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Basel | Kunstmuseum Basel: The First Homosexuals 1869–1939

Veröffentlicht von ARTinWORDS.de Redaktion von 7. März 2026
Gerda Wegener, Lili mit einem Federfächer, Detail, 1920, Öl auf Leinwand, 79.69 x 59 cm (Privatsammlung, Dänemark)

Gerda Wegener, Lili mit einem Federfächer, Detail, 1920, Öl auf Leinwand, 79.69 x 59 cm (Privatsammlung, Dänemark)

Die Ausstellung „The First Homosexuals“ im Kunstmuseum Basel widmet sich der frühen Sichtbarkeit von gleichgeschlechtlichem Begehren und Geschlechtervielfalt in der Kunst. Anhand von rund 100 Gemälden, Fotografien, Arbeiten auf Papier und Skulpturen wird beleuchtet, wie sich ab 1869 – dem Jahr der ersten Nennung des Begriffs „homosexuell” – neue Bilder von Sexualität, Geschlecht und Identität bildeten. Die vielschichtige Ausstellung öffnet den Blick auf queere Netzwerke, intime Porträts, kodiertes Verlangen und mutige Lebensentwürfe.

The First Homosexuals
Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939

Schweiz | Basel: Kunstmuseum Basel, Neubau
7.3. – 2.8.2026

David Paynter, Nachmittag, 1935, Öl auf Leinwand, 99 x 122 cm (Brighton & Hove Museums)
David Paynter, Nachmittag, 1935, Öl auf Leinwand, 99 x 122 cm (Brighton & Hove Museums)
Gerda Wegener, Lili mit einem Federfächer, 1920, Öl auf Leinwand, 79.69 x 59 cm (Privatsammlung, Dänemark)
Gerda Wegener, Lili mit einem Federfächer, 1920, Öl auf Leinwand, 79.69 x 59 cm (Privatsammlung, Dänemark)

The First Homosexuals in Basel

„The First Homosexuals“ zeichnet sowohl das kulturelle und künstlerische Schaffen als auch die frühe Geschichte der LGBTQIA+-Community nach. Die frühe künstlerische Auseinandersetzung mit Geschlecht und Identität im späten 19. und beginnenden 20. Jahrhundert setzte Mitte des 19. Jahrhunderts ein. Das Kunstmuseum Basel stellt Künstler:innen und Schriftsteller:innen vor, die sich offen mit homosexuellen und transsexuellen Identitäten auseinandersetzten und diese teilweise auch lebten.

Eine erste Version der Ausstellung wurde von Alphawood Exhibitions im Wrightwood 659 in Chicago gezeigt (2.5.–2.8.2025) – recherchiert und kuratiert vom US-amerikanischen Kunsthistoriker Jonathan D. Katz in Zusammenarbeit mit Johnny Willis und anderen Wissenschaftler:innen weltweit. Die Basler Adaption kombiniert internationale Leihgaben – manche davon werden zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen sein – mit den reichen Beständen des Kunstmuseums. Zusammen ermöglichen die Kunstwerke Einblicke in die Genese eines Begriffes, der heute selbstverständlich Teil der Identität eines Menschen und unserer Gegenwart ist.

 

Die Entstehung neuer Identitäten 1869–1939

Der Begriff „homosexuell” wurde 1869 erstmals im deutschen Sprachraum verwendet und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen substanziellen Wandel. Ursprünglich bezeichnete er die gleichgeschlechtliche Begierde, doch bald wurde er zu einer Identitätskategorie für all jene, die gleichgeschlechtlich lieben oder sich nicht mit ihrem biologisch zugewiesenen Geschlecht identifizieren. In dieser Zeit setzten sich Künstler:innen auf unterschiedliche Weise mit dem Thema auseinander: Sie porträtierten Freund:innen, hielten den Alltag von Paaren fest oder experimentierten mit Geschlechterrollen. Die Kunst bot ihnen Freiräume und Mittel, um auszudrücken, wofür es noch keine Worte gab.

 

Akte des Begehrens

Das Kunstmuseum Basel verfolgt unter anderem die Entwicklung der Aktdarstellung im Zusammenhang mit den sich wandelnden Vorstellungen von Sexualität. Gezeigt wird auch, wie Freundschaft und vertraute kunsthistorische Motive als diskrete (und in einigen Fällen auch weniger diskrete) Codes für gleichgeschlechtliches Verlangen dienten.

 

Kolonialistische Blicke

Die Ausstellung blickt auch über Europa hinaus und untersucht, wie europäische Künstler:innen gleichgeschlechtliches Verlangen den kolonialen Gebieten zuschrieben und wie Künstler:innen weltweit diese koloniale Vorherrschaft infrage stellten und sich ihr widersetzten.

Kuratiert von: Rahel Müller und Len Schaller.

„The First Homosexuals“: Katalog

Begleitend zur Ausstellung im Wrightwood 659 hat Monacelli Press einen umfangreichen Katalog herausgegeben, der 22 aufschlussreiche Essays von führenden Expert:innen für Kunst- und Queer-Geschichte enthält, die sich jeweils auf eine geografische Region konzentrieren – von Japan über Australien bis hin zu den indigenen Völkern Südamerikas.

  • André Dombrowski, When the "urning" paints : German art and the birth of the homosexual, S. 44–49.
  • Catherine Gonnard, Tirza True Latimer, Unbecoming women : becoming lesbians in the arts, 1850s-1920s France, S. 80–87.
  • Juan Vicente Aliaga, Between discretion and daring : art as escape and homosexual survival in early-twentieth-century Spain, S. 112–119.
  • Ara H. Merjian, Paradise of vice : southern Italy in the homosexual imagination from the fin de siècle to fascism, S. 119–125.
  • Jonathan D. Katz, Gendering and degendering : the homosexual image in American art, S. 202–207.
  • Johnny Willis, Not naming : lesbian Canadian art and its erasure, S. 208–212.
  • Esther Gabara, Liberation and injury : an inverted visual history of "homosexualism" in Mexico, S. 213–219.
  • Joseph Shaikewitz, Inversions : errancy and abundance in Brazil and the Southern Cone, S. 236–243.
  • Eduardo Carrera, Art, gender, and colonial legacies : queer' histories and temporalities in Abya Yala, S. 244–249.
  • Thadeus Dowad, A mosaic with missing parts : art & "homosexuality" in the modern Middle East & North Africa, S. 306–314.

 

Bilder

  • Gerda Wegener, Lili mit einem Federfächer, 1920, Öl auf Leinwand, 79.69 x 59 cm (Privatsammlung, Dänemark)
  • David Paynter, Nachmittag, 1935, Öl auf Leinwand, 99 x 122 cm (Brighton & Hove Museums)

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