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Aristide Maillol Moderner Bildhauer in klassischer Tradition

Aristide Maillol, Der Fluss, 1938–1943, Blei, 136,5 x 228,6 cm (Museum of Modern Art, New York)

Aristide Maillol, Der Fluss, 1938–1943, Blei, 136,5 x 228,6 cm (Museum of Modern Art, New York)

Aristide Maillols (1861–1944) Ruhm als Bildhauer basiert auf dessen radikaler Absage an die erzählerische, dekorative Plastik des späten 19. Jahrhunderts. Der Bildhauerei wandte sich der Franzose erst mit etwa 40 Jahren zu, davor war er in Paris zum Maler ausgebildet worden und hatte sich zehn Jahre als Kunsthandwerker betätigt. Sein Kontakt mit Paul Gauguin und der Schule von Pont-Aven führte zur Mitgliedschaft in der Künstlergruppe Nabis 1895. Erstmals 1897 stellte Maillol kleinformatige Terrakotten aus, die in den plastischen Werken der folgenden Jahre zunehmend von der Antike inspiriert wurden. Wichtige Sammler aus Deutschland (Harry Graf Kessler, Karl Ernst Osthaus → Museum Folkwang), Russland (Ivan Abramowitsch Morosow) und Frankreich (Jacques Zoubaloff) sowie sein Kunsthändler Ambroise Vollard ermöglichten Aristide Maillol seine Ideen ab 1903/04 in großformatigen Skulpturen umzusetzen. In den folgenden Jahren bildete er nicht nur den Gegenpol zu den bewegten Skulpturen Auguste Rodins (→ Auguste Rodin), sondern revolutionierte auch den Typus des Denkmals.

 

Maillols malerisches Frühwerk

Der 1861 in Banyuls-sur-Mer geborene Aristide Maillol ließ sich zwischen 1882 und 1893 in Paris zum Maler ausbilden. Das malerische Frühwerk ist in etwa 50 Gemälden erhalten, ergänzt wird es durch kunsthandwerkliche Arbeiten, von denen zehn Bildteppiche besonders hervorstechen und den frühen Ruhm des Künstlers begründeten.

Maillol besuchte an der École des Beaux-Arts die Klassen von Alexandre Cabanel (1823–1889), einem der beliebtesten Porträtisten und Salonmaler des späten 19. Jahrhunderts, und Jean-Paul Laurens. Diese frühen Jahre waren von großer Armut und der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten geprägt. Schlussendlich gestand sich der werdende Maler ein, auf der Akademie nichts gelernt zu haben und schloss sich der Künstlergruppe der Nabis an. Neben Landschaften steht schon in den 1890er Jahren die menschliche, und vor allem die weibliche Figur im Zentrum. Maillol erprobte schon in seinen Gemälden jene Kriterien, die ab 1900 für sein skulpturales Werk von großer Bedeutung wurden: die geschlossene Kontur, die weibliche Figur als Hauptthema.

 

 

Doch bevor er sich diesen Konstanten zuwandte, hatte sich Aristide Maillol vor allem mit Landschaften beschäftigt. In der Landschaftsmalerei verarbeitete er Einflüsse der Schule von Pont-Aven wie der südfranzösisch-provenzalischen Richtung, der eine gewisse Sachlichkeit und farbige Frische eigen ist. In einem Brief an seinen Bildhauerfreund Émile-Antine Bourdelle schrieb er 1886:

„Jetzt erscheint mit die Natur in einem ganz anderen Licht als letztes Jahr. Ich habe sehr dunkle und sehr helle Töne verwendet – im Hellen habe ich sogar Bonbonfarben benutzt – jetzt male ich wieder dunkel – interessante Fragmente eines Altars in der Kathedrale, schwermütige, erdige und staubige Landschaften, andere wieder golden – insgesamt eigentlich nichts als Studien, was sollte ich im Moment anderes tun?“1

 

Für die weitere Entwicklung des Künstlers sollten sich jedoch nicht seine Licht- und Luftstudien von Landschaften und Dächern als besonders prägend herausstellen, sondern seine Begeisterung für die geschnitzten und bemalten mittelalterlichen Altäre, die er in kleinen Skizzen an seinen Freund festhielt. In einem weiteren Brief bat er Bourdelle darum, ihm die Kunst des Abformens zu lehren, damit er im kommenden Winter die „grotesken Köpfe“ kopieren könnte.

 

 

Cloisonnismus und Paul Gauguin

Ab Mitte der 1890er Jahre zeigte sich Maillol zunehmend von der stilistischen Vereinfachung und der Motivik des Cloisonnismus und der Schule von Ponte-Aven beeinflusst. Die Landschaften werden zunehmend flächig aufgefasst und deren Elemente mit Hilfe der Konturlinie vereinfacht. Die Idee, das Konzept eines Gegenstandes wurde neben der formalen Gestaltung und Strukturierung der Bildfläche immer wichtiger, während die naturalistische Wiedergabe zunehmend in den Hintergrund rückte.

