London | Tate Modern: Tracey Emin

Tracey Emin, My Bed 1998 (Tate. Lent by The Duerckheim Collection 2015, On long term loan © Tracey Emin. All rights reserved, DACS/Artimage)
In Malerei, Video, Textil, Neon, Schrift, Skulptur und Installation lotet Tracey Emin (*1963) Grenzen aus und nutzt den weiblichen Körper als mächtiges Werkzeug, um Leidenschaft, Schmerz und Heilung zu erforschen. Die Ausstellung in der Tate Modern zeichnet 40 Jahre ihres bahnbrechenden Schaffens nach und zeigt neben bisher unveröffentlichten Werken auch die für ihre Karriere prägenden Empfindungen. In der Tate Modern spricht man von der größten Retrospektive zu Tracey Emin, die bisher zu sehen war. Die Ausstellung entstent in enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin und präsentiert über 90 Werke aus den Bereichen Malerei, Video, Textil, Neonkunst, Skulptur und Installation. Emins Werke verdeutlichen den unverfälschten, persönlichen Ansatz der Künstlerin, sie teilt damit ihre Erfahrungen von Liebe, Trauma und persönlichem Wachstum.
Tracey Emin
Großbritannien | London: Tate Modern, Eyal Ofer Galleries
26.2. – 31.8.2026

Tracey Emin in der Tate Modern 2026
Dame Tracey Emin ist eine der bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen ihrer Generation. In den 1990er Jahren wurde die Britin mit ikonischen Werken wie „My Bed“ (1998, Tate Modern) bekannt, das für den Turner Prize nominiert war. Dieses Werk löste heftige kritische und öffentliche Debatten aus und stellte die Frage, was Kunst im ausgehenden 20. Jahrhundert sein kann. Emins Ignorieren jeglicher Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem und ihr Engagement für kompromisslosen Selbstausdruck prägten einen historischen Moment in der britischen Kultur und der globalen Kunstgeschichte.
Aus heutiger Perspektive teilt die Künstlerin ihr Leben in zwei Phasen, in die titelgebenden zwei Leben: Tracey Emin erkrankte 2020 an einer aggressiven Form von Blasenkrebs; seit 2024 gilt sie als krebsfrei. Die Erkrankung empfand sie als so lebensverändernd, dass sie seither von einem zweiten, geschenkten Leben spricht. Das genießt sie in Margate, ihrem Geburtsort, der genauso eine Wandlung durchlebt hat wie die Künstlerin. Was in ihrer Kindheit mit traumatischen Erlebnissen ein trister Badeort schien, hat jetzt Cafeterias und – von Tracey Emin umgesetzt – eine Kunstschule, einen neuen Garten (statt einem Parkplatz), einen Badepavillon mit Dusche. Die Begegnung mit dem Tod und die Abkehr vom Alkohol(missbrauch) scheinen die Künstlerin in einen sprudelnden Energiezustand versetzt zu haben.
Die Ausstellung in der Tate Modern greift Emins Geschichte auf und würdigt ihren authentischen und bekennenden Ansatz, während sie gleichzeitig tiefgründige Fragen zu Liebe, Trauma und Autobiografie stellt. Den weiblichen Körper nutzen, um Leidenschaft, Schmerz und Heilung zu erforschen, steht in „A Second Life“ im Zentrum der Betrachtung. Ihr 40-jähriges Schaffen reicht von wegweisenden Installationen der 1990er Jahre bis hin zu ihren jüngsten Gemälden und Bronzen, die in der Tate Modern erstmals ausgestellt werden. In enger Zusammenarbeit mit der Künstlerin konzipiert, vereint die Ausstellung über 90 Werke aus den Bereichen Malerei, Video, Textilkunst, Neonkunst, Skulptur und Installation. Es werden Schlüsselereignisse nachgezeichnet, die Emins Werdegang und ihre Transformation geprägt haben. Damit verdeutlicht London ihren schonungslos offenen Umgang mit Erfahrungen von Liebe, Trauma und persönlichem Wachstum.
Die Malerin
Emins lebenslanges Engagement für die Malerei beginnt mit Werken aus ihrer ersten Einzelausstellung im White Cube, „My Major Retrospective 1982–93“. Diese umfasst eine Reihe winziger Fotografien ihrer Gemälde aus der Kunsthochschule der 1980er Jahre, die sie nach einer schwierigen Lebensphase vernichtete. Neben diesen Werken werden „Tracey Emin CV 1995“, ein Selbstporträt und eine Ich-Erzählung ihres Lebens bis zu diesem Zeitpunkt, sowie die ergreifende Videoarbeit „Why I Never Became A Dancer 1995“ gezeigt, in der die Künstlerin traumatische Ereignisse ihrer Jugend in Margate schildert. Gemeinsam führen diese frühen Werke die Besucher in Emins unverkennbare Ich-Perspektive und ihren bekenntnishaften Erzählstil ein.

