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Paris | Musée d’Orsay: Signac als Sammler

Georges Seurat, Der Zirkus, Detail, 1890/1891, Öl auf Leinwand, 185,5 x 152,5 cm (Musée d’Orsay, Paris)

Georges Seurat, Der Zirkus, Detail, 1890/1891, Öl auf Leinwand, 185,5 x 152,5 cm (Musée d’Orsay, Paris)

Seit etwa 15 Jahren ist das Sammeln ins Zentrum des Interesses der Forschung gerückt; seither sind zahlreiche Studien, Ausstellungen und Publikationen zu diesem Thema erschienen. In diesem Rahmen ist die Sammlung von Paul Signac ein echter Glücksfall, da sie den Blick und die Vorlieben eines Künstlers widerspiegelt, der in der Kunstszene seiner Zeit besonders aktiv war. Die Zusammenarbeit mit dem Archiv Signac, das neben der Korrespondenz des Künstlers seine Notizbücher verwahrt, in denen er seine Einkäufe dokumentierte, ermöglicht eine genaue Zählung der Gemälde, Zeichnungen und Drucke, die ihm gehörten.

Signacs Sammlung

Als Autodidakt lernte Paul Signac seinen Beruf, indem er sich die Werke der Impressionisten anschaute, insbesondere die Gemälde von Claude Monet, Edgar DegasGustave Caillebotte oder Armand Guillaumin, die zum größten Teil in seiner Sammlung enthalten sind. Aus einer wohlhabenden Familie stammend, ohne reich zu sein, konnte Signac wichtige Kunstwerke zusammentragen, jedoch musste er seine Entscheidungen gut reflektieren. Von Anfang an stellt ihn die Rolle, die er bei der Gründung und dann in der Organisation des Salon des artistes indépendants [Salons der unabhängigen Künstler] spielte, dessen Präsident er 1908 wurde, an den Scheideweg der verschiedenen Strömungen der Avantgarde.

Seine erste Anschaffung war eine Landschaft von Paul Cézanne. 1887 kaufte Signac ein Gemälde von Maximilien Luce, „La Toilette“ (Genève, Musée du Petit Palais), aus der III. Ausstellung der Indépendants, was den Beginn ihrer Freundschaft markierte.

Während Paul Signac oft Werke seiner neoimpressionistischen Freunde bevorzugte, insbesondere die von Georges Seurat (→ Georges Seurat, Erfinder des Pointillismus), Camille Pissarro, Maximilian Luce oder Henri-Edmond Cross, interessierte er sich auch für die Werke der Nabis, Pierre Bonnard, Edouard Vuillard, Ker-Xavier Roussel, Maurice Denis und Félix Vallotton. Die Sammlung Signacs bietet auch einige Überraschungen, darunter weniger Erwartetes, wie einen schönen Odilon Redon oder ein „etwas lüsternes“ Gemälde von Walter Sickert.

In der nächsten Generation führte seine Leidenschaft für die Farbe dazu, dass er die Fauves liebte, insbesondere Kees van Dongen, Henri Matisse, Charles Camoin und Louis Valtat. Denn der Autor des weit verbreiteten Bandes „D'Eugène Delacroix au néo-impressionnisme [Von Eugène Delacroix zum Neoimpressionismus]“ (1899) lehrte von Anfang an, dass der Fauvismus seinen Ausgangspunkt im Neoimpressionismus gehabt hätte.
1905, im Jahr nach der Entstehung von Henri Matisses „Luxe, calme et volupté“ (1904, Paris, musée d’Orsay), erwarb Paul Signac dieses frühe Hauptwerk des Künstlers. Es blieb bis zu seinem Lebensende in seinem Besitz. Nach dem Tode Signacs verblieb es in Familienbesitz und ging an Signacs Tochter, Ginette Signac (1913–1980), über.

Kuratiert von Laurence des Cars, Direktorin des Louvre, Marina Ferretti, ehemalige wissenschaftliche Direktorin des Musée des Impressionismes in Giverny und Spezialistin für das Werk von Signac, sowie Charlotte Hellmann, Direktorin des Archives Signac

Signac als Sammler: Bilder

  • Georges Seurat, Der Zirkus [Le cirque], 1890–1891, Öl/Lw, 186 x 152 cm (Musée d'Orsay, legs John Quinn, 1924 ©© Musée d'Orsay, Dist. RMN-Grand Palais / Patrice Schmidt)

Beiträge zu Paul Signac

15. Juli 2021
Paul Signac, Le port de Saint-Tropez [Der Hafen von Saint-Tropez], 1901/2, Öl auf Leinwand, 131 x 161,5 cm (The National Museum of Western Art, Tokio, ehemals Museum Folkwang, Hagen/Essen)

Essen | Museum Folkwang: Impressionismus RENOIR, MONET, GAUGUIN. Bilder einer fließenden Welt

Die bedeutende Sammlung spätimpressionistischer Werke aus dem Museum Folkwang tritt in Dialog mit der Sammlung Kojiro Matsukatas aus den Beständen des National Museum of Western Art in Tokio.
3. Juni 2021
Paul Signac, Zeitalter der Harmonie, 1893–1895, Öl auf Leinwand, 312 × 410 cm (Mairie de Montreuil, Paris)

Paul Signac: Biografie Lebenslauf des Hauptvertreters des französischen Neo-Impressionismus

2. Juni 2021
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Paris | Musée Jacquemart-André: Paul Signac Farbige Harmonien des „Apostels“ des Neoimpressionismus

Paul Signac im Musée Jacquemart-André gibt einen aufschlussreichen Überblick zum Werk des französischen Malers, Aquarellisten und Tuschezeichners.

Aktuelle Ausstellungen

19. September 2021
Hermann Carl Eduard Biewend, Ich und mein Luischen, Detail, 1851, kolorierte Daguerreotypie (Private Sammlung © Collection H. G.)

Schweinfurt | Museum Georg Schäfer: Frühe Jahre der Fotografie Neue Wahrheit? Kleine Wunder!

Erste Präsentation einer britischen Privatsammlung zu Louis Daguerre, Daguerreotypien aus EU & USA, Karikaturen, Stereofotografie, Porträts und einer seltenen Ambrotypie.
19. September 2021
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Riehen b. Basel | Beyeler: Close Up. Berthe Morisot bis Elizabeth Peyton

Die Ausstellung zeigt Werke von Künstlerinnen, deren Schaffen herausragende Positionen innerhalb der Geschichte der Moderne seit 1870 bis heute darstellen. Es ist der Zeitraum, zu dessen Beginn es Künstlerinnen in Europa und Amerika erstmals möglich wurde, auf breiter Basis professionell tätig zu sein.
18. September 2021
Alicja Kwade, Selbstporträt, 2020, Courtesy of the artist; KÖNIG GALERIE, Berlin/ London/ Seoul/ Decentraland, Foto: Roman März

Berlin | Berlinische Galerie: Alicja Kwade. In Abwesenheit

Alicja Kwade (* 1979) erarbeitet 2021 eine ortsspezifische Installation in der ersten großen Ausstellungshalle der Berlinischen Galerie.