„Man muss keine Bildtiefe suchen. Unser Auge kennt sie nicht. Es ist nur eine Vorstellung, die uns glauben macht, dass wir die Dinge mehr oder weniger entfernt sehen. […] Alles liegt in derselben Ebene.“ Und etwas später: „Man muss sie [eine Landschaft] erst erfinden. Das Schwierige ist, sie zu erfinden. Wenn man nur das malt, was man sieht, dann macht man nichts. Man muss eine Idee haben.“2

Obwohl sich Maillol bereits seit den 1880er Jahren zunehmend mit der Suche nach allgemeinen Gewissheiten beschäftigte, arbeitete er zeitlebens mit Modellen, die „die ganze Erhabenheit dieser Landschaft auf sich versammeln“3 Zu den wichtigsten Erlebnissen des Studenten zählt sein Besuch in der berühmten Ausstellung im Café Volpini, die Paul Gauguin gemeinsam mit Künstlerfreunden wie Émile Bernard (1868–1941) organisierte. Der gemeinsame Freund Georges-Daniel de Monfreid hatte Maillol auf die Gruppe aufmerksam gemacht. Die persönliche Bekanntschaft mit Paul Gauguin (1848–1903) und der Kauf von dessen Holzschnitten (→ Paul Gauguin. Druckgrafik) inspirierten Aristide Maillol zu neuen Bildkonzeptionen und eigenen Versuchen im Bereich des Kunstgewerbes und des Holzschnitts.

„Wie Sie auch, habe ich die Malerei Gauguins immer sehr bewundert. Ich habe seine Kunst eingehend studiert und glaube, dass sie mir viel geholfen hat – sie dient mir immer noch als Ausgangspunkt […], seine Formqualitäten sind mit immer gegenwärtig, wenn ich arbeite.“4 (Aristide Maillol in einem Brief an Maurice Denis, 1907

 

 

Vor allem die Darstellungen von verinnerlichten, melancholisch-meditativ in sich schauenden Frauen wurden für Maillol prägend, der sich im Unterschied zu seinem Vorbild jedoch lieber mit jungen, idealisierten Mädchen beschäftigte. Deren natürliche Umgebungen verschmelzen auf harmonische Weise mit den Sehnsuchtsfiguren. Am Ende dieser Entwicklungsphase beschränkte sich Aristide Maillol gänzlich auf die weiblichen Figuren, deren Individualität auf so allgemeine Wesenszüge reduziert werden, dass sie als stilisierte Formen mit dekorativer Wirkung erscheinen. Im Jahr 1895 und über Vermittlung des ungarischen Maler Józef Rippl-Rónai5 (1868–1927) wurde Maillol Mitglied der Nabis.

 

Aristide Maillol als Entwerfer von Tapisserien und Mitglied der Nabis

Enttäuscht von der Akademie und seinem eigenen malerischen Frühwerk, wandte sich Aristide Maillol 1893 der Herstellung von Tapisserien zu und stellte in diesem Jahr auf dem Salon national des beaux-arts erstmals nicht als Maler, sondern als Kunstgewerbler aus. Für zehn Jahre – 1893 bis Ende 1903 – stand das Entwerfen von Wandteppichen im Vordergrund von Maillols künstlerischer Produktion. In wenigen Gemälden aus der zweiten Hälfte 1890er Jahre erprobte er den weiblichen Akt unabhängig von dem einst so wichtigen Landschaftshintergrund und begann als Plastiker zu modellieren. Zu diesem Entschluss, so erzählte der Künstler rückblickend, hätte geführt, dass er sich in der Akademiezeit „eine gewisse Maniriertheit (habiletés) der malerischen Technik angewöhnt hatte, die er nicht wieder loswerden konnte, so dass ihn seine Malerei nie befriedigt hätte.“6

Schon bevor Maillol Mitglied der Nabis wurde arbeitete er in unterschiedlichen Techniken und Genres: Malerei, Reliefs, Freiplastik, Wandteppiche, Möbel und Keramiken. In Auseinandersetzung mit den Werken seiner Kollegen und Freunde (v. a. Paul Gauguins) aber auch des Japonismus und des Jugendstils erarbeitete Maillol dekorative Kompositionen, in denen weibliche Akte die Hauptrolle spielen. Maurice Denis sah in diesen Bildern von Frauen die Verbindung von Klassizität und „Unschuld der Primitiven“:

„Wie naiv sieht er sein Modell, wie natürlich formt er es! Die Kühnheiten, die er sich mit der Natur erlaubt, die Missbildungen, durch die er eine Bewegung, eine Stellung betont, der Rhythmus eines schönen Körpers, kein Kunstgriff verbirgt sie: Man sieht sie deutlich, er hat gar nicht die Absicht, etwas zu verbergen! Keinerlei Erleichterung, kein Notbehelf! Wie seine Frauengestalten ist seine Kunst nackt und natürlich. Und wie sie hat er auch jene bäuerische Derbheit, eine ganz altmodische Gesundheit und jene Schamhaftigkit, welche jeder von Natur offene Mensch einer komplizierten Zivilisation gegenüber hat. Welch herrliches Naturell! Er vereinigt die Tugend eines Klassikers mit der Unschuld eines Primitiven!“7 (Maurice Denis über Maillol, 1906)

Die bewusste Abwendung von der „manirierten“ Salonmalerei und Hinwendung zu einer „einfachen“ Gestaltung bewerkstelligte für Maillol der Sprung vom Pinsel zur Sticknadel. Am Beginn dieses neuen Interesses an Wandteppichen steht zweifelsfrei die englische Arts-and-Crafts Bewegung rund um William Morris (→ British Aesthetic movement und Arts and Crafts-Bewegung), gefolgt von der französischen Diskussion über die Anfertigung in den staatlichen Gobelin-Werkstätten, wo Gemälde als Wandbehänge kopiert wurden. Maillol bewunderte an den Tapisserien ihre Monumentalität, die er u. a. im Musée Cluny in den mittelalterlichen Stücken wie „Die Dame mit dem Einhorn“ oder auch barocken Tapisserien vorfand. Diese ließ sich mit modernen Stilmitteln noch steigern: Beschränkung auf wenige, kühn gewählte und unrealistische Farbtöne, fehlende Perspektive, dekorative Wirkung auch mit Hilfe der überschlanken Frauenfiguren und Rahmenbordüre.