Margate
Emins tiefe Verbundenheit mit ihrer Heimatstadt Margate zieht sich wie ein roter Faden durch ihr gesamtes künstlerisches Schaffen. Mit 15 Jahren verließ sie Margate und kehrte in ihren späten Teenagerjahren und frühen Zwanzigern immer wieder dorthin zurück, bevor sie 1987 nach London zog, um am Royal College of Art zu studieren. Nachdem sie 2016 den Tod ihrer Mutter in Margate miterlebt und 2020 selbst eine Krebserkrankung überstanden hatte, kehrte Emin in die Küstenstadt zurück, zog sie nach Margate und gründete die Tracey Emin Artist Residency, eine kostenlose, praxisorientierte Kunstschule.
Die Tate Modern präsentiert Werke aus Emins Leben, die sich um Margate und Erinnerungen an ihre Kindheit drehen und erforschen, wie sie ihre persönliche Geschichte immer wieder neu interpretiert. „Mad Tracey From Margate: Everybody’s Been There“ (1997) betont die turbulenten Jahre, die sie dort verbrachte, und legt ihre intimsten Gedanken durch handgestickte Sätze, Briefe und Zeichnungen offen, während die hölzerne Achterbahn „It's Not the Way I Want to Die“ (2005) sich vom berühmten Vergnügungspark Dreamland der Stadt inspirieren lässt, um über ihre Ängste und Verletzlichkeiten zu reflektieren.
- Tracey Emin, Is This a Joke, 2009 © Tracey Emin. All rights reserved, DACS 2026
- Tracey Emin, Mad Tracey from Margate. Everyone’s been there, 1997 © Tracey Emin. All rights reserved, DACS 2026
Traumata
Tracey Emin setzt sich häufig mit persönlichen Traumata und Schmerzen auseinander und trägt so dazu bei, das Stigma um oft tabuisierte Themen abzubauen. Die Tate thematisiert die Erfahrung der Künstlerin mit sexueller Gewalt, darunter die Neonarbeit „I could have Loved my Innocence“ (2007) und die bestickte Kalikoarbeit „Is This a Joke“ (2009). In einer ihrer persönlichsten Videoarbeiten, „How It Feels“ (1996), schildert Emin aufwühlend und zugleich bestärkend eine misslungene Abtreibung. Sie beschreibt institutionelle Vernachlässigung, die physischen und psychischen Folgen der Verweigerung der Mutterschaft sowie die damit verbundene Frauenfeindlichkeit. Die erstmals öffentlich gezeigte Quiltarbeit „The Last of the Gold“ (2002) trägt ein „ABC von Z“ und bietet Frauen in ähnlichen Situationen Ratschläge.
My Bed
Im Zentrum der Ausstellung stehen zwei wegweisende Installationen: „Exorcism of the Last Painting I Ever Made“ (1996) und „My Bed“ (1998). Erstere dokumentiert drei Wochen, in denen sich Emin in einer Stockholmer Galerie einschloss, um ihre Beziehung zur Malerei wiederzufinden, die sie sechs Jahre zuvor nach ihrer Abtreibung aufgegeben hatte. Darauf folgt Emins ikonische, für den Turner-Preis nominierte Installation, die ihre Genesung von einem alkoholbedingten Zusammenbruch dokumentiert. Diese außergewöhnlichen Werke führen die Besucher von Emins erstem Leben zu ihrem zweiten Leben nach Krankheit und Operation.
Privates wird öffentlich
Emins Erfahrungen mit Krebs, Operation und Behinderung werden in der Ausstellung direkt thematisiert und unterstreichen ihre Missachtung jeglicher Trennung zwischen Privatem und Öffentlichem. Die kürzlich entstandene Bronzeskulptur „Ascension 2024“, die Emins neues Verhältnis zu ihrem Körper nach einer schweren Blasenkrebsoperation erforscht, wird durch neue Fotografien ergänzt, die das Stoma zeigen, mit dem sie nun lebt.
- Tracey Emin, I never asked to Fall in Love – You made me Feel like this, 2018 © Tracey Emin. All rights reserved, DACS 2026
Tracey Emins zweites Leben
Die Ausstellung gipfelt darin, dass die Künstlerin die Dimensionen ihres zweiten Lebens in der Malerei erforscht. Obwohl Schmerz und Herzschmerz weiterhin präsent sind, bieten Emins ambitionierte großformatige Gemälde eine transzendente, spirituelle Qualität und zeugen von ihrer unerschütterlichen Entschlossenheit, im Hier und Jetzt zu leben.
Die Skulptur „Death Mask“ (2002), die stets auch eine dunkle Seite offenbart, steht inmitten dieser raumgreifenden Gemälde und illustriert ein erfülltes Leben. Über die Mauern der Galerie hinaus wird die monumentale Bronzeskulptur „I Followed You Until The End“ (2023) die Landschaft vor der Tate Modern prägen und Passant:innen einladen, Emins bahnbrechendes, eindringliches Werk zu erleben.
Kuratiert von Maria Balshaw, Direktorin der Tate, und Tracey Emin.
Quelle: Tate Modern, London
Werke
- Tracey Emin, My Bed 1998 (Tate. Lent by The Duerckheim Collection 2015, On long term loan © Tracey Emin)
- Tracey Emin, I am The Last of my Kind, 2019
- Tracey Emin, I followed you to the end, 2024 (Yale Centre for British Art)
- Tracey Emin, I never asked to Fall in Love – You made me Feel like this, 2018
- Tracey Emin, I whisper to My Past Do I have Another Choice, 2010
- Tracey Emin, Mad Tracey from Margate. Everyone’s been there, 1997
- Tracey Emin, The End of Love, 2024 (Tate, London)
- Tracey Emin, Why I Never Became a Dancer, 1995
- Tracey Emin, Ascension, 2024
- Tracey Emin, Exorcism of the last painting I ever made, 1996
- Tracey Emin, Is This a Joke, 2009



