alltäglichen. Holländische Malerei von Adriaen Brouwer bis Johannes Vermeer, Ostfildern-Ruit 2005, S. 227.