„Ich habe mir vorgenommen, die schöne Tapisserie der alten Zeit wiederzubeleben, da die Gobelin-Werkstätten diese Gattung auf unvorstellbar dumme Weise verkommen ließen. Ich liebe die Tapisserie von ganzem Herzen, und diese Begeisterung versetzte mich in die Lage, extreme Schwierigkeiten zu ertragen.“8

Im Gegensatz zu den historischen Tapisserien handelt es sich bei Maillols Wandteppichen nicht um gewirkte (gewebte), sondern gestickte Wandbehänge (Plattstickerei). Im Herbst 1894, der Künstler war sowohl am Salon in Paris (1903) wie auch in Brüssel (1904) mit ebensolchen Arbeiten hervorgetreten, konnte er für seinen ersten Auftrag zwei Stickerinnen engagieren, von denen er eine wenig später auch ehelichte. Maillol entwarf die Tapisserien und kontrollierte nach eigener Aussage den Fortgang der Arbeit (Auswahl der Farben). Gauguin war es auch, der Maillols Wandteppiche und erste geschnitzte Reliefs der 1890er-Jahre lobte. Zu den letzten Arbeiten an Wandteppichen kam es zwischen 1901 und 1903, nachdem Édouard Vuillard ihn mit Prinzessin Hélène Bibesco bekannt gemacht hatte. Während einer Reise nach Spanien im Sommer 1900, unternommen mit Pierre Bonnard und den Prinzen Emmanuel und Antoine Bibesco, besuchte das Quartett Aristide Maillol in Banlyus und brachte ihm Stickwolle aus Rumänien mit. Auf seiner ersten Einzelausstellung 1902 präsentierte Maillol elf Tapisserien, darunter drei großformatige Arbeiten. In den folgenden Jahren erkrankte Maillol schwer und glaubte sogar, sein Augenlicht zu verlieren. Zur Jahreswende 1903/04 gab er das Entwerfen für Wandteppiche gänzlich auf und wandte sich ausschließlich der Skulptur zu.

 

 

Aristide Maillol, der Bildhauer von „kurzen, starken Formen“

Plastisches und bildhauerisches Arbeiten musste sich Aristide Maillol selbst aneignen. Angeblich soll er über das Dekorieren der Wiege für seinen 1896 geborenen Sohn zum Schnitzen gekommen sein. Schon seine frühesten Holzstatuetten weisen jene Vereinfachung, Plastizität und jenen klaren Aufbau auf, für die Maillol als Bildhauer zehn Jahre später berühmt wurde. So entstanden um die Jahrhundertwende viele Kleinplastiken völlig spontan, ohne zeichnerische Vorarbeit und ohne sich an den Meistern der Zunft zu orientieren. Im Gegensatz dazu mühte sich der Bildhauer in den späteren Jahren oft über lange Zeiträume, um seine Skulpturen zu vollenden.

 

 

Die frühen Plastiken brachen mit den gängigen, dekorativen Bronzestatuetten deutlich. Sowohl die Ruhe wie auch Unaufgeregtheit der Figuren Maillols zogen bald Künstler wie Auguste Rodin und Henri Matisse in ihren Bann. Maillol war stolz auf die positive Reaktion Rodins und erzählte Harry Graf Kessler: „Rodin hat gesagt: Es zieht das Auge an, weil es sich nicht aufdrängt.“9 Obwohl alle drei völlig unterschiedliche Kriterien für ihre plastischen Arbeiten anwandten, pflegte Maillol vor allem mit Matisse freundschaftlichen Umgang.

 

 

Aristide Maillol war stolz auf sein ausgeprägt visuelles Gedächtnis, das es ihm ermöglichte auch ohne Modell zu arbeiten. Harry Graf Kessler befragte den Bildhauer nach seiner Arbeitsmethode und erhielt folgende Antwort:

„Zweimal! [Hatte ihm das Modell Gaston Colin für den „Radfahrer“ Modell gestanden. Harry Graf Kessler wollte dem Bildhauer finanziell und wohl auch künstlerisch unter die Arme greifen, indem er einen Teil der Kosten des Modells übernahm.] Beim ersten Mal habe ich Zeichnungen gemacht, beim zweiten Mal mit der Arbeit in Ton begonnen. Ich werde ihn nicht häufig brauchen, weil ich ein sehr gutes Gedächtnis habe. Bei Rodin ist das anders, weil seine Fähigkeiten andere sind: nämlich, die Natur wiederzugeben. Ich dagegen suche das Ornament, die Kraft oder Eleganz oder die Feinheit oder die Vornehmheit der Linien.“10

 

Radfahrer (1907/08)

Die Arbeit an der Plastik „Radfahrer“ zog sich jedoch in die Länge und Maillol verlor sich in den Details. Wenn sich auch der deutsche Auftraggeber begeistert von der zunehmenden Naturnähe zeigte, so realisierte Maillol spätestens als er Fotografien von seinem Tonmodell sah, dass er sich seiner Ansicht nach vergaloppiert hatte:

„Zuviel Natur, unglaublich, vor zu viel Natur. Diese Pose…[…] Ja, aber dabei sind sie [die Griechen] immer von einer übergreifenden Idee ausgegangen. Als ich mit dieser Statue begann, hatte ich nicht daran gedacht. Ich “habe sie wie eine Studie nach der Natur angefangen. Was an ihr allgemein gültig ist, das ist ohne es zu wollen, eingeflossen, vielleicht deshalb, weil ich im Grunde nicht anders arbeiten kann. Die Figur wird immer eine Sonderstellung in meinem Werk einnehmen.“11

