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Museum Barberini: Picasso. Das späte Werk. Aus der Sammlung Jacqueline Picasso Die zweite Ehefrau als Lieblingsmodell

Pablo Picasso, Madame Z (Jacqueline mit Blumen), Detail, 2. Juni 1954, Öl/Lw, 100 x 81 cm (Sammlung Catherine Hutin, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Pablo Picasso, Madame Z (Jacqueline mit Blumen), Detail, 2. Juni 1954, Öl/Lw, 100 x 81 cm (Sammlung Catherine Hutin, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

Pablo Picasso (1881–1973) gilt als Erneuerer der Kunst im 20. Jahrhundert. In Malerei, Skulptur, Grafik und Keramik hat er neue Maßstäbe gesetzt. Weniger bekannt ist sein Schaffen aus den letzten zwei Jahrzehnten seines Lebens, als Picasso von seiner Frau Jacqueline mehr Bildnisse schuf als je zuvor von einem anderen Modell.

Pablo Picasso und Jacqueline Roque lernten einander 1952 kennen, als Jacqueline Gehilfin der Keramikerin Suzanne Ramié (1905–1974) war. Im gleichen Sommer kühlte die Beziehung Picassos zu Françoise ab und er kehrte Ende Oktober 1952 allein nach Paris zurück. Mehrere Monate hinweg wechselte er seine Aufenthaltsorte zwischen Vallauris und Paris. Im August 1953 führt Picasso auf Einladung des Ehepaares Lazerme mit Maya und Paul nach Perpignan am Fuß der östlichen Pyrenäen, wo er die inzwischen geschiedene Jacqueline wiedertraf. Nach der Rückkehr trennte sich Françoise von ihm und kehrte mit den Kindern nach Paris zurück.

Erst im folgenden Jahr stand Jacqueline erstmals Modell für Pablo Picasso (Juni und Oktober 1954). In einer Reihe von Porträts kombinierte er Elemente des Kubismus und des synthetischen Stils, der für ihn charakteristisch war. Die Bildnisse sind als formale Kontraste aufgefasst: großflächige Gestaltung (v.a. im Hintergrund) steht neben zeichnerisch durchgearbeiteten Partien, kubistische Formzertrümmerung im Gesicht und antikisches Volumen, dekorative Muster treffen auf spärlich bemalte Leinwand. Die Bilder sind allesamt präzise auf den Tag genau datiert, was die hohe Produktivität des inzwischen über 70-jährigen Malers offenlegt – aber auch dessen fast zwanghaftes Arbeiten im Atelier. Im September trennte er sich endgültig von Françoise und zog mit Jacqueline und deren Tochter Catherine in Paris zusammen.

Jacqueline wurde das Modell für Picassos Abwandlungen der „Frauen von Algier“ (1954) nach Eugène Delacroix (15 Gemälde und zwei Lithografien), die vom Tod Henri Matisses inspiriert waren. Nach dem Tod seiner Ehefrau Olga (11. Februar → Picassos erste Frau: Olga Picasso) erwarb der nunmehr weltberühmte Künstler die Villa „La Californie“ mit einem weitläufigen Garten mit tropischen Bäumen über Cannes. Hier drehte der Dokumentarfilmer Henri-Georges Clouzot im Atelier den Film „Le mystère Picasso“, der den zeichnenden Picasso bei der Arbeit beobachtet. Eines der wichtigsten Bilder des folgenden Jahres ist „Jacqueline im Atelier“ (2.–8. April, Sammlung Rosengart, Luzern), gefolgt von der 58-teiligen Serie zu „Las Meninas“ (17.8.–30.12.) nach Diego Velázquez, Bildnisse von Jacqueline als „Lola aus Valence“ von Edouard Manet.

Im September 1958 tausche Picasso die „Villa Californie“ gegen das Schloss Vauvenargues aus, da immer mehr Zaungäste den „Mythos Picasso“ sehen wollten. Schloss Vauvenargues liegt am Fuß der Mont Sainte-Victoire in der Nähe von Aix-en-Provence. Der letzte Lebens- und Arbeitsort Picassos sollte ab Juni 1961 die Villa Notre-Dame-de-Vie in der Nähe des Dorfes Mougins in den Bergen oberhalb von Cannes werden. Kurz zuvor, am 2. März 1961 hatten er und Jacqueline geheiratet. Im folgenden Jahr entstand am 6. Januar „Sitzende Frau mit gelbgrünem Hut“ (6.1.1962, Sammlung Catherine Hutin-Blay), dem allein in diesem Jahr über 70 Porträts in den Medien Malerei, Zeichnung, Keramik und Grafik folgten. In den folgenden elf Jahren, die Picasso bis zu seinem Tod am 8. April 1973 noch blieben, kreiste sein Werk um die Alten Meister – wie Rembrandt van Rijn – und Jacqueline. Am Abend vor seinem Tod überarbeitete er noch den stark abstrahierten „Liegenden weiblichen Akt und Kopf“ (Privatbesitz). Die überbordende Sexualität und Virilität von Picassos Spätwerk, wird hier in einer geometrisch-stilisierenden Darstellung gebändigt. Man darf gespannt sein, welche Werke sich noch im Besitz von Jacqueline Picassos Tochter, Catherine Hutin, befinden – und was davon im Museum Barberini zu sehen sein wird!

 

 

Museum Barberini: Picasso. Das späte Werk

Die Ausstellung „Picasso. Das späte Werk“ zeigt, wie Picasso auch in seinen letzten Schaffensjahren innovativ blieb. Alle Leihgaben stammen aus der Sammlung Jacqueline Picasso (1927–1986). Ihre Tochter Catherine Hutin stellt diese bislang kaum öffentlich gezeigte Sammlung für die Ausstellung im Museum Barberini zur Verfügung. In der von Gastkurator Bernardo Laniado-Romero getroffenen Auswahl befinden sich zahlreiche Werke, die erstmalig in Deutschland gezeigt sowie einige, die zum ersten Mal in einem Museum präsentiert werden.

 

Museum Barberini: Picasso. Das späte Werk: Bild

  • Pablo Picasso, Madame Z (Jacqueline mit Blumen), 2. Juni 1954, Öl/Lw, 100 x 81 cm (Sammlung Catherine Hutin, © Succession Picasso/VG Bild-Kunst, Bonn 2018)

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Alexandra Matzner
Gründerin von ARTinWORDS * 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.