Der „Radfahrer“ ist nicht nur in seiner Lebensnähe eine außergewöhnliche Figur in Maillols Werk, sondern weil er auch ein Männerakt ist. Nahezu das gesamte Werk des französischen Bildhauers basiert auf dem Frauenakt – und das nicht nur, weil er mit seiner Ehefrau ein wichtiges Modell geheiratet hatte. Maillol bewunderte das Ebenmaß ihres Körpers und wird zitiert: „Ich lüpfte ihr Hemd und fand Marmor.“12 So soll er auch auf die Idee gekommen sein, den Typus des Denkmals zu revolutionieren, indem er sein kurzbeiniges, vollbrüstiges Schönheitsideal, verkörperlicht durch seine Frau, den Körpern der männlichen Künstler und Vorbilder vorzog.

 

 

Méditerranée (1902–1905)

Diese Einstellung zeigt sich bereits in jener Großplastik, die 1905 am Salon d’Automne der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und später unter dem Titel „Méditerranée“ (heute: Sammlung Oskar Reinhart, Winterthur) zum Hauptwerk des Künstlers wurde. Die Kritik zeigt sich einhellig von dem Gipsmodell begeistert. Sie war von Harry Graf Kessler, Maillols erstem und wichtigstem Förderer, am 23. August 1904 während eines gemeinsamen Mittagessens in Auftrag gegeben worden. Nur wenige Tage zuvor (am 21.) hatte der deutsche Mäzen den Bildhauer in Marly-le-Roi erstmals besucht und seine Eindrücke in seinem Tagebuch festgehalten:

„Er wohnt in einem ganz kleinen Häuschen sehr primitiv und ländlich mitten in großen offenen Obstgärten. Als wir an die Thüre klopften (eine Klingel giebt [sic] es nicht,) erschien die Frau auf dem kleinen Balkon und rief in die Gärten hinaus: Aristide, Aristide! worauf ein Bauer in der blauen Bluse, einen breitkrempigen Arbeiter Strohhut auf dem Kopf herankam und uns in sehr breitem Patois bäuerlich bieder begrüßte. Er stellte sich nicht weiter vor, und kümmerte sich auch nicht viel um unsere Namen, sondern war eben Maillol: etwa 40 Jahre alt aussehend, langer unbeschnittener, schwarzer Vollbart, sehr ausdrucksvolle, leuchtende blaue Augen, hager und mit langer Adlernase von prononciert spanischem Typus. Er führte uns gleich ins Atelier, das ein kleiner Bau im Garten ist, und zeigte uns seine Arbeiten und Zeichnungen, die Büste von Mme Maurice Denis, eine kleine hockende weibliche Figur, die er lebensgroß ausführen wollte und von der ich sofort das kleine Modell kaufte (800 frcs) […] Ich fand unter seinen Zeichnungen eine Skizze von einer zusammengekauerten weiblichen Figur, die mir durch die wunderbare Arabeske der Linien und deren knappe Zusammenfassung so auffiel, dass ich Maillol, der von beabsichtigten Steinskulpturen gesprochen hatte, vorschlug, sie für mich in Stein auszuführen. Maillol plaidierte [sic] für Lebensgröße; und wir einigten uns hierauf, wenn der Preis es erlaubte.“13 (Harry Graf Kessler über Aristide Maillol)

 

„Vor einer antiken Venus im Louvre, die an der afrikanischen Küste jahrhundertelang vom Meer bespült und von den Wellen wie von den Händen eines großen Künstlers geglättet und vereinfacht worden ist, aber umso gewaltiger heute in unverwüstlicher Schönheit dasteht, sagte mir Maillol einmal: »Sehen Sie, diese Figur ist meine Lehrmeisterin gewesen. Von einem Rodin, der das durchgemacht hätte, wäre nichts geblieben. Diese Figur hat mich gelehrt, was Plastik ist. Eine Statue muss schön sein, auch wenn ihre Oberfläche zerstört und kieselglatt geschliffen ist.“

 

Auguste Rodin über Maillol

Im Gegensatz zu Émile-Antoine Bourdelle, Charles Despiau und Constantin Brancusi hatte Maillol nie in der Werkstatt des „übermächtigen“ Rodin gearbeitet. Rodin lernte den jungen Bildhauer wohl anlässlich seiner ersten Einzelausstellung bei Vollard 1902 oder wenig später kennen. Schon ein Jahr später stellte er 1903 das Relief „Frau im Bade“ im Salon auf einen guten Platz. Für Maillol ein beachtenswerter Erfolg, stellte er doch in diesem Jahr erstmals am Salon in der Sektion der Bildhauer aus! Neben Maurice Denis und Pierre Bonnard erwarb auch Auguste Rodin eine Bronze der „Badenden“ für 500 Francs.

„Maillol ist den größten Bildhauern an die Seite zu stellen. Sehen Sie, in dieser kleinen Bronze gibt es etwas, das den Werken der alten Meister gleichkommt, und an dem sich die jungen Anfänger ein Beispiel nehmen können. Ich bin glücklich, dass ich das gesehen habe. Wenn das Wort Genie, das heute so unangemessen vielen Leuten zuerkannt wird, überhaupt noch einen Sinn hat: Hier ist es angebracht. Ja, Maillol verkörpert in sich das Genie der Skulptur. Man muss schon böswillig oder sehr unwissend sein, um das nicht zu erkennen! Welche Sicherheit des Geschmacks! Welche im Einfachen zutage tretende Lebensweisheit! Ein flüchtig Vorübergehender bleibt niemals davorstehen, weil er vor dem, was einfach ist, nicht stehen bleibt. Er glaubt, die Kunst muss etwa Kompliziertes und Unverständliches sein. Er bleibt nur vor dem stehen, was mit unlauteren Mitteln seine Neugier erregt. Und genau das, was es an Maillols Kunst Bewundernswertes, ich möchte sagen Ewiges gibt, das ist die Reinheit, die Klarheit, die Durchsichtigkeit im Handwerklichen und im Gedanken. In keinem seiner Werke findet sich irgendetwas, das die Neugier des Vorübergehenden erregen könnte.“

 

 

Biografie von Aristide Maillol (1861–1944)

Am 8. Dezember 1861 wurde Aristide Joseph Bonaventure Jean Maillol als Sohn des Tuchhändlers und Weinbergbesitzers Raphaël Maillol und dessen Ehefrau Catherine (geb. Rougé) in Banyuls-sur-Mer geboren. Die Familie sprach katalanisch, da sich Maillols Geburtsort nur wenige Kilometer von der spanischen Grenze entfernt befindet.
Wuchs bei seinen Tanten Lucie und Clair ohne seine vier Geschwister auf.
Besuch des Collège Saint-Louis in Perpignan. Zeichenunterreicht bei Alchimowicz.
Rückkehr nach Banyuls. Sein Wunsch, Maler zu werden, wird von Maillols Familie nicht respektiert. Kurze Ausbildung bei seinem alten Zeichenlehrer Alchimowicz und einem Bildhauer.
1882 Im Herbst Umzug nach Paris. Geringe finanzielle Unterstützung durch seine Tante Lucie und ein kleines Stipendium des Département Pyrénées-Orientales. Bis zur Jahrhundertwende lebte Aristide Maillol in Paris in extremer Armut.
Freier Schüler an den Zeichenkursen der École des Beaux-Arts, wo er bei dem Maler und Bildhauer Jean Léon Gérôme studieren wollte. Dieser riet ihm, die Kunstgewerbeschule zu besuchen.
1883 Am 16. Jänner schrieb sich Maillol in die Bildhauerklasse ein, wo er aber nur wenige Monate blieb. Rückkehr an die Akademie und Teilnahme am Unterricht von Alexandra Cabanel.
1885 Am 17. März offizielle Zulassung zum Studium an der École des Beaux-Arts.
1888 Erste Einreichung eines Werks zum Salon des artistes français, das abgelehnt wurde.
1889 Nach dem Tod von Cabanel wechselte Maillol in die Klasse von Jean-Paul Laurens.
1890 Teilnahme am Salon mit dem Porträt von Jeanne Faraill.
1893 Abschluss seines Studiums. Im Sommer in Fécamp, wo er fünf Amerikanerinnen Zeichenunterricht erteilte. Krise im malerischen Schaffen, da das fünf Meter lange Panorama „Loin de la ville“ verworfen und zerschnitten wurde. Erste Präsentation eines Wandteppichs in der Kunstgewerbeabteilung des Salon de la société nationale des Beaux-Arts. Richtete sich eine Werkstatt in Banyuls ein, in der er Stickerinnen beschäftigte, die seine Entwürfe umsetzten. Bis 1903 beschäftigte sich Aristide Maillol mit der Anfertigung von Wanddekorationen für Hotels, Varietés und Theater. Freundete sich mit Antoine Bourdelle und dem Maler Georges-Daniel de Monfreid an. Letzterer macht ihn mit der Kunst von Paul Gauguin bekannt.
1894 Mit Wandteppichen in Brüssel zu sehen. Diese Arbeiten wurden von Paul Gauguin gelobt. Als Mitarbeiterinnen beschäftigte Maillol die Schwestern Clotilde (1873–1952) und Angélique Narcis, die ihm auch Modell standen.
1895 Clotilde Narcis zog mit Maillol nach Paris, wo sie in der Rue Saint-Jacques wohnten. Über den ungarischen Maler Józef Rippl-Rónai lernte Maillol die Malergruppe der Nabis kennen. Begann in diesem Jahr mit plastischen Arbeiten, anfangs nur Holzschnitzereien.
1896 Heiratete Clotilde (7.6.). Geburt des Sohnes Lucien (30.10.), der später Maler wurde. Stellte gemeinsam mit den Nabis in der Galerie „Le Barc de Boutteville“ aus. Persönliche Freundschaft zu Maurice Denis, Édouard Vuillard und Ker-Xavier Roussel. Im Salon mit drei geschnitzten Holzbildwerken vertreten. Begann in Ton zu modellieren.
1897 Brannte Figuren und dekorative Keramik. Bis 1902 führte Aristide Maillol auch noch größere Arbeiten wie Wandbrunnen aus. Präsentierte im Salon in einer eigenen Vitrine ungefähr zwanzig Kleinplastiken.
1899 Umzug nach Villeneuve-Saint-Georges.
1901 Über Vuillard Kontakt zur ersten wichtigen Mäzenin, der Prinzessin Hélène Bibesco, die ihn erneut um Bildteppiche bat. Die Prinzessin empfahl Maillol an die Königin von Rumänien. Vuillard vermittelte auch den Kontakt zum Kunsthändler Ambroise Vollard, die mehrere Figuren erwarb und Bronze-Editionen davon herstellen ließ.
1902 Erste Einzelausstellung in der Galerie von Ambroise Vollard (15.-30.6.): Maillol präsentierte 33 Werke: elf Tapisserien, drei großformatige geschnitzte Reliefs, ein glasierter Wandbrunnen, die Wiege des Sohnes, eine Pendule in vergoldetem Kupfer, Statuetten aus Gips, zahlreiche Kleinbronzen, Holz und Bronze. Wenn diese Ausstellung auch Maillols Finanzen nicht aufbesserte, so machte sie ihn in Künstlerkreisen bekannt. Lobende Besprechung von Félicien Fagus in der „Revue blanche“.
1903 Erste Teilnahme am Salon als Bildhauer und nicht mehr Kunsthandwerker. Umzug nach Marly-le-Roi, westlich von Paris, wo auch seine Malerfreunde Denis, Roussel und Vuillard wohnten. Auguste Rodin und Octave Mirbeau setzten sich dafür ein, dass Maillol den Auftrag für ein Denkmal des kürzlich verstorbenen Dichter Emile Zola. Er unterlag jedoch Constantin Meunier.
1903/04 Litt unter einer langwierigen und bedrohlichen Augenkrankheit; er befürchtete zu erblinden.
1904 Julius Meier-Graefe widmete Maillol ein Kapitel in der einflussreichen „Entwicklungsgeschichte der modernen Kunst“. Im Sommer traf Aristide Maillol seinen einflussreichsten Sammler, Harry Graf Kessler, der „Méditerranée“ auf Basis einer „Kauernden“ von 1900 sowie Illustrationen zu Vergils „Eklogen“ (1926 erschienen) beauftragte. Reise gemeinsam mit Harry Graf Kessler nach London, wo die beiden vor allem antike Skulpturen im British Museum studierten. Teilnahme am Salon d’Automne mit zwei Bronzestatuetten und zwei Terracotta-Köpfen.
1905 Präsentierte am Salon d’Automne ein Gipsmodell der „Méditerranée“, die von André Gide begeistert besprochen wurde. Karl Ernst Osthaus beauftragte die Steinfigur „Sérénité“, die im Garten seiner Villa in Hagen aufgestellt wurde. Über Vermittlung von Mirbeau erhielt er im Juli den Auftrag für die Statue „Action enchaînée“, die 1908 als Denkmal für den Sozialrevolutionär Louis Auguste Blanqui aufgestellt wurde. Octave Mirbeau (1.4. in „La Revue“) und Maurice Denis publizierten unabhängig voneinander jeder einen ausführlichen Artikel über Maillol.
1907 Im Frühsommer zwei weitere Aufträge von Harry Graf Kessler für das Relief „Le Desír“, dessen Gipsmodell er am Salon d’Automne präsentierte. Porträt von Auguste Renoir. Der Maler stellte in einigen Stillleben Plastiken Maillols dar und wurde durch ihn zu eigenem plastischen Schaffen angeregt. Entwürfe für das Cézanne-Denkmal.
1908 Das Denkmal für Blanqui wurde aufgestellt und heftig kritisiert, da Maillol zugunsten einer Frauenfigur auf die traditionell übliche Porträtstatue. Griechenland-Reise gemeinsam mit Harry Graf Kessler: Athen, Delphi, Olympia und auf dem Rückweg Neapel. Anfangs begleitet sie der Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal. Maillol zeichnete viel und brachte Marmorblöcke mit nach Hause. Über Vermittlung von Maurice Denis erhielt Maillol einen großen Auftrag des Moskauer Sammlers Ivan Abramowitsch Morosow für vier große Statuen: „Pomona“ (schon in Arbeit), „Flora“, „Sommer“ und „Frühling“ (heute: Puschkin-Museum, Moskau) werden in Morosows Musiksalon aufgestellt, der mit dem Gemäldezyklus „Geschichte der Psyche“ von Maurice Denis ausgestattet war.
1908/09 Unterrichtete an der Académie Ranson, die von dem Nabis-Maler Paul Ranson gegründet worden war.
1909 Erster Bronzeguß vom „Radfahrer“ im Jänner (seit 1911 im Musée du Luxembourg ausgestellt). Präsentierte am Salon d’Automne den „Radfahrer“ und die „Nacht“.
1910 Präsentierte am Salon d’Automne die „Pomona“.
1911 Erhielt den Auftrag für das Cézanne-Denkmal von Frantz Jourdain, dem Präsidenten des Salon d’Automne. Die Finanzmittel wurden durch Subskription und eine Versteigerung von gespendeten Kunstwerken (Präsentation in der Galerie Bernheim Jeune im Mai und Auktion bei Drouot) aufgestellt. Aristide Maillol zeigte in seinem Garten in Marly eine Ausstellung seiner Skulpturen, die bei Freunden und Förderern Anklang fand. Im August fertigte Maillol Zeichnungen nach dem russischen Tänzer Waslaw Nijinsky, die als Vorlagen für das geplante Nietzsche-Denkmal in Weimar herangezogen werden sollten. Das Projekt wurde nie realisiert.
1911/12 Versuche zur Papierherstellung für die Edition der „Eklogen“ Vergils, finanziert durch Harry Graf Kessler. Einrichtung einer Papiermühle in Montval, in der Nähe von Marly, die der Neffe Maillols, Gaspard Maillol betrieb. Erste Holzschnitte für die „Eklogen“ geschnitten.
1912 Entwurf für das Wasserzeichen und das Signet der Cranach-Presse (von Harry Graf Kessler 1913 in Weimar eingerichtet). Die Papiermühle wurde als „Spionagenest“ verdächtigt und von der Polizei überwacht.
1913 Erste Einzelausstellung Maillols außerhalb von Frankreich im Kunstkring, Rotterdam mit zwei Bronzen, sechs Gipsfiguren und Fotografien von Skulpturen.
1914 Probedrucke von Text und Bild der „Eklogen“.
1915 Anfang des Jahres wurde Aristide Maillol in mehreren Zeitungsberichten beschuldigt, ein Spion Deutschlands zu sein. Harry Graf Kessler hatte den Bildhauer kurz vor Kriegsausbruch per Telegramm geraten, seine Figuren im Garten zu vergraben, da es Krieg geben würde. In der Papiermühle wurde Feuer gelegt. Lucien Maillol wurde zum Kriegsdienst eingezogen.
Das Werk Maillols während des Kriegs stagnierte. Über ein Jahrzehnt war er mit den großen Statuen „L‘Île de France“ für das Cézanne-Denkmal und der „Venus“ beschäftigt.
1916 Fünf Damen aus Winterthur stifteten dem neugegründeten Museum in der Schweiz die große Steinfigur „Nacht“.
1918 Der Sammler Jacques Zoubaloff schenkte dem Museum im Petit Palais, Paris, eine Reihe von Terrakotten Maillols.
1920 Aufnahme in die Légion d’honneur.
1921 Publikation von Octave Mirbeau erweitert und illustriert neu herausgegeben.
1922 Vollendete das Gefallenendenkmal in Céret (trauernde Frau).
1923 Erster staatlicher Auftrag: eine Marmorversion der „Méditerranée“ (bis 1927, 1929 in den Tuilerien aufgestellt).
1925 Publikation von Maurice Denis erweitert und illustriert neu herausgegeben, dazu noch Marc Lafargue und Alfred Kuhn. Die Zeitschrift L’Art d’aujourd’hui“ (hg. Christian Zervos) widmete Maillol ein Sonderheft. Vollendete das Gefallenendenkmal in Port-Vendres (liegende Steinfigur) und das Cézanne-Denkmal. Das Cézanne-Denkmal wurde von Aix-en-Provence abgelehnt. Nach einer Pressekampagne wurde es in den Tuilerien in Paris aufgestellt (heute: Musée d’Orsay). Vollendete die letzten Holzschnitte für die „Eklogen“ des Vergil. Ausstellung in der Albert Knoy Art Gallery in Buffalo.
1926 Die „Eklogen“ des Vergil erschienen in der Weimarer Cranach-Presse im Originaltext mit deutscher bzw. französischer Übersetzung.
1927 Bei der Versteigerung der Sammlung Zoubaloff erreichten die zahlreichen Plastiken Maillols, vor allem die kleinen Terrakotten, hohe Preise. Die englische Fassung der „Eklogen“ erschien.
1928 Ausstellungen in der Galerie Flechtheim in Düsseldorf und Berlin, in der Goupil Gallery in London und der Galerie Giroux in Brüssel.
1929 Auftrag für ein Denkmal für Claude Debussy (fertig 1932, heute: Musée Maurice Denis in Saint-Germain-en-Laye).
1930 In der Ausstellung stellt das Museum of Modern Art, New York, Werke von Aristide Maillol und Wilhelm Lehmbruck einander gegenüber. Gemeinsam mit Harry Graf Kessler reiste Maillol nach Deutschland. Hier besuchte er Weimar und Berlin, wo er u. a. Albert Einstein und Ernst Barlach traf.
1931 Illustrierte Gedichte von Verhaeren „Belle Chair“ mit Lithografien.
1933 Einweihung von Maillols größtem Monument in Banyuls: Auf einer Felseninsel eine Art Altararchitektur mit drei Reliefs Trauernde Frauen auf den Seitentafeln, in der Mitte die Darstellung eines gefallenen Soldaten. Die größte Ausstellung Maillols zu seinen Lebzeiten fand in der Kunsthalle Basel statt: 137 Exponate gaben einen Überblick über das Schaffen des wichtigen französischen Bildhauers. Von Maja Hoffmann-Stehlin erhielt Maillol den Auftrag für das Grabmal von Emanuel Hoffmann auf dem Friedhof von Basel: die große Bleifigur einer sitzenden trauernden Frau wurde in Anwesenheit des Künstlers 1934 aufgestellt. Während der Eröffnungsfeierlichkeiten besuchte Maillol auch die Sammler Hedy und Arthur Hahnloser sowie Oskar Reinhart in Winterthur.
1935 Publiziert mit ähnlichen Holzschnitten wie die „Eklogen“ auch Ovids „Liebeskunst“.
1936 Reise nach Italien, wo er Mailand, Florenz und Rom besichtigte. Auftrag für die Monumentalskulptur „La Montagne“ (für das geplante Museum für moderne Kunst, Paris).
1937 Publiziert mit Holzschnitten Longus‘ Erzählung „Daphnis und Chloé“, sowie den ersten Band zu Vergils „Georgica“ (2 Bände 1937 und 1950). In Paris die erste große Überblicksschau innerhalb der Ausstellung „Les maîtres de l’art indépendant“ im Petit Palais parallel zur Weltausstellung. Es wurden Maillol drei zentrale Räume gewidmet.
1939 „L’Air“, ein Denkmal für verunglückte Flieger, in Toulouse aufgestellt (Auftrag 1938). Illustrierte Gedichte von Verlaine „Chansons pour Elle“ mit Holzschnitten sowie der erste Band der „Oden“ des Horaz. Auftrag für „La Rivière“, ein Denkmal für den pazifistischen Schriftsteller Henri Barbusse bestellt. Publikationen von Judith Cladels und John Rewald über Maillol, die als die bedeutendsten und informativsten gelten, die während der Lebzeit des Künstlers verfasst wurden. Nach Kriegsausbruch Rückzug nach Banyuls, wo er an der unvollendet gebliebenen Skulptur „Harmonie“ arbeitete.
1940 Mit dem inzwischen verstorbenen Kunstverleger Ambroise Vollard realisierte Maillol das „Livret de Folastries“ von Pierre de Ronsand mit Radierungen.
1942 Fuhr in das von den Deutschen besetzte Paris, um an der Eröffnung der großen Ausstellung des Bildhauers Arno Breker teilzunehmen.
1943 Maillols aus Rumänien stammendes, jüdisches Modell Dina Vierny, die fir „La Rivière (Der Fluss)“ und „La Montagne (Das Gebirge)“ gestanden hatte, hatte sich als Fluchthelferin betätigt und wurde im Frühjahr von der Gestapo verhaftet und in das berüchtigte Gefängnis von Fresnes bei Paris begracht. Maillol bat Breker um Hilfe. Der deutsche Bildhauer bekam die junge Frau frei.
1944 Am 15. September hatte Aristide Maillol einen Autounfall, an dessen Folgen er am 27. September verstarb.

 

Aristide Maillol: Bilder

  • Aristide Maillol, Haus in Roussillon, 1887, Öl auf Leinwand (Musée d'Orsay)
  • Aristide Maillol, Der Blumenkranz, um 1888/89, Öl auf Leinwand (Ny Carlsberg Glyptothek, Kopenhagen)
  • Aristide Maillol, Tapisseriekarton, 1894
  • Aristide Maillol, Die Frau in der Woge, 1895, Öl auf Leinwand (Privatbesitz)
  • Paul Gauguin, In den Wellen (Undine), 1889
  • Aristide Maillol, Konzert der Frauen, 1895–1902, Tapisserie gestickt
  • Aristide Maillol, Die Welle, um 1896, Öl auf Leinwand (Musée du Petit Palais, Paris).jpg
  • Aristide Maillol, Côte d'Azur, um 1898, Öl auf Leinwand (Musée du Petit Palais, Paris)
  • Aristide Maillol, Musik für eine sich langweilende Prinzessin, um 1902, Tapisserie, gestickt
  • Aristide Maillol, Leda, um 1902 (Art Institute Chicago)
  • Aristide Maillol, Sitzender Akt, Studie für La Méditerranée, 1902, Terrakotta (New Haven, Connecticut, Yale University Art Gallery)
  • Aristide Maillol, Méditerranée, 1902–1905, 104 x 114,3 cm (Museum of Modern Art, New York)
  • Aristide Maillol, Torso Action enchaînée, modelliert 1905, gegossen 1929, Höhe 119,4 (Metropolitan Museum, New York)
  • Aristide Maillol, Action enchaînée, Monument für Blanqui, modelliert 1905/06, gegossen 1969, Höhe 119,4 (Hirshhorn Museum and Sculpture Garden, Washington)
  • Aristide Maillol, Kauernde Frau, 1906/07, Eichenholz (Privatbesitz)
  • Aristide Maillol, Le Desir, 1906–1908, 119 x 114,3 cm (Museum of Modern Art, New York)
  • Aristide Maillol, Porträt von Auguste Renoir, 1906/07, Bronze, 40,3 × 24,1 cm (Metropolitan Museum, New York)
  • Aristide Maillol, Torso Île de France, 1907–1921, Bronze, 107.6 x 32.4 cm (Metropolitan Museum, New York)
  • Aristide Maillol, Cézanne-Denkmal, 1907–1925, Bronze
  • Aristide Maillol, Radfahrer, 1907/08, Bronze
  • Aristide Maillol, Île-de-France, um 1910, Bronze (Kansas City, Missouri, The Nelson-Atkins Museum of Art)
  • Aristide Maillol, Flora, 1911, 165,1 x 48,26 cm (Dallas Museum of Art)
  • Aristide Maillol, Sommer, 1911 modelliert und gegossen, 161,3 x 71,1 x 45,7 cm (Metropolitan Museum, New York)
  • Aristide Maillol, Gefallener Krieger, 1925–1932 (Princeton University Art Museum)
  • Aristide Maillol, Stehender weiblicher Rückenakt, 1926, Zeichnung (Albertina, Wien)
  • Aristide Maillol, Monument für Debussy, 1931 (Ohio, Toledo Museum of Art)
  • Aristide Maillol, Der Fluss, 1938–1943, Blei, 136,5 x 228,6 cm (Museum of Modern Art, New York)
  • Aristide Maillol, Die Luft, Guss von 1962, 177 x 239 cm (Kröller-Müller Museum, Otterloo)
  1. Zitiert nach S. 17–18.
  2. Zitiert nach Ebenda, S. 19.
  3. Zitiert nach Ebenda, S. 19.
  4. Zitiert nach Ebenda, S. 24.
  5. Józef Rippl-Rónai wurde zum Begründer der Moderne in Ungarn.
  6. Zitiert nach S. 29.
  7. Zitiert nach Ebenda, S. 26.
  8. Zitiert nach Ebenda, S. 30.
  9. Zitiert nach Ebenda, S. 120.
  10. Zitiert nach S. 43.
  11. Zitiert nach Ebenda, S. 43.
  12. Zitiert nach Ebenda, S. 44.
  13. Zitiert nach Ebenda, S. 152.
Alexandra Matzner
* 1974 in Linz, Studium der Kunstgeschichte, Geschichte und Romanistik in Wien und Rom. Seit 1999 Kunstvermittlerin in Wien, seit 2004 Autorin für verschiedene Kunstzeitschriften. Jüngste Publiktionen entstanden für das Kunsthaus Zürich, Schirn Kunsthalle Frankfurt, Albertina und Belvedere in Wien.